Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
371
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Novellen-

Der Sohn des Rebellen.

Novelle von

Friedrich Dannemann.

Es iſt an einem Sonntag Nachmittag im Comman⸗ dantengarten der Feſtung L g. Zwiſchen den duftigen Laubgänugen verſtecken ſich maleriſch mit ihren Gräben, bis zur freien Ebene hinaus, die verſchloſſenen, bomben⸗ feſten Redouten, deren ſüdlichſter Punkt das große Fort sheim bildet.

Es iſt alſo dieſer Garten, obgleich man ihn den des Commandanten nennt, eigentlich nur ein Stück Feſtungs⸗ terrain und zwar der ſogenaunte gedeckte Weg. Jedoch würden die ſchönen Anpflanzungen im Falle einer Belage⸗ rung ohne Weiteres raſirt werden und zu Faſchinen, Schanz⸗ körben u. ſ. w. dienen müſſen.

Aber wir ſind mitten im Frieden. Die ſchattigen Baumgruppen neigen flüſternd ihre ſonnigen Wipfel über den fröhlichen Spaziergänger und ſchütteln ihren duftigen Blüthenregen verſchwenderiſch zu ſeinen Füßen. Amſel und Droſſel verkünden mit ihnen das ſüße Lied des Früh⸗ lings und des Friedens. Laßt immerhin die dunkeln Re⸗ douten mit ihren Haubitzen, Kugelbeeten und Pulverkam⸗ mern durch's friſchgrüne Laub Euch angähnen; auf dem düſtern Gemäuer lacht der Sonnenſchein, zwiſchen den bemvosten Ritzen hält die Eidechſe behende Jagd. Von den Kugelbeeten ſeht Ihr wenig, der freigiebige Flie⸗ der hat ſeinen Blüthenmantel herübergeweht, und langes, üppiges Gras ſchießt über die roſtigen Spalten hinaus.

Auch die ſchwarzen Kanonenſchlünde drohen nicht mehr gefährlich, emſige Kreuzſpinnen haben ihr blitzendes Netz

darüber gewebt, und höchſtens eine leichtſinnige Fliege mag

hier ihren Tod finden.

Aber die Gräben? nun, ſen einmal hinab, im weichen Moosteppich blühen wilde Veilchen und Gänſe⸗ blümchen, gräbt friedlich der Maulwurf ſeine unſchädli⸗ chen Minen, und bunte Falter gaukeln darüber hinweg.

Au einer ſolchen Redoute iſt demnach gar uicht übel Poſten ſtehen, aber der junge Soldat, der dort ſo lang⸗ ſam mit ſeiner Flinte einherſchreitet, ſcheint doch von Allem nur wenig zu bemerken..

Seine dunkeln Augen ſchauen nur ſelten in den duf⸗ tenden Graben hinab; nur ſelten bleibt er ſtehen, dem

Dritte Lolge

Zeitung.

Der junge Soldat iſt ein bildhübſcher Menſch. Aus den träumenden Augeu leuchtet ein wehmüthiger Ernſt, ſie blicken oft nachdenkend zu Boden; dann zucken die von weichem Barte umſchatteten Lippen ſchmerzlich zu⸗ ſammen.

Der junge Soldat mag wohl Urſache zu ernſten und trüben Gedanken haben, er iſt noch Rekrut undiſteht allein in der Welt. Vater und Mutter ſind lange todt, Geſchwiſter oder Verwandte hat er nicht; auch keine Freuude. Unter den rohen Scherzen ſeiner Cameraden iſt ihm nicht wohl, er meidet ſie, wenn's eben geht, und ver⸗ kehrt einſam mit ſeinen Erinnerungen; das iſt ihm das Liebſte, und darum nennen ihn ſeine Cameraden auch einen ſchlechten Soldaten, einen hochmüthigen Narren, und wenn ſie mal Gutes von ihm reden wollen, was indeß ſelten geſchieht, einen Träumer.

Ein ſchlechter Soldat iſt aber der junge Mann nicht, noch viel weniger ein Narr; aber ein Träumer iſt er, und ſeine Träume gleichen dem Frühling, der ihn umgibt. Sie ſind aus einer ſchönen Zeit, die lange verſtrichen iſt, aus ſeinen Knabenjahren.

Wenn dieſe Träume über ihn kommen, vergißt er alles Audere und das iſt gut für den armen Soldaten. Das heutige freudenarme Daſein iſt auch ein herzzerreißen⸗ der Contraſt, verglichen mit dem, was eiuſt ſein war, was noch ſo lebendig mit allen Zaubern der Erinnerung ſeine Seele bewegt.

Da war ein hohes, elegantes Gebäude mit großen, ſchönen Fenſtern, mit ſchwereu, golddurchwirkten Vorhän⸗ gen. In den prächtig meublirten Zimmern hingen Origi⸗ nalgemälde berühmter Meiſter, mit breiten, koſtbaren Goldrahmen. Da ſaß am Fenſter eine ſtolze Dame, ihre Augen glänzten wie milde Sterne über ihn herab, wenn ſein lockiges Haupt in ihrem Schooße ruhte. Ihr ſtolzer Mund lächelte innig, wenn er mit zärtlichem Kuſſe ihre weiße Stirne berührte.

Liebſt Du Deine Mutter, mein Junge? flüſterte ſie dann und preßte ihn ſeufzend an ihre Bruſt. Ihre Worte klangen wie berauſchende Muſik, er ſchloß ſeine Augen, klammerte ſeine kleinen Arme um ihren Nacken und ſchlief ein. Dann fühlte er ihre weichen Hände in ſeinen Locken, ihren würzigen Odem auf ſeiner Stirne, leiſe, melodiſche Weiſen von ihren Lippen an ſein Ohr klingen. Das waren die ſchönſten Träume ſeines Lebens.

Plötzlich aber vernahm er ein wüſtes Geſchrei, der ungewohnte Klang rauher Stimmen erfüllte das ſtille Ge⸗

füßen Gezwitſcher eines an ihm vorüberflatternden Vogels zu lauſchen.

mach. Die weichen Hände, welche ſein Haupt unſchloſfen zuckten krampfhaft zuſammen, der Geſang verſtummte;