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lich gefochten, d. h. geflochten werden. Nun, ich ſagte es ja gleich zu Anfang,— Stroh!
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Eine Verlobungsfeier in Kreiſen der höheren Geſell⸗ ſchaft iſt immer ein großartiges Feſt. Großartig!— es
Nr. 27.] Dritte
iſt oft ſo recht bezeichnend, dieſes ſtolze kleine Wort,—
weil es ſo ſelten die Cameradſchaft eines anderen von auf⸗ richligerem Klange neben ſich duldet.
Unter dem Prunke der Großartigkeit verſtecken ſich die Gebrechen und Krebsſchäden unſerer Zeit; der blinde Haufe ſteht anbetend vor ihrem ſtolzen Bilde, die falſche Glorie vergötterud,— aber der prophetiſche Blick des Weiſen wendet ſich trauernd von ihm ab, in Erwartung einer ſchönern Zukunft, die er hinter der trügeriſchen Fata⸗ Morgana der Gegenwart ahnend heraufdämmern ſieht. Vor der erhabenen Sonne der Wahrheit zerſtieben die Spukgeſtalten der großartigen Lüge; darum:„Heil der kommenden Zeit!“—
Den treueſten Spiegel unſerer Zeit bieten wohl vor allem Andern die großartigen Feſte der höheren Geſell⸗ ſchaft, insbeſondere die Verlobungsfeſte; zu ihnen zählte man auch das des Hauptmanns von Selwitz und der Nichte des Freiherrn von Salenz.—
Und großartig iſt dieſe Verlobungsfeier. Die Erſten des ſtädtiſchen Adels, die Ariſtokraten des Bürgerſtandes haben ihr die Ehre ihrer Gegenwart geſchenkt. Der Freiherr hat Recht, man wird noch lange von dieſem Feſte reden..
Feenhaft ſtrahlen die ſtolzen Hallen des Ballſaales, wo die verwöhnten Kinder des Glückes auf den Wellen be⸗ rauſchender Muſik in ihren Prachttoiletten dahinſchweben. In den ſchön decorirten Nebenſalons weilen, welche dieſem Vergnügen lange entſagten oder die, ihm feind, den beſſern Theil der Unterhaltung hinter den Spieltiſchen oder beim Champagner zu finden hoffen.
Wem es aber auch dort nicht mehr behagt, wen ein poetiſcher Gedanke in dieſer Sphäre überraſchte, den er in einſamer Nacht unter dem geſtirnten Himmel ausklingen laſſen möchte, der eile hinaus in den großen herrlichen
Folge.
421 Garten, in die ſtillen Bosquets, wo ſilberne Fontainen im Mondſchein ſprudeln,— in die ſchweigende Linden⸗ allee, wo einſame Nachtigallen ſchlagen, bis auf das freie Plateau; dort meſſe er ſeine Gedauken mit den auf⸗ ſteigenden Raketen, vergleiche ſie mit den buntfarbigen Leuchtkugeln am dunklen nächtlichen Himmel. Aber wenn er gar keine hat, wenn er zu den glücklichen Gedankenloſen zählt, die mit dem großen Strome einherſchwanken, dann lehne er ſich ſtillzufrieden an dieſe Welt des Scheins auf dem Ballſaale oder in den Nebenſalons, ſie wird ihn lächelnd aufuehmen in ihren weiten bequemen Schooß! Und Du mit dem glühenden ehrlichen Herzen, der Du es nur dem Zufalle dauken magſt, ein geduldeter Gaſt in dieſen prunkenden Räumen der Auserwählten zu ſein, armer Träumer, wie bleich lehnſt Du im Hintergeunde, allein, unbemerkt, und ſchauſt mit funkelnden Augen in das berauſchende Leben einer Dir fremden Welt! Was bewegt Deine marmornen Züge, ſo oft die Königin des Feſtes, die gefeierte Schöne, die ſtrahlende Braut in Deine Nähe ſchwebt? Welchen Namen flüſtern Deine verwegenen Lippen, wenn ihre flammenden Blicke im Taumel des Walzers wie ſuchend umherſchweifen? Armer Träumer, vergiſſeſt du, wo Du hier biſt?— vergiſſeſt Du, daß zwiſchen der Idylle des Waldes und dem heutigen Feſte lange Jahre liegen? Daß der langſam dahiurauſchende Zeitenſtrom die Blumen des Herzens entwurzelt und mit ſich fortſchwemnt? Oder iſt das Herz eines Weibes etwa ſtark genug, dem widerſtehen zu können? Du haſt es der⸗ einſt geglaubt, aber Dein Glaube war Aberglaube!— Noch einmal drängſt Du Dich durch die glänzenden Rei⸗ hen in ihre beſeligende Nähe. Der Saum ihres ſchillern⸗ den Gewandes ſtreift im Vorübereilen Deine zitternde Hand, Du meinſt den Hauch ihres balſamiſchen Odems, wenn auch nur einen Moment lang, auf Deiner breunen⸗ den Stirne zu fühlen. O, entfliehe den Furien jenes hirnverwirrenden Zaubers! Die Poeſie der Liebe
— ſchlacht bei Waterloo, zählte die Frauenarmee ſchon 40,000 Köpfe, folglich 80,000 Hände. Mit ſolchem Heere rückte Gari⸗ baldi ausſchließlich in die Stadt Neapel ein. Als die Trommel noch tüchtig in Carmignano, Empoli, Fuceechio, Caſtelfranco ge⸗ wirbelt hatte, belief ſich das Heer auf 60,000, zuletzt auf 80,000 — nicht Mann— ſondern Frau.
Die Löhnung ſchwankte damals zwiſchen 2 und 3 Paoli, Im Elitecorps oder der Garde ſtieg ſie bis zu 18 Sgr., oder 1 Fl. 4 Kr. täglich.
Sie Alle kennen die italieniſchen Strohhüte, die florentini⸗ ſchen Sommerhüte. Sie haben die Rieſenarbeit bemerkt, die in den unzähligen Treſſen eines Hutes erſter Qualität ſteckt. Das war es, weßwegen man uns auf der Straße von Fieſole in's Haus hereinrief. Im Jahre 1822 ward an Arbeitslohn für einen feinen
Hut 4— 500 Francs gezahlt, d. h. eine Gardiſtin der toscaniſchen
Armee mußte 180— 220 Tage vom Morgen bis zum Abend thätig ſein, um ein derartiges Kunſtwerk zu vollenden. Und wenn Eine
von Ihnen je einen ſolchen Hut gekauft hat, ſo wird ſie in Er⸗
fahrung gebracht haben, daß ſie ihn nicht für 4— 500 Francs
erhielt, ſondern noch eine hübſche Summe darauf legen mußte.
Dieſes Daraufgelegte nennt man den„Profit“ des— Werbe⸗ officiers. Das älteſte bekannt gewordene Meiſterſtück datirt vom Jahre 1813, fällt alſo mit der andern Männerſchlacht bei Leipzig zuſammen. Es beſtand in einem capello fioretto oder Blumen⸗ hut, der 40 Flechten oder Stränge zählte. Auf dem Tagesbefehl muß namhaft gemacht werden Tereſa Maſini(nicht Mazzini) aus Brozzi.
Dafür mußte aber ritter⸗ Was denn„geflochten“?
Die Wunderwerke jener toscaniſchen Legionen gingen ſchon ſehr früh in ſtarken Quantitäten nach Leipzig zur Meſſe, von wo ſie ſich unter die ganze gebildete Welt ausbreiteten, nicht am we⸗ nigſten nach England. Die engliſchen Frauen fanden die Ge⸗ flechte reizend, und die engliſchen Männer fanden ſie noch reizen⸗ der; die Frauen wurden davon verführt, und die Männer verführten b ſie weit über's Meer, bis nach Newyork. Ja, die„verführenden“
engliſchen Männer wurden der toscaniſchen Armee bald unendlich gefährlicher als ihre verführten Frauen, indem ſie alſo dachten: „Was brauchen wir die fertigen Geflechte aus Italien kommen zu laſſen? Die ganze Hexerei beſteht ja doch nur aus Stroh! Laſſen wir uns das Stroh herüberſchiffen, und packen wir die be⸗ ſten Soldatinnen oben darauf! Dieſe können dann bei uns ar⸗ beiten nach unſerer Laune, nach dem Bedürfniß des Marktes.“ Und ſo„debauchirten“ die engliſchen Männer die toscaniſchen Heldinnen; die Deſertion riß im Lager ein, der Stillſtand in der heimiſchen Production. Das war im Jahre 1827.
Glücklicherweiſe hatten ſich die klugen engliſchen Männer diesmal geirrt. Das toscaniſche Stroh blieb zwar toscaniſches Stroh, es verwelkte auch nicht, beſonders auf der Seefahrt. Die Arbeiterinnen hätten wohl in England flechten können, wie ſie es⸗ daheim gethan, aber es herrſchte dort zu viel Nebel und Kohlen⸗ dunſt, die Luft war nicht mehr ſo durchſichtig wie am Abhange der Apenninen. Fort war der tiefblaue, unergründliche Himmel, fort das braunviolette Gebirge. Die Toscanerinnen wurden wie die Stoppeln auf herbſtlicher Flur: losgetrennt vom künſtleriſchen Boden der Heimath, ſchritten ſie nicht fort in der Kunſt, ſie gingen zurück. Das war noch ein anderes Heimweh als das ſchwei⸗ zeriſche.


