Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
319
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I. Juhrg

auſe am Mol⸗

in den An⸗ unſt und Na⸗ vor uns ent⸗ zu denen mir rau des Sü⸗ Eindruck des

. nſere Gefühle leine andere nach kurzem, nte: be gone, ge n. küßte ihrem d Mund, wie em Liehſten zu ir die Hand; h ihre ältere hrt hatte, an mit meinem nen, als der wie er ſagte w erinuern

nun wieder, en Gebräuhe hkeit an einem

Singen nicht nen ſchwarzen

erwiderte giöſe Undub⸗ ume,

Nr. 20.]

ſamkeit in dem ſonſt ſo toleranten Britenlande, und füll⸗ ten die Gläſer mit dem Purpur des Oportoweines und ließen Angela's Vaterland und Deutſchland hoch leben.

Dritte Folge.

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Dann gute Nacht! Zum erſten Male ſeit langen Jahren in England, das übrigens, ſeine Whims abgerech⸗ net, ein recht gutes, comfortables Land iſt.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Memoiren meines Lebens. Erlebtes und Er⸗ ſtrebtes von Caſtelli. Wien, Markgraf u. Comp. Sie werden geſtehen müſſen, daß es ein ſchlechtes Zeug⸗

niß für die letzten literariſchen Novitäten iſt, ſich bei ſo

vielen Romanen vorherrſchend von den wenigen Werken angezogen zu fühlen, welche ſich auf einfache Wiedererzäh⸗ lung erlebter Thatſachen gründen. Es muß mit den Pro⸗ ducten freier Phantaſie, die doch ein unbeſchränktes Feld hat, übel genug ſtehn, wenn dür ftige Begebenheiten aus ſtillem Leben bei all ihrer Einfachheit durch den bloßen Reiz des Natürlichen und Wahren mehr Intereſſe verdie⸗ nen. Ich ſpiele damit gar nicht auf ſolche für die Zeit geſchichte hochwichtige Erzeugniſſe an, wie die Memoiren Raumer's oder Varphagen's Tagebücher, die eine Geißel für düſtere Beſtrebungen ſind; ſchon ganz gewöhnliche, un⸗ befangene Aufzeichnungen des Lebens ſind beſſer und nahr⸗ hafter als die müßigen Verſuche einer vorwitzigen, unfä⸗

higen Muſe.

Die Leſer werden ſich erinnern, daß Caſtelli's erſter Band manche willkommene Schilderung enthielt. Der zweite und der dritte waren ärmer an beachtenswerthen Ein⸗ zelnheiten. Der vierte und letzte, welchen der Autor noch

ſelbſt edirt hat, bietet wieder mehr geiſtigen Gehalt dar, und wie man hört, hat das Publicum noch Manches aus

dem Nachlaſſe des ſchlichten, aber bis zum letzten Augen blick elaſtiſchen Schriftſtellers zu erwarten, der ungefähr in derſelben Weiſe geendet hat, wie er gleich am Beginn des vierten Bandes den Tod ſeines über neunzig Jahre alten Vaters erzählt.

Daß auch Caſtelli ein gar hohes Alter erreicht hat,

gibt ſeinem Werke viele Abſchnitte von Werth, denu es iſt

für die Erkenntniß der Zeit⸗ und Culturgeſchichte ergiebig, wenn recht bejahrte Leute die Feder ergreifen, um Notizen über ihre Jugendzeit niederzuſchreiben, da nur ſo Wenige fähig und gewilligt ſind, dies zu thun. So gehen viele eigenthümliche Portraitzüge des vergangenen Volkslebens verloren, denn die wirkliche Geſchichte iſt zu wenig ausführ⸗ lich und zu ſehr mit anderm Stoff, mit dem der Thaten überhäuft, dies zu thun. Der wirkliche und ſſogenannte hiſtoriſche Roman unternimmt es zwar, aber nur ſelten

ohne Willkür oder gewiſſenloſe Unkenntniß.

Der Autor ſtellt einen ſehr guten Vergleich zwiſchen

dem früheren einfach zopfigen und dem heutigen luxuriös

aufgeklärten, über alles Maß hinausgehenden bürgerlichen

Leben an. Natürlich kann er ſich dabei nur an Wien, als

das einzige ihm bekannte Terrain, halten. Aber dieſes

Terrain iſt groß und vertritt ſtimmführend einen bedeu⸗

tenden Theil Deutſchlands. Er hat Recht, wenn er ſagt: der Bürger hatte früher weniger Bedürfniſſe. Er war zufrieden, wenn er Mittags

ſeine Suppe, Rindfleiſch mit Zugemüſe hatte und Abends im Wirthshauſe ſein Gläschen trinken konnte. Er rauchte ſeinen rothen Dreikönig⸗Tabak und war nur ſtolz auf ſein Soldatenſpiel und auf die Uniform, welche er tragen durfte. Die Bürger bildeten eigene militäriſche Corps. Da war die bürgerliche Cavallerie, die Artillerie, das zweite Regi⸗ ment ꝛc. Früher exiſtirte noch ein Corps, man nannte es die Muſterkarte, weil ihre ganze Uniform in einem drei⸗ eckigen Hut und aus einem Säbel am Bandelier beſtand, und Jeder ſeinen eigenen von den andern verſchiedenfar⸗ bigen Rock tragen konnte. Bei dieſem Corps befanden ſich nur die ärmſten Bürger, die ſich eine Uniform anzuſchaffen nicht im Stande waren. Es war aber wirklich ein ſchö⸗ ner Anblick, bei feſtlichen Gelegenheiten die Bürger auf⸗ ziehn und Spalier machen zu ſehn. In den Jahren 1805 und 1809 haben ſich die Milizen wirklich ausgezeichnet, bei dem Einmarſch der Franzoſen alle Wachtpoſten beſetzt und Ruhe und Ordnung in der Stadt erhalten, und ich habe nie recht begreifen können, wie das zu jeuer Zeit erſchienene 4 TheaterſtückDie Bürger von Wien von Bäuerle eben hier ſo außerordentlichen Beifall erhalten konnte, da es eigentlich ein Pasquill iſt, und in der Perſon des Parapluie⸗ machers Staberl einen Wiener Bürger als den dümmſten Menſchen zeichnet. In einem andern Lande(und, ſetzen wir hinzu, bei einem anderu Volke von Nationalgefühl) würden Verfaſſer und Schauſpieler mit faulen Aepfeln be⸗ worfen worden ſein, wenn ſie Aehnliches gewagt hätten.

Wollen wir einmal ſehen, wie das Leben eines ſolchen Wiener Bürgers einſt beſchaffen war? Er ſtand um fünf Uhr des Morgens auf und ging an ſein Handwerk. Um zehn Uhr wurde er dann freilich ſchon etwas durſtig und labte ſich mit einem Glaſe. Bier oder einem Seidel Wein ſammt einem tüchtigen Stück Hausbrod. Punkt zwölf Uhr mußte das Mittagsmahl aufgetragen ſein, welches er an einem Tiſche mit den Geſellen einnahm. Vor und nach dem Eſſen wurde gebetet, das verſteht ſich, denn die Wie⸗ ner Bürger waren damals fromm. Nachmittags rauchte er ſein Pfeifchen und ſchlief wohl auch ein halbes Stündchen in ſeinem gepolſterten Schlafſeſſel, dann ging's aber wieder an die Arbeit, welche bis zum Abend fortgeſetzt wurde. Jetzt aber wurde das Vortuch abgenommen, die Perrücke aufgeſetzt, ein Capot angezogen und in das Wirthshaus gewandert, wo bei einem eignen Tiſche die Stammgäſte täglich zuſammenkamen; da wurde nun Roſtbraten, ein paar Würſtchen oder ſonſt eine derbe Speiſe gegeſſen und ein paar Gläſer Bier oder Wein getrunken, dazu traplirt, ein Kartenſpiel, wobei die Karten ſo groß ſind, daß man damit recht in den Tiſch hineinſchlagen kann, oder wohl auch etwas politiſirt.

Das Politiſiren war aber damials etwas gauz Anderes,