Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
390
Einzelbild herunterladen

390 Uoveilen-Zeitung.[VIII. Jahrg. V N.. S ſtorben! murmelte ich, kaum meiner Sinne mächtig, und Glückes in dieſer lieben Familie! Man trug mich faſt Stin preßte die kalten Hände an meine heißen Lippen. auf den Händen. Das Dankgefühl dieſer guten Menſchen weite Aber ihre Verwirrung, wenn ſie erwachte und mich äußerte ſich unaufhörlich und in der rührendſten Weiſe. ſaß gewahrte? Dieſer Gedanke ſtieß mir plötzlich auf, Das reizende Mädchen überwand allmählich die ſcheue Wan ich konnte ihn nicht überwinden, er fiel heiß und an⸗ Zurückhaltung, welche mein unbeholfenes, bizarres Beneh⸗ Läch klagend in meine Bruſt zurück. Nein! niemals men aufänglich hervorgerufen. Inzwiſchen näherte ſich Trä ſollte ſie das beſchämende Gefühl beunruhigen, daß ſie das Manöver ſeinem Ende, nur wenige Tage noch, und hört mich an ihrem Lager knieen, für ihr ſüßes Leben zittern ich mußte wieder ſcheiden aus dem trauten Kreiſe meiner geſehen hatte. Ich überzeugte mich, daß keine weitere neuen Heimath. Ich war nicht mehr derjenige, der ich endli Gefahr vorhanden, und eilte haſtig auf das Zimmer ihres früher geweſen, denn ich liebte; zum erſten Male in meinem donn 1 Vaters. Er erwachte ſogleich. Stammelnd berichtete ich Leben liebte ich, und mit aller Gluth eines jungen leiden⸗ aſtd über den Vorfall, mit der Beruhigung, daß nichts weiter ſchaftlichen Herzeus. der e zu befürchten ſei. Er wankte erſchrocken hinaus an das Hermine war nicht allein ſchön wie ein Engel, ſie war Bette ſeines inzwiſchen wieder zu ſich gekommenen Kindes. bei ihrer hohen geiſtigen Bildung naiv und ausgelaſſen ch, Ich aber ſtürzte auf mein einſames Zimmer au's offene wie ein Kind. Wir durchſtreiften an ſchönen Tagen, wenn Fenſter, die friſche Morgenluft einathmend, die nach dem es der Dienſt mir geſtattete, die reizende Gegend, an deren war Gewitter kühl und belebend meine glühenden Wangen ſchönſten Punkten wir ſtundenlang verweilten. Dann ſtreifte. wurden lange literariſche Fehden eröffnet, und ſie neckte ich Die drohenden Wolken verzogen allmählich, die Sonne mich meiner überſpannten, bizarren Anſichten wegen mit haft durchbrach leuchtend die finſtern Nebel. An den leiſe ihren geiſtreichen Einfällen, ihrem köſtlichen Humor. Ich flüſternden Blättern blitzten, gleich Diamanten, Myriaden widerſprach ihr am Ende nicht mehr, ſie konnte aus mir Tor von Tropfen, und fröhlich zwitſchernde Vögel huſchten be⸗ machen, was ſie wollte. Aber ich litt unendlich dabei. vor hende hindurch. Hundertmal ſtand ich im Begriff ihr das Geheimniß ihres Bru Welche Ruhe, welch' ein köſtlicher Frieden in der wie- überwältigenden Zaubers zu offenbaren; hundertmal verle der aufathmenden Natur! brannte das einzige Wort, an dem mein Herz ſich ver⸗ merſc f Auch in meiner Bruſt waltete er mit beſeligender Re⸗ zehrte, mir auf der Zunge. Aber wenn ihre dunkeln Augen mniri gung. Mir war, als müſſe von heute an ein neues Glück, deu meinigen ruhig und heiter begegneten, bebte ich vor ein neuer Lebensfrühling in meinem Herzen erſtehen, und dem Gedanken zurück, dieſen lächelnden Himmel mit dem Qhaſti unwillkürlich ſchaute ich auf das herrliche Bild in meinem Wetter meiner Leidenſchaft zu überfluthen, ich ſchwieg. voorlo Zimmer, als müſſe mir aus dieſen lächelnden Augen ein Eines Abends, es war gerade der letzte vor unſerm Echo meiner ſehnſüchtigen Gedanken entgegenleuchten. Ausmarſche, wurde Herminens Vater zu einem Krauken einen Achl der Menſch iſt ein räthſelhaftes Geſchöpf mit ſeinen gerufen. Wir blieben allein, ich las ihr aus Goethe's Hoffnungen und Träumen! ſelbſt wenn er ſie alle zu Taſſo vor, und ſie hörte mir andächtig zu. Jedenfalls war's emor Grabe getragen, immerdar blühen ſie wieder auf's Neue nicht allein der Gedanke an unſer letztes Zuſammenſein, anha in ſeinem thörichten Herzen! der mich ſo ſehr bewegte, die gewaltigen Töne des Goethe'= Wie ſchnell verfloſſen mir nun die wenigen Tage des ſchen Genius griffen zu tief in meine Seele, denn meine V ſagt Schlüſſelbeine in den Kauf kamen, verſtand ſich von ſelbſt, ſchließ- warf ihre feurigen Augen ringsum und verneigte ſich mit ſpötti⸗ welch lich blieb aber die Blamage des Verlierenden die ſchmerzhafteſte ſchem Lächeln gegen Katharina, die ihren Gruß nicht erwiderte. dothe und meiſtens einzige Pointe des Kampfes. Fanfaren erſchollen, und die königliche Leibgarde zu Pferde, Roſe Ganz Paris brannte ſo auf denſelben, daß der Trauungsact, aus jungen Edelleuten gebildet, geführt von dem greiſen Mont⸗ wie alle übrigen vorhergehenden Feſtlichkeiten nur geringes Auf⸗ gomery, des Connetable Montmorency Schwager, umritt lang⸗ ten, ſehen machten. Endlich war der erſehnte Tag da. ſam den innern Raum der Arena, die Muſik voran. Darauſ luſti Vom erſten Stock und von dem Balkone des alten Tour⸗ folgten die Herolde, die Turnierknechte und Adelsmarſchälle. nelles reichte eine Tribüne für den Hof bis auf die äußerſte Demnächſt erſchien der König allein, in ganz vergoldeter Rüſtung, ſdach Schranke des Platzes hinab, die ihn in weitem Oval umfaßte. aus der die Lilie entſprang. Ihm folgten in einer Reihe der Dieſe Paliſſaden umdrängte das Pariſer Volk, welches ſchon vor Dauphin, die Prinzen Carl und Heinrich, und der Herzog von mein Tage von jedem Zoll Raumes Beſitz genommen hatte. Die Tur⸗ Savoyen. Nach dieſen die Herzöge von Nemours, Ferrara und fern nierbüttel und Schweizer boten bereits alle Kraft ihrer natürlichen die Montecchi und Capuletti Frankreichs, die Guiſen und ſehr Grobheit auf, um den jauchzenden Plebs in Ordnung zu halten. Montmorencys, mit ihren Söhnen und Vettern, gehüllt in ihre Auch die Fenſter der Häuſer ringsum waren dicht mit geputzten Farben mit mancherlei Sinnbildern und Deviſen auf den Schil⸗ gelan Leuten beſetzt, ſelbſt die Dächer theilweiſe abgedeckt, damit zwiſchen dern. Ihnen nach zog noch ein blitzender Pfauenſchweif von anei Himmel und Erde ja Alles benutzt ſei, was dem Auge einen An⸗ Cdelleuten, unter ihnen Chaſtelard in ſchwarzer Rüſtung, mit der en blick dieſes Feſtes gewähren könnte. ſchottiſchen Diſtel und der Deviſe im Schilde:Sie ſticht! die Es war acht Uhr Morgens und der herrlichſte blaue Himmel, Von dem Volke mit Jubelgeſchrei, von den Damen mit we⸗ Zeu der heiterſte Sonnenſchein, als drei Karthaunenſchläge den Be⸗ henden Tüchern begrüßt, umzogen ſie den innern Raum, und dieſ ginn der Feſtlichkeit verkündeten. nachdem der erſte Herold das Turniergeſetz verkündet, gab Königin der; Deer Hof erſchien und füllte die breite, mit Teppichen ge⸗ Katharina das Zeichen zum Beginn des Spieles. ſchmückte Tribüne, in deren Mitte die Königin Katharina von Alle verließen die Schranken... In! Medicis, ihr zur Rechten Maria Stuart, zur Linken die Großher⸗ Nach kurzer Pauſe ſchmetterte die Fanfare, der König ritt aufg zogin von Savoyen Platz nahmen. ein, hinter ſich den Dauphin, um das Spiel zu eröffnen. Leib Um ſie drängte ſich ein Kranz blendender, juwelenſtrotzender War es kecke Herausforderung des Schickſals, daß beide Frauen, Kämmexer, Marſchälle oder älterer Herren des Hofes, Spitzen auf den Speeren hatten? Vater gegen Sohn? Es zogn die dem Vergnügen, auf den Sand geſetzt zu werden, bereits ent⸗ war ſo ernſt wohl nicht gemeint, es galt nur à tourner au bou- ſagt hatten. Weiterhin an einer Seite der erſten Reihe ſaß Diana auet, ein Blumenrennen... 4 4 per; von Poitiers, immer noch ſchön und bezwingend,die Allſiegerin, König Heinrich begab ſich an die Tribüne zu Katharinen, St =G