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Dritte Folge.
zur Verzweiflung brachte. Ich pflegte dann ſpät Abends V taille. Sie erblaßte und entwand ſich mit einer heftigen im Weinhauſe bis an den hellen Morgen über die Mög⸗ Bewegung. lichkeit, mir ihre Gunſt zu gewinnen, nachzudenken und Ich ſah, daß ich zu viel gewagt, und ſtand eben im hatte am Eude alle Manövers, die ſonſt ein ſprödes Herz Begriffe meine Kühnheit zu eutſchuldigen, als ich den fin⸗ zu erwärmen vermögen, umſonſt verſucht. Ich ſpielte den ſtern Blicken eines jungen Mannes begegnete; er kam Sentimentalen, ſprach von Todtſchießen, langſamem Da⸗ ſeitwärts aus dem Gebüſche langſam auf uns zu. Ich hinſiechen und dergleichen, aber Alles vergebeus. erkannte in ihm einen jungen Juriſten aus T— r, Namens So reiſte ſie deun wieder nach Hauſe, ohne daß es Stanitz, einen der ſchweigſamſten und ungeſelligſten Be⸗ mir gelungen wäre, ihr einige Theilnahme für mich ein⸗ ſucher unſerer Abendeirkel. Dieſer Menſch war mir von zuflößen. Mit meiner Verſtimmung zugleich wuchs die jeher ein Dorn im Auge geweſen weil er, dem Gerüchte Begierde meiner Leidenſchaft von Tag zu Tag; ich konnte nach, zu den Häuptern einer geheimen, weitverzweigten ihr endlich nicht mehr gebieten, unternahm eines ſchönen demokratiſchen Verbindung zählen ſollte, deren Fäden das
Morgens, ohne lange zu überlegen, eine Reiſe nach dem Dorfe, wo ſie wohnte, und traf gegen Abend daſelbſt ein. Ich hatte eine kleine Waldung zu paſſiren, hinter der, wie man mir ſagte, das Haus des Landgeiſtlichen gelegen war. Die Ungeduld beflügelte meine Schritte; plötzlich glaubte ich eine mir wohlbekannte Stimme zu vernehmen, ich folgte dem Tone und erblickte von weitem die ſchlanke Ge⸗ ſtalt einer jungen Dame, welche Blumen zu pflücken ſchien. — Als ich näher trat, erkannte ich zu meiner freudigen Ueberraſchung Herminen. Sie ſchien etwas betreten, da ſie mich gewa war aber freundlicher, als ehedem.
„Seien Sie herzlich willkommen,“ ſagte ſie mit einem Lächeln, das meine ganze Leidenſchaft entflammte.
„Darf ich endlich einmal ſo glücklich ſein, dies zu glau⸗ ben?“ ſagie ich, ihre kleine Hand an meine glühenden Lip⸗ pen preſſend.
„Gewiß!“ erwiderte ſie ſorglos.„Ich freue mich, daß Sie gerade heute gekommen ſind, Sie werden noch Jemanden aus unſerm Abendeirkel in T—r bei uns fin⸗ V den. Wir ſind mitten im Mai, und da habe ich denn, — wie Sie ſehen,— die Kräuter zu einer kleinen Bowle in mein Körbchen geſammelt.“
Sie war zum Entzücken, als ſie dies ſagte. Unwill⸗ kürlich ſchlang ich meinen zitternden Arm um ihre Wespen⸗
wachſame Auge der Regierung und Polizei bis jetzt immey vergebens zu eutdecken verſuchte.
Der plötzliche Anblick dieſer verwegenen, in ihrer Art imponirenden Erſcheinung verwirrte mich vollends.
„Ihre Aufmerkſamkeiten gegen meine Braut machen mich in der That ſtolz, Herr von Selwitz,— ich muß Sie indeß deunoch erſuchen, in Zukunft davon abſtehen zu wollen!“ ſagte er mit eiſigem Sarkasmus, den er mit einem ſpöttiſchen Lächeln begleitete.
Ich fiel wie aus den Wolken, ſtotterte verlegen eine Entſchuldigung, die zuletzt mühſam in eine höfliche Gratu⸗ lation hinauslief.
„Ah, Herr von Selwitz haben wohl nicht gedacht, daß ich ſo ſchnell eine liebe Braut finden würde!“ ſagte er mit einem ſtrahlenden Blick auf Hermine.
„Unverhofft kommt oft!“ antwortete ſie, einen ſchadeu⸗ frohen Blick auf mich werfend.
Ich wünſchte mich im Stillen zu allen Teufeln, der Boden brannte mir unter den Füßen. Wäre mein Rival
V mir ebenbürtig geweſen, gewiß würde ich ihn auf Piſtolen
gefordert haben; ſo aber mußte ich jenen beißenden Spott, womit er mir abſichtlich den ganzen Abend entgegentrat, ſchweigend ertragen, obgleich mir die Galle in's Blut zu treten drohte.
in den Annalen dieſes Krieges, der auf den Verkehr Europa's ſo verderblich einwirkt, eine hervorragende Rolle ſpielen.
Was Pierre Beauregard für die Conföderation, das iſt, oder war wenigſtens bis vor kurzer Zeit, der um neun Jahr jüngere General Mac Clellan für die Union. Er erblickte das Licht der Welt in einer Weihnachtsnacht im Jahre 1826, während der Schnee in dichten Flocken in Philadelphia herabfiel, und war das Chriſtgeſchenk, das die Gattin eines würdigen Arztes in dieſer Stadt demſelben überreichte. Im Alter von ſechszehn Jahren trat er als Zögling in die Militärakademie von Weſt⸗ Point ein. Eben ſo wie Davis, Fremont und Beauregard machte er den Feldzug in Mexico mit, wurde in Cherubusco zum Lieute⸗ nant und in Molino del Rey zum Capitain ernannt. Nach Beendigung des Krieges wurde ihm in Weſt⸗Point eine Pro⸗ feſſorſtelle übertragen, und do rieb er ein Handbuch der Mili⸗
tärkunſt, das in Nordamerika eines großen Rufes genießt. Später
erbaute er das Fort Delaware und leitete die den Bau einer Eiſenbahn nach dem ſtillen Meer.
Während des Krimkrieges wurde er von ſeiner Regierung nach Sebaſtopol geſchickt, und obwohl er erſt nach der Einnahme des Malakoff dort ankam, wohnte er doch dem Ende der Feind⸗ ſeligkeiten bei und ſammelte ſich die Materialien zu einem Werke über den Krimkrieg, das ſpäter auf Befehl des Congreſſes ver⸗ öffentlicht worden iſt. Bei ſeiner Rückkehr aus dem Orient ver⸗ ließ er das Heer, um ſich der Induſtrie der Eiſenbahnen zu widmen. In dem Augenblicke, wo der Krieg zwiſchen den Con⸗ föderirten Staaten und der Union ausbrach, war Mac Clellan Ober⸗Ingenieur der Illinois⸗Central⸗Eiſenbahn. Der Gouver⸗ neur des Staates Ohio ernannte ihn ſofort zum Generalmajor
Vorarbeiten für
der Freiwilligen; aber auf Bitten des Generals Scott, der an⸗ fangs den Oberbefehl über das Bundesheer übernahm, denſelben aber im September 1861 wegen ſeines hohen Alters niederlegte, willigte Mac Clellan ein, mit demſelben Grade in das reguläre Heer einzutreten, und ihm wurde das Commando in Virginien übertragen. Am 12. Juli 1861 bemächtigte er ſich des Lagers der Conföderirten bei Red Mountain; am 13. Juli nahm er 1000 Mann der Cvnföderirten bei Beverley gefangen, und am 14. ſchlug er die Separatiſten bei Saint Georges, deren Befehls⸗ haber, der General Garnett, in dieſem Treffen getödtet wurde. Dieſes Gefecht war der glänzendſte Sieg der Bundestruppen ſeit dem Beginn der Feindſeligkeiten, und ihin verdankten ſie, daß das weſtliche Virginien wieder in ihren Beſitz kam.
Als nach der Niederlage der Bundestruppen bei Bull's Run der General Scott den Oberbefehl niederlegte, wurde derſelbe dem erſt 36 Jahre alten General Mac Clellan übertragen, in deſſen kriegeriſche Talente ſeine Landsleute ein ſolches Vertrauen ſetzten, daß ſie als ächte Yankees in ihrem übertriebenen Enthuſiasmus ſchon in Vorausſicht der großen Thaten, die er in ſeiner neuen Stellung ausführen werde, ihn Mac Clellan, den jungen Napoleon, nannten. In den neun Monaten, während deren er mit dem Oberbefehl bekleidet geweſen iſt, hat er übrigens noch nichts unternommen, was dieſen Namen nur einigermaßen recht⸗ fertigen könnte, denn er beſchäftigte ſich volle ſieben Monate lang
in Waſhington angeblich mit Vorbereitungen, um dann den
Süden mit einem Schlage zu zerdrücken, und zuletzt ſah der Kriegsminiſter Stanton ſich durch die Unthätigkeit des Oberbe⸗
fehlshabers gezwungen, ihn dieſer Stellung de facto zu entſetzen
und an die Spitze einiger Armeecorps Generäle zu ſtellen, die von


