gekommen, um mich abzuholen. Die Bedienten erzählten
mir beim Einſteigen, daß in mehreren Theilen der Stadt
nicht ganz unbedeutende Unruhen ausgebrochen ſeien. Ich achtete nicht darauf, weil Vorfälle der Art ſeit einigen Ta⸗
gen nicht ſelten waren, da dieſe Art Leute gern Alles weit ſchlimmer machen, als es in der Wirklichkeit iſt, und weil ich in meinem glücklichen Sicherheitswahne vermeinte, daß auf meine kleine Perſon Ereiguiſſe der Art von keinem Einfluß ſein könnten. Als wir in unſere Straße hinein⸗ fuhren, mußten wir auf einmal Halt machen, deun ſie war verbarricadirt. Ein meinem Auge neues Schauſpiel. Der Kutſcher muß umwenden. Wir erreichen auf einem Um⸗ wege durch kleine Nebengaſſen von Neuem unſere Straße, allein wir fuhren keine zwanzig Schritte, ſo verſperrt uns eine neue Barricade den Weg. Vou mehreren Seiten ertönt der Name meines Oheims; gleichzeitig rufen mehrere Stimmen:„„Ja, ja, das iſt ſeine Equipage! Nieder mit
ihm! 4“ und in dem Augenblicke ſind Kutſcher und Be⸗
dienten vom Wagen geriſſen, die Thüre links fliegt auf,
zehn, zwanzig Stöcke, Degen, Säbel, Knüppel und Fänſte 35 zwanzig„Deg. pp
recken ſich hmnein,— zu gleicher Zeit wird aber auch die Thüre rechts aufgeriſſen, und ich ſtürze aus dieſer faſt in die Arme eines jungen Mannes, der aus Begierde, den Miniſter zu faſſen, mich auf die Seite ſchiebt. Alle Um⸗ ſtehende ſtürzen nur nach dem Wagen, Alle wollen hinein, den Miniſter zu erwürgen. Ich wurde von der Menge, die gar nicht wußte, daß ich in dem Wagen geſeſſen, hin⸗ weggedrängt, weggeſtoßen, Kragentuch, Shawl, Mautel, Hut verſchwanden, mir förmlich vom Leibe geriſſen, rechts und links; ich will fflüchten, aber ohne zu wiſſen wohin. Jetzt ermittelt ſich unter dem Schwarme der Blutgierigen, daß der Miniſter nicht im Wagen ſer; die Pferde werden in der Wuth todtgeſchlagen, der Wagen zertrümmert. Alles dies war das Werk weniger Secunden. Da ruft eine Stimme hinter mir:„„Die ſaß in dem Wagen, die muß wiſſen, wo der Miniſter iſt!““ ich erhalte einen
358 Uovellen-Zeitung.
Fauſtſchlag, daß mir ſofort das Blut zu Naſe und Mund herausſtrömt; da reißt mich ein kräftiger Arm links weg. Ich fühle, daß ich ohnmächtig werde, allein mit Rieſen⸗ kräften werde ich unaufhaltſam fortgeſchleppt; man ſtülpt mir einen groben, ſchweren Frauenhut auf den Kopf, wirft mir ein buntkattunenes Tuch über die Schultern, zerrt mich in eine Hausthüre hinein und ſchlägt dieſe hinter mir zu, daß ich denke, das ganze Gebäude ſtürzt mir über dem Kopfe zuſammen.„„Kein Wort, keinen Laut! ſonſt ſeid Ihr des Todes!““ flüſtert mir eine rauhe Stimme in's Ohr, und der Händedruck, mit dem dieſe Worte be⸗ gleitet werden, dringt mir durch Mark und Bein. Wir tappen im Finſtern über einen kleiuen Hof, eine enge Treppe hinauf, in das Stockdunkel eines Zimmers. Da vergeht mir der Athem und ich ſinke zur Erde nieder. Un⸗ bekümmert um mich ſchlug das Weſen, das mich dem Tu⸗ mult entriſſen und hierher gebracht, Feuer an. Ein ſprühender Funken erleuchtet auf Augenblicke das Gemach; mein erſter Blick fällt auf einen eisgrauen, alten Mann, der im Lehnſtuhl ſitzt, ob todt oder lebendig, wußte ich nicht, denn er regte kein Glied.. Endlich brannte das Licht. Eine alte Frau hatte es angezündet.„„ Nun, Comteßchen,““ ſagte ſie und leuchtete mir in's Geſicht, „„das hat Mühe gekoſtet. Sie hätten mir,““ fuhr ſie zu dem Alten auf dem Großvaterſtuhle gewendet fort, „„das Kind doch bei meiner Seele beinahe todtgeſchla⸗ gen.““ Nun erzählte ſie den ganzen Vorgang, ließ, miei⸗ ner Auweſenheit ungeachtet, ihrer Freude über den ganzen Auftritt freie Luft, ſchimpfte auf den Oheim aus voller Bruſt, bedauerte außerordentlich, daß man ihn nicht⸗ im Wagen gefunden, um ihn todtſchlagen zu können, ſetzte dem Alten auseinander, daß ich an den Miſſethaten des Oheims keine Schuld trage, und daß ſie mich auch darum aus den Klauen der Wütheriche gewaltſam fortgeriſſen habe. Nun holte ſie mir friſches Waſſer, unn mir das Blut, welches, wie ich nun erſt ſah, Geſicht und Kleider
Heute iſt Sonntag, und beim Appell werden die alten Mäntel nachgeſehen.. Bei meinem Wirth, dem Buchbindermeiſter Wilkens, iſt eine ſiebzehnjährige Couſine angekommen, blond mit blauen Augen; ſie heißt Helene. Abends gab der neue Fähnrich, der aus dem Cadetten⸗ hauſe gekommen war, eine Bowle.„ Wo Amalie jetzt weilen mag?— Sie hat mir die fünf Thaler noch nicht wiedergeſchickt, aber das ſchadet nichts. Helene hat mir, als ich um 11 Uhr von der Bowle nach Hauſe kam, die Treppe heraufgeleuchtet; ich habe ſie geküßt. November. Commandantur⸗Befehl:„Parole iſt Al⸗ tona. Von morgen an befinden ſich Feſtung und Garniſon in Alarmzuſtand; das Marſchgepäck iſt ſchleunigſt auszugeben. Die Commandantur erwartet zuverſichtlich, daß die Truppen ſich auf die erſten Alarmſignale ſchleunigſt auf ihren Sammel⸗ plätzen zuſammenfinden werden.“ Regiments⸗Befehl:„Das hoffe ich auch.“(NB. Sehr lakoniſch, aber echt militäriſch.) Die Roſen koſten jetzt pro Stück fünf Silbergroſchen, aber es fängt auch ſchon an zu ſchneien. .November. Die Roſen, die ich geſtern Dir gegeben, Ich ſah ſie heute Deinen Buſen ſchmücken, So möcht' auch ich, mein einzig theures Leben, An Deiner Bruſt dem Tod entgegenblicken. O, wie beneid' ich Euren Tod, ihr Roſen, Wie ſtirbt ſich's doch an treuer Bruſt ſo ſchön! Auch ich möcht' ſo bei heißer Liebe Koſen, Auch ich möcht ſo in Deinem Arm vergehn.
.
Original von mir, auf Ehre! Scheint Eindruck gemacht zu haben; Helene hat mich wieder geküßt..
Compagnie⸗Befehl:„Ich erinnere jetzt zum letzten Male daran, daß die alten Hoſen geflickt werden; der ſtellver⸗ tretende Feldwebel und die Corporalſchaftsführer ſind mir da⸗ für verantwortlich. Morgen Mittag Appell mit geflickten alten Hoſen.“
7. November. Commandantur⸗Befehl:„Ich ſpreche den
Truppentheilen hieſiger Garniſon meine volle Zufriedenheit darüber aus, daß ſie zu dem geſtrigen Feſtungs⸗Manoeuvre auf das Signal„Generalmarſch“ ſo prompt und felddienſtfähig erſchienen ſind.“ Diviſions⸗Befehl:„Ich habe zu vorſtehendem Be⸗ fehle der Commandantur Nichts hinzuzufügen.. Brigade⸗Befehl:„An dem Marſchgepäck ließ ſich geſtern Mancherlei ausſetzen, worüber ich mit den Herren Com⸗ poagniechefs bereits mündlich verhandelt habe. Ich erwähne ſcchließlich noch, daß die Herren Officiere die Torniſterriemen ſehr vergilben laſſen, welchem Uebelſtande leicht abzuhelfen iſt, wenn dieſelben an der freien Luft aufgehängt bleiben.. Regiments⸗Befehl:„Ich habe geſtern keinen beſon⸗ dern Grund zur Freude über die Musketier⸗Bataillone des Re⸗ giments gehabt. Der Anzug war ſtellenweiſe loddrig, das Sammeln dauerte nach der Ühr des Regiments⸗Adjutanten vier Minuten länger als vorſchriftsmäßig. Die Herren Offi⸗ ciere ſahen mit den vergilbten Torniſterriemen aus, als ob ſie zur ſächſiſchen Artillerie gehörten.“ 1 Bataillons⸗Befehl:„Die Torniſterriemen der Her⸗ ren Officiere ſollen öfter geſonnt werden.“
[VIII. Jahrg. V
Nr. bedeckte ſchmerz Kopfſſch ganz Louis vor me nach, langem Greiſe möglich erinner Haus bei die erhalt ſelige ſeit d J mein ich e⸗ herzſ dieſen kehr ſei d aus Stüc ken


