Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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die er ſeit jenem Ballabend zu ihr im Herzen getragen hatte, die mit jedem Tage gewachſen war und jetzt ſein ganzes Deuken, ſein ganzes Sein ausfüllte. Als er den Brief geſiegelt und adreſſirt hatte, ward es ruhiger in ſei⸗

ner Seele; der Würfel war gefallen, und was das Schick⸗

ſal nun auch beſchließen mochte, er wollte dem Spruch deſ ſelben feſt und ruhig wie ein Mann entgegenſehen. Seit ſeinem Austritt aus dem Staatsdienſte hatte überhaupt ſein Charakter an Energie und Feſtigkeit gewonnen; früher

eine Maſchine, war er jetzt auf ſich ſelbſt augewieſen, und

das Ringen und Streben nach einem beſtimmten Ziele bildete den ſchüchternen Jüngling raſch zum Manne. Er gab den Brief zur Poſt und trat dann, ohne über die Folgen ſeines Zwiſtes mit den Collegen eine Beſorgniß zu hegen, in's Comptoir. Das ungnädige Kopfnicken, mit welchem Meyer ihn empfing, die höhniſchen Blicke, die der Buchhalter, wie der Volontair ihm zuwarfen, erweckten allerdings die Befürchtung in ihm, daß er einer Kataſtrophe entgegengehe, die ſeinem geträumten Glücke vielleicht eine ganz andere, ſchlimme Wendung geben könne. Ohne in⸗ deß äußerlich eine Unruhe darüber an den Tag zu legen, trat er an ſein Pult, um ſeine gewohnte Arbeit zu verrich⸗ ten. Kaum aber hatte er die Vorbereitungen dazu ge⸗ troffen, als der Kaufmann ihn erſuchte, ihm in ſein Cabi⸗ net zu folgen, da er einige Worte mit ihm zu reden wünſche.

Ich liebe es, meinen Leuten gegenüber frei und offen aufzutreten, nahm Meyer das Wort, als der junge Mann ſich in den ihm angebotenen Seſſel geſetzt hatte; mancher andere Principal zieht allerdiugs vor, die ihm zu Ohren gekommenen Gerüchte zu verheimlichen und im Stillen ſeine Beobachtungen anzuſtellen; wer nun beſſer dabei wegkonimt, ich oder jener, weiß ich nicht. Sie ver⸗ ließen geſtern Abend ſchon früh mein Haus, und es war mir ſehr unangenehm, Sie bei meiner Rückkunft nicht mehr zu finden. Darf ich Sie bitten, mir den Grund

Uovellen-

Zeitung.

anzugeben, der Sie bewog, ſo bald den Heimweg anzu⸗ treten?

Gottfried ſah dem Principal ruhig in's Auge.Er⸗ laſſen Sie mir die Antwort, entgegnete er,zu einer Lüge bequeme ich mich nicht gern, und wollte ich die Wahrheit ſagen, ſo würde mir dies vielleicht in Ihren Augen den Anſchein geben, als wolle ich den Spion und Angeber in Ihrem Hauſe ſpielen.

[VIII. Jahrg.

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Meyer ſah betroffen auf. lich.Welches Ihr Grund auch ſein mag, der Ihnen Schweigen auferlegt, ſo will ich denſelben vorläufig ehren und nicht weiter in Sie dringen. Jetzt aber zur Haupt⸗ ſache! Verſchiedene Gerüchte, die mir zu Ohren gekom⸗ men ſind, bezeichnen Sie als einen Duckmäuſer, der hinter einem ſcheinheiligen Weſen ſeinen wahren Charakter zu

verbergen ſtrebe. Man wirft Ihnen vor, ſeien ein Spieler, und eine Fälſchung der Bücher hnen die

Entlaſſung aus dem Poſtdienſte zugezogen. Wäre der Poſtmeiſter nicht ein ſpecieller Freund Ihres Vaters und Ihnen ſehr gewogen geweſen, ſo würden Sie unfehlbar vor die Schranken des Gerichts geſtellt worden ſein, ſo aber habe dieſer Ihr Verbrechen verheimlicht und ſich da⸗ mit begnügt, Sie zu entlaſſen.

Gottfried war entrüſtet aufgeſprungen, Zornesgluth übergoß ſein Antlitz, und mit flammenden Augen trat er dicht vor den beſtürzten Principal hin.Wer hat es ge⸗ wagt, dieſe Verleumdungen zu erfinden? donnerte er.

N Sie mir den Hallunken; wenn er die Stirne ha Nennen S 3 tirne hat,

ſeine Behauptung wahr zu halten, ſo mag er ſie hier in Ihrer Gegenwart vor mir wiederholen!

Ruhig, ruhig! fiel Meyer dem Erzürnten in's W man hat jeue Beſchuldigungen durchaus nicht behauptet, ſondern nur als Vermuthungen hingeworfen; doch gleich⸗ viel, ich liebe die Offenheit und bin nicht gewohnt, auf krummen Wegen mich meinem Ziele zu nähern. Ich habe

Sie protegirt, weil ich Sie meiner beſonderen Gunſt wür⸗

Feuilleton.

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Die Romantik der Viehzucht in Auſtralien.

Bekanntlich hat der fünfte Erdtheil bis jetzt ſeinen ökono⸗ miſchen Werth beſonders dadurch bekundet, daß nirgend in der Welt das Schlachtvieh ſo vorzüglich gedeiht, als auf ſeinen fruchtbaren Wieſenflächen. Sie werden eine Lieferungsquelle für die halbe bewohnte Welt bilden. Nicht leicht aber, ſondern ſehr abenteuerlich iſt es, in jenen Wildniſſen die Viehzucht zu betreiben. Das Nachfolgende aus der Chronik der Reiſen entwirft ein leb⸗ haftes Bild davon:

Etwa acht deutſche Meilen von Melbourne, der Hauptſtadt der goldreichen Provinz Victoria, welche den Südoſten des auſtra⸗ liſchen Feſtlandes einnimmt, liegt das Dorf Yering am Fluſſe Yarra. In dieſem Orte haben ſich auch einige Schweizer nieder⸗ gelaſſen; ſie treiben Ackerbau und Viehzucht..

Eines Nachmittags lagen oder ſaßen die Gebrüder Caſtella gemüthlich unter dem ſchattenſpendenden Vordach ihres Hauſes. Gleich

Plötzlich ſprang der Hund auf, bellte froh und lief weg. nachher kam er mit einem alten Bekannten zurück, der vor vielen Monaten Nering verlaſſen hatte, um die weite Reiſe von Sidney nach Adelaide durch das Innere zu machen. Dieſer junge Mann

hieß Ernſt Leuba. Er war völlig abgeriſſen und abgemagert,

ſah ganz braun aus und war ziemlich in derſelben Verfaſſung. früher, aber

wie einſt unſer Fridrich Gerſtäcker, welcher allein und nur von einem Schwarzen begleitet, als einer der Erſten, das Wageſtück unternommen hatte, von Neuſüdwales aus am Murray hin durch die Wüſte nach Adelaide zu wandern. Als er dort eintraf, ſah er aus wie einTeufel aus dem Buſch Dieſen Ausdruck haben wir aus dem Munde eines Landsmannes, welcher ihm bei ſeiner Ankunft in den Straßen von Adelaide be⸗ egnete. 3 So mag ſich wohl auch der Schweizer Leuba ausgenommen haben; auch er kam zu Fuß an und gab, nachdem die erſte Be⸗ grüßung vorüber war, einige Erläuterungen. Sein Pferd war am Murray geblieben; er ſelber nahm ſich höchſt maleriſch aus in ſeiner blauen Leinwandhoſe, einem einſtmals rothen Flanell hemde und einem abgetragenen grauen Ueberziehrocke, der ihn. aber viel zu weit geworden war. Auf dem Kopfe trug er den claſſiſchen,Hut der Leute im Buſch; er wird aus den des Kohlbaumes geflochten. daß er ſeit Monaten auf keinem weich

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