Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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Der Urlaub wurde mir ſofort ertheilt; Herr Thiers meldete es mir am 15. October. Zu derſelben Zeit tauchte aber eine Frage auf, die unter meinen Freunden ſelbſt die Veranlaſſung zu einer Meinungsverſchiedenheit wurde; ſie waren über den Augenblick nicht einig, für den meine Rückkehr nach Paris am zweckmäßigſten feſtgeſetzt werde. Das Cabinet meldete ſeine Abſicht, den Herrn Odilon Barrot als ſeinen Candidaten für die Präſident⸗ ſchaft der Kammer aufzuſtellen. Ich hatte gegen denſelben keinen böſen Willen; ſeit 1831 vertraten wir über das Syſtem der Regierung im Innern und nach außen eine verſchiedene Anſicht; auf der Rednerbühne hatten wir uns gewöhnlich bekämpft, aber ohne Heftigkeit und ohne perſön⸗ liche Bitterkeit; ich ehrte ſeinen Charakter und ich war überzeugt, daß er den Vorſitz in der Kammer mit Unpar⸗ teilichkeit und Würde führen werde. Er war aber ſeit neun Jahren das Haupt der Oppoſition gegen die Politik, die ich ſeit neun Jahren unterſtützt hatte; die Coalition, die uns im Jahre 1839 zeitweilig einander in dem Vorſatz genähert hatte, unſere Streitigkeiten auszulöſchen und uns in der Regierung zu vereinigen, war geſcheitert; vielleicht würden wir zu jener Zeit dazu gelangt ſein, uns zu ver⸗ ſtändigen, wenn wir uns einander allein gegenüber geſtan⸗ den hätten; aber unſere Parteien waren immer tief ver⸗ ſchieden und getheilt geweſen und blieben es. Ich zögerte nicht zu denken und zu erklären, daß ich dieſer Candidatur

Uovellen-Zeitung.

meine Zuſtimmung nicht gehen könne, und ſchrieb am 17. October an den Herzog von Broglie:

Ich höre ſagen, man habe beſchloſſen, den Herrn Odilon Barrot für die Präſidentſchaft vorzuſchlagen. Es fällt mir ſchwer, es zu glauben. Nach dem, was ich von vielen Seiten darüber vernehme, nach den Schlüſſen meiner

Es gibt aber nach meiner Anſicht einen noch wichtige⸗ ren Bewegungsgrund, der ganz der Sachlage entnommen ifl. Welches iſt die ſchwache Seite, das weſentliche Uebel der Sachlage? Den Krieg öffentlich in Ausſicht geſtellt zu haben, ohne ihn zu wollen; zum Kriege getrieben zu haben, während man den Frieden im Auge hatte. Man war natürlich auf dieſen Abhang geſtellt; man mußte nach außen beunruhigen, überreden, daß der Krieg möglich ſei, um die Haltung, die Sprache, die Vorbereitungen ernſtlich nehmen zu laſſen. Das Ziel iſt aber offenbar überſchrit⸗ ten worden, ohne daß es erreicht wurde. Nicht von der Regierung ſelbſt und der officiellen Politik; aber um die Regierung herum, in ihrer Partei, in der Atmoſphäre, welche ihr ihre Phyſiognomie und ihre Farbe gibt, nehmen die Haltung, die Sprache, die Demonſtrationen einen Charakter der Uebertreibung, der Heftigkeit, der declama⸗ toriſchen und revolutionären Drohungen an; einen Charak⸗ ter, welcher im Inunern bei uns in der That den revolutio⸗ nären Leidenſchaften Hoffnung macht, und welcher außer⸗ halb in Europa aufreizt, ohne zu imponiren, und eine nicht wohlthätige, ſondern eine ſchädliche Unruhe verbreitet.

Die Stellung der Regierung hat dadurch gelitten. Bald hat man ihre friedlichen Verſicherungen, bald ihre kriegeriſchen Erklärungen in Zweifel gezogen. Man wußte nicht recht, was ſie eigentlich wolle. Man hat weder Vertrauen, noch Furcht genug gehabt.

Woher rührt das Uebel vorzüglich? Von der Berüh⸗ rung und dem Einfluß der Linken. Von dieſer ermüdeten und nicht umgeſtalteten Linken, welche weder böſe Abſich⸗ ten, noch den Muth zu guten hat, welche nicht mehr aus einer ſtarken, revolutionären Leidenſchaft, ſondern aus Ge⸗ wohnheit und revolutionärer Gefälligkeit ſpricht, ſchreibt

eigenen Veruuuft iſt es eine ſehr gefährliche Candidatur. und handelt, welche nach innen mehr verſpricht, als ſie

Wahrſcheinlich wird man ſeinen Zweck nicht erreichen, aber V wenn das geſchieht, wird man dieſe Niederlage ertragen können?

halten kann und zu halten wünſchen würde, nach außen mehr droht, als ſie bewirken kann und bewirken möchte, und die ſo dem Cabinet, das ſie unterſtützt, und der Lage,

jenes vom Rigi, vom Gorner Grat, der Bella Tola und das vomj Faulhorn. Endlich fehlt auch ein kleines, ſehr hübſches Ueber⸗ ſichtskärtchen der Schweiz nicht.

Deutſche Lieder, geſammelt von Karl Altmüller. Zweite ſtark vermehrte Auflage derProben deutſcher Lyrik. Kaſſel und Göttingen, Georg H. Wigand. 1862.

Wir empfehlen unſern Leſern angelegentlichſt dieſe Samm⸗ lung: Das Buch iſt die zweite, ſtark vermehrte Auflage derPro⸗ ben deutſcher Lyrik, die vor zwei Jahren erſchienen, und wird jedenfalls einen noch durchſchlagenderen und raſcheren Erfolg er⸗ zielen als jene erſte Ausgabe. Mit beſonderer Betonung des Liederartigen iſt der reiche Schatz unſerer vaterländiſchen Lyrik geſichtet, und eine Auswahl getroffen, die ſich durch Genauigkeit, Geſchmack und innere Harmonie auszeichnet. Bei der Zuſam⸗ menſtellung haben die Sinnigkeit des Dichters und die Gründ⸗ lichkeit des Literarhiſtorikers zuſammengewirkt, ſo daß dieſes Werk nach jeder Seite einen bleibenden Werth hat. Und dabei koſtet das ziemlich umfangreiche Buch im eleganteſten Einband nur einen Thaler.(Leipziger Sonntagsblatt.)

Miseellen. Die Schaar der Liebenden.

Während der innern Unruhen, die Frankreich im ſechszehnten Jahrhundert unter dem Namen der Ligue verheerten, entſtanden bei den noch vorhandenen Ueberbleibſeln von ritterlicher Denkart mitunter ſehn auffallende Auftritte, unter welchen die Tapferkeit

einzelner Frauen und die Bündniſſe, welche einzelne adelige Her⸗ ren mit einander bald für, bald gegen einen beſtimmten Zweck ſchloſſen, beſonders merkwürdig ſind. Conſtanze du Barry ver⸗ theidigte ein Schloß für Heinrich IV. ſo tapfer, daß dieſer es kaum ſelbſt beſſer hätte ſchützen können; die Herzogin von Retz ſtellte ſich an die Spitze eines Haufens tapferer Krieger und flößte der ganzen Ligue Achtung ein. Am merkwürdigſten war aber wohl der Einfluß, den die Gräfin von Bergi auf ſechszig Edelleute hatte. Bloß in der Hoffnung, daß ſie nach beendigtem Kriege einem von ihnen ihre Hand reichen würde, verpflichteten ſich alle ſechszig durch einen feierlichen Eid, ſich unter einander durch nichts zu übertreffen, zu verdrängen zu ſuchen, als durch Tapferkeit und Edelmuth, ſich der Wahl der Geliebten auf keine Art und Weiſe zu widerſetzen, und zum Zeichen ihres treuen Vereins immer das Bild eines geharniſchten Ritters mit den Worten zu führen:Für Gott, den König und ſeine Dame!

Worte für Welt und Haus.

uUnſer Wirken ſoll unſer Spiegel ſein. Er ſchmeichelt weder, noch ſpiegelt er ſchief; aber wir dürfen keine Brille aufſetzen, wenn wir hineinſchauen.

Die Zufriedenheit hat einen gewiſſen Bürgerſtolz. Sie liebt beſcheidene Räume und hält es kaum auf Stunden in einem Pa⸗ laſte aus. 9.

[VIII. Jahrg.

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