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„Nun vorſichtig hinein, Florian,“ ſagte Sergei; „ſtecke den Hirſchfänger auf die Büchſe, ſpaune die Hähne und Deine Aufmerkſamkeit nicht minder, Du verwegener Teufelskerl, Du!“
Wie Hohn klangen mir dieſe aufrichtig gemeinten Worte, und wie ich mich dem Eingang näherte, ſchmetterte am Rande des Waldes ein Lachſpecht mit ſeiner helleu Stimme, als ob er meine Dummheit, in dieſe Mauſefalle zu gehn, auslachen müßte. Aber ich ging doch hinein, es war ein merkwürdiger Muth über mich gekommen, ich glaubte für mich und Andere ein Exempel ſtatuiren zu müſſen. Die Hunde klafften eifrig, dazwiſchen hörte ich mein Herz ſchlagen. Die Höhle war geräumig und nicht zu dunkel; ich hielt die Waffe bereit und drang vorſichtig vier Schritt weiter. Da ſah ich links im Winkel wirklich vie flammenden Augen der Beſtie, deren Blick mich elek⸗ triſch traf. Eine feine Stimme fragte in meinem Innern, jene vorſichtige Haſenſtimme, welche allen Adamsſöhnen angeboren iſt, ſo wenig ſie auch davon wiſſen wollen: wäre es nicht beſſer, gleich Hülfe zu pfeifen, vorgebend, es ſeien zwei Bären ſichtbar? Pfui! antwortete eine andere Stimme, jene ſonore Baßſtimme eines Helden, die wir ge bildete Menſchen uns anerzogen haben, pfui! keine Bla⸗ magel vorwärts!
Ich trat noch einen Schritt vor, zielte zwiſchen die Augen, und ein furchtbarer Knall wurde draußen mit einem Hurrah! beantwortet.
Ich hatte klug gethan, gleich nach dem Schuß zwei Schritt auf die Seite zu ſpringen, denn der Bär war ſofort auf die Stelle losgeſtürzt, von der ich geſchoſſen hatte, und ſtand jetzt neben mir mit furchtbarem Gebrüll. Wir erblickten einander im gleichen Moment durch den dichten Pulverdampf. Er erhob ſich auf die Hiatertatzen, in welche ihn ſchon wieder die Hunde biſſen, und ſehr hätte ich gewünſcht, ſie in zwei ungeheure Neufundländer ver⸗ wandeln zu können. Einen Augenblick ſah mich das Un⸗
Uovellen-Zeitung.
thier an und erhob dann die Vordertatzen höher als ſeinen offenen Rachen, um ſich zerreißend auf mich zu ſtürzen. Doch ungeſäumt, da zum Zielen nicht mehr Zeit war, ſtieß ich ihm mein Hirſchfänger⸗Bajonnet in die Bruſt, doch es drang bei weitem nicht ſo tief ein, als ich vermuthet hatte. Jetzt erſt bemühte ich mich, auch den linken Lauf loszu⸗ drücken, aber vergeblich. Furchtbare Situation! die präch⸗ tige Büchſe mußte nicht in Ordnung ſein. Ein raſcher Griff über die Hähne überzeugte mich indeß, daß ich in der Er⸗ regung den linken ſtatt zuerſt den rechten Lauf losgedrückt hatte, und wie ich den andern Abzug berührte, entlud ſich, donnernd der Schuß. Ein heißer Blutſtrahl ſpritzte mir entgegen; der Bär war aber nichts weniger als todt oder todesmatt. Seine Wuth und heftige Bewegung drückte mich auf's Knie nieder, ſo daß auf dem Boden der Schaft des Gewehres ſtand, welches der Bär mit den Zähnen am Lauf gepackt hatte und verzweifelt rüttelte. Durch dieſe Wuth und ſeine Laſt bohrte er ſich immer tiefer und feſter den Hirſchfänger in die Bruſt, was ihn jedoch bei den furchtbarſten Schmerzen nicht hinderte, mit den Vorder⸗ tatzen nach meinem Kopfe zu ſchlagen, den ich wie ein koſt⸗ bares Porcellaugefäß zurückzog. Ich muß ſagen, daß ich mich bei dieſem Kampfe nicht im Mindeſten mehr beäng⸗ ſtigt, wenn auch ſehr erregt fühlte; die Hoffnung und die Ehre, allein mit dem Thiere fertig zu werden, gaben mir Muth und Rieſenkräfte, ich wünſchte keine Hülfe. Da drangen aber doch die Gefährten ein, mein Freund an der Spitze, hinter ihm die beiden Oekonomen,„der Kleine““ und Zernikoff.„Ich werde die Ausfallthür beſetzen,“ rief der Lieutenant und blieb mit Dimitri im Eingange ſtehen. Der Graf ſprang nun ſofort bei, mich zu ſchirmen und meine Kräfte zu unterſtützen.„Bravo!“ rief er,„ein Bomben⸗ und Granatenfreſſer, dieſer Schweinsjäger! und dieſer Würgengel von einem Menſchen ruft nicht mal nach Hülfe!“ Der„Kleine“ ſtürzte ſich indeß mit der Tollkühn⸗
V heit eines deutſchen Vorturners von hinten auf den Bären,
ſächlichen Verhältniſſe von beſonderem Intereſſe. ſt ganz auf Seite derjenigen, welche die Abſchaffung der Seclaverei für durchaus nothwendig halten, aber er verſchmäht ſchlechte Waffen und ſchildert die Dinge, wie er ſie auf ſeinen Reiſen im Baumwollenreich gefunden hat, wobei die Abſicht, die Parteimän⸗ ner des Nordens der Mäßigung zugänglich zu machen, ihm nicht fremd ſein dürfte. Er macht darauf aufmerkſam, daß ein Neger ein Capital von 800 bis 1300 Dollars repräſentirt, und daß es im eigenen Intereſſe des Pflanzers liegt, dieſes Capital nicht durch unmenſchliche Behandlung zu verringern. In Virginien
ſah Olmſtedt bloß Negerkinder mit der Peitſche zuͤchtigen, und
zwar für Vergehen, die in Europa auf dieſelbe Weiſe beſtraft wer⸗ den würden. Der Neger wird gut genährt— Brod und Speck iſt ſeine Hauptnahrung— hat vollauf Zeit zum Ausruhen, muß
auch, wenn er krank, alt und arbeitsunfähig wird, von ſeinem
Herrn erhalten werden. Nicht durch Strafen wirkt man auf ihn ein, ſondern durch Belohnungen. Man bezahlt ihm nämlich jede Arbeit, die er über ſein gewöhnliches Penſum hinaus verrich⸗ tet, und ſein Gefallen an einem Taſchengelde iſt ſo groß, daß er
gern mehr arbeitet. Allerdings verwendet er dieſes Geld auf eine zu unnützem Tand für ſeine Familie, zu dem Eiſernen von Thüringen erzählt,
unverſtändige Weiſe, Herrenkleidern für ſich ſelbſt, zu Spiel und Trinkgelagen. Von der Verachtung, mit der man im freien Norden den Neger behan⸗ delt, findet man im Süden dem Sclaven gegenüber keine Spur. Oft werden ſie halb und halb zur Familie gerechnet, weiße und ſchwarze Kinder ſpielen fortwährend zuſammen, und hundertmal ſieht man, wenn ein Eiſenbahnzug vorüberbrauſt, Schwarze und Weiße an demſelben Fenſter ihre Neugier ſtillen. Im Norden verweiſt man die Schwarzen in beſondere Eiſenbahnwagen, im
Olmſtedt ſteht
Süden begnügt man ſich ihnen Billets erſter Claſſe zu verweigern. Den Pflanzerfamilien des Südens will Olmſtedt die von ihnen in Anſpruch genommene Abſtammung von dem alten Landadel Virginiens und Carolina’s nicht zuerkennen. Dieſer Adel war immer höchſt ſchwach an Jahl und wanderte zur Zeit der Revolu⸗ tion bis auf wenige Mitglieder aus. Viele, welche ſich zu dieſer Gentry rechnen, ſind thatſächlich Abkömmlinge von Verbrechern, die man ſeiner Zeit in London und Liverpool mit Handſchellen einſchiffte, um ſie in Amerika für Lebenszeit oder auf eine Reihe von Jahren an den Meiſtbietenden zu verkaufen. 6.
V
Literatur.
Der Schmied von Ruhla. Lohmann. Leipzig, Luppe.
Wir haben ſchon vor Kurzem ein Werkchen dieſes Autors be⸗ ſprochen, der recht ſehr den neueren Anſichten von der Einheit zwiſchen Drama und Oper in die Hände arbeitet. Dieſe Dich⸗ tung, die uns von dem alten Schmied Wippo und Ludwig iſt jedoch in der gewöhn⸗
lichen Form des Drama's gehalten. Alle jene mittelalterlichen Stoffe bringen ein romantiſches, maleriſches und deßhalb ſcheinbar ſtets poetiſches Colorit aus dem Bilderſaal der Geſchichte mit, und es kommt darauf an, wieweit dieſe Erſcheinung ein bloß äußerliches Coſtüm oder eine innerliche Thatſache iſt.
Lohmann zeigt immer das Streben, ſeinem Gegenſtande ein gewiſſes dramatiſches Leben zu geben, und ſo findet man auch hier ſpannende Momente und bewegte Scenen. O. B.
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