Jahrgang 
15-26 (1862)
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Goldtochter, ſie geſtand mir zu, daß bereits der Verdienſt dieſes erſten Tages die Unkoſten des Etabliſſements, ſowie den Koſteubetrag meines Anzuges gedeckt habe; baute,

wenn mein Handel ſo fortgehe, darauf rieſige Luftſchlöſſer,

ſchnitt mir durch die Verſicherung, daß das Stück mit unſerer Dynaſtie für ewige Zeiten ausgeſpielt habe, und daß ſämmtliche Miniſter ſammt den Ihrigen, wenn man ſie erwiſchte, ohne Weiteres gehangen oder wenigſtens guillotinirt würden, jede Hoffuung auf eine Rückkehr meiner früheren Verhältniſſe ab. Sie ließ auch nicht un⸗ deutlich fallen, daß ſie einen recht netten, feinen Neffen in Chatillon habe, dieſen wolle ſie baldigſt kommen laſſen, da⸗ mit er mir bei meinem Geſchäfte zur Hand gehe. würden uns kennen lernen, meinte ſie, könnten uns dann heirathen und ihr wie dem blinden Vater ein Paar kräf⸗ tige Stützen im Alter werden. Dabei erhielt ich zum 8 ſſen wieder ein Glas ſauren Wein und ein Stück hart örod. Auf meinem ärmlichen Nachtlager, das mir wie in voriger Nacht zu Theil wurde, lag ich ſchlaflos mich halb in Thränen auflöſend.

Mein Gott, fuhr das Mädchen nach einer kleinen Pauſe fort und ſchlug das ſchöne, große Auge wehmüthig lächelnd zum Himmel auf,was iſt doch die Hoffnung dem Leidenden für eine gottgeſandte Tröſterin in der Noth! Als ich von meinem kummervollen Lager aufſtand, die we⸗ nigen Stunden bis zu Ihrer Rückkunft berechnete und mit meinem Plane, Ihnen einen Zettel in einem Apfel zu⸗

zuſtecken, fertig war, da warf die Hoffnung, daß Sie mich

der Verzweiflung nicht preisgeben, ſondern kommen und

mich retten würden, in meinem Herzen feſten Anker, da

war es, als ſtröme neues Leben durch mein Herz.

Ich faltete zu Gott meine Hände empor, dankte ihm für ſeine Hülfe, die er mir durch Sie, meinen Retter, ge⸗ ſendet, und betete, daß er Ihnen Muth und Ausdauer ver⸗ leihen möge. Inbrünſtiger habe ich wohl nie gebetet. Die Thränuen rollten mir über die Wangen, und doch war mir

Uovellen⸗Zeitung.

Wir

ſo freudig, ſo feſtlich zu Sinne, als verkünde mir der Morgen den ſchönſten Feiertag meines Lebens.

Als die Alte mich zu meinem Kram begleitete, bat ich unter dem Vorwande, daß es mir im Anfang noch zu ſchwer falle, alle die Preiſe der verſchiedenen Obſtſorten im Gedächtniß zu behalten, um Bleifeder und Papier. Mein Geſchäft ging heute noch viel lebendiger als am Tage vorher, ich war gegen die Käufer freundlicher, war es doch das letzte Mal, daß ich auf dieſem Poſten ſtand. Die Alte vermochte kaum ſo viel Obſt herbeizuſchaffen, als ich verkaufte, und ich gewaun kaum ſo viel Zeit, die paar Zeilen an Sie zu ſchreiben und ſelbige in dem Apfel zu verbergen.

Sie kamen, erhielten den Apfel, und als Sie zurück⸗ kehrten und noch zehn Aepfel verlangten, da wollte mir vor Freude faſt das Herz ſpringen, daß Gott mein Gebet erhört. Meine Hauptaufgabe war es nun, es möglich zu machen, heute Abend zur beſtimmten Stunde aus dem Hauſe zu kommen. Noth macht erfinderiſch, mich machte ſie zur Betrügerim Ich nahm für mehrere Obſtpartien einen höheren Preis, als mir die Alte vorgeſchrieben; das dadurch gewonnene Geld verbarg ich. Als mich hierauf Abends meine Hälterin abholte und über den unerwartet glücklichen Erfolg meines Obſthandels mir viel Schmeiche⸗ leien ſagte, ſtellte ich mich, als thue mir ihre Zufrieden⸗ heit mit meinem Benehmen unendlich wohl und als fange ich an, mir in meiner Ueuen Stellung ſelbſt zu gefallen. Hieraus nahm ſie Veranlaſſung, ihr Project meiner Ver⸗ heirathung mit dem Chatilloner Neffen wieder anzuregen, und als ich zwar nicht Ja ſagte, mich aber auch nicht gerade dagegen auflehnte, ſo wurde ſie ſo entzückt, daß ſie für mich ſtatt des Stücklein trocknen Brodes ein nach ihrer Art recht ſtattliches Abendeſſen beſorgte. Die Stunde der Erlöſung rückte immer näher, mein Herz zitterte vor Angſt, und doch mußte ich mich zwingen fröhlich und guter Dinge zu ſcheinen, ſo ſchwer es mir auch wurde; endlich

Kopfſchmerzen übernehmen. Bis zu ſeinem Lebensende hatte er

die Gewohnheit, jeden Morgen einen weiten Ritt von achtzehn bis zwanzig engliſchen Meilen zu machen.

ſtück geſchickt, das gewöhnlich aus Beefſtegk oder Hammelbraten und Porter auf Flaſchen beſtand. Häufig begleiteten ihn die übrigen Miniſter, und nach der Rückkehr kleidete ſich die Geſell⸗ ſchaft um und hielt einen Cabinetsrath. Dieſe weiten Ritte wur⸗ den ihm von den Aerzten als zu anſtrengend widerrathen; was aber wirklich ſeine Geſundheit untergrub, war ſeine kummervolle Aufregung über die Siege Napoleon's auf dem Feſtlande. Als er nach der Schlacht von Auſterlitz vom Lande nach London zu⸗

rückkehrte, ſah man ihm an, daß ſeine Tage gezählt ſeien. Die

erſten Worte, die er ſprach, als er ſein Zimmer matt und gebro⸗ chen betrat, bewieſen, womit er ſich allein beſchäftigte.

ſagte er ſeinen Dienern,in den nächſten zehn Jabren wird ſie nicht mehr gebraucht werden. Der Retter Europa's gab alſo ſein Werk auf, und das Bewußtſein, vergebens einen dreizehnjäh⸗ rigen Rieſenkampf geführt zu haben, gab ihm den Tod.

Nach ſeinem Tode war ein Menſchenalter vergangen, als ſein Andenken auf einer Felſenhöhe des Libanons noch immer mit warmer Liebe verehrt wurde. Es war ſeine Nichte Lady Eſther Stanhope, die ihm eine ſo treue Erinnerung bewahrte. Sie hatte 1802 bei ihm gewohnt und ihn ſeitdem wie einen Vater geliebt. In dieſer Einſiedlerin vom Libanon lebte derſelbe unbeugſame Geiſt, der ihn beſeelte. Auf die heutigen engliſchen Staatsmän⸗ ner ſcheint davon nichts übergegangen zu ſein.

(Europa.)

An einem vorher be⸗ ſtimmten Platze machte er Halt, und dorthin wurde ihm ein Früh⸗

An der Wand hing eine Karte von Europa.Rollt dieſe Karte auf,

Literatur..

Valmoda. Eine dramatiſche Dichtung von Peter Loh⸗ mann. Leipzig, Matthes 1862.

Wir haben allerdings für die breiten Erörterungen, welche die dramatiſche Literatur verlangt, keinen Raum, und außerdem würden ſolche Beſprechungen auch unſern Leſern wenig ſympathiſch ſein, weil neue Druckſachen für das Theater gar nicht unter das große Publicum kommen. Sie fangen erſt im Buchhandel an gangbar zu werden, wenn ſie durch Bühnenaufführungen Ruf,

wenigſtens Aufſehen erlangt haben.

Peter Lohmann gehört zu denen, welche für eine Bühnen⸗ reform zu kämpfen verſuchen und dem Gedanken huldigen, daß bei höchſter Vollendung ein⸗ roduction das Muſikaliſche mit dem Dramatiſchen, das heißt, rechte Ton mit dem rechten Wort zu⸗ ſammenfielen. Es iſt bekannt, wie ſich dieſe Idee an die Zukunfts⸗ V muſik anlehnt..

Er ſagt in ſeiner Vorrede unter Andern:Ich fühle mit

Jedem, der über haltloſe Neigungen der Menge ſich binwegzuſehn demüht, wie haltlos, ja widerſinnig die Conflicte in faſt ſämmt⸗ lichen bisherigen Werken des reeitirenden Dramas, wie ſchwach ſelbſt diejenigen in Shakeſpeare's Dramen erſter Periode z. B. inRomeo und Julia ſind, ich kenne mit ihnen kein einziges Drama, das mir völlig genug thäte in dieſer Hinſicht. Aber weil es gegenüber den höchſten Forderungen ſo iſt, und da nun doch alle Tieferblickenden in dieſem Punkte einig ſind, ſollte Billig⸗ keit bei neuen Anläufen nicht garſo ſelten ſein.

WVIII. Jahrg.

V

Wir zweifeln nicht, daß es dem Verfaſſer ſehr à propos kom⸗

men wird, wenn ihm das Publicum dieſe Billigkeit für ſeine eige⸗

Nr.

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