Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
350
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hat's keine Noth, erwiderte mein Vater

dem Millionenelementer. heute, wir wollen morgen noch mal dran, es müſſen noch mehr Dächſe drin ſtecken.

Wir traten zu meiner großen Befriedigung den Heim⸗ weg an.

Donner und kein Ende! brummte Schilling,eine niederträchtige Pein. Gerade wie ein Schraubſtock hat der Racker gebiſſen.

Mein Vater war an Wunden und Ouetſchungen ſo gewöhnt, daß er ihnen keine dauernde Aufmerkſamkeit ſchenkte, beſonders wenn er nicht ſelbſt darunter zu leiden hatte. Er ſprach die ganze Zeit von ſeinen Hunden.

Ich kann Sie verſichern, Biſchofsthal, daß ich den Muckebold nicht für 100 Louisd'or hergeben würde. Ha⸗ ben Sie ſeinen Laut bemerkt? Wenn er eifrig wird und ſein Diau, diau, diau! ruft es klingt verteufelt; da iſt der Teckel, der kommt nie aus ſeinem Tiff, tiff! heraus aber auch ein famoſer Hund, der Teckel. Sind alle Mohrenelementer, die Köter, habe meinen Spaß dran. Na, Profeſſor, wie gefällt Dir Dein Nimrod? Iſt ein eleganter Racker! He? ſieh mal die krummen Pfoten und dann die Wolfszehen, was der Köter für eine Bruſt hat iſt ein Millionenelementer. Der Lorenz iſt aber ein Hauptkerl, der verſteht's mit den Kötern fertig zu werden! Habt Ihr bemerkt, wie ſie herauskamen, als er ſie lockte? Merkwürdig! Na, wie geht's, Lorenz? Noch ein Bischen ſchwindlig? Mußt ein ander Mal aufpaſſen und einem nicht ſo in den Hieb hineinlaufen, Lorenz, es könnte ein

Malheur abgeben, hätt's bald gar nicht bemerkt, ſah immer nur nach dem Malefizdachs hin; ein Mordbengel, der

Dachs, wie ſchwer ſollt' er wohl ſein? ſechzig wiegen?

Ich habe ihn auf fünfundfünfzig geſchätzt, Herr Obriſt.

Sollt' er wohl

Uovellen-Zeitung.

nein, der Mucke iſt geſund, das arme Luder, gebiſſen iſt er aber von Na, laßt's nur gut ſein für

[VIII. Jahrg.

Na, dann wird's wohl richtig ſein der Lorenz ver⸗ ſteht ſo was, ein Haupt⸗A-tout, der Lorenz!

Unter dieſen und ähnlichen Geſprächen erreichten wir V das Hauptquartier, wie der Vater ſeine Wohnung nannte, und Niemand war froher als ich. Es iſt wahr, ich hatte eine elende Rolle geſpielt den ganzen Morgen und Vor⸗ mittag aber wir waren ja Alle nur Statiſten geweſen, um meinen Vater in ſeiner Rolle zu unterſtützen, und je ſtiller und unbedeutender wir waren, deſto größer erſchien er ſich ſelbſt, und am Ende auch uns Anderen. Es iſt etwas Erfriſchendes, einen alten Mann in voller Körper⸗ kraft ſich bewegen zu ſehen, ohne Umſtände auf Alles los⸗ gehend, ehrlich und brav gegen Jedermann, ein Freund aller Guten, ein Feind aller Heuler.

Mein Vater war ein braver Mann. Es fehlte ihm

an einer ſorgfältigen Erziehung, aber ſeinGott verdamm mich! das er beim Anblick eines Armen oder Unglücklichen ausſtieß, kam aus einem mildthätigen Herzen und war ſicherlich dem Bedrängten nothwendiger, als der näſelnde Ton eines frommen Bruders, derkein klein Geld bei ſich hatte.Leben und leben laſſendrauf und drau Friſch von der Leber, vas waren ſeine Grundſätze wie er ſagte und wahrlich! ich glaube nicht, daß er jemals dieſenGrundſätzen untreu geweſen iſt, weder in Spanien, noch in Deutſchland, weder in der Schlacht, noch auf der Dachsjagd, weder im Kriege, noch im Frieden!

Solche Leute werden immer ſeltener, und wir nähern

uns dem Zeitalter der Gleichheit, wo die Menſchen alle nach einer großen Schablone geformt ſein werden.

8.

Literatur.

Graf Mocenigo. Social⸗politiſcher Roman von Bern⸗ hardvon Salma. Breslau, Trewendt.

Dieſer Erzählung in drei Bänden fehlt es durchaus nicht an Bewegung und Scenenwechſel. Sie ſpielt in verſchiedenen europäiſchen Gegenden.

Auf einen beſtimmten hiſtoriſchen Boden hat der Autor ſein Werk nicht geſtellt, wohl aber, was die Charaktere anlangt, auf einen ſehr romantiſchen. Doch ſind es mehr äußere, als innere Erregungen, mit denen es die handelnden Perſonen zu thun ha⸗ ben, und man wird nicht durch die Localkenntniß frappirt, welche der Verfaſſer baben konnte. Eben ſo wenig ſind die politiſchen Verwickelungen natürlich geſchildert, welche verſchiedene Perſonen mit den neueſten Zeitereigniſſen in Italien verknüpfen.

Die Ausſtattung dieſes Romans iſt ſo praktiſch trefflich, wie man ſie nur bei einigen neueren Verlagshandlungen ge⸗ wohnt iſt. O. B.

Krumme Wege überall! Erzählungen aus dem Leben von P. J. Wilken. Leipzig, Kollmann.

Mehr noch als der Stoff dieſer Erzählungen iſt der Titel aus dem Leben gegriffen, denn an krummen und zwar ſehr krum⸗ men Wegen iſt im Menſchenverkebhr allerdings kein Mangel.

Doch ſind dieſe kleinen Geſchichten behaglich und anſpruchs⸗ los vorgetragen und zum Theil mit humoriſtiſchen Wendungen für etwaige Erheiterung der Leſer verſehen.

Mit Vergnügen bemerkt man beim Verfaſſer eine warme pa⸗ triotiſche Geſinnung und eine Werthſchätzung geſchichtlicher Licht⸗ punkte in der deutſchen Nationalentwickelung. O. B.

O

Miscellen.

Hiſtoriſch merkwürdige Zahlen⸗ und Buchſtaben⸗ Combinationen.

Napoleon wurde als Kaiſer der Franzoſen in Paris gekrönt im Jahre 1805. Dieſe Zahlen neben einander addirt, geben 14. Entthront wurde er in Paris 1814. Die Zahlen neben einander addirt, geben abermals 14. Vierzehn aber von Vierzehn ſubtra⸗ hirt, gibt: Nichts, oder im Lateiniſchen Nihil. Dieſes Nihil bil⸗ den aber auch die Anfangsbuchſtaben der Namen: Napoleon, Joachim, Hieronymus, Joſeph, Ludwig, Nihil; ſo wie die Anfangsbuchſtaben von: Prussia(Preußen), Austria(Oeſterreich), Russia(Rußland), Inghilterra(England) und Suecia(Schweden), als die Namen der Mächte, denen Napoleon in Paris erlag, das ihm ſo verhängnißvoll gewordene Wort:

6 d

D

Rode

toren dulſcher ingötrie

Do ren, de he ver mahnt dir geg

Es ſcen ane vu Niema überhea laſſen Aowe

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