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junge Mann unter angenommenem Namen, und es gelaug ihm raſcher als manchem Anderen, ſich eine gewiſſe Gel⸗ tung zu verſchaffen. Zwar erfuhr auch er die Bitterkeiten und Euttäuſchungen, die jeden Schriftſteller, ſo lange er
ſich im erſten Stadium befindet, heimſuchen; doch ſchwäch⸗
ten dieſe ſeinen Muth nicht, ſie ſpornten ihn vielmehr an, gerügte Mängel zu beſeitigen und ſich mnehr und mehr zu vervollkommnen.— Nur Eins machte ihm jetzt oft Kum⸗ mer, der Umſtand nämlich, daß ihm die Verhältniſſe noch nicht geſtatteten, unter ſeinem wahren Namen an die Oefſentlichkeit zu treten, und wohl Niemand vermuthete in ihm, dem beſchürzten Ladendiener, den Autor der ſpan⸗ nenden und intereſſauten Novellen, welche die Spalten der beſten und geleſenſten Zeitſchriften füllten.
Nach Ablauf ſeiner Lehrzeit warf Gottfried die Schürze ab und ſah ſich nach anderer Beſchäftigung um. Der Zufall wollte, daß er in jener Zeit mit einem Oberpoſt⸗ ſecretär bekannt wurde, welcher ſich einer auffallend raſchen Beförderung rühmen konnte und dem jungen Manne den Staatsdienſt als den ſicherſten Weg zu einer ſorgenfreien Exiſtenz pries.
Gottfried war ein Menſch des Augenblicks; ohne ſich nach den Laſten und Pflichten eines Poſtbeamten näher zu erkundigen, ging er auf das Auerbieten ſeines neuen Bekannten, der ihm zur Erlangung einer Secretärſtelle behülflich zu ſein verſprach, ſofort ein und erhielt letztere auch, nachdem er ſich um dieſelbe beworben und ſeine ſehr guten Schulzeugniſſe der Directien eingereicht hatte. Zwar bereute er dieſen Schritt ſchon in deu erſten Tagen ſeines Amtsantritts, doch die Reue kam zu ſpät, er mußte ſeine Probezeit aushalten, und als dieſe abgelaufen war und er ſich nun in ſein Amt gefunden hatte, unterzeichnete er den neuen Contract, hauptſächlich dazu bewogen durch die Zuſicherung ſeiner Vorgeſetzten, daß ſeine Beförderung zu einer höheren und beſſer beſoldeten Charge biunen Kur⸗ zem erfolgen werde.—(Fortſetzung folgt.)
Uovellen-Zeitung.
(VIII. Jahrg.
V Les Mémoires de M. Guizot.
Von dieſem Werke eines Staatsmannes, der in den vierziger Jahren unter Ludwig Philipp die Geſchicke Frankreichs leitete und der allerdings— wenn auch ganz gegen ſeinen Willen— an dem Ausbruch der Februarre⸗ volution nicht ganz ſchuldlos war, deſſen Ehrenhaftigkeit jetzt aber mehr als je in Frankreich anerkannt wird, iſt am 23. Mai in Paris bei den Herren Michel Lévy, frères, der fünfte Band erſchienen, worin derſelbe ſeine Erzählung bis zum Jahre 1840 fortſetzt, wo er ſeinen Geſandt⸗ ſchaftspoſten in London aufgab, um in dem nach dem Rücktritt des Miniſteriums Thiers gebildeten Miniſterium Soult das Portefeuille des Auswärtigen zu übernehmen. Da dieſe Memoiren nicht nur für die Geſchichte Frank⸗ reichs, ſondern auch für die Europa's von großer Wichtig⸗ keit ſind und gleichzeitig zur richtigen Beurtheilung eines früher viel verkannten Mannes ein ſehr ſchätzbares Ma⸗ terial liefern, ſo wird es wahrſcheinlich unſern Leſern willkommen ſein, wenn wir ihnen hier die Epiſode daraus mittheilen, worin er erzählt, in welcher Weiſe ſein Ein⸗ tritt in's Miniſterium vom 29. October 1840 herbeige⸗ führt wurde. Zum leichtern
Verſtändniß des Folgenden wollen wir⸗ hier für die jüngeren Leſer, denen die Ereigniſſe von 1840 weniger bekannt ſein mögen, kürzlich bemerken, daß nach der Eröffnung der Seſſion der geſetzgebeuden Kammer am 23. December 1839 Thiers die von Fraukreich in den orientaliſchen Angelegenheiten befolgte Politik ſehr angriff, und weil ſeine Rede in ganz Frankreich ſehr viel Anklang fand, ſo ſah ſich der König dadurch veranlaßt, Sebaſtiani von dem Geſandtſchaftspoſten in London abzuberufen und Guizot an deſſen Stelle zum Geſandten zu ernennen, in deſſen doctrinäre Gewaudtheit Ludwig Philipp das größte
Fuhrmann erhielt von einem Arzte Pillen gegen die Kolik und hatte dafür 100 Dollars zu zahlen..
Am 29. October. Das Pfund Mehl iſt auf 2 Dollars ge⸗ ſtiegen. Das Quart Rum koſtet zwanzig.
Am 8. November. Jetzt ſind ſchon mehr als fünfzigtauſend Goldgräber hier zuſammengeſtrömt. Einige haben Zelte, andere nicht; einige beſitzen Lebensmittel, andern fehlt jeder Biſſen. Man arbeitet mit Brechſtangen, Spitzhacken, Wiegen, Spaten, Pfannen, Hämmern und Drillbohrern, an allen Ecken und Enden rnallt es, denn man ſprengt das Geſtein mit Pulver weg. So buntſcheckiges Volk iſt wohl nie zuvor auf einem Punkte zuſam⸗ men geweſen. Da, wo vor Wochen eine nun verlaſſene Lager⸗
ſtätte war, liegen Todtengebeine umher, welche von den Wölfen⸗
ausgeſcharrt worden ſind; der Tod hält eine reiche Ernte.
Am 13. November. Ich habe nun genug von der Gold⸗ gräberei geſehen, und will wieder heim. Ich komme eben von einer Höhe zurück, von welcher ich weit und breit eine beträchtliche Goldregion mit ihren Schluchten und Bächen, Zelten und Men⸗ ſchen überblicken konnte. Ich bin ein weitgereiſter Mann, habe den Niagara rauſchen hören, kenne die Parks und die City von London, die Boulevards von Paris, die ſchönen Ufer des Rheines, die Trümmer der ewigen Stadt Rom, Pompeji und den feuer⸗ ſpeienden Veſuv. Ich habe auch Mondſcheinnächte in Venedig durchträumt, auf der Akropolis zu Athen geſtanden und in dem halbbarbariſchen Canſtantinopel verweilt. Aber alle dieſe Herr⸗ lichkeiten uſananeneeu haben doch keinen ſo ſeigenthüm⸗ lichen Eindruck auf mich'gemacht, wie dieſe„Diggings“ in Cali⸗ fornien. Das Ganze iſt geradezu unbeſchreiblich.“ 6
V Aus der Gegenwart. Die diesjährige Oſterſeier der Polen in Paris.
Ueber dieſe rührende Feier ſpricht ſich ein Pariſer Blatt in folgenden Worten aus: 3. Der Oſtertag, der feierlichſte Tag des Jahres für alle chriſt⸗ lichen Völker, wird in Polen mit einer ganz beſondern Frömmig⸗ keit gefeiert. Anderswo füllen ſich die Kirchen mit Lichtern, Weihrauch und Blumen; in einigen Städten Italiens verſchwin⸗ den die marmornen Mauern der alten Baſiliken unter Behängen von Sammet und Gold; die Polen thun zu Ehren des Tages noch mehr, denn ſie verſöhnen ſich mit ihren Feinden. Sich einer Klage am Tage nach Oſtern erinnern, würde mehr als ein anti⸗ brüderlicher Act, es würde eine wahrhaft gottloſe Handlung ſein. Welcher Beleidigung man ſich auch gegen irgend eine Perſon ſchul⸗ dig gemacht haben mag, man kann zu ihr gehen und im vollen Vertrauen„Halleluja“ ſagen; ſie reicht ihm ſofort die Hand und umarmt ihn nach der Sitte des Landes..— Dieſer ſo rührende Gebrauch iſt nicht der einzige, der in dieſer Epoche des Jahres ein glänzendes Zeugniß des religiöſen Sinnes der Polen ablegt; ihre ſo viel gerühmte Gaſtfreundſchaft wird dann in einer ſo vollſtändigen Art ausgeführt, daß für den Augenblick alle Rangſtufen unter einander gemiſcht, die Ungleich⸗ heiten der Geburt ausgelöſcht und die materiellen Güter zwiſchen allen Bürgern gemeinſchaftlich ſind, welche beſchloſſen haben, dies⸗ mal die Vorſchrift des Evangeliums auszuüben, die den Menſchen befiehlt, als Brüder zu leben,.—— Seit Tagesanbruch ſind die Thüren der Häuſer geöffnet; im
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