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griffenen Hauspoſtillen irgend ein erbauliches Capitel zu leſen. Dabei zankte und keifte die Alte unaufhörlich, und der Steuerempfänger, der ein Pantoffelheld erſter Claſſe iſt, wagte es nicht, auch nur ein Wörtchen zu Gunſten Lorchen's einzulegen. Da kann man's dem Mädchen wohl
nicht verübeln, wenn es ſich hinter dem Rücken der Xan-
thippe zu entſchädigen ſucht.“
„Wie ſo?“ fiel Gottfried ihm in's Wort. wollen Sie damit ſagen?“.
„Im Grunde iſt der Steuerempfänger nicht ſo ſchlimm, wie man ihn macht,“ fuhr der Alte fort,„er hat dem Mädchen ohne Vorwiſſen ſeiner Frau Romane und andere Bücher verſchafft, und daß deren Inhalt bei Lorchen nicht zu einem Ohre hinein und zum anderen wieder herausge⸗ zogen iſt, erkennt man gleich, wenn man nur einige Worte mit ihr wechſelt. Ein ſolcher Roman hat immer etwas Verführeriſches; ich kenne das aus meiner Jugend her, als ich noch Kuhhirte war und einmal ein ſolches Buch in der
„Was
alten Kiſte meines Herrn unter allerlei Gerumpel fand;
ich hab's, glaub' ich, wohl fünfzigmal durchſtudirt und kannte es nachher bis auf's Komma auswendig. Na, der Lorchen wird es ergangen ſein wie mir, ich war damals auch halbtoll und wußle oft nicht, wo mir der Kopf ſtand. Der Roman hatte mir's angethan— kurz und gut, vor wenigen Wochen fand, wie Sie wiſſen, hier im Städtchen ein Ball ſtatt, das Mädchen ſteckte ſich hinter den Steuer⸗ empfänger, und dieſer wagte es, ſie hinzuführen und nach⸗ her wieder abzuholen. Seine Frau war an jenem Abende zu einer Viſite geladen, und das Wageſtück gelang. Die Alte fand, als ſie nach Hauſe kam, den Gatten im Bette und die Pflegetochter in der Küche und glaubte, Alles ſei in der ſchönſten Ordnung geblieben. Aber der Menſch denkt und Gott lenkt. Drei Tage ſpäter kam die Frau Steuerempfängerin dahinter, und nun gab es ein Mordio, als ob man ihr nach dem Leben getrachtet hätte.“ „Nun?— Was weiter?“ fragte Julius.
Zeitung.
„Jetzt iſt die Sache beinahe wieder im Geleiſe,“ fuhr der Bote fort,„aber mir bangt, mir bangt—“ Er ſchüttelte bedenklich das Haupt und warf einen vielſagen⸗ den Blick auf das leere Glas.
Gottfried verſtand ihn, er ſcheukte noch einmal ein und reichte das Glas dem Redſeligen, der daſſelbe haſtig
leerte und alsdann die Briefe in ſeine Taſche ſchob.„Ich
befürchte, Lorchen wird's nicht lange mehr aushalten und eines ſchönen Morgens mit Sack und Pack über alle Berge ſein,“ hob er nach einer kurzen Pauſe wieder an.„Ein Bruder ihrer Mutter, der ſich früher nicht ſonderlich um ſie bekümmert hat, wohnt in B., er ſchreibt faſt alle vier⸗ zehn Tage, und wie ich aus den Aeußerungen des Mäd⸗ chens vermuthen kann, will dieſer, daß ſie zu ihm ziehen ſoll.— Na, der Kaufmaun hat's verdient, und ich gönne ihm den Schimpf, er ſollte energiſcher auftreten, wozu iſt er der Herr im Hauſe?“— Er wandte ſich um und machte Miene das Zimmer zu verlaſſen.
„He, noch ein Wort!“ rief Gottfried ihm nach.„Sagt einmal, wißt Ihr, ob das Mädchen ſchon einen Freier hat?“
„Einen Freier?“ fragte der Alte, faſt beſtürzt zu dem jungen Manne aufſchauend.„Einen Freier?— Wie ſollte ſie zu einem ſolchen kemmen? Aber weßhalb fragen Sie mich darum?“
„Na, ich meine nur,“ erwiderte der junge Mann ſtot⸗ ternd,„ich hörte einmal in der Geſellſchaft einige Worte darüber fallen.“
„Geſchwätz! Leeres Geſchwätz!“ unterbrach der Alte ihn rauh.„Wer das Gerücht zuerſt verbreitet hat, der hat's erfunden, das ſage ich Jedem dreiſt in's Geſicht.“
„Da haſt Du alſo das ganze curriculum vitae der ehr⸗ und tugendſamen Jungfrau Eleonore Gerolt,“ nahm Julius das Wort, als der Bote das Zimmer verlaſſen hatte.„Ich denke, die Kenntniß deſſelben wird Deine Operationen weſentlich erleichtern.“
Die Polizei, die niederländiſche Regierung, kam dem Chineſen
zu Hülfe, um die Sclavinnen, ſein gekauftes Eigenthum, in ſeine
Gewalt zu geben, um ihn gegen das unrechtmäßige Widerſtreben unwilliger Leibeigenen zu ſchützen, um ihm, dem rechtmäßigen Eigenthümer, ſein Recht zu wahren. Edler Beruf der nieder⸗ ländiſchen Regierung! Was iſt aus den Unglücklichen geworden? Deen andern Morgen wurden ſie von Oei Hang, noch immer mit Hülfe der Polizei, auf ein Landgut gebracht, das er im Hoch⸗ lande von Batavia beſaß. Was ihr ferneres Loos geweſen, weiß ich nicht, ich habe nie wieder etwas davon gehört. 3
Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Zur geſchichte des californiſchen goldes.
Schon einige Male haben wir unſern Leſern über die Zu⸗
ſtände und das Aufblühen San Francisco's Mittheilungen von Augenzeugen gemacht. Wenn jetzt dort das Goldgraben nur noch in zweiter Linie betrieben wird, ſo iſt es von Intereſſe zu ſehen, wie dieſe koſtſpielige und einträgliche Leidenſchaft ehedem dort graſſirte.
welche er redigiren half, und die erſten Nummern wurden in Er⸗ mangelung eines Beſſern auf Cigarrenpapier gedruckt. Dann und wann hielt er auf den Schiffen und am Lande Predigten, ging täglich auf die Jagd, um ſich ſeine Nahrungsmittel zu erſchießen. Er verbot die Glücksſpiele und beaufſichtigte die Gefängniſſe. In ſeinem Tagebuche ſchreibt er:„Ich beſuchte die Gefangenen bei ihrer Arbeit. Der eine war obhne Hemd und geſtand mir, daß er es an einen andern Gefangenen verſpielt habe Freilich hatten dieſe Leute keine Karten, aber ſie wußten ſich zu helfen. Sie hatten einen Knochen genommen und ihn in die Luft geworfen; wer ihn ſo warf, daß das dicke Ende die Erde berührte, gewann. Indianer und ſpaniſche Californier würden ſogar um ihre Zähne ſpielen, wenn ſie nichts Anderes einzuſetzen haben. Ich finde in jedem californiſchen Hauſe einen Tanzſaal und eine Madonna. Tanzen und Knieen wechſeln im Nu mit einander ab. Der Cali⸗ fornier iſt von Kindesbeinen an bis an ſein Grab zu Pferd, aber er mag nicht arbeiten.“ 4 Ein ſehr anſchauliches Bild gibt Colton von der merkwür⸗ digen Aufregung, welche ſich der Leute bemächtigte, als das edle Metall gefunden war. Er ſchreibt unterm 29. Mai 1848 in ſein Tagebuch Folgendes: 3 „Heute früh war es hier ſehr lebhaft. Ein Mann bringt
Die früheren Zuſtände Californiens lernt man ſehr gut aus die Meldung, daß am Rio de los Americanos viel Gold gefunden einem 1854 in New⸗York gedruckten Buche von Walter Colton. worden ſei. Die Leute ſchwatzen darüber, es glaubt aber niemand Es führt den Titel:„Drei Jahre in Californien.“ Dieſer Mann recht daran.— Am 6. Juni: Das Geſchwätz über Goldent⸗ befand ſich im Juli 1846 in Monterey, als dort die amerikaniſche deckungen will kein Ende nehmen; ich muß endlich wiſſen, was
Flagge aufgezogen wurde. Im Auguſt wählte man ihn zum Alcaden; er war alſo Richter und Polizeidirector in einer Per⸗
daran iſt, und habe deßhalb einen Boten nach dem American Niver geſchickt. Er hat hin und zurück vierhundert Meilen zu
ſon, ſchrieb vierzehn Tage ſpäter den Proſpect zu einer Zeitung, machen, aber ſein Pferd iſt gut und der Mann zuverläſſig. 1
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— die vor rau- ah ſtun penl elſch corp Wg Mitt ſchen Anſe


