460 derte an äußerem Wohlſtande zugenommen und ſind ge⸗ wachſen. Wir vergeſſen das Alles. Wir möchten, daß jetzt und für uns jeder Fortſchritt, der erſt noch zu machen iſt, gemacht ſei. Sicher fehlt noch viel daran, daß Alles gemacht ſei, aber ebenſowenig iſt Alles verloren. Was mich betrifft, ſo hat die Erfahrung, die mich über Vieles velehrt hat, mich nicht erſchreckt; ich gelte für einen ſtreugen Richter meiner Zeit und ich halte ihr Uebel für noch viel bedenklicher, als ich es ſage; aber ich ſage auch, daß neben dieſem Uebel das Gute reichlich vorhanden iſt, und daß man zu keiner Zeit in dem unbekannteſten Dorfe wie in Paris in der Mitte von mehr Gerechtigkeit, Wohlfahrt und
Sicherheit gelebt habe!“
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In ſchwierigen und ſchon erſchütterten Sachlagen ſind alle Vorfälle wichtig; das Attentat des Darmès verſetzte dem Cabinet einen yarten Schlag. Der nach Paris zu⸗ rückgekehrte Herr Duchatel ſchrieb mir am 19. October: „Ich bin vorgeſtern Abeud hier angekommen und habe die Sachlage beinahe ſo gefunden, wie ich ſie mir vorſtellte; indeſſen mit mehr Hulfsquellen. Die Friedenspartei hat ſeit etwa zehn Tagen bedeutend gewonnen; die Frage erſcheint ſogar Jedermann nach dieſer Seite entſchieden. Das Attentat hat eine große Wirkung hervorgebracht, und dieſe Wirkung iſt für das Cabiuet beklagenswerth geweſen. Jeder hat ſeine Gedanken auf die Anarchie gerichtet, welche immer weiter um ſich greift, und das Schauſpiel dieſer Anarchie macht die rechtſchaffenen und vernünftigen Leute unwillig und beunruhigt ſie. Geſtern war ich des Abends in Saint Cloud. Ich habe lange Zeit mit dem König geplaudert; das Attentat hat ihn nicht geſtört; er iſt be— ſtimmt, feſt, entſchloſſen; er hat ganz die Haltung, die Sie in ſeinen guten Tagen an ihm geſehen haben. Er begann damit, mir zu ſagen, daß das Attentat die Frucht der An⸗ griffe der Preſſe ſei, daß er es den Journalen verdanke; dann leitete er die Unterhaltung auf das Cabinet; er ſagte
Uovellen-Zeitung.
mir, ſeine Miniſter ſchienen ſich wenig zu verſtehen; er
[VIII. Jahrg. ſähe wohl, daß Alles ſich verrücke, und das erſte Mal, wo man ihm den Stuhl vor die Thür ſetze, würde er die De⸗ miſſion deſſelbeun annehmen. Er ſprach mit mir von Ihnen, daß Sie ſeine Hoffnung ſeien, daß es nur ein mög⸗ liches Cabinet gebe, der Marſchall Soult, Sie, ich, Ville— main ꝛc., daß Herr Mols ſelbſt es anerkenne und ſich be⸗ reit erklare, Ihr Stellvertreter zu werden. Kurz, der König fühlt, daß das Cabinet nicht mehr gehen kann; er iſt entſchloſſen, ſich bei der erſten Gelegenheit von demſel⸗ ben zu trennen, und betrachtet Sie als ſeinen Retter.
Hören Sie jetzt meine Meinung. Niemals werden die Umſtände wichtiger und die Gefahr größer ſein. Es gibt noch ein Mittel Alles zu retten; aber es iſt nicht ſicher, daß die Rettung in zwei Monaten noch möglich ſei. Was mich betrifft, ſo würde ich, obgleich die Aufgabe we⸗ nig verführeriſch iſt, keinen Anſtand nehmen. In Betreff Ihrer finde ich, daß die Sachlage ſich ſehr ſchön darbietet. Alle Schattirungen der conſervativen Partei von Molé bis Calmon rufen Sie. Solche Momente bieten ſich in dem Leben des Menſchen ſelten dar und im Allgemeinen dauern ſie nur kurze Zeit, wenn man ſie nicht zu rechter Zeit ergreift. Ich glaube, der Tag iſt für Sie gekommen, um als Miniſter des Auswärtigen die große Frage zu ergreifen, die Sie als Geſandter eingeleitet haben. Als Geſandter haben Sie nichts Beſonderes mehr zu thun; Ihre Stellung vor den Kammern würde ſogar nicht mehr haltbar ſein. Thiers kann vernünftiger Weiſe nicht un⸗ terhandeln. Wenn ich mich nicht ſehr täuſche, ſo würde man Ihnen Zugeſtäudniſſe machen, die ihm nicht bewilligt werden würden. Und angenommen, daß es Ihnen als Miniſter gelänge, die Frage durch eine Transaction zu ordnen, worin Sie den Schein ewahrien, ſo würde das der größte Erfolg ſein, den ein Mann erlangen, und der bedeutendſte Dienſt, welchen das Land hoffen kann. Fügen Sie hinzu, daß die innere Lage in einer bewundernswer⸗ then Weiſe Ihnen nützen würde. Die dynaſtiſche Linke
ſiebenundzwanzig Jahre lang, ſtudirte und betrieb das Buch⸗ drucken als eine Lieblingsbeſchäftigung.
Erſt nachdem der Uſurpator Kromkluat, der ſich, wie König Salomo der„Weiſe“, mit einem Harem von ſiebenhundert Wei⸗ bern begnügte, 1851 mit Tod abging, trat Mongkut aus dem Dunkel ſeiner Kloſterzelle hervor. Die Edelleute hatten ſich ihrer Pflicht erinnert. Am 18. März beſtieg er den Thron und erhob ſeinen Bruder Noi zur Würde eines Wangna, d. h. jüngeren Königs. Dieſe Einrichtung eines Nebenkönigs kennt man nur in Siam, ſie kommt in keinem andern Lande derartig vor. Der zweite König hat eine untergeordnete Gewalt, eine reflectirte Autorität, wie ein Miſſionär ſich ausdrückt, bezieht ein Drittel der Reichs⸗ einkünfte und hat zweitauſend Soldaten unter ſeinem Befehl. Noi ſtarb 1858; er war, gleich ſeinem Bruder, ein ſehr gebildeter Mann, ſprach und ſchrieb engliſch und lebte wie ein Abendländer. Die von ihm nachgelaſſene Bibliothek und ſeine Gemäldeſamm⸗ lung ſind ſehr werthvoll. Der jüngere König iſt, gleich dem höchſten Monarchen, von Zeichen der Hoheit und Würde umge⸗ ben, hat ſeine Miniſter und wird vom Oberkönig in allen wich⸗ tigen Angelegenheiten zu Rathe gezogen.
In Mongkut's Palaſt zu Bangkok herrſcht noch der alte, ſprüchwörtlich gewordene Glanz und Pomp orientaliſcher Könige. Die weißen Mauern, von welchen die, man kann wohl ſagen, Palaſtſtadt umzogen iſt, kann man in einer halben Stunde kaum umgehen. Innerhalb derſelben erheben ſich viele ſchöne Gebäude, Tempelhallen, in welchen Behörden Sitzungen halten, Kaſernen und Häuſer für den Aufenthalt der Thiere, ſowohl des berühm⸗ ten weißen Königselephanten, als auch des Kriegselephanten. Die Wohnungen für die königlichen Frauen bilden eine beſondere
Abtheilung. Der Thron ſteht auf einem zwölf Fuß hohen Ge⸗ rüſte, und der König läßt den vor ihm befindlichen Vorhang her⸗ abziehen, wenn zer ſichtbar werden will. In der Halle ſind die Angehörigen der königlichen Familie und die Würdenträger je nach ihrem Range in Gruppen geordnet. Muſik verkündet, daß der Herrſcher nahe. Sofort werfen ſich alle Anweſenden platt auf den Boden. Zunächſt dem Throne ſtrecken ſich zur Rechten und Linken in zwei Abtheilungen die Prinzen von Geblüt platt hin, neben ihnen aber nach rückwärts zu die Miniſter. Den Rang eines jeden Würdenträgers erkennt man daran, wie nahe beim Throne oder wie weit von demſelben ſich Jemand auf die Erde legen kann. Alles iſt ſclaviſche Wegwerfung, Erniedrigung und gänzliche Unterwürfigkeit.—.
Unweit von der großen Halle führen Stufen zu einem Ge⸗ rüſt, auf welchem gleichfalls ein Thron ſteht. Dort gibt der König faſt alltäglich Gehör, und manchmal liegen mehr als ein⸗ hundert Edelleute platt auf dem Boden umher. Wer etwas mit⸗ zutheilen oder eine Gnade zu erbitten hat, theilt ſein Anliegen einem Hofedelmann mit. Dieſer kriecht auf allen Vieren zum Throne hinan, darf aber dabei ſeine Hände nicht über die Köpfe der andern Edelleute emporheben; das wäre ein entſetzlicher Ver⸗ ſtoß gegen die Hofetikette! Alles, was der König ſchreibt, wird in ein goldenes Gefäß gelegt. 3
An den Eingängen zu den verſchiedenen Abtheilungen des Palaſtes erheben ſich gewaltige Granitſäulen, die aus China ge⸗ kommen ſind, und bilden allerlei phantaſtiſche Geſtalten: Rieſen, Drachen, Vögel mit Menſthenköpfen und allerlei andere Unge⸗ heuer. Das Luſthaus des Königs iſt ganz euroͤpäiſch eingerichtet, und über der Thür ſtehen mit lateiniſchen Buchſtaben die Worte:
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