412- Uovellen-Zeitung.[VIII. Jahrg. R. Weiſe gefeiert zu werden pflegt. Wandert mau aus der men beſetzten Plateau aus die volle Pracht einer Ausſicht begegn Mitte der Stadt dieſer Richtung zu, ſo hat der Spazier⸗ entgegen, wie die regſte Phantaſie ſie nicht erdenken könnte. der I gänger auf vem Wege Gelegenheit, einige jener intereſſan⸗ Die weite, lachende Thalebene, die Bamberg umgibt, dehnt leſet, ten architektoniſchen Monumente zu beſchauen, die ſeit ſich in aller Manigfaltigkeit eines reich angebauten Landes uuſer Jahrhunderten die Brücke zwiſchen Einſt und Jetzt fort- aus und bildet in ihrer ſanften Färbung eine Folie für Schäc bauen. Wer den Reiz geſchichtlicher Erinnerungen zu die Stadt, deren Anblick um ſo maleriſcher iſt, als ihre renſe würdigen weiß, wird ſich durch den Domplatz im Bamberg ſchönſten Kirchen, ihre bedeutendſten Gebäude hochgelegen ſergr gefeſſelt fühlen. Unter den alterthümlichen Gebäuden, die ſind. Man pflegt Bamberg mit dem ſiebenhügeligen Rom Bm er trägt, iſt die alte Reſidenz zwar eines der unſcheinbar⸗ zu vergleichen, obſchon es der Hügel nur ſechs zählt. Die die ſten, wie viel aber könnten dieſe verwitterten Mauern Thürme der zahlreichen Kirchen, das ſchöne Kloſter auf zitt erzählen! Wenige Schritte davon eutfernt erhebt ſich der dem Michaelsberge, das weitläufige Reſidenzgebäude ver⸗ gang herrliche Dom, der neben ſeiner byzantiniſchen Schönheit rathen jedenfalls dem kundigen Blick, daß er einen alten reſen noch den geheimnißvollen Reiz vielfacher Legenden und ſo⸗ Biſchofsſitz vor ſich liegen ſieht. Sanft anſteigende Berge nner gar ſeltſamer Spukgeſchichten bewahrt. Es wäre eine begrenzen das liebliche Gemälde und erſtrecken ſich ſüd⸗ An! Aufgabe für einen Dichter, und ſie iſt auch zum Theil weſtlich bis zum Rhöngebirge hin, während gegen Oſten coſte ſchon gelöſt worden, den anmuthigen Legenden poetiſche das Thüringer Gebirge mit den Wolken des Horizontes auf Geſtalt zu geben, die ſich auf die Mitgründerin des Doms, zu verſchmelzen ſcheint. Weit über fünfzig Ortſchaften Kai die Kaiſerin Kunigunde beziehen, während es nur im erſteu ſind ringsum zu unterſcheiden, und manche Kapelle grüßt Augenblick zum Lächeln reizt, daß eine Geſtalt mit verbun⸗ von den Höhen hinab, manche Ruine beſchirmte oder be⸗ lich denen Augen, die Moſis Geſetztafeln trägt und an einem drohte das flache Land, als ihre Mauern noch ſtolz empor⸗ Jor der Portale angebracht iſt, vom Volk als Statue der Ge⸗ ragten. Dort gegen Norden leuchtet, von der Morgen⸗ wir rechtigkeit bezeichnet wird, und die Sage noch heute viele ſoune beſchienen, das ehemalige Kloſter Banz, jetzt ein Bal Anhänger hat, daß ſie, ſo oft die Witterung den Flor um ſtattliches Schloß, von ſeinem Bergkegel herüber, während des ihre Augen zerſtört, umherwandelt und Unheil ankündigt. dieſelbe Sonne hüpfend und ſpielend auf der muntern dige Es würde uns zu weit von dem Zweck dieſer Skizze Regnitz tanzt und ihr beim eiligen Zuſammentreffen mit 2 entfernen, wollten wir dem Zuge nachgeben, der auf dieſem dem blauen Main, der ſie aufnimmt, Geleite zu geben bekn Platze verweilen und noch Mauches ſchildern möchte, darum ſcheint. Käni vorbei und hinaus in's Freie! Ein angenehmer Spazier⸗ Wem ſollte es nicht ſchwer werden ſich von einem ſo thün gang, etwa von der Dauer einer halben Stunde, führt uns reichen Bilde loszureißen? und doch wollen wir uns nun in enge Schluchten, die wir laugſam aufſteigend durchſchrei⸗ zur Linken wenden, um der alten Babenburg in's verwit⸗ geüb ten, oft genug von dem Reize des Landſchaftsbildes gefeſ⸗ terte Antlitz zu ſchauen. Ehe wir ſie jedoch betreten, leh⸗ Bur ſelt, das uns bei mancher Wendung plötzlich aulacht und uen wir uns über die mit dichtem Raſen bekleidete Bruſt⸗ ging wie die vereinzelte Strophe eines ſchönen Gedichtes den wehr, die den Schloßgraben abgrenzt, der einſt zur dinee Anblick des Ganzen herbeiſehnen läßt. Vertheidigung der Burg gedient hat. Dort tritt uns ein mau Iſt nun der letzte, ziemlich ſteile Theil des Berges Gemälde ganz anderer Art eutgegen; war die weite Aus⸗ Krie überwunden, ſo tritt dem Wanderer von einem mit Bäu⸗ ſicht auf der Terraſſe ein Allegro friſchen Lebens, ſo ſchmackhaft, und beſonders gelten Maul, Ohren, Zunge, Ziemer ꝛc. Derſelbe Arzt ſchildert das dabei beobachtete Verfahren in einge als Leckerbiſſen. Es wird gekocht und gebraten genoſſen, wie auch folgender Weiſe:„Man beginnt damit, wenn das Kind ſechs bis und! Geeiingepökelt oder geräuchert. Geweih und Fell machen einen be⸗ neun Jahre alt iſt; geſchieht es ſpäter, ſo leidet es darunter um gebra deutenden Handelsartikel aus. 5. ſo mehr. Lange baumwollene Bandagen, die einen Zoll breit als ſind, werden um den Fuß gewickelt und von dem Hacken über den neren „ kdinand dan huhen de n veeeähar de eheiuſer a Zur Culturgeſchichte. wahrend man 5 3 feſt wie möglich anzieht. 1Die wind richi ſm .. ohne viele Schmerz eführt, die ſich in bitterlichen Klagen 1 Der chineſiſche Frauenfuß. vunr Halhe Huerßenizecdhn ſande ſin treüchen den 9 Dieſer iſt ſchon weit länger, als die Europäer als kühne Druck beim Gehen nur ſchlecht vertragen, bisweilen ſchwillt in des; Plünderer in China eingedrungen ſind, als eine fabelhafte Erſchei⸗ Folge der eintretenden Entzündung Fuß und Bein ſehr an. Wenn Kind nung bekannt geworden. Doch kaum hat man dabei das traurige die Bandage gut angelegt worden, ſo das der Druck gleichmäßig ſüßs Curioſum übertrieben. Engliſche Aerzte ſuchen jetzt vielfach dieſe erhalten iſt, legt ſich nach einigen Jahren der Schmerz gänzlich, zeſes Sitte gründlich zu beobachten, und der Doctor Lockhardt ſchreibt und die Empfindlichkeit des Fußes iſt ſoweit abgeſtumpft, daß Nno darüber: man an den zuſammengepreßten Theilen kaum noch Gefühl hat. geue „Von all den chineſiſchen Frauen, die in das Hospital zu Eine ſtümperhafte Operation verurſacht jedoch ungleichen Druck Chuſan gekommen, wie von andern, die ich in verſchiedenen Thei⸗ und zieht verſchiedene ſchlimme Folgen nach ſich. Es gibt eine inte len der Inſel geſehen, hatte nicht eine einzige Füße von der natür⸗ Claſſe von Weibern, deren Beruf es iſt, die Füße der Kinder zu ins lichen Größe und Geſtalt. Die Füße von einigen waren nicht ſo wickeln und die ihre Sache ſehr nett machen, und nach dem, was dac zuſammengezwängt, wie in andern Fällen, aber die Sitte, die ich geſehen habe, leiden die Frauen, die in ihrer Jugend vorſichtig W Füße während der Jahre des Wachſens einzubinden, iſt in Chuſan behandelt worden ſind, nicht viel anders, als daß der Fuß durch AIau allgemein, während freilich in Canton und Macao viele Frauen die Zerſtörung des ſymmetriſchen Bogens ſchwach iſt und ſie die zu ihre Füße ganz frei und von der gehörigen Geſtalt haben. In⸗ Unbequemlichkeit haben, nicht gehen zu können, wenn der Fuß Ilſ wieweit dieſe Sitte der Geſundheit ſchädlich iſt, läßt ſich nicht mit losgebunden und ohne Stütze iſt. Sind die Füße in der Jugend 4 Ho Sicherheit ſagen, doch ſcheint ſie nach Beobachtung von vielen nachläſſig gewickelt, ſo iſt der Knöchel gewöhnlich zart, und vieles di Fällen ſowohl bei Kindern wie Erwachſenen in verſchiedenen Gehen macht, daß der Fuß anſchwillt und ſehr weh thut. va Claſſen der Geſellſchaft nicht ſo viel Pein zu verurſachen, wie Um die Verkleinerung des Fußes hervorzubringen, was der un man natürlich erwarten könnte.“ Zweck des Einwickelns iſt, wird die Fußwurzel oder der Spann Be
Jahrgang
15-26 (1862)
Seite
412
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