Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
346
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V 346 Uovellen-Zeitung.[VIII. Jahrg. Nr. Eine altdeutſche Dachsjagd. fel wollte nicht rutſchen. Mein Vater blickte auf und 1 ſtreckte das Kreuz, das ihn vor Anſtrengung ſchmerzte dn ſein Geſicht war mit Blut unterlaufen, die Augen ſtanden niht Es fehlt in unſerer Romanliteratur nicht bloß recht weit offen, und halb ohnmächtig ſtöhnte er:Es geht Schi ſcchmerzlich an originalen Schriftſtellern, ſondern nicht nicht. war miinder an der Darſtellung origineller Perſonen. Freilich Er ermannte ſich wieder, ſteckte die Finger durch die Go werden dieſelben auch im Leben, wie alles Altdeutſche, Strippen, riß und zerrte dal die Strippen riſſen! ſein Tiüchtige, Eckige, immer ſeltener, ja ſie ſterben aus. UmGott verdamm mich! Schilling, der Schuſter ſoll ſo erfreulicher, hier und da noch ein Abbild gerettet zu herkommen, der Millionenhund. libe ſehen.Erlauben Sie mir, daß ich helfe, Herr Obriſt, fiel m. Ein ſolches voll Humor und Leben theilen wir im Biſchofsthal ein,ſetzen Sie ſich und laſſen Sie mich den 3 Nachfolgenden mit und behalten uns vor, unſern Leſern Stiefel erſt wieder ausziehen, wenn wir ihn dann iuwen⸗ äun

9 5 Prh 4 2 du. 5 b. 6 hen, yn bald mehr über den Verfaſſer deſſelben zu ſagen. Er läßt dig mit Fett ſchmieren, dann rutſcht der Fuß. d einen Sohn aus der Erinnerung von ſeinem Vater erzäh⸗ Auch ohune meines Freundes Zureden hätte mein Vater 5 len, der ein alter preußiſcher Kriegsoberſt war und auf ſich geſetzt er war ganz erſchöpft von Anſtrengung und wor deſſen Gut er mit einem Freunde als Beſuch wohnte. Der Zorn. Der Stiefel war glücklich ausgezogen, inwendig R Alte verabredet eine Dachsjagd, die nun folgendergeſtaltfriſirt, wie es Biſchofsthal nannte, die Strippen wur⸗ i

an allen Jagdliebhabern ſehr ergötzlich vorüberziehen wird. den genäht, und richtig! die Stiefel gingen beide ziemlich

Der Morgen brach an, und mit ihm ertöunte, ſo er⸗ leicht an. 3 nit zählt der Verfaſſer, ein gewaltiger Lärm im Hauſe.Das hätten Sie ja auch thun können, Schilling ſcha Mein Vater rief den Schilling, ſein altes Factotum, undVerzeihen, Gnaden, Herr Obriſt, Sie wollten's ja ſeine wetterte furchtbar, weil die Jagdſtiefeln ſo ſteif und hart nicht erlauben zerrt waren, daß er ſie nicht anziehen konnte. Ich eilte mitHalten Sie das Maul, Schilling, Gott verdammm ral Biſſchofsthal, meinem Beſuch und Jugendfreund, ſchnell mich, alter Knabe, ich habe mir's Kreuz verrenkt, und da an

oiſch hal, eſu ug r ſchnell F 1 5 ver a hinnunter von unſerer Oberſtube, und ſah meinen Vater in muß man nicht viel fragen, ſondern zugreifen. Na, wir oe eeiiner höchſt komiſchen Situation. Er hatte ſeine alten ſind alſo fertig? Hat der Lorenz das war ſein Jäger nen. V hirſchlederuen Beinkleider an, an dem linken Fuß einen die Hunde gefüttert? Der Muckebold wird getragen, eines Pantoffel und an dem rechten einen großen Juchtenſtiefel. Schilling der Lorenz kann ihn tragen; Teckel, und Aber der Juchtenſtiefel war nicht völlig angezogen; der Kuhle und Waldmann können Sie am Stricke führen; aus Abſatz war ſo hart und eng, daß keine Möglichkeit war, Sie nehmen die Diana, Biſchofsthal, und Du Profeſſor, Hu hineinzukonmmen.Ein Millionenhund, der Schuſter! Du kannſt den Nimrod nehmen, will Dir den Hund ſchen⸗Sch⸗ rief mein Vater, indem er an beiden Stiefelſtrippen zog, ken aber Du mußt ihn hier laſſen, darf nicht mit nach git! Gaals gälte es einen Elephanten aufzuhebenein Millio⸗ Leipzig taugt nichts hab's an Schilling bemerkt der⸗ nenhund! er ſtieß mit der Zehe gegen die Thür, um auf Wo bleibt denn die Jette mit dem Frühſtück gar aus dieſe Weiſe nachzuhelfen Schilling ſchmierte die Wriſte keine Ordnung mehr im Hauſe, muß mal dreinſchlagen, V als c V des Fußes mit Oel und Fett. Es ging nicht; der Stie⸗ Schilling, wo bleibt die Jette? mu ibaldi zu marſchiren; er verſprach ihm 36,000 Ducati für das weit hinter der von den Japaneſen zurück, mit welchen Letztern V Wild Haupt des Freiheitshelden, und ſchon berichteten die Zeitungen, wir ſogar jetzt weit vertrauter ſind als mit manchem europäiſchen Laun der Räuberhäuptling habe zu dieſem Behufe mehrere hundert Völkerſtamme. Um ſo mehr verdient ein WerkTableau de la unter Mann un ſich vereinigt, doch hieran war kein wahres Wort, denn Cochinchine welches die Société d'ethnographie orientale et iſti Talarico iſt in der That ein Ehrenmann, der ſich nie erniedrigen américaine in Kurzem bei L. Lechevalier in Paris erſchei⸗ die⸗ oder verkaufen würde. Während ſeiner abenteuerlichen Laufbahn nen laſſen wird, Beachtung, und es iſt uns erfreulich, im Stande Lebhe Qtrachtete er nie nach dem Leben Anderer, und vergoß nur Blut, zu ſein, unſern Leſern ſchon jetzt das mittheilen zu können, was und weenn es darauf ankam ſein Leben zu vertheidigen. Er hat ſchöne dieſesTableau über die Bevölkerung Cochinchinas enthält. a, Geſichtszüge und einen blonden vollen Haarwuchs, iſt aber von Die Einwohner von Anam gehören drei Hauptſtämmen den

kleiner Geſtalt, und man muß annehmen, daß die perſönliche an; der Eine derſelben iſt die chineſiſche Familie, von der die Macht, die er ausübt, und der Schrecken, den er einzuflößen wußte, eigentlichen Anamiten, d. h. die Conchinchineſen und Tonkineſen in hher der magnetiſchen Kraft ſeines Adlerauges als ſeineriphyſiſchen abſtammen; der Zweite iſt die Hindufamilie, in welcher die Cam⸗ fruͤh Stärke oder ſeiner immer nur dürftigen Bewaffnung zuzuſchrei⸗ bodſchaner begriffen ſind; der Dritte iſt die malaiiſche Familie, laſſe ben war. 9. zu welcher die Lao, die Loi, die Moi und einige andere Bevölke⸗ ſehe

rungen des weſtlichen und ſüdweſtlichſten Theils dieſes großen

8 Landes gehören. 3 n Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Die Cochinhineſen und die Lonnidgſen lrichen ſich ſehr, nur Gi . r. 6, leichen die Tonkineſen den Chineſen noch etwas mehr. u Der phyſiſche und moraliſche Charakter der Cochinchineſen 1 Die Einen und die Andern ſind klein, unterſetzt und häßlich. 5 und Tonkineſen. Sie bieten alle Züge der mongoliſchen Race dar: die kurze, ein⸗ lan Mit welchem vollen Rechte man unſere Zeit als die Periode gedrücte Naſe, breite, hervorſtehende Oberbacken, die dem Geſicht Gei des Fortſchritts bezeichnet, beweiſt ſich unter Anderm auch da⸗ mehr die Form eines verſchobenen Vierecks als eines Ovals ge⸗ ſind durch, daß in den letzten zwanzig Jahren für die Länder- und ben; kleine, enge Augen, ſehr ſchwarze Haare und eine olivenfar⸗ und Völkerkenntniß mehr gethan worden iſt als früher in Jahrhun⸗ bige, gelbe, zuweilen auch eine ſchmutzig weiße Hautfarbe. Sie tel derten. Für denſelben Zweck arbeiteten in Afrika und Auſtralien haben ſtarke Glieder, im Allgemeinen eine kräftige Conſtitution, Crrforſchungsreiſen, in Japan der Abſchluß von Handelsverträ⸗ aber ihrem Körper fehlt es an Anſtand und Geſchmeidigkeit. dber ggeen, in China und Cochinchina der Krieg. Von den Ländern im Wohlbeleibtheit gilt bei ihnen, wie bei den meiſten orientaliſchen nan oſtlichen Aſien war Cochinchina bisher am meiſten terra incognita, Völkern, als eins der unentbehrlichſten Elemente der Schönheit. d V und unſere Kenntniß von den Cochinchineſen ſtand ſogar noch Muthig und kühn haben ſie in ihrem Geſichtsausdruck doch keine bin