Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
372
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372 heiße Thränen tropften auf ſeine Stirne, ſie brannten wie verzehrendes Feuer.

Erſchrocken fuhr er empor.

Vor ihm ſtand eine Reihe finſterer Soldaten, unter ihnen, gefeſſelt, ein hoher, bleicher Maun. Er kannte ihn wohl und eilte ihm jubelnd entgegen; es war ja ſein Vater. Aber warum ſo ſtille, ſo eruſt heute? er, der ihn ſonſt nur fröhlich lachend auf ſeinen Armen umhertrug? Er blickte fragend auf ſeine Mutter, ſie lag, ihr Geſicht mit beiden Händen bedeckend, regungslos am Boden.

Vorwärts! commandirte eine rauhe Stimme. Die Thüre öffnete ſich, Säbel klirrten, Bajonnete blitzten auf den Gängen, das ganze Haus war von Soldaten beſetzt.

Noch einmal riſſen die ungeſtümen Arme des Gefeſſel⸗ ten den beſtürzten Knabeu an ſeine Bruſt, er ſchluchzte und 8 ſeine thränenloſen Augen hingen lange und innig an ſeinem Ebenbilde; dann ließ er es kraftlos zu Boden gleiten und wankte aus dem Zimmer.

Bewaffnete Reihen ſchloſſen ſich vor und hinter ihm, und drängten ihn über den Gang aus dem Hauſe, für immer aus dem Frieden ſeines heimathlichen Heerdes.

Die Ohnmächtige erhob ſich, mit einem herzzerreißen⸗ den Schrei ihre Arme nach ihm ausſtreckend, aber er kehrte nimmer zurück, denn er war ein Rebell, ein einfluß⸗ reicher, ein gefürchteter Rebell und ſolche Rebellen wer⸗ den erſchoſſen!

Träumer! Rekrut, erwache! den Helm gerade! ſtillgeſtanden! Dort naht ein Stabsofficier! Siehſt Du nicht ſeinen finſtern Blick? er erwartet längſt das ihm ſchuldige Honneur. Achtung! präſen⸗ tirts Gewehr! eben noch zur rechten Zeit! er muſtert Dich von oben bis unten, er hat Nichts auszu⸗ ſetzen, der Officier du jour, und reitet grüßend vor⸗ über.

Uovellen-Zeitung.

Vorüber! Gott ſei Dank, Du biſt wieder allein mit Deinen Träumen!

Und er preßt krampfhaft den Flintenkolben an die ſtürmiſch klopfende Bruſt und träumt ſchweigend weiter.

Seine Blicke wurzeln am Boden, große Thränen ſtrömen unaufhaliſam aus ſeinen dunkeln Augen. Der blumige Raſen zu ſeinen Füßen wölbt ſich zu einem nied⸗ rigen Hügel, darauf liegt ein bleicher, verwitterter Stein; er bedeckt die Gebeine ſeiner unglücklichen Eltern. Das Bild eines knieenden Engels iſt hineingemeißelt, mit ge⸗ falteten Händen umklammert er eine Urne, darauf ſtehen V die theuren, ihm unvergeßlichen Namen.

Die goldenen Buchſtaben ſind faſt erloſchen, vom Ein⸗ fluß des Wetters und dem ſeiner Thränen. Hier weilt er am liebſten; hier iſt ſo ſtille! Keines Menſchen Laut ſtört ihn in ſeiner Wehmuth. Der einſame Geſang einer Amſel, der aus den Cypreſſen neben ihm erklingt, erinnert ihn an die ſüßen Weiſen ſeiner Mutter; der laue Weſt, der ſeine fiebernden Wangen ſtreift, an ihren leiſen Kuß, als er in ihrem Schooße ruhte. Damals wie glücklich! und nun wie elend!

Armes Kind!

Eine helle, ſilberne Stimme wiederholt es neben ihm; Armes Kind!

Eine kleine Hand ruht zutraulich auf ſeiner Schulter; große, blaue Augen ſchauen mitleidig und liebevoll in die ſeinigen. Ein wunderbarer Troſt quillt aus dieſen ſeelen⸗ vollen Blicken, aus dieſen ſanften, einſchmeichelnden Wor⸗ ten. Sie war noch ein Kind, wie er, als ſie ſo zu ihm ſprach; aber mild und verſtändig wie ſeine Mutter.

Sie pflückten Blumen zuſammen, wanden ſie zu duf⸗ tenden Kränzen und legten ſie auf den verwitterten Stein, der jenen Hügel bedeckte, welcher ſein Theuerſtes umſchloß. Das waren ſchöne, unvergeßliche Tage! Höher

wuchs das Gras auf den Gräbern, die Blüthen verrauſch⸗

ſten mit dem wärmeren Weſte, der in dem dichteren Laube

D'Donoghue's Dudelſack.

und zugleich einen unterhaltenden Stoff haben, erzählt uns Ro⸗ denberg auch das vorſtehende von humoriſtiſchem Inhalt:

An den Seen von Killarney, wo die Männer tapfer und die

Frauen treu, die Kühe klein und die Berge groß ſind, da lebte einſt ein blinder Dudelſackpfeifer, Namens Hugh M'Connell, ein tüchtiger Dudelſackpfeifer, der auf tauſend Meilen in der Runde nicht ſeines Gleichen hatte. Aber Muſikanten ſind immer durſtig, und der gute Hugh wurde nicht nüchtern, ſo lang es was zu trin⸗ ken gab, und zu trinken gab es dazumal immer in den guten Zei⸗ ten von Irland. Da gab es nichts als Zechen und Schmäuſe undPatterns und Tanz und Jagd.

Da geſchah es nun an einem Maiabend, daß Hugh in der Stadt Killar ney war, und da er vielen Leuten begegnete, die ſich freuten ihn zu ſehen, ſo ſchüttelte er hier Einem die Hand, trank dort mit dem Andern ein Glas Whiskey ein Kännchen Punſch

Hauſe hängen, bis es tiefe Nacht geworden war. Hugh wurde

Unter anderen iriſchen Märchen, die eine tiefere Bedeutung

hier und ein Pint Ale dort, und zuletzt blieb er in einem Public⸗

Feuilleton.

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immer lebendiger und machte gewaltigen Lärm; bis ihm denn endlich die Wirthin ſagte, er ſollte jetzt aufpacken, ſie ſei müde und wolle in ihr Bett gehen, und es ſei für jeden ehrlichen Mann Zeit, ſich jetzt in das ſeine zu begeben. Hugh ſagte, es ſei ſchon gut, nahm ſeinen Dudelſack unter den Arm und einen langen, Stock in die Hand, und machte ſich auf. Ihm wars einerlei, ob die Sonne ſchien oder t, er hatte den Weg ſo im Gefühl und kannte jeden Winkel und jede Ecke, von Kenmare nach Tralee. Alſo ging er denn in die ſtockfinſtere Nacht hinaus, er ging den beſten Weg, den er kannte, und der war ſchlecht genug, denn Hugh konnte kaum ſtehen. Er ging und ging, und wußte zuletzt nicht mehr, wo er ging; dann ſetzte er ſich auf einen Stein und dachte, es wäre doch einerlei, nahm die Balgſtöcke des Dudelſacks unter den Arm, die Pfeifen in den Mund und fing an zu ſpielen. Doch kaum hatte er den erſten Ton von ſich gegeben, ſo ſchallte es ſchon aus der Ferne wie Pferdegetrappel, und bald darauf hielten Rei⸗ tersleute dicht neben ihm. 3

Pfeifer, ſagte Einer von ihnen,willſt. Du mit uns reiten?

Wohin ſoll's denn gehen? fragte dieſer,zu einer Hoch⸗ Kindstaufe, oder zu einer Todtenwache?

zeit, oder zu einer

[VIII. Jahrg.

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