Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
456
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denkend, wie die Griechen an Argos dachten.

deutſche Correſpondenz in meinem Geſchäft zu führen, deß⸗ halb engagire ich Sie; meine Mittel erlauben mir das. Da die Entfernung zwiſchen dort und hier eben nicht be trächtlich iſt, ſo wird es das Beſte ſein, wenn Sie au einem der nächſten Tage herüberkommen, damit wir uns alsdaun perſönlich über die näheren Bedingungen Ihres Engagements unterhalten können. Ihr ergebener Joſeph Meyer.

Nun? Was ſagſt Du dazu? ſein College ihm den Brief zurückgab.Ich hoffe, dies wird Dich überzeugen, daß Deine Vorwürfe, als ich bei der Kündigung beharrte, ungerecht und übereilt waren.

Der Zufall kann eben nicht als Beweismittel gelten! erwiderte Julius gelaſſen.Mein Vorwurf war begrün⸗ det, und hätte das Glück Dich nicht ſo auffallend begün⸗ ſtigt, würdeſt Du ſelbſt dies erfahren haben.

Gottfried zuckte die Achſeln und ſchwieg; wußte er doch, daß er in einem Wortſtreit mit dem Freunde ſtets den Kürzern zog. Ohne Säumen ſuchte er den Poſtmeiſter auf und bat dieſen um Urlaub für einen Tag, da er in der nächſten Stadt eine wichtige Angelegenheit zu ordnen habe, zu welchem Zweck er perſönlich dorthin müſſe. Nachdem Zulius ſich bereit erklärt hatte, den Dienſt für ſeinen Col⸗ legen zu verſehen, bewilligte der Vorgeſetzte das Geſuch, und ſchon am folgenden Tage ſtieg der junge Mann in den Wagen, der ihn zu ſeinem künftigen Wohnſitz bringen ſollte.

Das Geſchäfts⸗ und Wohuhaus des Herrn Meyer lag in einer der belebteſten Straßen, er ſelbſt zählte zu den angeſehenſten Kaufleuten der Stadt. Unverheirathet, da⸗ bei ſehr mäßig und ſparſam, und bei all ſeinen Unterneh⸗ mungen vom Glück auffallend begünſtigt, hatte er mit der Zeit ein hübſches Sümmchen zurückgelegt, und Niemand kounte ihm den Vorwurf machen, daß daſſelbe auf unrech⸗

Uovellen-Zeitung.

fragte Gottfried, als

tem Wege erworben ſei. Sein leutſeliges, kurz angebun⸗ denes und offenes Benehmen erwarb ihm ſofort die Herzen Aller, mit denen er in nähere Berührung kam, ſeine Sucht hingegen, allenthalben und bei jeder Gelegenheit mit ſei⸗ nem Reichthum zu prahlen, ſich in die Kreiſe der höheren Stände zu drängen und die an Rang und Vermögen unter ihm Stehenden ſein Uebergewicht fühlen zu laſſen, hielt

Jeden von einem vertrauten Umgang mit ihm fern und

machte ihn zur Zielſcheibe der Witzeleien ſeiner Gehülfen. Zwar konnten die Letzteren nichts Nachtheiliges über ihn ſagen, denn er war ihnen gegenüber ſtets gerecht, zuvor⸗ kommend und in gewiſſer Beziehung freigebig, aber es ver⸗ droß ſie, daß er, der doch früher ihrem Stande angehört, (ja noch unter demſelben geſtanden hatte, jetzt den großen Herrn ſpielen und bei jeder Gelegenheit mit ſeinem Ver⸗ mögen prunken wollte.

Als Gottfried in ſeiner Poſtſecretärs⸗Uniform in das Comptoir trat und mit dem Inhaber des Geſchäfts zu reden begehrte, bemerkte er an dem Lächeln und Flüſtern der jungen Leute ſofort, daß man ihn erwartete und eben

keine hohe Meinung von ſeinen Fähigkeiten hatte. Der älteſte ſeiner künftigen Collegen, ein Mann zwiſchen drei⸗ ig und vierzig, mit intelligenten, einnehmenden Zügen und einem Benehmen, welches augeublicklich den fein ge⸗ bildeten Gentleman verrieth, erhob ſich hinter dem gro⸗ ßen meſſingbeſchlagenen Hauptbuche und richtete die Frage an ihn, welches Anliegen er an Herrn Meyer habe.

Eine Privatangelegenheit, entgegnete Gottfried kurz, ich bin hierher beſchieden.

So treten Sie in das Cabinet dort! verſetzte der Buchhalter, indem er auf eine Thüre zeigte.

Der junge Mann folgte der erhaltenen Weiſung und

ſah ſich einem kleinen, ziemlich corpulenten Herrn gegen⸗ über, der beim Eintreten des Poſtſecretärs ſich erhob und lächelnd auf dieſen zutrat.

Sie ſind Herr Gottfried Lieſegang? fragte der

mel ſitzende Dudelſackpfeifer ſpielte, ſeine Sackpfeife unter ſeinem Arm und in einer tiefen Unaufmerkſamkeit ſein melancholiſches Auge ſenkend, in dem ſich der Wiederſchein der Wälder und Seen erkennen ließ, während man ſich um ihn her tödtete, die Melodien der Bergſchotten. Dieſe Schottländer ſtarben an Ben Lothian Der Säbel eines Küraſſiers, der gleichzeitig die Sackpfeife und den Arm, der ſie hielt, niederhieb, ließ den Geſang aufhören, indem er den Sän⸗ ger tödtete.

Die verhältnißmäßig wenig zahlreichen Küraſſiere, deren Zahl durch die Kataſtrophe in der Schlucht zuſammengeſchmolzen war, hatte faſt die ganze engliſche Armee gegen ſich, aber ſie ver⸗ vielfältigten ſich, denn jeder Mann focht für zehn. Indeſſen wichen einige hannöverſche Bataillone etwas zurück. Wellington ſah es und dachte an ſeine Cavallerie. Hätte Napoleon in demſelben Augenblick an ſeine Infanterie gedacht, ſo hätte er die Schlacht gewonnen. Dieſes Vergeſſen war ſein großer Fehler, der ihm verderblich wurde.

Plötzlich fühlten die angreifenden Küraſſiere ſich angegriffen, die engliſche Cavallerie war in ihrem Rücken, vor ihnen die Carrés, hinter ihnen Somerſet mit ſeinen 1400 Gardedragonern. Somerſet hatte zu ſeiner Rechten Dornberg mit ſeiner deutſchen leichten Reiterei und zu ſeiner Linken Trip mit ſeinen belgiſchen Küraſſieren; die in der Seite und an der Spitze, von vorn und von hinten, von der Infanterie und von der Cavallerie angegrif⸗ fenen Küraſſtere mußten nach allen Seiten hin ihren Gegnern die Spitze bieten. Was verſchlug das ihnen? Sie waren wie ein Wirbelwind, ihre Tapferkeit überſtieg jede Beſchreibung.

Außerdem hatten ſie die noch immer donnernde Batterie hin⸗

ter ſich. Das war nothwendig, um dieſe Männer in dem Rücken zu verwunden. In der Sammlung des Waterloomuſeums findet ſich einer ihrer Küraſſe, deſſen linkes Schulterblatt von einer Kar⸗ tätſchenkugel durchbohrt iſt.

Für ſolche Franzoſen bedurfte es nichts weniger als ſolcher

Engländer.

Es war nicht mehr ein Handgemenge, es war ein Schatten, eine Kampfeswuth, ein ſchwindelerregendes Aufbrauſen der See⸗ len und des Muthes, ein Gewitterſturm von Blitzen der Degen⸗ klingen. In einem Augenblick waren die 1400 Gardedragoner auf 800 zuſammengeſchmolzen; Fuller, ihr Obriſtlieutenant, war unter den Getödteten. Ney eilte mit den Lanciers und den Chaſ⸗ ſeurs von Lefebvre⸗Desnouettes herbei. Das Plateau von Mont⸗ Saint-Jean wurde genommen, wieder erobert und nochmals ge⸗ nommen. Die Küraſſiere verließen die Cavallerie, um zur Infan⸗ terie zurückzukehren, oder richtiger geſagt, dieſe ganze furchtbare Menge packte einander, ohne daß der Eine den Andern losließ. Die Carrés hielten ſich noch immer. Es fanden zwölf Stürme ſtatt. Unter Ney wurden vier Pferde getödtet. Die Hälfte der Küraſſiere blieb auf dem Plateau. Dieſer Kampf dauerte zwei Stunden.

Das engliſche Heer wurde von ihm tief erſchüttert. Es un⸗ terliegt keinem Zweifel, daß die Küraſſiere, wären ſie durch das Unglück in dem Hohlwege nicht in ihrem erſten Angriff geſchwächt worden, das Centrum geworfen und den Sieg entſchieden haben würden. Dieſe außerordentliche Cavallerie verſteinerte Clinton, der Talavera und Badajoz geſehen hatte. Wellington, zu drei Viertheilen beſiegt, bewunderte ſie heroiſch und ſagte halblaut: Splendid!(Prächtig!)

. [VIII. Jahrg.

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