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deren für Dein Schriftſtellern ebenſogut haſt, wie jeder andere der tauſend und abertauſend Dichter, welche Deutſch⸗ land überſchwemmen.“
„Allerdings bewegen mich Gründe dazu,“ erwiderte Gottfried,„doch erlaſſe mir, ſie Dir zu vennen, Du wür deſt doch nur meiner ſpotten.“
„Es kommt darauf an!“ verſetzte Julius gelaſſen. „So wenig ich auch mit Deinem Thun und Laſſen über⸗ einſtimme, ſind Deine Gründe dafür derart, daß ein ruhi⸗ ger und vernünftig denkender Menſch ſie gelten laſſen kaun, ſo wird es mir nicht einfallen, ſie geradezu zu ver⸗ werfen; alſo ſprich und traue meiner Verſicherung, daß ich es gut und treu mit Dir meine.“
„Nun wohl,“ entgeguete Gottfried,„der erſte Grund iſt mein innerer Drang, der zweite meine Liebe zu einem ſchönen, tugendhaften Mädchen, deren Herz und Hand ich mir auf dieſem Wege leichter und raſcher zu erwerben hoffe, als ich dies in meiner jetzigen Stellung vorausſichtlich kann.“
Julius ſchaute überraſcht auf.„Du liebſt?“ fragte er.„Und das höre ich erſt heute? Das iſt allerdings etwas Anderes. In dieſem Falle finde ich Dein Haſchen nach dem Ruhme eines Schriftſtellers verzeihlich; iſt es doch eine allbekanute Wahrheit, daß die Mädchen den Dichter jedem Anderen vorziehen!— Und wer iſt die Auserwählte, wenn ich fragen darf?“
„Es iſt mir unmöglich, Dir ihren Namen zu neunen, weil ich ihn ſelbſt nicht kenne,“ fuhr Gottfried fort.„Ich ſah ſie vor wenig Wochen auf dem Balle und—“
„Warſt zu blöde, Dich nach ihrem Namen zu erkundi⸗ gen,“ fiel Julius lachend ihm in's Wort.„Daran erkenne ich Dich, Deine Blödigkeit hat Dir ſchon manchen Scha⸗ bernack geſpielt, wie die Defectzettel in Deiner Caſſe be⸗ weiſen. Nummer Eins: Sieben Silbergroſchen ſechs Pfennige, Nummer Zwei: fünfzehn Silbergroſchen, und ſo fort bis zu Nummer Zehn; ich zweifle nicht, daß am
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Ende dieſes Monats ein hübſches Sümmchen herauskom⸗ men und der Poſtmeiſter Dir eine Naſe in den Kauf ge⸗ ben wird, wenn er das Deficit von Deinem Gehalte in Abzug bringt. Und forſcht man dem Grunde dieſer Schuldenlaſt nach, ſo ſtellt es ſich heraus, daß Du ſie nur Deiner Blöͤdigkeit verdankſt. Naht ſich ein Dame dem Schalter, um ein Paſſagierbillet zu löſen oder einen Brief zu frankiren, ſo darf ſie nur jung und hübſch ſein, und der Bock iſt ſchon geſchoſſen! Entweder forderſt Du zu wenig oder zahlſt zu viel zurück, und kehrt Deine Vernunft, die inzwiſchen über alle Berge war, zurück, und Du findeſt den Irrthum, ſo ſchämſt Du Dich, die Dame zurückzuru⸗ fen und ihr zu geſtehen, daß Du Dich geirrt habeſt. Doch erzähle weiter!“
„Es war wohl weniger Blödigkeit, als vielmehr die Furcht, meine Frage möge auffallend und arrogant gefun⸗ den werden, was mich von einer Erkundigung nach dem Namen dieſer Dame zurückhielt,“ verſetzte Gottfried.„Ich weiß nicht, wie mir geſchah, als ich das Mädchen zuerſt ſah; meine Ruhe war hin, Jeden, der ſich ihr näherte, be⸗ wachte ich mit Argusaugen und oft fühlte ich den Zorn in meinem Herzen auflodern, wenn ich gewahrte, daß einer der jungen Leute ſich länger mit ihr unterhielt, als ich dies nöthig und ſchicklich fand. Ich konnte den Blick nicht von ihr wenden, und als ſie vor dem Cotillon den Saal ver⸗ ließ, ging auch ich hinaus—“
„Nun?“ fiel Julius ihm in die Rede,„Du gingſt ihr doch nach?“
„Nein, ich ſah ihr ſo lange vach, bis ſie meinen Blicken entſchwand,“ fuhr Gottfried fort,„und ging dann nach Hauſe. Ihr zu folgen, hielt ich für unſchicklich, und zudem befürchtete ich auch, der Herr, welcher ſie unten an der Thüre in Empfang nahm, werde mich zur Rede ſtellen.“
„Und nun willſt Du warten, bis man Deine Büſte mit Lorbeeren bekränzt und ihr auf dem Parnaß deutſcher
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Feuilleton.
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Das Loos der Sclaven.
Ob dieſes ein erträgliches oder ganz finſteres iſt, darüber wurde ſeit Jahren viel geſtritten, und eine ganze Nation kämpft gegenwärtig um dieſe Frage. Doch um deutlich zu fühlen, wie die Selaverei überall ein Elend und eine⸗ Tyrannei gegen die Seele des Menſchen iſt, braucht man nur dann und wann einige Facta anzuſchauen. Van der Hoevels erzählt uns eine Sclaven⸗ auction in Indien, die Scene iſt hochdramatiſch.
Dort ſitzen, ſagt er, auf einer Bali⸗Bali(Ruhebank) eine Frau mit ihren beiden Söhnen in der Blüthe des Lebens, von kräftigem Körperbau und freundlichem einnehmenden Aeußern, und außerdem noch zwei junge Mädchen
Dieſe beiden letzteren zumal ziehen Aller Aufmerkſamkeit auf ſich. Die regelmäßigen Züge, die nur wenig gebräunte, faſt weiße Farbe der ſanften feinen Haut, die hellen weißen Zähne, die wie kleine Perlen glänzen, ſo oft ſich die Geſichtszüge zu einem freundlichen Lächeln falten, die runden Formen der wohlgebildeten Figur, das reiche glänzend ſchwarze Haupthaar, die dunkeln feu⸗ rigen Augen voll Gluth und Leben— das Alles machte die zwei Mädchen zu Schönheiten erſtes Ranges. Fügt ihr die anmuthige
Sclavenkleidung hinzu, die ſie trugen, den in breiten Falten nie⸗ derfallenden Sarong, um die Hüften mit einem ſilbernen Gürtel (ponding) feſtgebunden, und das helle, weiße kurze Baaitje von feiner Baumwolle,, das nur leicht den ſchwellenden Buſen bedeckt, und ihr werdet euch nicht wundern, daß viele junge Männer, die, ehe ſie nach ihren Bureaux gingen, noch ſchnell einmal die ange⸗ kündigte Auction beſuchten, vorzüglich dieſen Platz auswählten, und am liebſten einen Blick auf dieſe Gegenſtände warfen, die ſo⸗ bald darauf verſteigert werden ſollten.. 3 Moetiara und Melati trugen ihre Namen mit Recht. Sie waren eine Perle(Moetiara) und eine Blume(Melati). Aber ſie waren auch beſeelte Geſchöpfe. Ihren Vater hatten ſie nicht ge⸗ kannt: ihre Mutter, vor ein paar Jahren geſtorben, war die Leib⸗
eigene einer bejahrten Dame, einer braven, gutherzigen, echt
chriſtlichen Frau. ne g. Sclavenerziehung genoſſen, waren in weiblichen Arbeiten ſehr erfahren und kannten noch keine andere als ſorgloſe und glückliche Tage. Plötzlich war, vor wenigen Wochen, die gute Herrin ge⸗ ſtorben. Sie hatte verſäumt, zu rechter Zeit Sorge zu tragen, daß die nöthigen Anſtalten getroffen wurden, um nach ihrem Tode ihre Sclaven in Freiheit zu ſetzen, wie es ihr Vorſatz geweſen
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Sie hatten von ihrer Herrin eine gute
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