Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
406
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Zeitung.

406 Uovellen

Thorheit?! murmelte Emilie, wie abweſend,iſt nicht mein ganzes Hoffen und Denken eine Thorheit?!

Haſtig ſchritt ſie zu ihrem Nähtiſche, der an der andern

Seite des Fenſters ſtand, und holte eine Briefmappe aus der Schublade deſſelben hervor.

Ich werde dem Hauptmann ſchreiben, an ſein Ehr⸗ gefühl appelliren, o mein Gott, ich weiß nicht mehr, was ich thue! Sie zerknitterte den angefangenen Brief, beſchrieb andere Bogen, die ſie auf's Neue vernich⸗ tete. Plötzlich ſchrak ſie heftig zuſammen, ihre zitternden Hände berührten eine kleine vertrocknete Kuckucksblume, die vielleicht zufällig hierher gerathen ſein mochte, aber ſie lag in einem offenen, vergilbten Couvert, darauf ſtand von ihrer Hand geſchrieben:

Andenken ſchöner Tage!

Sie betrachtete es ſchweigend mit träumenden Augen, wohl eine Viertelſtunde lang, und zwei heiße Thränen tropften langſam auf das unſcheinbare Papier. Dann erhob ſie ſich mit einer heftigen Bewegung.Ja, die klu⸗ gen Leute haben Recht, ſagte ſie tief aufathmend, während ein bitteres Lächeln ihre Lippen umzuckte,ſie ſollen Recht behalten, es war eine Thorheit! Noch einen ſtum⸗ men Blick warf ſie auf das merkwürdige Couvert, auf die verwelkte Blume, dann zerknitterte ſie Beides mit ihrer ſtolzen Hand.

In dieſem Augenblick meldete der Kammerdiener den Hauptmann von Selwitz.

Er mag eintreten! flüſterte ſie mit leiſem Erbeben.

Hat man doch endlich einmal das Vergnügen, die Dame ſeines Herzens allein zu begrüßen! ſagte Herr von Selwitz mit einer galanten Verbeugung.Manu hat nur ſelten Gelegenheit, fuhr er mit einem ſelbſtgefälligen Lächeln fort,in Gegenwart Anderer ſein beſſeres Ich zur Geltung zu bringen, ich freue mich deßhalb, heute einmal ungeſtört von der Wahrheit meiner Empfindungen eine kleine Ueberzeugung in Ihrem ſpröden Herzen anbahnen

zu können! Auf Ehre und Gewiſſen, mein Fräulein, das Glück meines Lebens hängt davon ab!

Herr von Selwitz machte ein ſchrecklich ernſthaftes Geſicht und ſtieß, die Hand auf's Herz legend, einen tiefen Seufzer aus. Seine erloſchenen Augen richteten ſich dabei mit einem kläglichen Ausdruck nach der Decke des Zim⸗ mers, Emilien ganz dem Eindrucke ſeiner lange vorher überlegten Rede belaſſend.

Wollen Sie dieſen unerquicklichen Ton Ihrer Unter⸗ haltung nicht endlich einmal fallen laſſen, Herr von Sel⸗ witz? ſagte Emilie mit kaltem Lächeln.Wozu dieſe Manövers, uns gegenſeitig Sand in die Augen zu ſtreuen? Das iſt läſtig und langweilig! Setzen wir meinetwegen unſere gegenſeitigen Intereſſen auf's Spiel, aber nehmen wir zuvor unſere Masken ab, denn ich liebe ein ehrliches Spiel!

Der Hauptmann erröthete bis unter den Scheitel ſei⸗ ner Perrücke.Mein Fräulein, ich verſtehe Sie nicht, ſtotterte er, verlegen an den Zipfeln ſeines Bartes zupfend.

Ah! Sie verſtehen mich nicht, ſagte Emilie mit ſpöttiſchem Lächeln.Das wird michnicht hindern, aufrichtig zu ſein, ich habe ſo gut meinen Stolz wie der Herr Hauptmann ihn haben! aber ſetzen wir uns, der Boden wankt unter unſern Füßen. Sie ſah ihn dabei mit einem ſonderbaren Blicke an.

Herr von Selwitz nahm ſchweigend den ihm angebote⸗ nen Platz ihr gegenüber ein, ihm ward bange unter den flammenden Blitzen ihrer zürnenden Augen.

Sie werben, Herr Hauptmann, ſagte ſie ſcharf und betonend,um meine bürgerliche Hand, über welche mein Onkel unwiderruflich zu Ihren Gunſten verfügt hat. Ich liebe Sie nicht, ich werde Sie niemals lieben, aber ich werde gezwungen ſein dem Willen des Herrn von Salenz mich zu unterwerfen, weil ich zu ſtolz bin, das Brod des Elendes zu eſſen, weil ich hinſiechen würde in einer Sphäre,

ſchein der Lampen meiner Begleiter in einen der Seitengänge fiel, in der Entfernung von einigen Schritten in demſelben einen ſehr großen Schädel erblickte, in dem alle Zähne ganz beſonders voll⸗ kommen, weiß und glänzend waren. Ich trat in dieſen Seiten⸗ gang in der Abſicht, dieſen Schädel genauer in Augenſchein zu nehmen; doch als ich meinen Kopf demſelben näherte, ſprang

eine durch meine Gegenwart erſchreckte abſcheuliche Ratte in ihrer Furcht nach meinem Geſicht. Ich fiel nieder, als ſei ich erſchoſſen

worden. und die meinige iſt die Ratte.

Wir haben Alle mehr oder weniger ſtarke Antipathien, Ich verabſcheue ſie.

Berührung dieſer Ratte hatte mir eine Ohnmacht zugezogen. Ich mußte meine Beſinnung auf mehrere Minuten verloren haben.

Als ich wieder zur Beſinnung gelangte, befand ich mich in der tiefſten Finſterniß. Zuerſt hörte ich keinen Laut; dann ver⸗ nahm ich ein Geräuſch; es war das Rollen eines über meinem ſchrecklichen Grabe fortfahrenden Wagens. Es iſt mir, als hätte ich dann mein Bewußtſein von Neuem auf etnige Augenblicke ver⸗ loren, doch bin ich über dieſen Punkt nicht ganz ſicher. Als ich es wieder erlangt hatte, ſtrengte ich mich an, meine Lage in ihrer vollen Wahrheit aufzufaſſen.

Meine Freunde waren nicht in meiner Nähe, ſo viel war ge⸗ wiß. Es fragte ſich nur, hatten ſie die Katakomben bereits ver⸗ laſſen, vder ſuchten ſie mich? Daß ſie heinah unmittelbar nach meinem Ohnmächtigwerden entdeckt hatten, mich verloren zu haben, ſchien mir gewiß. Wie ging es nun zu, daß ſie die Stelle verlaſſen hatten, wo ſie mich zuletzt ſahen? Es war ſicher, daß ſie, wenn ſie mich ſuchen wollten, auf demſelben Wege zurückgehen mußten, auf dem wir vorwärts geſchritten waren. Weßhalb

Ich ſchäme mich faſt, es zu ſagen, aber die plötzliche Erſcheinung und die

hatten ſie mich aber dann nicht gefunden? Plötzlich ging mir über die ſchreckliche Wahrheit ein Licht auf. Als ſie mich mehr⸗ mals gerufen hatten, hatten ſie gedacht, ich habe einen Verſuch gemacht, nach dem Eingang zurückzukehren. Als ſie denſelben⸗ erreichten, war die halbe Stunde eben vorüber, und der Droſch⸗ kenkutſcher war bereits fortgefahren. Sie waren nun der Mei⸗ nung, er fahre mich zur Eiſenbahnſtation, damit ich mit dem Zwölfuhrzuge meine Reiſe nach England antreten könne. b Ich hatte damit eine ſchreckliche Kenntniß gewonnen, doch ich verzweifelte noch nicht ganz. Ich war überzeugt, daß der Irrthum meiner Freunde ſich früher als ſolcher herausſtellen mußte, ehe ich in dieſem unterirdiſchen Aufenthalte vor Hunger geſtorben ſein würde. Aber auch nur vier bis fünf Tage ohner Nahrungsmittel und Waſſer in einer Dunkelheit, die Einen wahn⸗ ſinnig machen konnte, in dieſem Grabe zu bleiben war ein ſchrecklicher Gedanke!

Ich konnte nicht unthätig bleiben; ich mußte etwas thun. Was konnte ich machen?

Meine erſte Frage war, ſollte ich bleiben, wo ich lag? Zuerſt würde dieſe Unthätigkeit mich getödtet haben; zweitens war ſie überflüſſig, denn ſobald der Alarmruf über mein Ver⸗ ſchwinden erſcholl, ſo würde man jeden Zoll dieſer unterirdiſchen Welt durchſucht haben, bis man müch fand, ganz einerlei, bis an welche Stelle ich gewandert ſei in dieſem Falle war ich an jeder Stelle gleich ſicher. 1 8

Ich ſtieg auf, ſtreckte meine Hand aus und berührte die Schädelwand. Ich ſank wieder auf den Erdboden nieder. Nach wenigen Augenblicken gelang es mir, meine Feigheit zu beſiegen. Ich erkläre Jönen, daß ich in Zeit von wenig Augenblicken u

(VIII. Jahrg.

Nr.

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