Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
462
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Weiſe; ein wenig aus Achtung und aus Vorliebe für mich,

Verſicherung aller mneiner Geſinnungen für Sie erneuern wollen.

Da ich, noch ehe ich dieſe beiden Briefe erhalten, be⸗ reits beſchloſſen hatte, am 25. October von London abzu⸗ reiſen, um den erſten Sitzungen der Kammern beiwohnen zu können, ſo hatte ich die Königin von England um meine Abſchiedsaudienz gebeten und bei der Bewilligung derſelben hatte ſie mich eingeladen, zwei Tage in Windſor zu verleben, wo ſie in dieſem Augenblick reſidirte. Ich be⸗ gab mich am 21. October dahin. Lord Melbourne, Lord Palmerſton und Lord und Lady Clarendon waren allein mit mir dahin eingeladen. Wie die Königin und der Prinz Albert empfingen auch ſie mich in einer ſehr günſtigen

wie zu glauben ich mir ſchmeichle, ein wenig aber auch, weil ich nach Paris ging. Man wünſchte augenſcheinlich, daß ich gute Geſinnungen für England mit dahin bringen und daß ich gut von den Männern ſprechen möge, die es regierten, daß ich diejenigen, welche Frankreich regierten oder es regieren würden, veranlaſſe, ſich nicht allzu ſchwie rig zu zeigen. Man ſah wohl, daß die Zukunft, und eine nahe Zukunft, voller gefährlichen Ausſichten ſei. Man war darüber beſorgt, nicht mehr als man es in England über Sachen iſt, die es nicht allzu nah ſelbſt berühren, man beſchäftigte ſich übrigens ernſtlich damit. Man vergaß nicht, daß das Gewicht Frankreichs in den Angelegenheiten Europas früher oder ſpäter groß iſt, und daß ſeine Mei⸗ nung für die europäiſchen Reputationen zählt, um nicht zu ſagen, daß ſie entſcheidet. Es lag ihnen am Herzen, das franzöſiſche Publicum zu beruhigen, es durch Liebkoſungen zu beſänftigen. Und ich ſagte mir, indem ich dieſe Beweiſe der engliſchen Geſinnung empfing, wenn ich ſie in Frank⸗ reich richtig begreifen laſſen und ſelbſt eine ähnliche und zu gleicher Zeit eine vollkommen unabhäugige Stellung einhalten könnte, ſo würden die beiden Nationen und ganz Europa ſich recht wohl dabei befinden.

Uovellen-Zeitung.

Während dieſes kurzen Aufenthaltes in Windſor war ich von einer Traurigkeit befallen, die ich Kummer nennen würde, hätte mir das Leben ſpäter nicht gelehrt, für welche Verluſte dieſes Wort aufgeſpart werden muß. Wir erfuh⸗ ren am 22. October, daß au demſelben Morgen Lord Holland in Holland Heuſe geſtorben ſei. Ich bedauerte ihn aufrichtig. Er war ſo gut und ſo liebenswürdig, von jenem gefälligen, theilnehmenden und expanſiven Naturell, das ſich jenſeits der Straße von Calais ſo ſelten findet! Ich fühlte für Lady Holland ein großes Intereſſe; ich hatte ſie ſehr geiſtreich mit einer großen Aumuth und fähiger für wahre Gefühle als andere weniger ſtolze Frauen der vornehmen Welt und von einer gleichmäßigen Laune gefunden.

Ueberdies wurde ich von der Kälte ſehr unangenehm berührt, mit welcher dieſe Nachricht von Perſonen aufge⸗ nommen wurde, die ſeit mehr als dreißig Jahren ihr Le⸗ ben in Holland Houſe zubrachten. Ich habe unſere alten Soldaten oft von ihren Cameraden ſprechen hören, die ſie an ihrer Seite unter dem Kanonendonner hatten fal⸗ len ſehen; ihre Worte waren bewegter, ich könnte wohl ſagen zärtlicher. Es gibt in der kalten Feſtigkeit der augloſächſiſchen Race eine gewiſſe kalte Annahme der Nothwendigkeit und der Schläge des Schickſals. Sie ſind im Leben wie Leute, die ſich in einem Menſchengedränge befinden; ſie ſehen den nicht au, der fällt; ſie drängen ſich voran und ſchreiten vorwärts. Man könnte ſagen, ſie ſetzen ihre Würde darein, ſich, was auch geſchehen möge, weder überraſcht, noch betrübt zu zeigen. Aber ihre Würde koſtet ihnen nicht genug. Um ihre ganze Schön⸗ heit und ihren vollen Reiz zu haben, muß die menſchliche Natur ſich mit mehr Hingebung entfalten, und wenn ſie ihre Rührung und Gedanken zurückhält, muß man ſehen, daß es ihr einige Mühe koſtet. Die Engländer haben zu⸗ weilen die Miene, als unterdrückten ſie etwas, was ſie gar nicht fühlen.

läßt ſich austreiben und beſchwören und ſonſt nach Gelegenheit gebrauchen... Dieſes und noch manches dabin Gehörige ſagt der Verfaſſer in ſeinem Vorwort, und man erſiebt daraus ſchon den Inbalt des Stückes. Wenn ſich daſſelbe auch nicht als bühnen⸗ gerechtes Luſtſpiel empfiehlt, ſo verdient es doch als eine Art Zeit⸗ lectüre einige Beachtung. O. B.

Miseellen. Neue Wichtigkeit des Raffees.

unſere Kaffeegeſellſchaften, welche immer das Recht fühlten, über alles Mögliche zu ſprechen, können ihrer Unterhaltung von nun an ein wiſſenſchaftliches Fundament geben. Sie können das Schwierigſte thun, was es gibt: prophezeien. Es hat nämlich ein Herr Sauvageon in Valence die Erſcheinungen, die in einer Taſſe Kaffee vorkommen, nachdem man ſie gezuckert hat, langjäb⸗ rigen Beobachtungen unterzogen, aus denen er folgende Schlüſſe mit Sicherheit ziehen zu können glaubt: t

Wenn man den Zucker, ohne die Flüſſigkeit umzurühren, ſich ruhig auflöſen läßt, ſo ſteigen bekanntlich Luftblaſen an die Ober⸗ fläche der Flüſſigkeit. Bilden dieſe nun eine ſchaumige, im Cen⸗ trum der Taſſe verweilende Maſſe, ſo kann man beſtimmt auf dauernd ſchönes Wetter rechnen; ſetzt ſich im Gegentheil der Schaum ringförmig an den Rand des Gefäßes an, ſo ſtehen ſtarke Regengüſſe bevor; bleibt der Schaum zwiſchen Rand und Cen⸗

trum, ſo wird das Wetter veränderlich; fließt er, obne ſich zu zer⸗

theilen, nach einem Punkte des Taſſenrandes, ſo ſteht mäßiger

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Regen bevor. Ich habe dieſe Anzeichen regelmäßig mit denen des Barometers und Thermometers verglichen und ſie erſt, als ich der genauen Uebereinſtimmung ſicher war, der Oeffentlichkeit über⸗ geben..

Die Canalbrücke.

Wenn das Project, feſte Brücke Eng Frankreich zu verbinden, ausgeführt wird, ſo wird dieſes Bauwerk Alles übertreffen, was noch von Bauwerken dageweſen iſt. Es wür⸗ den 160 thurmartige Pfeiler, jeder von hundert Fuß Durchmeſſer und höher als die Frauenthürme in München, auf einer Strecke von 9 Stunden eine 300 Fuß über niedrig Waſſer liegende Brücke tragen! Jeder Pfeiler iſt Nachts zugleich ein Leuchtthurm und wird mit Puffern verſehen, um anprallenden Schiffen ungefährlich zu werden. Soll etwa 350 Millionen Gulden koſten und drei Jahre zur Herſtellung brauchen! 6.

Worte für Welt und Haus.

Dem Säugling iſt die figürliche Welt entweder ein angeneh⸗ mer Schein, den er heiter anſtiert, oder eine Widerſpenſtigkeit, die er beweint und beſchreit, weil ſie ihm nicht gehorchen will.

Warum weint er ſo oft? Weil das Weinen bei ihm an die Stelle von Schmerz, Klage, Unmuth, Zorn, Vernichtungstrieb ſteht, kurz weil es die einzige Univerſalſprache für eine ganze Gruppe

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von Empfindungen und dunkeln Wünſcher iſt. 9.

[VIII. Jahrg.

durch eine feſte Brücke England mit

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