Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
470
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470 Uovellen-Zeitung.[VIII. Jahrg.

erlauben das! Beantworten Sie zuvörderſt die Briefe, welche ich Ihnen dort zurecht gelegt habe; aus meinen Be⸗ merkungen, die ich am Raude eines jeden dieſer Briefe niederſchrieb, werden Sie erſehen, in welchem Sinne ich die Antworten wünſche.

Gottfried begann ohne Bangen und auf die Nachſicht des gütigen Principals rechnend die ungewohnte Arbeit, die ihm leichter von Statten ging, als er Anfaugs glaubte. Als er die Briefe zur Unterſchrift vorlegte, äußerte Meyer ſeine Zufriedenheit, trotzdem aber konnte der junge Mann ſich einer reinen, ungetrübten Freude über dieſe Anerken⸗ nung nicht hingeben, denn aufblickeud las er in den Zügen

ſeiner Collegen deutlich den Neid, den die auffallende Protection des Principals in ihren Herzen wach rief. An⸗ fangs machte ihm dieſe Wahrnehmung Verdruß und Sor⸗ gen, bald aber ſetzte er ſich über dieſelbe hinweg und tröſtete ſich mit der Hoffnung, binnen Kurzem Gelegeuheit zu finden, zu den Collegen in nähere Beziehung zu treten und ihre Freundſchaft ſich zu erwerben. So vergingen Tage, Wochen, Monate, und ſchon nach Ablauf des erſten Vierteljahrs konnte Gottfried ſich geſtehen, daß er bei ſei⸗ nem Principal einen Stein im Bret hatte und jetzt getroſt in die nächſte Zukunft ſchauen und von ihr das Beſte er⸗ warten durfte.

Der zwanzigſte Mai war der Tag, an welchem Meyer ſein Geburtsfeſt feierte, und wie immer, ſo lud er auch diesmal ſein Comptoir⸗Perſonal zu einem Abendeſſen ein. Auf dieſem Feſte nun hoffte Gottfried ſeinen Collegen näher treten zu können und er nahm ſich vor, Alles auf⸗ zubieten, ihre Herzen zu gewinnen. Ihrer waren vier: der Buchhalter, ein vollendeter Lebemann, der ſich eine oberflächliche Salonbildung angeeignet hatte und in ſeiuem äußeren Weſen und Auftreten fein und gewandt war, aber jeder Gemüthstiefe entbehrte; ferner der Magazinier, ein trockner Alltagsmenſch von beſchränktem Verſtand, dabei aber äußerſt gutmüthig und ein Jünger Epikur's; der

Volontair, ein reiches, geldſtolzes Bürſchchen, der, ſtets ge⸗ leckt und geſchniegelt wie eine Muſterfigur des Modejour⸗ nals, nur über elegante Kleider, ſeine engliſche Dogge und ſeine Eroberungen beim ſchönen Geſchlecht zu reden wußte, für alles Andere aber weder Verſtändniß noch Sinn beſaß; und ein untergeordneter Commis, eine ſchlichte, haus⸗ backene Natur, der gleichſam als Maſchine im Compteire verwendet wurde und auch nur einen ſolchen Poſten aus⸗

füllen konnte. Außerdem befanden ſich in dem Geſchäfte noch zwei Lehrlinge, die, den Kinderſchuhen kaum entwach⸗

en, ſich den Anſichten des Buchhalters fügen, jeden faden

Witz, den dieſer vom Stapel ließ, pflichtſchuldigſt belächeln

und jedem Unmuth deſſelben ſich ſchweigend zur Zielſcheibe hingeben muͤßten. Daß unter ſolchen Charakteren der für alles Schöne und Edle glühende, tiefgebildete Jüng⸗ ling ſich nicht heimiſch fühlen konnte, läßt ſich leicht erklä⸗ reu; das fade Geſchwätz des Volontairs wie die ſtehenden Redensarten und Witze des Buchhalters waren ihm in tiefſter Seele zuwider, und oft bedauerte er die Lehrlinge, die in ſolcher Schule gewiß nicht zu tauglichen Meuſchen herangehildet wurden. Nicht minder ſtieß ihn das mate⸗ rielle, mitunter cyniſche Weſen des Magaziniers zurück, der

bei all ſeiner Gutmüthigkeit ſich von dem Volontair ſtets

in's Schlepptau nehmen ließ, wenn dieſer ihm für ſeine

Hülfe zur Anknüpfung von Liebesverhältniſſen, die ſtets

einen ſchlimmen Ausgang nahmen, einen ſolennen Abend⸗ ſchmauß in Ausſicht ſtellte. Dagegen richtete Gottfried ſeine Aufmerkſamkeit auf den untergeordneten Commis, in welchem er bald neben unbegrenzter Gutmüthigkeit einen ehrenwerthen, feſten Charakter entdeckte. Ihn zu ſich emporzuziehen, aus ihm ein nützliches Glied für die menſch⸗ liche Geſellſchaft zu bilden und in ihm ſich einen Freund zu erwerben, war ſein feſter Vorſatz, deſſen Ausführung er bei Gelegenheit des Geburtsfeſtes einleiten zu können hoffte. 1

Der Kaufmann empfing Gottfried mit zuvorkommen⸗

Garden, und zielt richtig! Das hinter den Hecken liegende rothe Regiment der engliſchen Garde erhob ſich, eine Kartätſchenwolke durchlöcherte die dreifarbige Fahne, die um unſere Adler herum⸗ wehete; Alle ſtürzten ſich auf einander, und das letzte Blutbad nahm ſeinen Anfang. Die kaiſerliche Garde nahm in der Dunkel⸗ heit wahr, daß das Heer um ſie her davon lief, und den ungeheuren Stoß der unordentlichen Flucht, ſie hörte dasSauve qui peut! welches dasVive l'Empereur! erſetzt hatte, und trotz der Flucht in ihrem Rücken fuhr ſie fort vorzurücken, bei jedem Schritte, den ſie that, mehr und mehr zerſchmettert und ſterbend. Es gab weder Unſchlüſſige nach Furchtſame. Der Soldat in dieſer Truppe war eben ſo ſehr Held wie der Feldherr ſelbſt. Nicht ein Mann entzog ſich dem Selbſtmorde.

Ney, ganz außer ſich, groß in der ganzen Höhe des ange⸗ nommenen Todes, ſetzte ſich in dieſem Sturme allen Schüſſen aus.

Es wurde dabei das fünfte Pferd unter ihm erſchoſſen. Ganz in⸗

Schweiß, mit flammenden Augen, die Lippen mit Schaum bedeckt, die Uniform aufgeknöpft, eine ſeiner Epauletten durch den Säbel⸗ hieb eines Horſe⸗guard halb durchſchnitten, ſeine Platte des gro⸗ ßen Adlers von einer Kugel verbogen, von Blut und Koth be⸗ fleckt, prächtig, einen zerbrochenen Degen in der Hand, ſagte er: Kommt und ſeht, wie ein franzöſiſcher Marſchall auf dem Schlacht⸗ felde ſtirbt! Doch vergebens, er ſtarb nicht. Er war verſtört und unwillig und warf Drouet d'Erlon die Frage zu:Willſt Du Dich nicht tödten laſſen? Mitten in dieſem Geſchützfeuer, das eine Handvoll Menſchen zerſchmetterte, rief er:Es gibt alſo keine Kugel für mich! Ach, ich wünſchte, daß alle engliſchen Ku⸗ geln in meinen Leib eindrängen! Du warſt für franzöſiſche Kugeln aufgeſpart, Unglücklicher!

XIII. Die Kataſtrophe.

Haie⸗Sainte, Papelotte, Planchenoit, zu gleicher Zeit zurück. Auf den RufVerrath! folgte das Geſchreisauve qui peute Eine Armee, die ſich auflöſt, gleicht einem Thauwetter. Alles unter⸗ wirft ſich, zerſpringt, wird fortgeriſſen, fortgewälzt, ſtürzt nieder, ſtößt ſich, übereilt und überſtürzt ſich. Es war hier eine unerhörte Auflöſung der zu einander gehörenden Theile. Ney leiht ein

Pferd, ſpringt darauf und ſprengt ohne Hut, ohne Halsbinde und Degen über die Chauſſee von Brüſſel, zu leicher Zeit die Englän⸗

der und die Franzoſen aufhaltend. Er ſtrengt ſich an, das Heer zurückzuhalten, er ruft es zurück, er beſchimpft es, er klammert ſich an die regellos Fliehenden an. Er wird überflügelt. Die Sol⸗ daten fliehen ihn, während ſie rufen:Vive le Maréchal Ney le- Zwei Regimenter von Durutte gerathen ganz beſtürzt und wie hin und hergekugelt zwiſchen die Säbel der Ulanen und das Klein⸗ gewehrfeuer der Brigaden Kempt, Beſt, Pack und Rylandt. Das Schlimmſte der Handgemenge iſt die regelloſe Flucht; Freunde tödten ſich unter einander, um zu fliehen; die Schwadronen und Bataillone löſen ſich auf und zerſtreuen ſich, die Einen gegen die

Andern, ein übermäßiger Schaum der Schlacht. Lobau an dem

einen äußerſten Ende, ſo wie Reille an dem andern, werden von den Wogen mit fortgeriſſen. Vergebens bildet Napoleon aus dem, was ihm von der Garde noch übrig bleibt, Mauern; verge⸗ bens läßt er ſelbſt die für ſeinen Dienſt beſtimmten Schwadronen eine letzte Anſtrengung machen. Quiot weicht vor Vivian, Keller⸗ mann vor Vandeleur, Lobau vor Bülow, Morand vor Pirch,

r. 30.]

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Gottfried nahm keinen ſm anbot,

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Die unordentliche Flucht hinter der Garde war kläglich. Das 1 Heer zog ſich plötzlich von allen Seiten, von Hougoumont, La

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