Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
474
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und bei dieſer beſtändigen Heiterkeit eine Reihe Zähne ſehen ließ,

auf der Zunge ſchwebten, zurückzudrängen. Er wandte

ſich um, warf einen Blick verächtlicher Geringſchätzung auf Gottfried und zuckte die Achſeln.Es iſt merkwürdig, wie

ungebildet gewiſſe Leute ſich benehmen können, verſetzte er nach einer Weile.Man darf doch wohl von dem Ge⸗

bildeten erwarten, daß er eine Geſellſchaft ſofort verläßt,

wenn er fühlt, daß er nicht gern in derſelben geſehen iſt

oder nicht in ihren Kreis npaßt

Ausgenommen, wenn er bemerkt, daß ein Schurke ſich in derſelben befindet! fiel Gottfried, der ſeinen Zorn nicht länger zurückhalten konnte, ihm in die Rede, während er dicht vor den aufſpringenden Collegen hintrat.In dieſem Falle bleibt man, um zu beobachten, wie weit ein ſolcher Menſch in ſeiner Bosheit geht, denn es iſt die Pflicht eines Jeden, den Schurken zu entlarven und un⸗ ſchädlich zu machen, weun er dazu Gelegenheit findet.

Erdfahle Bläſſe überzog die ſchlaffen, ſcharf markirten Züge des Volontairs.Reden Sie mit mir? ſtotterte er endlich, mühſam nach Faſſung ringend.

Mit Ihuen nicht, wohl aber von Ihnen! erwiderte Gottfried mit eiſiger Kälte.Verlangen Sie Genugthu⸗ ung für den vermeiutlichen Schimpf, ſo ſtehe ich dazu bereit.

Sie ſind ein Unverſchämter! brauſte Lenkhorſt auf. Kümmern Sie ſich nicht um Dinge, die Sie nichts an⸗ gehen!

Die Ehre meines Principals iſt meine eigene Ehre, verſetzte Gottfried ruhig,und ich rathe Niemandem, ihr zu nahe zu treten.

Der Buchhalter, befürchtend, der Streit könne eine ernſte Wendung nehmen und gar in Thätlichkeiten ausar⸗ ten, war inzwiſchen ebenfalls aufgeſtanden und zwiſchen die beiden Collegen getreten.Sie gehen zu weit! wandte er ſich jetzt zu Gottfried.Lenkhorſt hegt durch⸗ aus nicht die Abſicht, die Ehre unſeres Principals zu ver⸗

letzen, die Erklärung wird Ihnen hoffentlich genügen!

[VIII. Jahrg.

Zudem habe ich wohl nicht nöthig, Ihnen zu ſagen, daß es meine Pflicht ebenſowohl wie die Ihre iſt, über den guten Ruf Meyer's zu wachen und jeder böswilligen Verleum⸗ dung energiſch entgegenzutreten. Wenn Sie Spaß von Ernſt nicht unterſcheiden können, ſo thun Sie beſſer in Ihren eigenen Räumen zu bleiben, deun einem Störenfried ſieht man am liebſten auf den Rücken.

Wenn Sie Reden, wie die, welche Lenkhorſt vorhin führte, Spaß nennen, ſo bedaure ich, in ſolcher Geſellſchaft Worte darüber verloren zu haben! entgegnete Gottfried. Meine Anſicht über jenen ſaubern Herrn nehme ich indeß nicht zurück, und was ich von Ihnen halte, mögen Sie er⸗ rathen! Er nahm ſeinen Hut und ging, ohne dem be⸗

ſtürzten Buchhalter Zeit zu einer Einladung zu laſſen,

hinaus. Als er die Treppe hinunterſtieg, hörte er Tritte hinter ſich, er blieb ſtehen und bemerkte zu ſeinem Erſtau⸗ nen, daß der zweite Commis ihm folgte.Wünſchen Sie etwas von mir, Klein? fragte er, als der College neben ihm ſtand.

Ja! erwiderte dieſer.Ich habe eine Bitte an Sie, deren Erfüllung mich glücklich machen würde.

Und dieſe iſt? fragte Gottfried, während er ſeinen Weg fortſetzte.

Nehmen Sie meine Freundſchaft an, fuhr der junge Mann fort.Ihr ehrenwerthes Benehmen vorhin ließ mich einen Blick in Ihre Seele werfen und zeigte mir deutlich den Uuterſchied zwiſchen Ihnen und unſeren übri⸗ gen Collegen. Sie werden oft genug bemerkt haben, mit welcher Hoffahrt und Geringſchätzung die beiden Pinſel mich behandeln, und vergebens ſehate ich mich bis jetzt nach einem Freunde, zu dem ich emporſchauen, mit dem ich meine kleinen Leiden und Freuden theilen könnte. Werde ich keine Fehlbitte thun?

Nein, gewiß nicht! entgegnete Gottfried, erfreut dem jungen Manne die Hand reichend.Schlagen Sie ein, auf Tod und Leben! Daß Sie gleich nach mir

Taille anſchließendes Gewand gekleidet. Sie war beſchäftiget Seide zu ſpinnen, die um eine kleine Ebenholzkunkel gerollt war; hinter ihr kauerte eine Negerſclavin, die aus vollem Halſe lachte

die ſo blendend weiß und ſo regelmäßig waren, daß alle Rogers, alle Deſirabodes, alle Evans und alle Fattets der Welt vor Er⸗ ſtaunen außer ſich gerathen würden. Die Gallerien boten, wie ich bereits geſagt, den bizarrſten Anblick dar. Beſtändig gingen Frauen aus und ein. Die Einen, von dem Bade oder Knetſaat zurückkommend, legten ſich nach⸗ läſſig auf die Kiſſen ihrer Divans; vom Kopf bis zu den Füßen eingehüllt in untadelhaft weiße mit Franſen oder Gold⸗, Silber⸗ oder Seidenſtickereien verzierte Tücher, floſſen um ihren Nacken ihre langen Haare herab, welche die Sclavinnen mit ungemeiner Sorgfalt trockneten, kämmten und parfümirten; die andern be⸗ reiteten ſich zum Bade vor und enkkleideten ſich, oder ließen ſich vielmehr durch ihre Begleiterinnen entkleiden, denn es waren nur ſehr wenige anweſend, die ſich die Mühe nahmen, ſich ſelbſt zu bedienen. Man ſah auch Gruppen von Frauen, die, kaum ange⸗ kommen, Mäntel und Schleier ablegten und Höflichkeiten mit ihren Bekannten austauſchten. Nachdem ich eine ziemlich genaue Ueberſicht über die verſchiedenen Einzelnheiten dieſes Gemäldes gewonnen, folgte ich dem Beiſpiel meiner Freundin: ich zog meinen Schlafrock an, löſte meine Haare und ging barfuß in einen

andern Saal, wo ich viele Frauen auf Divans ſitzen oder liegen

fand, alle mit einander lachend und plaudernd vor ihrer Rückkehr in die kältere Temperatur des äußern Saales. wovon das Zimmer, in welches ich trat, erfüllt war, ſchien mir erſtickend, und als ich meine Füße in die Bäche dampfenden Waſ⸗

Die warme Luft,

ſers tauchte, die über den Marmor dahinfloſſen, zog ich ſie wieder zurück, als wenn man mich gebrannt hätte. Dennoch war hier nur ein Uebergangszuſtand, und ich mußte erſt in die eigentliche Schwitzſtube dieſer Anſtalt eintreten. Dieſe Stube iſt ein unge⸗ heurer achteckiger Saal und enthält acht Brunnen, deren ſpringende Waſſerſtrahlen zu den Abwaſchungen der Frauen verwendet wer⸗

den, welche die Koſten eines abgeſonderten Cabinets nicht beſtrei⸗

ten wollen oder können. Bei meinem Eintritt in die Schwitzſtube glaubte ich in Wahrheit, daß mein Kopf ſchwindle: eine dicke, ſchwere, mit ſchwefligen Dünſten geſchwängerte Atmoſphäre hemmte mir das Athmen, und ich blieb halb erſtickt. Das durch⸗ dringende und unharmoniſche Geſchrei der Sclavinnen wie der⸗ hallte an den Gewölben des Saales, wäbrend das minder ſchrille Gelächter und Geſpräch ihrer Gebieterinnen ein wirres eigen⸗ thümliches Murmeln erzeugte. Der Anblick von ungefähr drei⸗ hundert nahezu entkleideten Frauen, deren ſämmtliche Formen ſich auf ihren durchſichtigen und dampfgeſchwängerten Muſſelin⸗ überwürfen abzeichneten; die ſchwarzen Sclavinnen, welche mit über die Bruſt gekreuzten Armen den Saal in allen Richtungen eilends durchliefen und auf ihren kraushaarigen Köpfen Geſchirre voller befranſter und ſtickereiverzierter Bade⸗Handtücher trugen; Gruppen anmuthiger junger Mädchen, die leiſe ſprachen und ein⸗ ander augenſcheinlich die ihrem Alter theuren ernſten Vertrau⸗ lichkeiten mittheilten; fröhliche Kinder, welche ſprangen, liefen, einander verfolgten, ohne ſich um eine Temperatur zu kümmern, die ſo erſtickend war, daß ich faſt in Ohnmacht fiel; dann plötzlich der Geſang der bizarrſten türkiſchen Melodien, deren heller Schall von den Gewölben wiedertönte alles dies ließ mich glauben, ich ſei der Spielball irgend einer Sinnentäuſchung, und dünkte

Kt. 30.]

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Ehe der Aufenthalt gerau erforf rege ſie and ſe ihnan rech nähern und Felsparieen denn er in Sennhirten Keviere, un ꝗᷓ dir die Wir lieder durch und deren Au Schmachten; agenſi zu As. Die D in ſich wolte

enden,bald! der dattupp Rtegen don L iiches und un

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