[VIII. Jahrg. V — n—* Hermann Marggraff. V Der Todtengräber von Münſingen. Ins Auge mocht ihm blitzen Die Leiche, ſo vergilbt; — Da hat er ſich den ſpitzen Hut auf die Stirn geſtülpt. Wie liegt's ſo ſchwer und bleiern Auf Münſingen der Stadt,— So hab' ich nun benraben Die Menſchen nicht, nur Geiern Die ganze Bürgerſchaft! Noch Schutz zu bieten hat! Dein Grüftlein ſollſt du haben.“ Er ſagt'’s und gräbt mit Kraft. An Giebeln und Gebälken Ein gift' ger Schwaden hängt; Du, der mir beigeſtanden Die Pflanzen ſelber welken, Du todter Helſeu menn. 3 Vom ſchwülen Hauch verſengt. Du kamſt nun ſelbſt zu Schanden!“— Er gräbt und betet drein. 5 Lautlos ſind all' die Schreier, 6 dun Die kleinen in der Luft; 3„Da ſteh' ich Allerletzter, 4 plötz Die Raben nur und Geier Der Todtengräber, noch! 3 1„ Ziehn kreiſchend um die Gruft. Der wilde Gram, wie hetzt er bar ſ . Mich an, zu ſchaufeln doch! 4 ihme Und wo ein abgebleichtes 2 war! Gebein hervor ſich ſtiehlt, Geſelle mein! das Hündlein 4 bu Ein halb gemodert feuchtes, Laß ich zu dir hinab! 1 Da wird es aufgewühlt. Ch’ mir noch kommt mein Stündlein, Habt ihr ein ehrlich Grab! ge. 0 4 Krummſchnäbler, wie ſie hacken füig Und mit den Krallen feſt f Ein ehrliches Geläute 1 3l u Die ſichre Beute packen, Soll noch ein Zeichen ſein, 4 heite Des Fleiſches Ueberreſt! Das in die Ferne deute: gerad Ganz Münſingen ſchlief ein!“ So halten ſie verdroſſen der? Den kümmerlichen Schmaus!— Die Grabesſchollen hat er ril Die Läden ſind verſchloſſen, Zum Hügel ſchon gehäuft; Sdu Ein Grab iſt jedes Haus! Ein kalter lebensſatter Verſ Schweiß von der Stirn ihm träuft. einer Kein Rauch ſteigt aus den Häuſern, gebet Kein Lichtlein flackert mehr! Die Peſt, der Tod, die Seuche! hätte Der Tod herrſcht da ſo eiſern! Wie ihm der Fuß ſchon wankt!„. Gruftſtille rings umher! V Halb lebend, halb ſchon Leiche, Ton Der Greis zur Kirchthür ſchwankt. nar . Ein Greis nur mit der Schippe Vm Auf dumpfem Moder ſteht: Er ſtützt ſich auf ſein Stöcklein, da Ein Hund, ein halb Gerippe, Er kommt zur Glockenuhr; Knurrt in ſein fromm Gebet. Da tönen hell die Glöcklein 1 der Und klingen durch die Flur. lntt Er knurrt und legt ſich nieder,— Das Aug' erloſchen faſt,; Hell ſchallt es in die Weite, We Er ſtreckt die matten Glieder V Bentſcha ſo ſtill und matt— als So ſteif auf Sand und Baſt. Das war das Grabgeläute va Für Münſingen, die Stadt. äl Und eines Jünglings Leiche Iſt nebenan zu ſchaun; Ihr will der Greis, der bleiche,— und Die letzte Hütte baun. V esn . Son Balladenchronik. Erzählende Gedichte ernſter und humoriſtiſcher Gattung von Hermann Marggraff. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1862. V ſchä
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