Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
486
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wenigen Jahren, als ich nach ſo vielen Stürmen das Be⸗ dürfniß nach Ruhe in mir fühlte, entſann ich mich des Mädcheus, und mit der Erinnerung tauchte plötzlich der Gedanke in mir auf, daß ich ein Narr ſei, länger ſo allein durch das Leben zu pilgern. Je länger ich dieſem Gedan⸗ ken nachhing, deſto lebendiger ward der Wunſch in meiner Seele, ein Weib heimzuführen, und Sie werden es wohl erklärlich finden, daß meine Wahl auf meine Nichte fiel, die jetzt zur blühenden Jungfrau heraugewachſen ſein mußte. Ich ſuchte jetzt die Briefe ihrer Pflegeeltern, die

Jjahrelang unbeachtet in meinem Pulte gelegen hatten, her⸗ vor und fand unter ihnen hier und da auch einige Zeilen von Eleonore, die mir zur Eröffnung eines Briefwechſels mit ihr hinreichende Anknüpfungspunkte boten. Ich hütete mich wohl, ihr von vorn herein meine Abſicht zu entdecken; erſt als ich wußte, daß ihr Herz noch frei war, und nach⸗ dem ſie mich hier beſucht, und ich ſie perſönlich kennen ge⸗ lernt hatte, trug ich ihr meine Hand an.

Und ſie nahm Ihren Antrag an? fragte Gottfried haſtig, als der alte Herr eine Pauſe machte.

Ich weiß es nicht, entgegnete Meyer kopfſchüttelnd, auf jenen Brief erwarte ich noch heute ihre Antwort. Es mögen jetzt drei Monate darüber verſtrichen ſein, und ich kann mir den Grund des Stillſchweigeus nicht erklären. Zürnt ſie mir, warum ſagt ſie mir dies nicht offen? willigt ſie ein, meine Gattin zu werden, wodurch ſie doch allein dem drückenden Verhältniß, in welchem ſie zu ihren Pflege⸗ eltern ſteht, entrinnen kann, weßhalb zögert ſie, mir das Jaloort zu geben? Faſt vermuthe ich, daß einer ihrer Briefe verloren gegangen oder unterſchlagen worden iſt, und um mir über die Sache Aufſchluß zu verſchaffen, um zu wiſſen, woran ich bin, werden Sie die Güte haben,

morgen zu Eleonore zu reiſen und die Antwort auf meinen Brief zu holen. Gottfried erhob ſich. Warten Sie noch einen Augenblick, fuhr der Kauf⸗

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

mann fort,Sie wiſſen ja noch nicht, wie das Mädchen heißt und wo es wohnt. Das Alles iſt mir ſeit geſtern Abend bekannt, erwi⸗

derte der junge Mann, äußerlich eine Ruhe heuchelnd, der

ſein Herz fremd war.Sie heißt Eleonore Gerolt und wohnt in C., in demſelben Städtchen, in welchem ich vor drei Monaten noch als Poſtſecretär meinen Wohnſitz hatte. Ich bedaure, Ihrem Wunſche nicht willfahren zu kön⸗ nen; Feind jeder Verſtellung und Heuchelei erkläre ich Ihnen, daß ich ſelbſt mich um Herz und Hand Ihrer Nichte bewerbe und um den Beſitz derſelben mit Ihnen kämpfen werde, unbekümmert darum, ob ich als Sieger

aus dieſem Kampfe hervorgehe oder in demſelben unter⸗

liege. Zornig war der Kaufmann in die Höhe gefahren und dicht vor den Redeuden hingetreten.So lohnen Sie mein Vertrauen und meine Güte? brau uf.Sie wollen es wagen, mit mir, dem Sie Alles verdanken, in die Schranken zu treten? Was hindert mich, Sie ſofort als einen hinterliſtigen Spion, der nur hierher gekommen iſt, um meine Schritte beſſer beobachten zu können, zu entlaſſen? Wer bürgt mir dafür, daß nicht Sie es ſind, der den erwarteten Brief meiner Nichte unterſchlagen hat?

Sie werden beleidigend, fiel Gottfried dein Erzürn ten gelaſſen in's Wort,vergeſſen Sie nicht, daß auch die Rückſicht, welche die Jugend dem Alter ſchuldet, ihre Gren⸗ zen hat. Von allen Vorwürfen, mit denen Sie in einem Athemzug mich überhäufen, iſt nicht einer gegründet, ich habe bis jetzt ebenſowenig ein Reſultat meiner Bewerbung um die Hand Ihrer Nichte wie Sie, und bis geſtern Abend war's mir noch unbekanut, daß ich in Ihnen einen Nebenbuhler beſaß. Sei dem aber auch, wie ihm wolle, können Sie's mir verbieten, wenn ich mit Ihnen den Kampf wage? Haben Sie ein größeres Recht auf die Hand Eleonore's, als ich? Sie ſühd ihr Oheim; zugege⸗ ben, daß dieſer Umſtand Sie dem Mädchen näher ſtellt,

rigkeit, eine große Heerde durch ein ſolches Waſſer zu treiben. Man verfährt dabei ſo, daß man einige Hundert Häupter von der großen Maſſe abſondert und dann jene mit Schlägen und durch Geſchrei an das Ufer treibt. Sobald ſie einmal im Waſſer ſind, ſchwimmen ſie etwa zu zehn oder zwölf neben einander in dichten Reihen und brechen ſolchergeſtalt die Kraft des Stromes. Manch⸗ mal kommt es freilich auch vor, daß die zuvorderſt ſchwimmenden mitten im Fluß eine Schwenkung machen, die ganze Heerde rück⸗ wärts führen und ſolchergeſtalt einen Ring bilden; dann muß man wieder von vorne anfangen und hat große Mühe, die Thiere hinüber zu treiben. Uebrigens gewährt ein ſolches Durchſchwim⸗ men großer Heerden einen prächtigen Anblick.

Am andern Ufer wurden die Ochſen dem Käufer zugezählt, und gleich am nächſten Tage ſetzte ſich der Zug gen Süden in Bewegung nach dem 170 engliſche Meilen entfernten Fluſſe Mac⸗ quarie. Sämmtliche Häupter waren über drei Jahre alt, von großem kräftigem Schlage, und koſteten durchſchnittlich drei Pfund und zehn Schilling, alſo ungefähr zwanzig deutſche Thaler.

Von nun an hatten die Menſchen ſaure Arbeit. Bei Tages⸗ anbruch wurde das Lager aufgehoben; der Schaffner ſchlug unter Beihülfe der Schwarzen das Zelt ab, und das Vieh wurde weiter getrieben. Darchy ritt voraus und ſuchte paſſende Haltplätze für die Mittagszeit. Dann und wann traf man noch Hirtenhäuſer, wo man friſches Fleiſch haben konnte; auch waren die Schwarzen auf der Jagd glücklich. Nach dreiſtündiger Raſt zog man weiter und legte bis zum Abend noch eine kleine Strecke zurück, doch am ganzen Tage ſelten mehr als zehn engliſche Meilen. Zwei Stunden vor Sonnenuntergang mußte man Halt machen, damit das Vieh weiden konnte. Bei Nacht war der Dienſt weit

beſchwerlicher als am Tage. Sehr oft wurden die Ochſen un⸗ ruhig und wollten ſich nicht niederlegen; bei Dunkelheit mit Sturm oder unruhigem Wetter waren ſie immer in Bewegung. Manchmal kam aus unbekannter Urſache ein plötzlicher Schrecken unter ſie, und dann brachen ſie durch, trotz alles Geſchreis der Wächter, welche Feuerbrände ſchwenkten, um ſie zurückzutreiben.

Am Morgen mußte man ſie dann von weit und breit her zuſam⸗ mentreiben. Uebrigens haben die Ochſen, gleich den Menſchen, us, welche Thiere Einfluß auf die andern den in beſondere Obhut genommen, und 4 mit ihrer Hülfe iſt es verhältnißmäßig leicht, die verſprengten

ein Gefühl von der Nothwendigkeit, Oberhäupter und Führer an zuerkennen. Der Squatter findet mit ſeinem geübten Blick ſchon nach wenigen Tagen hera haben. Dieſe Leiter wer

Ochſen wieder zuſammenzubringen.

Darchy und Leuba zogen von Uiua am Nammoy zwanzig Tage lang durch die Liverpool⸗ und Caſtlereagh⸗Ebene und kamen dann an den Macquarie, der eben ſo breit iſt wie die Elbe bei Dres⸗ den. An ſeinen Ufern trifft m Anſiedelungen von ackerbautreibenden Leuten. Folge der Ueberſchwemmungen das Waſſer ſehr hoch und mußte acht Tage liegen bleiben, ehe er die Ochſen hinübertreiben konnte. Die Schwarzen bauten raſch ein Paar Kähne aus der Rinde d Gummibäume, und ſ di A Die Wagen wurden derart hinübergezogen, daß man leere Tonnen an ſie band und die Pferde an langen Stricken vorſpannte. ganze Land zwiſchen den Flüſſen Macquarie und Lachlan bildete eine weite, mit Gummibäumen und Mimoſen beſtandene, zur Schafweide geeignete Ebene.

Am 24. September waren die Reiſenden drei Tage lang

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