Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
380
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der Geſellſchaft wohl Staunen, aber keinen Spott des Un⸗

glaubens abnöthigte, ja da mir ſogar Kathinka mit einer gewiſſen lächelnden Bewunderung und Lorbeer ſpendenden Miene zurief, daß ich an Muth ein zweiter Bayard ſei, ſo wurde mir recht wohl zu Sinne, und ich ließ dieſe Lügen unaufgeklärt.

Plötzlich ſollte mir aber wieder übler werden.

Darum, fuhr mein Freund fort, und zwar leider ohne allen Scherz und Ironie,ſoll er auch morgen den Ehrenplatz bei der Bärenjagd haben.

Da erhob ſich die Stimme des Oberſten:Diesmal hatte ich eigentlich, ohne unſerm Gaſt zu nahe treten zu wollen, auf dieſes Amt gerechnet, wenn

Liebſter Oberſt, unterbrach ihn der Wirth,Ihre Tapferkeit vergißt immer Ihr armes Bein.

Mein Bein, ja mein Bein, antwortete dieſer,zur Hölle mit dieſem verwünſchten Chineſen, der mir alle Jagdfreude geraubt hat! und ſein Geſicht verklärte ſich, ſei es nun aus Erleichterung über dieſe Verwünſchung oder weil dasEhrenamt oder derEhrenplatz, dieſe mir räthſelhaften, höchſt beunruhigenden Würden, glücklich an ihm vorübergegangen waren.

Haben Sie ſchon viele Bären geſchoſſen? fragte mich der Gardelieutenant;eine verteufelt halsbrechende Jagd das, wenn man ſolchem zottigen Kerl eine Kugel in den Pelz ſchießt, und er ſchreibt einem für richtigen Em⸗ pfang mit ſeiner Tatze eigenhäudig die Quittung in's Ge⸗ ſicht, Fractur verſteht ſich, Augen, Naſe, Lippen, Schnauz⸗ bart, gute Nacht! ſcheußliches Vergnügen! habe mal einen ſolchen Jagdliebhaber geſehen, ſah aus, als ob er ſich fünfundſiebenzig Mal unglücklich duellirt hätte und von Pferdehirten ſchlecht geheilt wäre!

Ich fuhr mir bei dieſen Worten unwillkürlich über's Geſicht und berührte mir wenigſtens Naſe, Mund und Schnauzbart mit einer gewiſſen Wehmuth, denn obgleich ich nie gezweifelt hatte, dieſe nothwendigen Utenſilien eines

Uovellen-Zeitung.

fingerdicke Streifen zerlegt hatte.

menſchlichen Geſichtes für immer zu behalten, ſo ſchien es mir doch jetzt zweifelhaft, ob ich ſie morgen um dieſe Zeit noch haben würde. Das einzige ſichere Gefühl, was ſich mir darſtellte, war: dieſen verdammtenEhrenplatz bei der Jad muß ein Anderer erhalten.

Larifari! donnerte mein Freund mit behaglichem Vorwurf über den Tiſch;Larifari, beſter Lieutenant, durch dergleichen Kleinigkeiten läßt ſich mein wackerer Florian nicht abſchrecken,(dieſerFlorian war nämlich leider ich!)was macht ſich ein echter Waidmann aus einem zerfetzten Geſicht, wenn nur's Herz friſch bleibt! Füllen Sie die Gläſer, meine Herrſchaften, und dieſer Trunk Burgunder auf eine gute Jagd morgen! Der deutſche Eberjäger ſoll leben, und auch der Bär ſoll mög⸗ lichſt lange leben, damit er ſich tüchtig mit ihm herum ſchlagen kann!

Ein kriegeriſches Hurrah und Lebehoch erſchallte, und Kathinka ſtieß unter einem bedeutungsvollen Lächeln mit mir als einem vertrauenerweckenden Kämpen an. O, die⸗ ſes Lächeln war ſo verführeriſch, dieſer Blick ſo ſchmeichel⸗ haft ſüß und vielverſprechend! Ich ſah mich, einen glück⸗ lichen Ritter, vor dem ſchönen Edelfräulein, welches dem Sieger den Preis austheilt, kurz, ich fühlte mich in dieſem Augenblick ganz Bärentödter.Ich werde die Ehre zu verdienen ſuchen, ſagte mein zum Ritter geſchlagenes Selbſtbewußtſein.Worin, liebſter Freund, beſteht denn aber das Ehrenamt, ich bitte, mich zu orientiren.

Das iſt Pflicht und Schuldigkeit, antwortete mein Wirth, der eben einen ungeheuren Rindsbraten in zwei⸗ Sieh, die Sache iſt für einen verwegenen Jäger ganz einfach. Die Spur des Bären haben wir ſchon, denn der Dimitri, mein Wild⸗ knecht, dieſer Wetterkerl hat ſie heut früh ausgekundſchaftet. Nun werfen wir uns morgen früh Alle wohlbewaffnet auf raſche Pferde, Du reiteſt meinen ſchwarzen Tatarenheugſt, der iſt immer vorn, ſcheut vor keiner Raubthierwitterung

müſſen alſo die größten Meerſegler fahren Brücke über die Themſe von London Bridge ſtromabwärts wäre ein Hinderniß im nothwendigen Verkehr, das bei der Handels⸗ ſtadt nicht geduldet werden kann. Dieſer Umſtand weckte nun den Gedanken, für Fußgänger eine Paſſage unter der Themſe zu Stande zu bringen. Das Werk iſt bekanntlich coloſſal, es gehört zu den erſten Weltwundern der nützlichen Baukunſt. Mehr als eine engliſche Meile auf der Themſe, von London Bridge gegen das Meer zu, iſt nun dieſer Tunnel durchgegraben. Netto 100 Stufen führen abwärts, und dann ſieht man den gasbeleuchteten gewölbten Gang(neben dem, durch offene Bogen verbunden, ein anderer parallel läuft, der aber gegenwärtig durch Breterwände in den Verbindungsbogen geſchloſſen iſt, weil Einer für den Verkehr hinreicht). Der Durchgang unter der Themſe hat eine Länge von 523 weiten Schritten. Mehr um der Curioſität als des Bedürfniſſes wegen ſind zwei Reſtaurationen inmitten des Tunnels errichtet.

der nothwendig ſich aufdringende Gedanke:Wenns da oben

einmal durchbricht und das Waſſer herabkommt, nicht zu den angenehmſten Beſorgniſſen gehört, verſteht ſich von ſelbſt. Wenn

man anderwärts wieder denkt:die größten Dreimaſter und Dampfer mit ungeheuren Laſten fahren über deinem Haupte, ſo bewundert man die Ausdauer und das Genie des Baumeiſters Brunel, der bereits geſtorben und deſſen eiſerner Kopf, der durch kein Hinderniß ſich zurückhalten ließ, ſelber mit einem uner⸗ müdlichen Bohrer verglichen werden kann, der ſo lange fortar⸗ beitet, bis er auf der Kehrſeite des zu durchbohrenden Gegenſtan⸗ des wieder an's Tageslicht hinauskommt. 8.

können und eine

Daß, wenn man den Gang durchwandelt,

Literatur.

Erzählende Schriften von Carl von Holtei. Bres⸗ lau, Trewendt...

Wir fühlen uns veranlaßt, unſere Leſer noch einmal auf dieſe ungemein billige Volksausgabe der Schriften jenes ſo beliebten Autors hinzuweiſen.

Was aus dem Leben der Nation, aus dem Bürgerthum mit ſeinen Leiden und Freuden, ſeiner Arbeit und Tüchtigkeit entnom⸗ men iſt, wird erſt in dieſer billigen Geſtalt recht in die weiteren Kreiſe einzudringen vermögen. Es iſt bei Holtei's Schriften be⸗ ſonders hervorzuheben, daß nur wenige Arbeiten darunter ſind, welche einem abſoluten Veralten unterliegen. Holtei war niemals ein Tendenzſchriftſteller, diente nie dem flüchtigen Intereſſe des Tages, ſondern dem menſchlichen Gemüth; dieſes wird ſich ſtets von ſeinen Erzählungen angeſprochen fühlen, und Nichtkenner der Holtei'ſchen Muſe ſind noch darauf aufmerkſam zu machen, daß die Meinung ein Irrthum iſt, der Autor habe ganz ausſchließlich für Schleſien gedichtet. Seine Kreiſe ſind auf keine Provinz be⸗ ſchränkt, und ſeine harmloſen Sachen ſind im allgemeinen deut⸗ ſchen Geiſte erfunden. O. B.

[VIII. Jahrg.

Frangois von Foix. Tragödie von Prinzhauſen. Berlin, Reimann.

Wenn wir dieſes Stück hier der Bühne zur Beachtung und dem Verfaſſer zur beträchtlichen Kürzung empfehlen, ſo legen wir dabei ein beſonderes Gewicht auf das dramatiſche Leben, welches der hiſtoriſche Stoff ſelbſt bietet. O. B.

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