Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
459
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II. Jal

8 Begim der m. Sie gerufen Herr Roſſ dieſe dieſem Rathe

Am 20. Oe⸗ Ich habe wohl hier abreiſen, Kinder abho⸗ in Paris ein⸗ ncheit, die man ͤts in London, ch bin hier in nict ſein. Ich

was nicht in dacht Monaten m Cabinet ver⸗ daſſelbe zu bin⸗ hun. Ich habe ſe Freunde be⸗ een zu machen. de. Jch habe de mir an ſich chienen. Jetzt denſowenig ſie Benehmen den wanges geben? Zukuuft, weder gten verpflichtet ellung einfach, er natürlichen eine künſtüiche igen. Ich bin

liegt mir weit

, als an dem, einen Urlaub

Schuß angedeihen ſein, und bis jeßt

rg.

Dritte für die Eröffnung der Seſſion gebeten. Man hat ihn mir gegeben. Ich werde einen ernſten Gebrauch davon machen, indem ich mich in die Kammer begebe, wenn dort etwas Ernſtes zu ſagen oder zu thun iſt. Ich werde nicht warten, um dort zu erſcheinen, bis es gleichgültig iſt, dort zu ſein. Als Deputirter werde ich meiner Vernunft, meiner Vergangenheit, meiner Ehre gemäß haudeln. Als Ge⸗ ſandter werde ich dem genäß ſprechen, was ich, ſeitdem ich es bin, gedacht, geſchrieben, gethan oder augenommen habe. Ich glaube, das läßt ſich recht gut miteinauder vereinigen. Für meine Perſon fühle ich darin gar keine Verlegenheit. Wenn das ſich nicht miteinander vereinigen läßt, ſo werde ich es zu allererſt wahrnehmen.

Die Ereigniſſe erſparten mir die Verlegenheit, mit der meine Freunde ſich ſehr beſchäftigten. Am 15. October Abends gegen ſechs Uhr kehrte der König mit der Königin und Madame Adelaide nach Saint Cloud zurück; auf dem Quai der Tuilerien, in der Nähe der Brücke Lud⸗ wig's XVI. ertönte ein heftiger Knall; ein Mann, der ſich

in der Nähe des ſogenannten du Lion⸗Poſtens am Fuße

des Pfahls einer Straßenlaterne niedergekauert hatte, hatte ouf den König geſchoſſen; zwei Bediente des Königs und einer der berittenen Nationalgardiſten waren verwundet; in dem Wagen war Niemand verletzt. Auf der Stelle verhaftet, machte der Urheber des Attentats gar keinen Berſuch zu entfliehen.Ich gehe nicht fort. Ihr Name? Verſchwörer. Ihr Gewerbe? Ausrotter der Ty⸗ ranuen. Verfluchte Büchſe! Ich habe indeſſen ganz richtig gezielt. Aber ich hatte das Gewehr überladen. Er nannte ſich Marius Darmès, war in Marſeille geboren und lebte als Zimmerbohner oder Frottirer ia Paris. Er war ein grober und brutaler Fanatiker, der ſein Leben in einer Atmoſphäre des Haſſes gegen die Könige im Allge⸗ meinen und gegen den König Ludwig Philipp iusbeſondere zubrachte und der den Mord als ein natürliches Recht des Haſſes betrachtete.

Folge.

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Die Wirkung dieſes Verbrechens war groß, vielleicht größer als bei andern ähnlichen Gelegenheiten. Es brach iu der Mitte eiges ſchon ſehr aufgeregten und von der all⸗ gemeinen Lage ſehr beunruhigten Publicums aus. Man ſah darin eine verhaßte Folge und ein ſchreckliches Sym⸗ ptom der wieder erwachenden und täglich verſtärkten revo⸗ lutionären Gährung. Man war verwundert, uawillig, erzürnt, beunruhigt, man erging ſich in unheilvollen Vor⸗ herſagungen über die Zukunft der Geſellſchaft wie der Macht. Ich finde in einem Briefe, den ich am 19. October nach dem Empfange dieſer Nachricht ſchrieb, den Eindruck wieder, den ſie in London auf mich ſelbſt machte, und der Thatſache und des Zuſtandes, worein ſie in Frankreich die Gemüther warf:Dieſes neue Attentat hat mich nicht überraſcht. Es iſt ein ſchweres Unternehmen, die Ord⸗ nung in der Welt wiederherzuſtellen. Heut zu Tage ſind alle Böſewichter Wahnſianige, und alle Wahnſinnige ſind bereit, Böſewichter zu werden. Und die rechtſchaffenen Leute haben ihrerſeits eine Manie, die darin beſteht, den Wahnwitz als Entſchuldigung des Verbrechens anzuneh⸗ men. Es gibt einen Wahnwitz, der entſchuldigt, das iſt aber nicht der des Darméès und ſeines Gleichen. Man wagt es nicht, dem Uebel in's Geſicht zu ſehen, und man ſagt, daß dieſe Menſchen Wahnſinnige ſind, um ſich zu beruhigen. Und während die Einen ſich in einer feigen Art beruhigen, gerathen Andere feig in Schrecken und ſagen:Alles iſt verloren; es iſt das Ende der Welt. Die Welt hat unter andern Namen und andern Zügen viele Uebel und ähnliche Gefahren, um nicht zu ſagen, noch weit bedenklichere Gefahren geſehen. Wir bedürfen jetzt eines Grades der Gerechtigkeit, des Glückes und der Sicherheit in dem Glück, von dem die menſchlichen Geſell⸗ ſchaften ehemals nicht einmal eine Idee hatten. Sie haben während dieler Jahrhunderte gelebt, wo Leiden, Verbre⸗ chen und Schrecken in ganz anderer Weiſe auf ſie einſtürm⸗ ten. Dennoch haben haben ſie im Laufe dieſer Jahrhun

gange der abendländiſchen Culturvölker vertraut. Das war bis⸗ jetzt unerhört auf einem Throne im fernen Morgenlande. Aber daneben iſt er auch orientaliſcher Despot, der eine unbegrenzte Vollgewalt ausübt, und wird als Träger der Krone und Inhaber der höchſten Würde wie ein Gott verehrt. Alles liegt vor ihm auf den Knieen. Darin ſteckt ein ſchroffer Gegenſatz, welchen der König ſelber wohl begreift und über welchen er ſich mehr als einmal gegen Europäer ausgeſprochen hat. Er bemerkte, daß er die Siameſen nicht anders machen könne, als ſie ſeien. Die her⸗ kömmliche Ordnung dürfe er um ſo weniger über den Haufen werfen, weil die Gemüther darauf gar nicht vorbereitet ſeien. Abendländiſche Begriffe von königlicher Amtsgewalt und Bürger⸗ freiheit lägen den Oſtaſiaten, alſo auch ſeinen Untergebenen, ganz fern und ſie hätten dafür gar keinen Begriff. Er aber wolle ſeine irdiſche Allmacht mild, gnädig und gerecht walten laſſen. Deer König war ſaſt ein Vierteljahrhundert Mönch, ein Bonze, oder wie wir Europäer die ſiameſiſchen Geiſtlichen nennen, ein Talapoine(nach dem Schirm, welcher aus den Blättern der Talapot⸗Palme bereitet wird und welchen die Bonzen zu tragen pflegen). In Siam nennt das Volk die Geiſtlichen Phra, d. h. Große. Deßwegen führt auch der König dieſes Wort in ſeinem langen Titel, welcher alſo lautet:Phra Bard Somdetſch Phra Paramendr Maha Mongkut Phra Chan Klou Chan thu huag. Den Thron beſtieg der merkwürdige Mann im Jahre 1851, bis dahin hatte er in der Einſamkeit eines buddhiſtiſchen Wat, d. h. eines Kloſters, gelebt und eifrig den Studien obgelegen. Er läs viele Sanſkritwerke und die heiligen Bücher der Buddhi⸗ ſten. Als katholiſche Sendboten, insbeſondere auch der vortreff⸗

liche Paillegoix, ihn in ſeiner Zelle beſuchten, nahm er ſie freund⸗

lich auf, trat mit ihnen in engen Verkehr und lernte zunächſt Lateiniſch. Nicht minder zuvorkommend war er gegen die pro⸗ teſtantiſchen Miſſionäre aus Amerika, welche ihn im Engliſchen unterrichteten, deſſen er, wie ſchon bemerkt, längſt vollkommen mächtig iſt. Er beſaß ſchon als Mönch eine große Bibliothek, mathematiſche und phyſikaliſche Werkzeuge und ein chemiſches Laboratorium, auch liebt er die Muſik und ſpielt Clavier. In Betreff ſeiner theologiſchen Richtung iſt er Reformator; aber er war ſchon im Kloſter Führer einer Partei unter den Bonzen, welche dahin trachtete, eine Menge von Mißbräuchen abzuſchaffen, welche ſich nach und nach in Lehre und Cultus eingeſchlichen haben.

Das gegenwärtige Herrſcherhaus in Folge einer Umwälzung auf den Thron. Damals hatte ein von Wahnſinn heimgeſuchter König denſelben inne. Volk und Adel erhoben ſich, ſetzten ihn ab und wählten Mongkut's Großvater, welcher damals Oberbefehlshaber des Heeres war. Er regierte neunundzwanzig Jahre, ſein Sohn und Nachfolger dreizehn Jahre. Dieſer hinterließ zwei Söhne, welche ihm die Oberkönigin geboren hatte; ſie ſteht über allen andern Frauen des Monarchen und hat den Vorrang. Dieſe beiden Söhne waren Chau Fa Mongkut, der am 18. Oktober 1804 geboren iſt, und Chau Fa Noi. Eine Frau zweiten Ranges hatte den Prinzen Kromkluat geboren, und dieſem ſpielten die angeſehenſten Edelleute und Würdenträger die Krone in die Hand. Mongkut wurde übergangen. Der König hat nämlich ein Recht, ſeinen Nachfolger zu ernennen⸗ Ein ande⸗ rer orientaliſcher Prinz würde vielleicht zu den Waffen gegriffen und Krieg begonnen haben, aber Mongkut wollte kein Blut ver⸗ gießen. Deßhalb ging er in ein Kloſter, blieb in demſelben

Siam gelangte 1782 in