Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
330
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Behutſam trat ich aus unſerm Zelte, das in einer verfallenen Erdhütte aufgeſchlagen war. Der Vollmond ſtand am Himmel, bleich, aber grell mit halber Tageshelle. Im erſten Augenblick gewahrte ich nichts, bis ich etwa 50 Schritte weit vor mir auf einem niedrigen Erdbuckel eine Geſtalt erblickte. Von dort kamen auch die Töne. Ich ging darauf zu und ſtieg die wenigen Schritte empor.

Dank der Helligkeit, konnte ich genau ſehen, und mich erfaßte in der That ein eigenes Gefühl, denn der Anblick war ſo abſchreckend als eigenthümlich.

Die Geſtalt, die ſich nicht regte und die Arme über der Bruſt gekreuzt hielt, war von bedeutendſter Manns⸗ höhe, aber ein Weib, wie ich ſogleich ſah. Sie hatte das Geſicht zum Mond gewandt, doch wie ich bis auf vier Schritt heran war, hielt ſie in ihrem monotonen Ge⸗ ſang inne. Aber wie alt, wie furchtbar häßlich, wie mumienſtarr war dieſes unbeſchreibliche Antlitz! Ich glaubte das Urbild grauenhafter, vertrockneter, mit fünf⸗ zigjähriger Unſauberkeit incruſtirter alter Weiber ein für alle Mal in den Straßen von Kairo geſehen zu haben. Aber ſie waren nur ein ſchwacher Vergleich, vor allem hatten ſie etwas Jugendliches, Ueppiges in ihren ſchlottern⸗ den Gliedern, wenn man ſie mit dieſem ſechs Fuß hohen Skelet zuſammenhielt. Wie ein wettergegerbtes, hundert⸗ jähriges Leder hing die Haut an den Armen, und als ſie dieſe herabſinken ließ und mich anſah, war mir's, als hörte ich die Gelenke knacken und die unendlich langen Finger klappern. In ihrem Geſicht waren nur Naſe, Mund und Augen hervorſtechend und daneben noch drei ſpitze Punkte, das Kinn, gleich einer Handhabe, und die Backenknochen; dazwiſchen ſchien Alles ein unbeſtimmter, tiefer lederner Faltenwurf. Die Augen ſahen mich feſt an, das Mond⸗ licht ſpielte unheimlich gläſern und grünlich darin, beſon⸗ ders wenn ſie dieſelben grinſend zuſammenkniff. Uebrigens war ſie in ihren Lumpen ſehr decent gekleidet, drapirt

330 Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg. könnte man ſagen, deun das aſchfarbene, alte unerkennbare Gewand glich nicht der Landestracht, ſondern war in anti⸗ kem Wurf um den Körper geſchlungen, wie bei den ägypti⸗ ſchen Tempelſtatuen.

Wir ſahen einander lange Zeit ſprachlos an. Endlich grinſte ſie mich ſtärker an, reckte mir mit einer dramati⸗ ſchen Bewegung, wie eine alte Schauſpielerin aus der franzöſiſchen Schule, eine Hand entgegen und ſagte einige Worte in einer Sprache, die mir ganz fremd war, ſchwer⸗ fällige Worte, die ſcheiubar im Magen gebildet und durch den Mund bloß entlaſſen wurden. Sie ſah, daß ich ſie nicht verſtand, und ging gleich in die Landesſprache über mit der Frage:

Was machſt Du hier?

Das eben wollte ich Dich fragen.

Ich ſpreche mit dem Mond und freue mich, daß er immer größer wird; wie er ankam, war er halb ſo groß und hatte einen Feuerſchwanz.

Du willſt ſagen, wie wir das erſte Viertel hatten.

Nein, wie er zuerſt ankam über Aegypten, wo wir nur die Sonne hatten, die damals zweimal ſo groß war, und einige viel größere Sterne als jetzt. Der Mond war wie ein Kindskopf, jetzt iſt er wie ein Negerſchädel, bis er den ganzen Nachthimmel einnehmen und auf unſern Bergen anrennen wird.

Mit Staunen lanſchte ich den Worten dieſer Wahn⸗ ſinnigen, denn für eine ſolche mußte ich ſie halten. In der That war aber etwas Intereſſantes in ihren Reden, und ſie mahuten mich an barocke wiſſenſchaftliche Hypothe⸗ ſen neuerer Zeit, von denen ſie doch nichts wiſſen konnte. Dies ſteigerte meine Spannung, und ich beſchloß die Unter⸗ haltung noch auszudehnen.Woher glaubſt Du dies Alles? fragte ich weiter.

Ich weiß es von meinen Voreltern, die es uns vererbt⸗ haben. Damals wurde gerade die erſte Pyramide gebaut, aber ſie mußte halb fertig zwei Jahre lang liegen bleiben,

Bild von den Gefahren, welche dem enthuſiaſtiſchen Fremdling in Amerika bevorſtehen, und wenn ſich auch ſpäter durch einen günſtigen Zufall herausſtellt, daß der Beſitzer der Dreimeilen⸗ farm ſo glücklich iſt, durch Holzſchlagen ſogar noch einen Gewinn zu erzielen und endlich ein Kohlenlager zu finden, ſo möge ſich doch durch ſolche Ausnahme Niemand durch Holz auf den Holz⸗ weg bringen, oder durch Kohle einen Bart machen laſſen. Wir Deutſche ſinddrüben nur zu leicht der verlierende ſchwarze Peter. 5.

Aus der Gegenwart. Neue Hotels in London.

Das mehr als wahrſcheinliche Zuſammenſtrömen einer un⸗ geheuren Maſſe von Fremden aller Länder in London, während der großen Ausſtellung, hat natürlich auch die Frage der Beher⸗ bergung derſelben inmitten der ungeheuren Stadt in den Vorder⸗ grund gerückt, und zwar in verſchiedenen Richtungen. Die Vir⸗ kuoſität des engliſchen Gaunerthums iſt ſeit längerer Zeit damit beſchäftigt, Vorbereitungen aller Art zu treffen, um ſo viel Fo⸗ reigners wie möglich abfaſſen und ausbeuten zu können. Es ha⸗ ben ſich demgemäß Geſellſchaften und Vereine zuſammengethan, welche aus den reinſten religiöſen und menſchenfreundlichen Mo⸗ tiven Alles aufbieten wollen, um die der Sprache, der Sitten und des Terrains nicht kundigen Fremdlinge zu empfangen und in wahrhaft mütterliche Aufſicht und Pflege zu nehmen, und die Rieſenanzeigen in den Londoner Blättern, in welchen dieſe echten Biedermänner die edlen Entſchlüſſe ihrer ſchönen Seelen kund⸗!

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geben, ſind in der That verlockend genug. Dagegen iſt aber auch bereits rechtzeitig vor dieſem Schwindel gewarnt worden, deſſen Opfer ſicherlich auf eine Weiſe geprellt werden würden, daß ihnen jede Erinnerung an ihre Reiſe zur Weltausſtellung noch auf lange Zeit hinaus peinlich ſein müßte, und es iſt dabei ausdrücklich das ſehr beachtenswerthe Wort gefallen, daß der engliſche Gauner und Schwindler ſtets um ſo gefährlicher iſt, je mehr er mit Humani⸗ täts⸗ und ähnlichen Floskeln um ſich wirft. Neben dieſer indi⸗ recten Hülfe bietet ſich indeß den deutſchen Beſuchern der Aus⸗ ſtellung noch eine höchſt dankenswerthe directe dar. Es hat ſich nämlich in London einBund deutſcher Männer unter dem Vor⸗ ſitze eines Herrn Georg Sprenger(12 George⸗Street, Minories, E. C.) gebildet, welcher aus den geachtetſten Elementen der deut⸗ ſchen Bevölkerung Londons beſteht und ſich in Wahrheit die Un⸗ terſtützung der nach der engliſchen Hauptſtadt kommenden Lands⸗ leute zum Ziele geſetzt hat. Dieſer Bund deutſcher Männer fordert daher alle nach London reiſenden Deutſchen auf, ſogleich bei ihrer Ankunft daſelbſt ein Cab(Droſchke) zu nehmen und dem Führer dieſes Wagens(Cabman) die vorerwähnte Adreſſe einzu⸗ händigen; Herr Sprenger wird dann billige Wohnungen nach⸗ weiſen und ſonſt die nöthigen oder gewünſchten Referenzen geben; für dieſe Mühewaltung, die lediglich aus patriotiſchem Eifer ge⸗ übt wird, iſt eine Entſchädigung nicht zu entrichten.

Noch in anderer Weiſe wirkt die große Ausſtellung auf die Entfaltung von Maßregeln und Mitteln, um den mannigfaltigen Anſprüchen der zu erwartenden Fremden an ſichere und anſtändige Unterkunft einigermaßen zu genügen. Bekanntlich ſind die Gaſt⸗ höfe und Hotels in London noch heute in kaum glaublicher Weiſe hinter den denſelben Zwecken dienenden Inſtituten anderer Län⸗

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