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Nr. 25.] Dritte Lolge.
Novellen-Zeitung.
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ſteht?— ihr armes, verlaſſenes Kind, rath⸗ und hülf⸗ los?“ Bewegt drückte er Eduard's Hand, die letzten Schatten von Stolz und Zurückhaltung ſchwanden aus ſeinem Gemüthe. „Nicht umſonſt, junger Mann,“ ſagte er, ihm freund⸗ ſchaftlich die Hand reichend,„ſollen Sie ſich an mich ge⸗ V wandt haben; es wäre ſchade, wenn Sie mit Ihren Talen⸗ ten unbeachtet verkümmern ſollten! Zwar wird noch Manches zu überwinden ſein, aber zählen Sie auf meine energiſche Hülfe und ſeien Sie ohne Sorgen um Ihre Zu⸗ Hand bedeckt. Bei den letzten Worten Eduard's fuhr er kunft. Der Genius Ihrer ſeligen Mutter hat Sie zu mir plötzlich auf. gewieſen, und ſo wahr mir ihr Andenken heilig iſt, ſollen „ Ja!— ganz recht!—— es iſt ſo!“ ſagte er, ſicht⸗ V Sie auch einen väterlichen Freund an mir gefunden
Der Sohn des Rebellen.
Novelle
4 von
Friedrich Dannemann.
(Fortſetzung.) Der Major hatte ſein Antlitz ſchweigend mit der
bar zerſtreut, und ergriff ein kleines Blatt Papier, das vor haben!“ ihm auf dem, Tiſche lag; Eduard erkanute es ſogleich, es war daſſebe Blatt, welches er geſtern aus ſeinem Tage⸗ bns iſſen hatte.„Wo haben Sie dieſe Verſe her?“ fragte ihn der Major mit abgewandtem Geſichte.
„Jene Verſe,“ antwortete Eduard mit einem flüchti⸗ gen Blick auf das Blatt,„ſind aus dem Album meiner ſeligen Mutter; ich habe ſie vor langer Zeit ihrer Schön⸗ heit wegen daraus abgeſchrieben. Der Zufall wollte, daß gerade jenes Blatt in Ihre Hände kam.“
„Wahrlich, ein glücklicher Zufall, junger Maun!“ rief der Major mit leuchtenden Augen.„Jene Verſe ſind mir Frühlingsboten einer ſchönen Erinnerung!“ Er ergriff Eduard's Hand und zog ihn heftig an ſich heran.„Jeue Verſe,“ ſagte er mit leiſer Stimme,—„ſchrieb ich in einer Zeit, wo ein Wort von den ſtolzen Lippen Ihrer au⸗ „gebeteten Mutter mich unausſprechlich glücklich gemacht hätte!— Aber es ſollte nicht ſein,“ fuhr er mit gereiztem Tone fort, Eduard's Hand finſter von ſich ſtoßend,„ich war es nicht,— aber ein Anderer, der ſie unſäglich elend
gemacht hat!— Doch Frieden den Todten,— die Leben⸗ digen werden ihn niemals finden!“—
Er ließ ſich mit geſenktem Haupte auf's Sopha nie⸗ der und ſtützte, wie in Gedanken verloren, ſeine Stirne mit der Hand.—
„Es hat ſeine eigenthümliche Bewandniß mit dieſen Verſen!“ begann er nach einer Pauſe kühl und abwehrend, als ſchäme er ſich ſeiner plötzlichen, leidenſchaftlichen Auf⸗
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„O Herr Major,“ ſagte Eduard, und Thränen des Dankes und der Freude ſtürzten aus ſeinen Augen,— „ſeien Sie geſegnet, im Namen meiner armen Mutter, für das Gute, das Sie ihrem verlaſſenen Kinde zu thun gedenken!“
„Stille, mein Sohn,“ ſagte der Major mild abweh⸗ rend,„laſſen Sie die Todten ruhen! Sie tragen überdies die Züge der Unvergeßlichen, und das iſt es eben, was mich gleich von Anfang ſo zu Ihnen hinzog. Ich habe keine Familie, ich bin ebenſo einſam und verlaſſen wie Sie, dazu ein alter, närriſcher Kauz,— aber das thut nichts! — wollen wir Freunde werden?“—
Eduard ergriff plötzlich ſeine Hände und preßte ſie ſtürmiſch an ſeine Bruſt;—„bis in den Tod!“ rief er, tief ergriffen von der liebevollen Theilnahme des edlen Mannes.
Der Major duldete mit ernſtem Lächeln den Gefühls⸗ ausbruch des jungen Mannes und ſah ihm lange ſchwei⸗ gend in das freudenſtrahlende, treuherzige Auge.
„Zum erſten Male nach langen Jahren,“ ſagte er dann mit unſchlüſſigem Tone,„gebe ich einem Zweiten gegenüber mich wieder ganz und rückhaltlos meinen Em⸗ pfindungen hin. Sie ſehen mich zweifelnd an, Sie be⸗ greifen nicht das Warum dieſer menſchenfeindlichen Rede; denn Sie ſind jung und unverdorbenen Herzens. Aber auch Sie werden einmal erfahren, daß es eine Thorheit iſt, Andern eine Schwäche zu offenbaren. Ich weiß, daß
wallung, und heftete einen ſcheuen, beinahe mißtrauiſchen Blick auf Eduard.
Aber die Augen des jungen Mannes ſahen ihn offen und treuherzig an, unter den dunkeln Wimpern ſchimmerte es wie eine verſtohlene Thrane.
„Jämmerlicher Hochmuth, immerdar ſtreitend mit den Sonnenblicken des Herzens!“ murmelte der Major be— ſchämt in ſich hinein.„Iſt's nicht ihr Sohn, der vor mir
man ſich ihrer zu niedrigen Zwecken bedient und ſie her⸗ nach unter die Füße tritt. Darum iſt es mir ſtets eine ſtolze Genugthuung geweſen, daß ich verſchloſſen und un⸗ zugänglich blieb. Aber,“ ſetzte er ſeufzend hinzu,„ich war nicht glücklich dabei, und darum ſoll es einmal wieder anders werden.“ Er ſchwieg plötzlich ſtille und ſah nach⸗ denkend zu Boden.—„Wenn ich jener ſchönen Zeit ge⸗ denke,“ begann er nach einer Pauſe wieder mit zutrauli⸗


