Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
361
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Nr. 23.] Dritte mich, daß ich mich ſelbſt nicht würde wieder erkannt haben.

Mit ſchwerem Herzen ging ich jetzt an der Seite

meiner Zuchtmeiſterin nach dem Pont des Arts; Alles, was zu meinem Kram gehörte, ſtand ſchon in Bereitſchaft; die Alte machte mich nun mit dem Preiſe jeder Obſtſorte be⸗ kannt und ging dann mit dem Verſprechen, bald wieder zu kommen, um zu ſehen, wie es mir gehe, nach Hauſe.

Bei ihrer Rückkehr war ſie vor Erſtaunen faſt außer ſich, denn mein ganzer Kram war verkauft; viermal ſchaffte ſie noch neuen Vorrath, und ich hatte ihn kaum ausgelegt und geordnet, ſo war er auch ſchon verſilbert. Es war ein Glück, daß ich au dieſem Tage ſo beſchäftigt war, ſonſt wäre ich meinem Elende unterlegen.

Alle Vorübergehende ſprachen von nichts als von der großen Begebenheit des Tages. Meinen Oheim hörte ich mehr deun zwanzigmal bis in den Abgrund der Hölle ver⸗ fluchen. Zwei vornehme Herren, die ſich oft an ſeinem Tiſche ſattgegeſſen, ſich tief vor dem Onkel gebückt und ihm über ſein Regiment den Beifall von ganz Frankreich vorgeſchmeichelt hatten jetzt ſtanden ſie in meiner Nähe, ſprachen ihm alle und jede Verdienſtlichkeit ab und ſchäumten vor Wuth über ſeine vorgebliche Nichtswürdig⸗ keit.Nieder mit ihm und allen ſeinen Collegen, hieß es,denn ſie haben das Vaterland verrathen! und nieder mit Allen, die zu ihnen gehören. Das ganze Otter⸗ gezücht muß mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, es darf Keiner davon übrig bleiben. So ſprachen wohl noch hundert Andere aus allen Ständen, die bei mei⸗ nem Obſttiſchchen vorbeigingen oder von mir kauften; und ich ſah wohl ein, meine Alte hatte Recht, ſelbſt mein Leben erſchien mir bedroht, und mir wurde immer ängſtlicher zu Muthe. Ju dieſem Augenblicke kam Caſimir Perier. Er war kein Freund meines Oheims, aber ich wußte, er war ein edler Mann; ich wollte mich ihm zu Füßen werfen und ihn um ſeinen Schutz anflehen, aber mir fehlte der Muth

Polge. 361 dazu, und ſo verſäumte ich den günſtigen Augenblick. Ich zürnte mit mir ſelbſt; in dieſer Stellung konnte ich nicht für immer verbleiben, alſo mußte Etwas geſchehen; denn von der Alten hatte ich weder eine Beſſerung noch Aende⸗ derung meiner Lage zu erwarten. Die außerordentliche Lebhaftigkeit meines Geſchäftsbetriebes, bei dem ihr Vor⸗ theil ſehr im Spiele war, machte der Geldgierigen eine ſo ſichtliche Freude, daß ich erwarten mußte, ſie werde gewiß Alles aufbieten, mich in meiner jetzigen Abhängigkeit zu erhalten. An meiner Zukunft verzagend, beſchloß ich da⸗ her, mich dem Erſten meiner Bekannten, den ich anſichtig würde, zu entdecken, mochte daraus auch entſtehen, was da wollte. Schlimmer als der Tod konnte es nicht ſein, und dieſer war mir doch noch willkommener als ſolch ein Leben. Da kamen Sie. Ihre Theilnahme an fremden Leiden, Ihre Bereitwilligkeit zu helfen, die einſtimmigen Loheser⸗ hebungen, die man Ihnen in dem Blumenmagazin gezollt hatte, der Umſtand, daß Sie ein Ausländer, ein Deutſcher ſeien, und die tiefen Züge von Rechtlichkeit und Edel⸗ muth, die ich von Ihrer Nation gehört, alles dies gab mir den Muth mich an Sie zu wenden, denn in meinem Innern ſprach die feſte Ueberzeugung, daß, könnten Sie mir Schutz und Hülfe verleihen, meine Bitte darum ge⸗ wiß keine vergebliche ſein werde. Wie ein Blitzſtrahl flog dies Alles durch meine Seele, als ich Sie kommen ſah. Allein ich konnte nicht mehr ſprechen, wir hätten auf offe⸗ nem Platze können behorcht werden; außerdem erwartete ich jeden Augenblick die Rückkehr meiner Alten, auch kam kaum zwanzig Schritt hiuter Ihnen ein Bekannter, ein Adju⸗ tant Lafayette's, welcher mit einer Dresdnerin verhei⸗ rathet war und mich durch dieſe genau kannte. Vor die⸗ ſem wollte ich mich auf keinen Fall ſehen laſſen, ich wendete daher mein Geſicht abwärts, bat Sie in 24 Stun⸗ den wieder zu kommen und winkte Ihnen, ſich zu ent⸗ fernen.

Nach meiner Heimkunft nannte mich die Alte ihre

zeichnenden Zügen und führt uns in das innerſte Privatleben des großen Staatsmanns. Pitt ſtand bereits auf der Höhe ſeiner Macht, als er noch unter Schulden in einer Weiſe zu leiden hatte, daß ſeine ganze Exiſtenz mit Vernichtung bedroht wurde. Seine einzige Beſitzung Holwood war mit Hypotheken überlaſtet, und ſeine Privatſchulden wuchſen ihm hoch über den Kopf. Dabei hatte er von ſeinen Aemtern ein Einkommen von 10,000 Pfund, das er als unverheiratheter Mann und bei ſeinem einfachen Leben kaum zur Hälfte brauchte. Unglücklicherweiſe war er aber, ſo ſcharf er es mit den Rechnungen der Schatzkammer nahm, in ſeinen Privatangelegenheiten äußerſt ſorglos. Seine Diener beſtahlen ihn auf die ſchamloſeſte Weiſe. Der vierte Theil ſeines ganzen Einkommens ging in Löhnen für dieſe Menſchen auf, und damit noch nicht zufrieden, legten ſie ihm fabethafte Rechnungen vor, die er immer anerkannte. Als ein Freund einmal in ſeinem Haus⸗ weſen Ordnung ſtiftete, fand es ſich, daß wöchentlich angeblich 900 Pfund Rindfleiſch verbraucht worden waren. Der Hausbe⸗ darf des Junggeſellen an Geflügel, Fiſch und Thee war in ähn⸗ licher Weiſe berechnet. So war denn eine ſchwebende Schulden⸗ laſt von 40,000 Pfund zuſammengekommen, und beſonders die kleinen Gläubiger, Krämer, Bäcker, Fleiſcher, Seifenſieder u. ſ. w. waren ſo ungeduldig geworden, daß Pitt vor ihnen ſich nicht mehr retten konnte. Die Londoner Kaufleute boten ihm 100,000 Pfund an, der Köͤnig wollte ihm aus ſeiner Privatcaſſe 30,000 Pfund geben, aber dieſe Anerbietungen wies Pitt aus Stolz zurück. Es blieb nun nichts weiter übrig, als daß ſeine nächſten Freunde im Stillen unter ſich ſammelten. Ein beſon⸗ derer Umſtand machte es Pitt ſehr ſchwer, dieſe Hülfe nicht zu⸗ rückzuweiſen. Vor einigen Jahren war für Fox in derſelben

Weiſe geſorgt worden. Damals hatte Pitt auf die Frage: Wie wird Fox das aufnehmen? die ſarkaſtiſche Antwort gege⸗ ben:Wie Fox das Geld aufnehmen wird? Halbjährlich oder noch lieber vierteljährlich. An dieſe Aeußerung erinnerte er ſich, als ihm ſeine Freunde 12,000 Pfund anboten, doch waren ſeine augenblicklichen Verlegenheiten ſo groß, daß er das Opfer an⸗ nahm. In derſelben Zeit hatte er Miß Eden Auckland kennen gelernt und ſich in ſie verliebt. Der Liebe eines deutſchen Actuars tritt Mangel an Geld häufig genug entgegen, bei einem deutſchen Premierminiſter pflegt ein ſolches Hinderniß nicht vorzukommen. Pitt mußte ſeinem Herzen wegen ſeiner Armuth Schweigen ge⸗ bieten. Er ſchrieb an den Vater und ſprach ſeine Liebe zu Miß Eden mit den wärmſten Worten aus, fügte jedoch ſein Bedenken hinzu, ob erin ſeinen Umſtänden einen Heirathsantrag wagen dürfe. Lord Auckland gab dieſem Bedenken völlig Recht; erhabe viele Kinder, könne ſeiner Tochter wenig Vermögen hinterlaſſen und wünſche ſie doch ſicher verſorgt zu ſehen. Miß Eden wurde darauf die Gattin Lord Hobart's, und Pitt blieb unver⸗ heirathet.

Wie man gewöhnlich glaubt, tröſtete er ſich bei der Flaſche. In der That trank er viel Wein, und zwei Flaſchen Portwein waren beim Abendeſſen ſein gewöhnliches Maß. Betrunken war er jedoch nur in höchſt ſeltenen Fällen. Ein einziges Mal be⸗ gegnete es ihm, daß man im Unterhauſe bei einer ſeiner Reden bemerkte, er habe lange nach abgenommenem Tiſchtuche bei der Flaſche geſeſſen. Ley, einem Beamten des Hauſes, wurde die Scene ſo peinlich, daß er heftige Kopfſchmerzen bekam. Als Pitt dies erzählt wurde, äußerte er lachend:Eine ſolche Theilung will ich mir immer gefallen laſſen, ich trinke den Wein, und er mag die