und Leid.
Tauſend Hügelwellen von Sand und Staub lagen vor uns, grau, ſchmutzig und mit leuchtend röthlichen Schichten untermiſcht, eine Erſcheinung, die ſchon oft zu naturgeſchichtlichen Beobachtungen Anlaß gegeben. Der Himmel blieb blaufahl den ganzen Tag, in mäßiger Höhe mit trüben Streifen, wahrſcheinlich aus dem leichteſten, feinſten Staube beſtehend. Der Nil ſah bleich aus, zink— farben mit gelben Schatten, ſchaurig wie der Styx.
Als der volle Tag und die Ruhe in der Natur wieder geſichert war, fanden ſich auch unſere Arbeiter ein, und auch Zaboin erhielt ſeine gute Stimmung wieder. aber nicht wieder fanden, war unſer Zelt, es war in uner⸗ reichbare Weiten geweht oder irgendwo begraben.
Der alte Aegypter, der geſtern ein Haſe geweſen war, wurde nach dem Mittagbrod beim ſtärkenden Arom des reichlich genoſſenen Kaffee wieder ein Löwe. Ich brachte das Geſpräch auf die räthſelhafte Alte, und er erzählte mir
Uovellen-Zeitung.
Was wir
dem 18 Fuß langen Gemach, das doch ganz leer iſt, nicht
mehr zu finden. Wir waren bei ſchönem Wetter einge⸗ ſtiegen, als wir aber hinauswollten, mußten wir noch
ſtundenlang darin bleiben, denn es wehte ein Sandorkau, Bis
den die Fledermäuſe wohl inwendig geſpürt hatten. zum Eingaug der Pyramide, der ſich doch an der ſechsten Stufe befindet, war der Sand geweht.“
Mehr wußte Zaboin nicht zu berichten, und nie hatte ich von dieſer fabelhaften Erſcheinung gehört, was mir der
Alte dadurch erklären wollte, daß die Wenigen, denen ſie
erſcheinen ſei, aus Furcht nicht davon zu ſprechen wagten, die Andern aber keinen Grund hätten, daran zu glauben. Ich mußte noch lauge über dieſes Ereigniß nachſinnen,
und ſo natürlich ich mir auch Alles durch das leibhaftige Da⸗
ſein eines uralten, gewiß weit über hundertjährigen Wei⸗ bes mit manchen Kenntniſſen und guter Wetterbeobach⸗ tung erklären mochte, ſo kounte ich doch eine aufregende
nun, wenn auch nicht ohne einen gewiſſen Schauer, dieſes Verwunderung nicht unterdrücken wegen ihrer merkwürdi⸗ Weib könne kein natürliches Weſen ſein, weil ſie ſeinem gen Worte über das Näherkommen des Mondes, über die
Großvater ſchon eben ſo alt erſchienen ſei als ihm und
V
verſchiedenen Sündfluthen zu verſchiedenen Zeiten, üben
mir. Sie nenne ſich die Mutter des Cheops, ſei aber in das Vorhandenſein alter ägyptiſcher Stämme mit der Wahrheit das Wüſtengeſpenſt, denn ſo oft ſie erſchienen, alten Sprache im Inuern Hochafrika's au den Nilquellen
kemme der Wüſtenſturm. Sie bete den Mond und die Sonne an und verfluche den Islam. Immer fordere ſie
Zwiebeln, und wenn man ſie ihr reichen wolle, ſei ſie ver⸗
ſchwunden. Sie zeige ſich uur Wenigen und komme bloß aller hundert Jahre einmal. Als er ſelbſt vor etwa drei⸗ ßig Jahren mit einem Engländer und zwei fackeltragenden Beduinen in das Innere der großen Pyramide gekrochen ſei, hätten ſie das„Wüſteugeſpenſt“ im ſogenannten Ge⸗ mach der Königin gefunden, wo ſie ihnen höhniſch zuge⸗ rufen habe, ſich nicht zu ſtoßen und ſich beim Hinauskom⸗ men in Acht zu nehmen. Der Engländer hätte der Alten Geld geboten und ſei auf ſie zugegangen,„aber,“ ſetzte er
und über den Doppel⸗ oder Nebenſinn mancher Hiero⸗ glyphen.
Was konnte ſie wiſſen von einer modernen Erfahrungs⸗ oder Hypotheſentheorie vom Näherrücken der Trabanten an ihre Planeten! Oder ſollte ſie durch ungeahnte Völker⸗ überlieferungen etwas vernommen haben von der Sage, nach welcher eine alte, freilich nicht ägyptiſche, ſondern chineſiſche Zeitrechnung von der Ankunft des Mondes bei der Erde zu zählen beginnt? In welcher Verbindung könnte überhaupt China mit dem alten Aegypten ſtehen? Könnten nicht wirklich, als die Hykſos 2000 vor Chriſto die Nillande eroberten, Eingeborne derſelben in das Innere
hinzu,„die Fledermäuſe fingen an uns wüthend zu um- von Afrika geflohen und dort mit ſtarrem, an China erin⸗ flattern und in die Fackelu zu fliegen, und die Alte war in
nernden Kaſtengeiſt, ihre alte Culturſtufe und Sprache
zehn Minuten feurige Steine hoch emporſchleuderte, die in diver⸗
girenden Linien theils in den entzündeten Krater, aus welchem ſie
hervorgekommen, zurück, theils in das Meer herabfielen. Jeder Ausbruch war von dem Auflodern einer ungeheuren Flammen⸗ garbe begleitet, die zuweilen einige Minuten andauerte, zuweilen auch plötzlich wieder erloſch. Ein dumpfes Getöſe, dem Explo⸗ diren einer entfernten Mine nicht unähnlich, ließ ſich zwar immer vernehmen, doch erſt eine Weile nach dem Ausbruche und ſchien von demſelben ganz unabhängig zu ſein.“ 9.
Literatur. 4 Geſchichten aus unſern Tagen. Bernhard Wörner., Augsburg, Schloſſer's Verlag. Es wird ganz auf den Geſchmack der geehrten Leſer ankom⸗ men, ob ihnen dieſe beiden novelliſtiſchen Bände mehr Luſt oder mehr Leid bereiten. Der Verfaſſer iſt ein überaus glücklicher Mann, denn er zwei⸗ felt keinen Augenblick, daß ſeine kleinen Geſchichten den Bürger recht ſehr anſprechen werden, weil ſie aus dem bürgerlichen Leben
Von
Es iſt ein in ſeiner Art nicht unerfreuliches Zeichen von der noch vorhandenen Naivetät deutſcher Leſer, daß ſie ſich durch ſolche Erzeugniſſe ihre Winterabende zerſtreuen und ihre müßigen Ge⸗ danken ſammeln laſſen.
Der Norddeutſche lernt übrigens aus dieſem„Luſt und Leid“ viele ihm wahrſcheinlich unbekannte ſüddeutſche Sitten und Ge⸗ bräuche kennen und wird oft, wenn Jemand„aufbegehrt“ oder ähnliche Dinge ausführt, vergeblich ſich nach einem Wörterbuche ſehnen, welches ihm Belehrung ſpendet. O. B.
Miseellen. Frühere Phrenologie. In einem ältern, 1503 zu Freiburg erſchienenen lateiniſchen
Werke, unter dem Titel Margarita Philosophica, ſpricht der Ver⸗
entnommen ſind; ja, in des zweiten Bandes Vorrede verſichert er
uns ſogar, daß dieſer Beifall bereits eingetreten ſei und bald auch einen dritten Theil notbwendig machen werde.
Er nimmt nun zu dieſem Zweck die erſten beſten Stoffe aus Dorf und Stadt und macht daraus mit allerdings ſehr gangba⸗ ren, weil vielfach abgenutzten, Motiven eine Novelle mit morali⸗ ſcher Nutzanwendung, die er mit einem hausbackenen Dialog in Seene ſetzt.
abgetheilt iſt.
faſſer von den geiſtigen Fähigkeiten und drückt ſich dabei, nach einer deutſchen Ueberſetzung, folgendermaßen aus:„Der innern Sinne gibt es fünf an der Zahl: Gemeinſinn, Einbildung, Be⸗ urtheilung, Nachdenken, Gedächtniß. Die Organe von dieſen allen werden in der Subſtanz des Gehirns durch ganz kleine Häute geſondert, die urſprünglich das ganze Hirn in drei Maſſen theilen, deren vordere und mittlere wieder in zwei zerfällt. Der erſte Theil der vordern iſt das Organ des Gemeinſinns, der zweite die Einbildungskraft. Der erſte der mittlern Abtheilung gehört der Beurtheilung, der zweite dem Nachdenken, die hintere Abthei⸗ lung aber ganz dem Gedächtniſſe.“ Es iſt dem Werke auch die Abbildung eines Schädels beigefügt, der ganz nach Gall’'s Art
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[VIII. Jahrg.
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