Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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als ihn Colani einlud ſich neben ihn zu ſtellen, da er ihm etwas zeigen wolle. Ha, dachte Lenz, will er mich prüfen oder etwa gar hinabſtoßen? Nun, dann ſoll er auch mit in die Tiefe. Spotten ſoll er meiner nicht! Beherzt trat er heran, und Colani zeigte ihm zwei verirrte Pferde, welche ſo fern waren, daß ſie die Größe eines Fingerhutes hatten. Endlich ging er weiter an dem Abgrunde hin, von Zeit zu Zeit legte ſich Colani an den Rand und ſah hin⸗ unter, Lenz aber ſtand neben ihm dicht am Rande, den Gewehrkolben an eine Felszacke geſtemmt, und bog ſich über den Rand, um in die Tiefe zu ſehen. Um ihn brauſte der Sturmwind und plätſcherten kleine Bäche Schnee⸗ waſſers. Da hörte er ein gewaltiges Sauſen über ſich und einen grellen Pfiff Colani's. Lenz ſchaut empor und bemerkt, daß eben ein Lämmergeier über ihm hinſchießt, der ihn hatte hinabſtoßen wollen, welchen Colani aber rechtzeitig bemerkt und durch ſein Pfeifen verſcheucht hatte. Lenz dankt für die Lebensrettung, verlangt aber dringend nach der verſprochenen Gemſenjagd.

Nach einigen Tagen hielt Colani endlich Wort, ſchien aber den fürchterlichſten Weg ausgeſucht zu haben, den er kannte, und welchen er ſelbſt nur einmal vor zehn Jahren gegangen war. Als ſie nach anſtreugendem Steigen ſich tief im Gebirge befanden, ſagte Colani:Jetzt kommt ein fürchterlicher Weg; ich weiß nicht, ob er. noch gangbar iſt und ob Sie mitkönnen. Das war eben keine ermuthigende Einladung. Sie ſtanden vor einer ſeukrechten Felſenwand, an welcher ein Geſims hinlief, welches ſie betraten, die Flinte auf den Rücken gehängt.Gehen Sie immer hinter mir! befahl Colani und betrat den furchtbaren Jägerſteig, der Anfangs 12 Fuß breit, aber mit lockerer, ſteilliegender Erde bedeckt war, welche unter jedem Fußtritt hinwegglitt, ſo daß die Wanderer immer ein Stück hinabrutſchten und Gefahr liefen ganz hinabzugleiten und in den Abgrund zu ſtürzen. Deßhalb gingen ſie dicht an der Felswand, an welche ſie die linke Schulter anlehnten.

Nach etwa 10

Uovellen-Zeitung.

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Minuten verengte ſich dieſer Pfadſaum auf 10 Fuß, doch wurde er nun felſig. Nachdem die Beiden hier ein wenig ausgeruht hatten, ſetzten ſie den Weg fort, mußten wieder⸗ holt über Spalten ſchreiten, ſo daß ſie den Abgrund unter den Füßen hatten; dabei wurde der Pfad ſchmaler und ſchmaler, zuletzt nur 3 Fuß breit, und wand ſich noch dazu um vorſpringende Felsmaſſen. Lenz hielt die rechte Hand vor das Geſicht, um nicht vom Schwindel erfaßt zu wer⸗ den, denn unter ihm hatten die hohen Tannen nur die Größe eines Fingers. Nach langem Gehen rief Colaui: Vorſicht! denn der Weg war nun zu Ende. Man mußte ſich über eine Kluft um eine Felſenecke ſchwingen, um in eine Schlucht und in dieſer hinauf auf die Oberfläche des Berges zu kommen. Colani faßte die links ſtehende Fels⸗ zacke, ſetzte den linken Fuß auf einen 12 Zoll breiten Vorſprung, hielt die rechte Seite des Körpers ſchwebend über dem Abgrunde, ſchwenkte ſich um die Ecke und ſprang in die Schlucht. Lenz erſchrak, aber er folgte Colani's Beiſpiel und kam nach 12 gefährlichen Schritten in die ſichere Querſchlucht. Dort empfing ihn Colani mit freundlichem Handſchlag und den entſetzlichen Worten: Ich hätte nicht gedacht, daß wir hier noch bei einander ſein würden.

Lachend und ſcherzend ging es nun weiter; dann glit⸗ ten ſie 1000 Fuß weit einen ſteilen graſigen Abhaug, auf der einen Seite liegend und mit den Händen hemmend, hinab, und kamen zwei Gemſen nahe, von denen Lenz eine ſchoß, die aber in den Abgrund ſtürzte. Hierauf kletterten ſie durch ein mit Steintrümmern beſetztes Thal, als Colani plötzlich im Zorn rief:Verdammt, ich kenne ihn nicht! Wir müſſen hinauf. Furchtbare Wege ging es im Lauf hinauf an thurmhohen ſteilen Felſen, mit den Händen am Gras ſich haltend, über Klüfte und Steinblöcke. Endlich kommen ſie oben an, unter ihnen ſteht ein fremder Jäger, der durch's Fernrohr nach Gemſen umſchaut. Colani legt an und will ihn erſchießen. Lenz unterſagt ihm das, in⸗

denſelben große Anerkennung ſchenken muß. So zeichnen ſich unter anderm die Portraits durch ihre vortreffliche Behandlung meiſt vortheilhaft aus, und wollen wir in dieſer Beziehung nur

nelli's und des Herzogs von Koburg-Gotha anführen. Von an⸗

diejenigen des preußiſchen Königspaares, Victor Emanuel's, Ge⸗

dern Illuſtrationen ſcheinen uns folgende beſonders hervorzuheben:

Vor den Thoren Leipzigs am 19. Octbr. 1813; Winkelried's Ab⸗

ſchied von ſeiner Familie; Die heilige Nacht, Weihnachtsbild;

Bürgermeiſter Wenge von Solothurn; Die deutſche Tricolore.

Die Ausführung von Genelli'sEntführung der Europa kann

als ein Muſterwerk künſtleriſcher Technik in Zeichnung und Schnitt angeſehen werden, und dürfte keine der illuſtrirten Zeitungen des In⸗- und Auslandes derartige Productionen aufzuweiſen haben. Noch wollen wir nicht unerwähnt laſſen, daß Weber's Illuſtrirte Zeitung das erſte deutſche illuſtrirte Blatt im großen Styl der franzöſiſchen und engliſchen illuſtrirten Zeitungen war und daß dieſelbe die Ausbildung der Xylographie in Deutſchland zur jetzi⸗ gen hohen Stufe der Vollkommenheit weſentlich gefördert hat. Dem unermüdlich ſtrebenden Verleger und Herausgeber der Illu⸗ ſtrirten Zeitung, welcher dieſelbe ſeit zwanzig Jahren unter Be⸗ theiligung der tüchtigſten literariſchen Mitarbeiter und Künſtler durch alle Strömungen der Zeit und gegen manche Concurrenz mit feſter Hand geführt und nach jeder Seite hin auf dem Niveau der Zeit gehalten hat, ſei die verdiente nerkennung gezollt; möge er in ſeinen Beſtrebungen unverdroſſen und unbeirrt fortfahren!

men der unverantwortlichen Miniſter, die Vernunft iſt die Land⸗ tagsverſammlung der Verſtandesgeiſter. Sie wiſſen, was Leiden ſchafft, aber ſie huldigen keiner Leidenſchaft.

Miscellen.

Mannigfaltiges.

In einer der Vorſtädte von Nantes, Saint Martin, erwachte kürzlich ein Scheintodter, welcher faſt 60 Stunden in einer Lethar⸗ gie gelegen, in der Kirche Saint Laurent, als man eben ſeine Exe⸗ guien beging. Er ſchüttelte den Sarg ſo ſtark, daß die daneben ſtehenden Lichter faſt umfielen. Sogleich ſprengte man den Sarg⸗

Nr. 30.

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Reiſen wach Kreta, von Marie Hüänther. 1

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deckel, und nachdem man den wieder zum Leben Erwachten in der Sacriſtei gepflegt, kam er wieder völlig zu ſich und konnte von einem Arzte in dem Wagen nach Hauſe geleitet. werden. Wer ſchildert die freudige Ueberraſchung ſeiner Frau und ſeiner zwei Kinder?.

Worte für Welt und Haus.

Wer in letzter Inſtanz ſeine Gefühle um Rath fragt, wird zum Verräther an ſeiner Vernunft. Die Gefühle ſind die Stim⸗

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