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Bemühungen erzählt habe. Man hatte ihr treulich Be⸗ richt abgeſtattet, ſie aber mit der geſpannteſten Aufmerk⸗ ſamkeit zugehört, über das Verfahren des deutſchen Herrn die unbedingteſte Zufriedenheit geäußert, auch den ihr vor⸗ getragenen Wunſch deſſelben, das Börschen ihr perſönlich überreichen zu dürfen, beifällig aufgenoemmen. Während dieſer Mittheilungen habe ſie ſich mehrere Blumen zeigen laſſen, ſich einen prächtigen Blumenſchmuck ausgeſucht und darum gehandelt, ſei jedoch auf einmal, als die Rede auf den Inhalt und den Gegenſtand des Spottgedichtes ge⸗ kommen, deſſen ziemlich ſpät erſt Erwähnung geſchehen, ſtill und einſylbig geworden, habe den Handel abgebrochen und ſich gleich darauf entfernt, ohne ihren Namen zu neunen.
Der ganze Kreis legte eine hohe Wichtigkeit auf die ganze Perſönlichkeit der jungen Dame, und ſprach mit wahrhaftem Entzücken von der ausgezeichneten Schönheit und der zarten Anmuth ſo wie von dem feinen Anſtande derſelben, und es wurde die Behauptung aufgeſtellt, daß dieſes Mädchen, ſelbſt wenn es in Lumpen erſchiene, die feine Erziehung und die hohe Abkunft nicht einen Augen⸗ blick zu verleugnen im Stande ſein würde. Alles war voll von ihrem Lobe, eben ſo erſchöpfte man ſich aber auch in Vermuthungen über Namen und Stand der jungen Dame. Lächelnd hatte der Graf zugehört und äußerte dann ſcher⸗ zend, dieſe Aufklärung, die ſie jetzt vergebens zu erhalten ſich abmühten, könne er ihnen vielleicht geben, indem er ihnen verſichere, daß jeue junge Dame nichts mehr und nichts weniger ſei, als eine ehrliche Obſthändlerin, und zum Beweiſe hierfür erzählte er ſein geſtern erlebtes Abenteuer und führte an, wie es nicht möglich ſei, daß zwei Perſonen in Geſtalt, Geſicht, Sprache und Beneh⸗ men einauder ſo ähnlich wären, ohne eine und dieſelbe zu ſein.
Hatte der Graf jedoch vorher gelächelt, ſo wurde er jetzt wegen ſeiner aufgeſtellten Vermuthungen vollſtändig
[VIII. Jahrg.
ausgelacht und ihm der vollendetſte Mangel an Menſchen⸗ kenntniß vorgeworfen und ihm auseinander geſetzt, daß eine Obſthändlerin, die, wenn ſie ihre Waare los werden und ſich und ihren Kram nicht den niedrigſten Neckereien Preis geben wolle, mit jedem Straßenjungen und mit jedem Sansculotten in freundlichem Verkehr ſtehen müſſe, immer eine gemeine, dem Alltagspöbel angehörige oder ihm wenigſtens nahe verwandte Perſou bleibe.
So habe aber die Fremde nicht ausgeſehen, meinte die verſtändige Frau vom Hauſe,„und,“ fuhr ſie fort, „ein ſchlagender Beweis dafür, daß das junge Mädchen aus einem der erſten Geſchlechter des vornehmen Hofadels entſproſſen ſein mußte, war mir vorzüglich die auffallende Veränderung ihrer Laune und ihres ganzen Benehmens, als endlich das Geſpräch auf das Pasquill kam. Dieſer Zug verrieth die Höhe des Standes. Bei der derzeitigen Stimmung des großen Haufens hätte das Obſtmädchen ihre laute Freude über die Satire auf Polignac zu erken⸗ nen gegeben,— das Hoffräulein, vielleicht gar eine Ver⸗ wandte des Fluch⸗ und Schmachbedeckten oder, wenn auch dies nicht, doch beſtimmt eine Erz⸗Carliſtin, wurde davon ſcheinbar ſelbſt verletzt. Es kannte die gegen den Vater⸗ landsverräther ſchon an jenem Tage genugſam ausge⸗ ſprochene öffentliche Meinung und ertrug daher die ſchmerzliche Wohlthat mit klugem, umſichtigem Still⸗ ſchweigen.“
Maguus wurde jetzt beſtürmt, den Ort zu nennen, wo ſich ſeine Obſtprinzeſſin etablirt habe; er war jedoch durch dieſe ihm gemachten Auseinanderſetzungen in ſeinen frühe⸗ ren Vermuthungen etwas irre geworden und pries daher im Stillen den glücklichen Zufall, nicht ſogleich den Pont des Arts genannt zu haben. Um nun aber auf keinen Fall etwas zu verderben, beſchloß er jetzt nicht die Wahrheit zu ſagen, er verwies vielmehr die brennende Neugier, welche ſofort noch an demſelben Morgen eine Wallfahrt nach dem bewußten Obſtkram unternehmen wollte, nach dem Central⸗
feln traurigen Andenkens auf. Inſchriften und Basreliefs kamen zum Vorſchein, welche von unglücklichen Gefangenen, die jahrelang hier zwiſchen Leben und Tod ſchwebten, Kunde geben. Es fanden ſich im Ganzen 91 Wand⸗Inſchriften, ein W. R. Dick hat ſelbe in einer eigenen Broſchüre: A short sketch of the Beauchamp-Tower in London, herausgegeben. Es ſollen hier jene dieſer Inſchriften erwähnt werden, die zunächſt einen religiö⸗ ſen Inhalt haben, da dieſelben unſeres Wiſſens in Deutſchland noch nicht bekannt geworden ſind. Ein Abt von Whalley in Lancaſhire ſchreibt im Jahre „Chriſtus iſt meine Hoffnung“ und darunter ſeinen
n.
Nahe daran Robert Dudley, der dritte Sohn des Herzogs von Northumberland. Er ſpielte eine wichtige Rolle, kam aus dem Gefängniß und endete ſein Leben auf ſeinem Schloſſe zu Ke⸗ nilworth 1588.
Ein William Beveridge, 1562, ein hier ſeinen Tod erwarten⸗ der katholiſcher Prieſter,— der Verfaſſer der Skizze über den Tower nennt die treue Standhaftigkeit des Märtyrers Wider⸗ ſpenſtigkeit in Religionsangelegenheiten. 41
Ohne Namen findet man die Worte aus dem erſten Briefe St. Petri„Honour all men. Love the brotherhood. Fear God. Honour the king.“ Weiter unten die Worte:„Hoffe auf Gott.“
Ein Arundel ſchreibt am 22. Juni 1587:„Je mehr Leiden für Chriſtus hier, deſto größer die Glorie in Chriſtus dort. Du haſt ihn mit Ehren und Ruhm gekrönt, o Herr! der Gerechte wird ewig beſtehen.“— Der Vater, der Großvater und der Urgroß⸗
vater dieſes Grafen waren auf dem Schaffot geſtorben. Er
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ſchrieb dies an die Königin Eliſabeth, wurde freigelaſſen, ging aber ſo geſchwind als möglich aus der Mordhöhle Britanniens hinaus..
Der berühmte John Dudley— er unterlag ſeinen Leiden hier in dieſem Kerker 1558.
Rv. Bainbridge, unter dem Namen eine knieende betende Geſtalt. Er war ein Mitglied des Hauſes der Gemeinen und hatte ein paar ungünſtige Worte über Eliſabeth geſprochen. Jahrelang konnte er hier über die gute Königin nachdenken.
Ein junger Mann aus Flandern; er kam mit Briefen von Verbannten nach England, wurde erwiſcht— und mußte hier büßen. 1
Ein Irländer ſchrieb:„O Herr, der du im Himmel biſt, gib Gnade und ewiges Leben dem Miagh, deinem Diener im Ge⸗ fängniß.“ Ueber ſein Geſchick konnte nichts eruirt werden.
Ein William Rame ſchreibt aus der heiligen Schrift:„Beſſer iſt das Haus der Trauer als das der Luſtbarkeit“ u. ſ. w. vom 22. April 1559.—
Ein Thomas Clarke ſaß hier 1578. Er apoſtaſirte und be⸗ kam eine gute Pfründe zu St. Paul's Croß.
Ein T. Salmon ſchreibt:„Nec temere, nec timore.“ Er wurde frei und ſchrieb dies in folgenden Worten:„Close priso- ner 8 monethes, 32 wekes, 224 days, 5376 hoores.“ Welcher Jubel— und doch zählt er noch genau die traurigen Stunden!
Ein Thomas Rooper ſchreibt 1570:„Aus der peinvollen Wanderſchaft wollen wir im Hafen der Freude einlaufen.“ Er war Katholik und Schwiegerſohn Thomas Moore's.
Lord Guilford Dudley, Gemahl der unglüklichen Johanna Grey, ſaß auch lange hier; am 12. Februar 1554 wurde er ent⸗
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