Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
444
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pfung.

Frankreichs iſt angegriffen, weder ſeine Unabhängigkeit, noch ſeine Regierung, weder ſeine Inſtitutionen und Ideen, noch ſeine freie Thätigkeit und ſein Reichthum.

Das, was man im Orient verſucht, kann etwas ganz Anderes, als was man verſucht, herbeiführen. Es können dort Fragen entſtehen und Ereigniſſe ſich zutragen, denen Frankreich nicht fremd bleiben darf. Das iſt ein Grund, ſich zu rüſten, ſich bereit zu halten. Es iſt aber kein Grund, im Abendlande ſelbſt noch bedenklichere Erxeigniſſe und Fragen zu erheben, die nicht von Natur entſtehen.

Man hat der Freundſchaft Frankreichs wenig Rech⸗ nung getragen. Es fühlt ſich davon verletzt und mit Recht. Das iſt ein Grund der Kälte, Iſolirung und einer vollkommen unabhängigen und rein perſönlichen Po⸗ litik. Es iſt aber kein Kriegsfall. Die Beleidigung iſt keine derer, welche den Krieg befehlen und ihn rechtfertigen. Man hat Frankreich weder beſchimpfen, noch herausfor⸗ dern, noch betrügen wollen. Man hat von ihm ſeine Mit⸗ wirkung verlangt. Es hat ſie unter den Bedingungen, die man ihm vorſchlug, verweigert. Man hat ſich mit wenig Rückſichten darüber weggeſetzt. Das war Sorglo⸗ ſigkeit und ein ſchlechtes Verfahren, aber keine Beſchim⸗

Nach dieſen Bewegungsgründen will ich die möglichen Chancen unterſuchen..

Wir dürfeu uns darüber nicht täuſchen: in dieſer Art und unter dieſem Antrieb in's Leben gerufen, würde der Krieg ein allgemeiner werden. Die vier Mächte würden ſich um der Ehre wie um des Intereſſes willen vereinigt halten. Die antiägyptiſche Allianz würde eine anti⸗ franzöſiſche Coalition werden. dazu treiben. Der allgemeine und revolutionäre Krieg

iſt der einzige, den diejenigen herbeiwünſchen, welche den V

Krieg wollen, der einzige, von dem ſie einen Erfolg träu⸗ zertreten.

inen können. In Frankreich glaube

Uovellen-Zeitung.

eine große Probe. nären Kräfte unzureichend; die revolutionären Hoffnungen ſahen ſich betrogen.

ich jetzt an die revolutionäre

Heftigkeit der Factionen; ich glaube nicht an einen revolu⸗ tionären Aufſchwung der Nation.

Nach außen gibt es keine große Sache zu vertheidi⸗ gen; weder die Sicherheit, noch die nationale Unabhängig⸗ keit ſind bedroht. Nach innen iſt keine große Eroberung zu machen, das Land beſitzt das Regime, das es wünſchte.

Anarchiſche Leidenſchaften in einigen Menſchen oder ſelbſt in einem Theile der Menge ſind kein revolutionärer Aufſchwung eines Volkes. Die politiſchen Factionen würden Verſchwörungen anſtiften; die politiſchen Leiden⸗ ſchaften würden zum Ausbruch gelangen; das Land würde ſich nicht erheben.

Die Anarchie kann in Frankreich nichts weiter als Lärm machen und Unheil anrichten. Ihre Hoffuungen ſind Einbildungen, wie ihre Kräfte auch nur eingebildet ſind.

In Europa würde der revolutionäre Krieg bei den Völkern nicht die ganze Unterſtützung finden, die man ſich von ihnen verſpricht.

Nach vielen kleinen Proben, die von 1814 bis 1830 verſucht worden ſind, machte man 1830 an vielen Punkten Faſt überall zeigten ſich die revolutio⸗

Es gibt Leute, welche vergeſſen; es gibt deren aber auch, die ſich erinnern, und die Erfahrung ſchwächt diejenigen, die ſie nicht verändert.

Der Geiſt der Nationalität und der ſtufenweiſen Ver⸗ beſſerung unter den nationalen Regierungen hat in Eu⸗ ropa mehr Terrain gewonnen als der Geiſt der Revo⸗

Frankreich würde ſelbſt lution.

In Deutſchland würde der Geiſt der Nationalität vor⸗ herrſchen, Spanien iſt zerriſſen, Italien entnervt, Polen Ich ſage nicht, daß dieſe Länder nichts ſind. Aber auf welche bedeutende und dauerhafte Stärke könn⸗ ten wir von dort hoffen? Und um welchen Preis? Um

Landes von zwanzig Millionen ähnliche Töne ſich zum Himmel erhoben.

Um ähnliche Geſänge zu unterdrücken, haben kürzlich die Soldaten in Warſchau ſo viele Opfer gemacht. Zweihundert junge Leute, die ſich keines andern Verbrechens ſchuldig gemacht

gen Drang nach liberalen Beſtrebungen fühlen kann, da mehrere Thüringer Länder eine recht brave Regierung haben. Im Ganzen aber gehört das Völkchen dem echten deutſchen

Kern an und bietet auch durch die Sagen, die in Thüringen herr⸗

haben, mußten ſich deßhalb unter tauſend Gefahren über die Grenze

nach Frankreich flüchten. Sie wohnten dem Oſterbanquet bei, und man ſagt ſogar, um die Ankunft derſelben zu feiern, habe die polniſche Emigration dieſem Familienfeſt dieſes Jahr eine um ſo

größere Feierlichkeit gegeben. C

Literatur.

Der Balſamträger vom Rennſteig und Ein deut⸗ ſcher Trapper. Von Gotthard Alfred Luther. Leipzig, Kollmann.

Allerdings iſt der Thüringer Wald ein durchaus poetiſches, noch wenig in beſſeren Novellen benutztes Terrain. Seine Be⸗ wohner bilden zum Theil einen tüchtigen gemüthlichen Stamm, und es fehlt dem Dichter nicht an dem geiſtigen Coſtüm, welches ein markirt ausgeſprochener Charakter gibt, verſeben mit den Zuthaten vorelterlicher Sitten, Gebräuche und abergläubiſcher Vorurtheile. Auch dieſe haben etwas Postiſches, und die Men⸗ ſchen in Thüringen hangen ſehr am Althergebrachten, da die Zeit⸗ läufe ſie oft in ihrer kleinſtaatlichen Abgeſchiedenheit wenig berührt haben. Der Thüringer ſitzt im Behagen eines kleinbürgerlichen, materiellen Lebensgenuſſes, iſt aber dabei einem deutſchen Patrio⸗ tismus nicht abgeneigt, wenn er auch zum Theil nur einen gerin⸗

ſchen, und durch die Erinnerungen der Vorzeit Stoff in Fülle dar.

Der Verfaſſer hat in ſeinem Bändchen viel Charakteriſtiſches aufgezeichnet; doch der Erzählerton, der darin herrſcht, und auch der des Dialogs ſtehen auf einer etwas tiefen Stufe. Man kann

das Volk in ſeiner Sprache reden laſſen und dabei doch geſchmack⸗ voll und edel in der eiſtigen Färbung bleiben. 1

Wie dem Müller ſeine Frau vor vier Jahren auf dem Tode lag und ihm zu gleicher Zeit ein Pferd fiel, da weinte der Alte wie ein Kind. Und als ihn Leute in ſeinem Schmerze damit trö⸗ ſteten, er ſolle Gott danken, daß er ihm ſeine Frau erhalten habe, da rief der Unſelige aus:Er wäre Gott keinen Dank ſchuldig; wenn ſeine Frau geſtorben wäre, ſo hätte er wieder eine andere umſonſt gekriegt und noch Geld mit, ſo koſte ihm ein anderer Gaul dreißig Louisd'or..

Dieſe Stelle befindet ſich auch in dem betreffenden Büchlein, und das muß man ſehr lobenswerth nennen, denn ſo vielen Lob⸗ hudeleien der Bauern und ihrer Tüchtigkeit in den Dorfgeſchichten gegenüber iſt es zweckmäßig, wenn auch dann und wann ein ent⸗ gegengeſetzter Charakterzug ihrer Denkart verewigt wird. Wer lange auf dem Lande gelebt hat, wird eine Reihenfolge von Pen⸗ dantſtellen zu jener hochherzigen Aeußerung hinzufügen können. Der fühlloſe Egoismus der Bauern muß zunächſt bloßgeſtellt und bekämpft werden, wenn Dorfgeſchichten moraliſch wits e ſaln

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[VIII. Jahrg. h.

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