Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
426
Einzelbild herunterladen

426

Am andern Tage verließ ich den Ort, wo mir in kur⸗ zer Zeit die empfindlichſten Kränkungen geworden, nach kalter Verabſchiedung und mit dem feſten Entſchluſſe, meinem beleidigten Stolze in irgend einer Weiſe Genug⸗ thuung zu verſchaffen, insbeſondere aber mich an Stanitz zu rächen, ſobald ſich Gelegenheit dazu finden ſollte

Inzwiſchen verfloß ein Jahr. Hermine war, wie ich mit neidiſchen Augen wahrnehmen mußte, Stanitz's glück⸗ liche Gattin geworden. Sie wohnten, da ihnen eine reiche Erbſchaft zugefallen, in einem der eleganteſten Stadt⸗ theile und machten ein großes Haus. Mit ihrem Glücke wuchs mein Haß, zumal ich fortwährend davon hören mußte. Hermine war ſchöner als je; keine Dame der Welt wurde gefeiert wie ſie, man lobte ihren liebenswür⸗ digen Geiſt, ihren feinen Geſchmack, und zu den geſelligen Kreiſen ihres Hauſes geladen zu werden, galt für eine be⸗ ſendere Ehre, ſogar unter den Angeſehenſten unſeres Standes, die früher nie in bürgerlichen Geſellſchaften zu erſcheinen pflegten.

So kam allmählich die ſchmachvolle Zeit der 1848er Jahre heran. Stanitz's Intereſſen für jene Partei des Umſturzes traten jetzt unverhohlen an's Licht, ſie äußerten ſich in verderblichen Reden und Schriften, welche allgemei⸗ nes Aufſehen erregten. Da er überdies ſehr reich war, mußte ſein Anſehen in dieſen Kreiſen ſich verdoppeln, und ſo wurde denn nach und nach ſein Haus der Culminations⸗ punkt einer Wirkſamkeit, die ihre Drachenſaat weit über die Grenzen unſerer Provinz hinaustrug.

Hermine, das wußte ich, folgte jenem gefährlichen Treiben mit bekümmertem Herzen, aber ſie vermochte nicht mehr ihm Einhalt zu thun. Mit wahrem Triumphe nahm ich die erſten Anzeichen eines geſtörten häuslichen Friedens wahr und wartete mit Ungeduld der Gelegenheit, wo ich ſelbſt thätig in den vorausſichtlichen Gang ihres Geſchickes eingreifen konnte.

Die lang geſchürte Flamme der Rebellion brach end⸗

[VIII. Jahrg.

lich mit unerwarteter Heftigkeit über uns herein. Wir hatten einen ſchlimmen Stand, unſere Beſatzung war zu gering, dem erſten Anprall überall widerſtehen zu können. Wir concentrirten unſere Truppen in den befeſtigtſten Theilen unſeres Terrains und beſchloſſen von hier aus, bis Verſtärkung eintreffen würde, nur langſam und vor⸗ ſichtig unſere Operatiouen auszudehnen.

Die Stadt wurde in Belagerungszuſtand erklärt und das Standrecht proclamirt, wonach jeder mit Waffen in der Hand Betooffene erſchoſſen werden ſollte.

Der Aufſtand ſchien beſonders in unſerer Stadt ein wohlorganiſtrter zu ſein; es hielt ſehr ſchwer, die erbitterte Canaille zu Paaren zu treiben; wir mußten jeden Fuß breit Erde mit theurem Blute erkaufen. Endlich traf die lang⸗ erſehnte Truppenverſtärkung ein. Wir gingen energiſch vor und feuerten mit Kartätſchen auf die häuſerhohen Bar⸗ ricaden. Das half! Die Hauptſtraßen wurden geſäu⸗ bert, und nur in den verſteckteren Stadttheilen noch erhob ſich das Meduſenhaupt der blutdürſtigen Anarchie.

Ich war zu jener Zeit Premierlieutenant und hatte eine auf Kriegsfuß gebrachte Compagnie zu commandiren. Mein ganzes Streben ging dahin, uich der verhaßten Perſon Stanitz's zu bemächtigen.

Wie oft ſah ich ihn von ferne die zerſtreuten Volks⸗ rotten organiſiren und durch Wort und Beiſpiel zu erneu⸗ ten Angriffen reizen! Er war der Letzte, der ein verlore⸗ nes Terrain aufgab, um ſich mit beiſpielloſer Kühnheit in einem weniger günſtigen deſto hartnäckiger feſtzuſetzen.

felten Anſtrengungen, ſeiner habhaft zu werden oder doch wenigſtens ihn unſchädlich zu machen, waren vergebens. Er ſchien trotz ſeiner Verwegenheit klüger und vorſichtiger, als ich vermuthete.

Endlich waren wir wieder Herren der Stadt; es wurde

Mac Clellan ganz unabhängig ſind. Jetzt ſteht Mac Clellan an der Spitze eines Armeecorps vor Yorktown, doch nach den Nach⸗ richten, die von dort uns zugegangen ſind, iſt es im hohen Grade fraglich, ob es ihm gelingen wird, ſich dort neue Lorbeeren zu er⸗ kämpfen. Thatſache iſt es jetzt ſchon, daß er in ſoviel Wochen, wie er nach ſeiner Angabe Tage bedurfte, um ſich zum Herrn von Yorktown zu machen, dieſes Ziel noch nicht erreicht hat. Selbſt

ſeine entſchiedenſten Anhänger ſind von ihrem früheren Enthu⸗ ſiasmus zurückgekommen und haben denjungen Napoleon in Cunctator, den Zauderer, verwandelt. C.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde.

Der Luell der Jugend.

Die Europäer verdankten die Entdeckung Florida's, welches 1821 von Spanien den Vereinigten Staaten Nordamerika's ab⸗ getreten wurde, einem ſehr romantiſchen Umſtande.

Im Jahre 1512 nämlich erfuhr der Gouverneur von Porto⸗ Rico, Don Juan Ponce de Leon, aus dem Munde einiger bejahr⸗ ter Indianer ſeiner Inſel, daß in der Entfernung einer Seefahrt von zwei Wochen, in der Richtung gegen Nordweſten, ein ſo frucht⸗ bares Land liege, daß es der Garten der ganzen Welt genannt zu werden verdiente. Das Gold, das Silber und die Edelſteine, ſo ſagten die Indianer, ſchienen in der Mitte der tiefen Einſam⸗ keit, die dort herrſche, nur auf die Hand zu warten, welche Luſt hätte, ſie aufzuheben; was aber dieſer reizenden Oaſe den höchſten

Werth verleihe, wäre, daß ſie von einem Strome durchſchnitten

6

würde, deſſen kryſtallhelles Waſſer die wunderbare Eigenſchaft be⸗ ſäße, ſelbſt dem höchſten Alter wieder das Ausſehen und die Kraft der Jugend zu verleihen. Juan Ponce de Leon kannte aber kein größeres Verlangen, als die Runzeln und den Schnee des Alters, welche ihm ſchon ſeit einiger Zeit läſtig waren, gegen die lebendige Friſche zu vertauſchen, welche nur allein die Morgen⸗ röthe des Lebens zu verleihen vermag. Er beeilte ſich daher, auf eigene Koſten acht Caravellen auszurüſten und mit dieſen in See zu ſtechen, um den Quell der Jugend aufzuſuchen.

Nachdem er länger als vierzehn Tage durch ungewöhnliche

Stürme umhergeworfen worden war und dabei eines ſeiner Schiffe verloren hatte, erblickte er am Sonntag, den 27. März, eine Küſte, welche ihn durch die üppige Vegetation und durch die prachtvollen Blumen, ſelbſt bis zum Ufer des Meeres herab, wahrhaft bezau⸗ berte. Der Anblick dieſer Leutſchen Gegend, welche noch über⸗ dies durch die glänzenden Strahlen der Sonne vergoldet wurde, beſtimmte ihn, das Land mit einem Namen zu taufen, zu welchem die Zeit einen paſſenden Anhalt bot.Es iſt heute Palmenſonn⸗ tag! rief er aus,und da dieſer auf Lateiniſch Pasca florida genannt wird, dies Land aber die lieblichſten und prachtvollſten Blumen trägt, ſoll es von nun an mit dem Namen Florida be⸗ zeichnet werden. 1

Kaum hatte er dieſe Taufe vollzogen, als aus einem nahen Walde ein zahlloſer Haufe tätowirter Wilder u gräßlichem Geheul hervorbrach und die Caravellen mit eine Pfeilen überſchüttete. Nach einem heißen Seiten ergriffen die Wilden die Flucht, und der tapfere Leon landete, um den Quell der Jugend aufzuſuchen Tage irrte er in den beinahe undurchdringlichen Labyrit

Ich ſah ein, daß ohne ihn die letzte Kraft unſere

raſenden Feinde gebrochen ſein mußte, aber meine verzwei⸗

weſen Man verh ſiche imm voll ſunmm

halb Ueber ſein Pri⸗

zu ei

geden chat

mwine

ui

erſe mwu

däc gen

zufü

Fro

derſ bew Inn Sch auf das moch