138
läſſigkeit iſt mir während meiner langjährigen Dienſtzeit legte.
Nach einem kurzen Augenblick des Sinnens erhob
noch nicht vorgekommen; bis jetzt hatte ich bei der Ober⸗ Gottfried ſich und trat an das Fenſter, um den Gegen⸗ Poſtdirection den Ruf, daß die Bücher meines Poſtamts ſtand ſeiner Vermuthungen einer näheren Reviſion zu un⸗ ſtets die ſauberſten ſeien, und nun muß mir der Wind
einen Hans Loddrian in die Expedition wehen, der nichts Eiligeres zu thun hat, als Kleckſe und Raſuren in meinen Büchern anzubringen.— Nehmen Sie ſich zuſammen, Herr, ich mache nicht lange Federleſens, kommt mir eine ähnliche Dummheit noch einmal vor, ſo ſind Sie die längſte Zeit Poſtbeamter geweſen, merken Sie ſich das!“
Der junge Mann warf einen Blick voll Verachtung auf die Thüre, hinter der der Vorgeſetzte ſcheltend und brummend verſchwunden war.„Fünfzehn Thaler monat⸗ lich und dazu eine ſolche Behandlung!“ murmelte er nach einer Weile.„Wüßte ich nur auf andere Weiſe mein Brod zu erwerben, ich würde mich von Dir nicht länger ſchuhriegeln laſſen!“— Er wurde in ſeinem Selbſtge⸗ ſpräch durch den eintretenden Beamten unterbrochen, der ihm den Briefbeutel der eben angekommenen Poſt über⸗ brachte. Mechaniſch öffnete Gottfried den Beutel, ſchüt⸗ tete den Inhalt deſſelben auf den Tiſch und ſetzte ſich hin, um die Briefe zu ſortiren. Plötzlich hielt er in dem Ge⸗ ſchäft inne, er hatte unter den Briefen einen gefunden, der die Adreſſe des Fräulein Eleonore Gerolt trug. Er be⸗ trachtete ihn eine geraume Weile von allen Seiten, wandte ihn einige Mal hin und her und gab ſich ſeinen Vermu⸗ thungen hin, was dieſes zierlich gehaltene Brieſchen wohl enthalten möge. Plötzlich tauchte der Gedanke in ihm auf, daß daſſelbe ein billet doux ſein könne, und Eleonore vielleicht ſchon die glückliche Braut des Schreibers deſſel⸗ ben ſei. Ein Blick auf den Poſtſtempel überzeugte ihn,
daß der Brief aus der nächſtgelegenen Provinzialſtadt kam, und die feine, reich mit Schnörkeln verzierte Handſchrift ließ mit Gewißheit errathen, daß der Schreiber deſſelben ein eitler Geck war, der auf ſein Aeußeres großen Werth
terwerfen. Er bemerkte nicht, daß, als er den Brief aus⸗ einanderbog, um, wenn auch nicht den ganzen Inhalt, doch weuigſteus die Endſylben der Zeilen leſen zu können, das
Siegel ſich allmählich ablöſte und endlich ihm vor die Füße
fiel.
„Komm“— las der Seeretär leiſe, während erdfahle Bläſſe ſein Antlitz überzog,„treue Liebe— mein Herz— Arme offen— Liebe verſüßen.“—
„Aber zum Kuckuck, was machſt Du da?“ raunte Ju⸗ lius, der inzwiſchen unbemerkt eingetreten war, ſeinem Freunde in's Ohr.„Weißt Du, welche Strafe Dein Vor⸗ witz ernten könnte?“
Gottfried fuhr erſchreckt zuſammen, und ſeine erſte Bewegung war der Verſuch, dem Freunde den Brief zu verbergen.„Ich, ich— wollte nur wiſſen—“ ſtot— terte er.
„Was der Brief enthält,“ fiel Julius ihm in's Wort. „Nun ſieh, was Du angerichtet haſt, das Siegel iſt gelöſt, der Brief offen, und es hätte nur der Anweſenheit des Poſtmeiſters bedurft, Dich wegen Verletzung des Briefge⸗ heimuiſſes oder verſuchter Unterſchlagung vor das Forum des Gerichts zu bringen.— Laß einmal ſehen, an wen iſt der Wiſch?— Fräulein Eleonore Gerolt?“ fuhr er fort, als er den zitternden Händen ſeines Collegen den Brief entriſſen und einen Blick auf die Adreſſe geworfen hatte. „Die Dame iſt mir unbekannt, ſtehſt Du vielleicht in näherer Beziehung zu ihr?“
„Sie iſt dieſelbe, von der ich Dir vorhin erzählte,“ entgegnete Gottfried.„Vor einer halben Stunde forderte ſie ein Paſſagierbillet nach Nordhauſen, dies verſchaffte mir die Kenntniß ihres Namens, und nun wirſt Du erra⸗ then, weßhalb dieſer Brief mich intereſſirt.“
„Haſt wohl ein billet doux in ihm gewittert?“
Aergſte von allem iſt, ſein werden!“
„Nein, mein Kind! Das Aergſte iſt das Loos, das Ihr bei dem Chineſen zu erwarten habt. Jetzt ſeid Ihr noch unſchuldig und unverdorben, aber“.... und nun folgte eine Beſchreibung der Abſichten des künftigen Käufers und der Mittel, die er beſaß, um ſein Ziel zu erreichen, welche die beiden Sclavinnen erzittern und ſchaudern machte.
Unterdeſſen ging die Verſteigerung ihren gewohnten Gang. Endlich kam die Reihe an die Sclaven. Mit niedergeſchlagenen Blicken und trägem Schritte, einer ſich hinter dem andern verber⸗ gend, nahten ſich die Unglücklichen, denn es gibt keinen Sclaven in Indien, der, wie wenig er auch ſonſt ſeine Sclaverei fühlte, nicht einen Widerwillen dagegen hätte, ſich wie ein Thier an den Meiſtbietenden verkaufen zu laſſen.
Mit dieſer Schande droht der Herr, wenn ihn der Sclave nicht zufrieden ſtellt; um dieſer Schande zu entgehen, wird er ſich viel gefallen laſſen.
„Werden alle Fünf zugleich verkauft?“ fragte laut ein junges Herrchen, das ein weißes Jäckchen anhatte, eine Cigarre im Munde und eine Brille auf der Naſe.
„Nein, mein Herr,“ war die Antwort des Auctionators,„in zwei Abtheilungen. Auf dieſe Beiden, zu denen Sie wahrſchein⸗ lich Luſt haben,“ und hier zeigte er mit einem Lächeln und einer gewiſſen Gebehrde des Einverſtändniſſes auf Moetiara und Me⸗ lati,„können Sie getrennt bieten.“ Ein allgemeines Gelächter war der Lohn dieſes Witzes, nur die Sclaven lachten nicht.
„Auf den Tiſch!“ befahl der Auctionator, und augenblicklich wollte die alte Frau dem Befehle Folge leiſten.„Nein, Alte,
liebe Mutter, daß wir nicht mehr bei Dir
———
4
Du noch nicht! erſt die Beiden da neben Dir. Kommt, Mädchen, auf den Tiſch.“ 3
Thränen drängten ſich in die Augen der Unglücklichen, wäh⸗ rend ſie auf die Schaubühne ſtiegen, aber ſie unterdrückten dieſe Thränen. Da ſtanden ſie, den unverſchämteſten Blicken und ſalz⸗ loſen Witzen einer leichtſinnigen Menge bloßgeſtellt. Da ſtanden ſie, vergebens bemüht, ſich dieſen Blicken zu entziehen, und nicht wiſſend, wo ſie ſich vor Scham verbergen follten.
„Zwei Sclavinnen, Moetiara und Melati, die eine ſechs⸗ zehn, die andere fünfzehn Jahre alt! Wer bietet auf ſie?⸗
„Sollen ſie nicht einzeln verkauft werden?“ fragte ein Ara⸗ ber, der zu dieſem Kaufe Luſt zu haben ſchien.“
„Nein, die Verkaufsbedingungen lauten: zuſammen. Wer bietet darauf?“—
„Achthundert Gulden,“ rief der Araber. 3
Ein Gebot von dieſem Manne machte, daß die beiden Sela⸗ vinnen ſchüchtern aufſahen. Man hatte ihnen ſo oft erzählt, was für harte Herren die Araber wären; ſollte er ihr Herr wer⸗ den? Aber als ſie aufſaben, fiel ihnen der Chineſe von dieſem Morgen in die Augen. Und das Bild, welches ihnen die alte Frau entworfen hakte, ſtand mit allen ſeinen ſchwarzen Farben vor ihrer Seele— ein Beben ging durch ihre Glieder. Aber. glücklich, der Chineſe ſchweigt.. 3
„Wer bietet mehr, als achthundert Gulden?“ ruft der Auctionator..
„Tauſend Gulden!“ ruft ein Herr mittleren Alters, etwas unterſetzt, mit einer Miene, die ihr Möglichſtes zu thun ſchien, um barſch zu erſcheinen. Doch glückte der Verſuch nicht ganz. Es war mein Freund van Spruit, der Vertheidiger der Sclaverei.
Mferſch
haben Brie Gott zufa
Wi an ſ gifa
eines amte bleibt abgel ich ſe die)
( wäre mich
glau könn und


