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ihres ſchönen von den blauen Wogen umgürteten Vater⸗ landes mit der ganzen Macht ſüdlicher Phantaſie vor ihre Seele zu treten.
Mit jeder neuen Strophe ſchwollen die Töne kräftiger aus der Bruſt herauf. Es war, als redete ſie durch die klangvollen Töne mit den duftenden Thälern ihres Hei⸗ mathlandes; als bäte ſie gleich der gefangenen Königin von Schottland die Lüfte, welche mit den Blüthen vor dem ge⸗ öffneten Fenſter koſeten, ihre Grüße an die fernen Küſten hinüberzutragen.
Als bald darauf die Lampen des Leuchtthurmes den gegenüber vor unſeren Blicken ſich ausbreitenden Ha⸗ fen und ſeinen Wald von Maſten mit ihrem buntfarbigen, blitzenden Strahle übergoſſen; als zu unſerer Rechten die prächtigen Spiegelſcheiben der langen Reihe neuer palaſt⸗ artiger Gebäude im Lichte des vom Meeresrande aufſtei⸗ genden Mondes glänzten: da hielt Signora Angela plötz⸗ lich mitten im Geſange an; ihr Auge ſtrahlte wie in himmliſcher Verklärung, und die Guitarre ſank mit einem leiſe verſchwebenden Laut, der faſt wie Geiſterhauch klang, in den Schooß der Sängerin nieder.
Mit gefalteten Händen trat ſie an das geöffnete Fen⸗ ſter; ihre Blicke weilten lange auf dem Meere, und es ſchien als würden ihre Gedanken in dieſem Moment ohne Worte zu einem Gebete für das Land ihrer Kindheit. Dann ſank ſie an die Bruſt des treubewährten Gatten, der bisher ſchweigend dageſtanden und ſo wenig wie ich ſelbſt die Sprache der Gefühle zu ſtören gewagt hatte, zu der wir ja in der eigenen Bruſt den Schlüſſel trugen.
„Sieh dort! o Fernando, wie ähnlich iſt das vor uns ausgebreitete Bild der Gegend um den Pharus von Meſ⸗ ſina!“ rief ſie mit leuchtenden Blicken in die Ferye deu⸗ tend.„Es liegt ein Meer von Seligkeit für mich im Anblick dieſer hohen Küſten, die jetzt im Mondſtrahl und von den Flammen des Leuchtthurmes ſo eigenthümlich be⸗
Uovellen-Zeitung.
leuchtet werden, daß ich vor irgend einem Hauſe am Molo meiner Vaterſtadt zu ſtehen vermeine.“—
Eine geraume Zeit blieben wir wortlos, in den An⸗ blick des ſchönen Bildes verſunken, welches Kunſt und Na⸗ tur in einem ſo zauberiſchen ciar oscuro vor uns ent⸗ faltete. Süße und bittere Erinnerungen, zu denen mir ein halb ſchwermuthsvoller Seitenblick der Frau des Sü⸗ dens Veranlaſſung gab, diente dazu, den Eindruck des feierlichen Momentes bei mir noch zu erhöhen.
B— r, der die Richtung bemerkte, die unſere Gefühle nehmen zu wollen ſchienen, gab ihnen ſchnell eine andere Wendung, indem er die Guitarre nahm und nach kurzem, luſtigen Präludiren das engliſche Lied anſtimmte: be gone, dull care, ꝛc.— weiche, weiche, düſt're Sorge— ꝛc.
Ich lachte, auch Angela lächelte und küßte ihrem Manne unter vielen ſüßen Namen Stirn und Mund, wie eine poetiſch ſchwärmende Sicilianerin es dem Liebſten zu thun gewohnt iſt. Dann reichte ſie auch mir die Hand; ſie ſchien es vergeſſen zu wollen, daß ich ihre ältere Schweſter Maria nicht zum Traualtare geführt hatte, an dem Tage, als ſie ihre eheliche Verbindung mit meinem Freunde in der Kathedrale zu Meſſina ſchloß.—
Dieſer wollte eben ein neues Lied anſtimmen, als der Oberkellner feierlichſt hereintrat, um uns— wie er ſagte — im Auftrage ſeines Herrn beſcheiden daran zu erinnern — daß heute Sonntag ſei.
Weg war die Täuſchung! Wir wußten nun wieder, daß wir in England waren, wo die ſtrengen Gebräuche der anglikaniſchen Kirche Freude und Fröhlichkeit an einem Feiertage als Sünde bezeichnen.
„Dürfen wir denn trinken, wenn das Singen nicht erlaubt iſt?“— fragte ich den Kellner im feinen ſchwarzen Frack.
„As much as you please, gentlemen“— erwiderte er lachend. 1
Und wir lachten auch, aber über die religiöſe Unduld⸗
Entſchädigung vom Könige.
Ein Bernſteinhändler hatte ſchon 8000 Thlr. dafür geboten.— 5.
Literatur. V
Tſchutſchew'slyriſche Gedichte. In den Versmaßen des ruſſiſchen Originals nachgebildet von Heinrich Nos. Mün⸗ chen, Fleiſchmann’s Buchhandlung(Auguſt Rohſold).
Tſchutſchew iſt in Rußland ein beliebter Dichter neuerer Zeit, und ſeine Productionen ſind in ſlaviſcher Zunge weit ver⸗ breitet. Mit der modernen Bildung einer vielſeitigen Lecture ausgerüſtet, konnte es nicht fehlen, daß neben dem ruſſiſchen Volks⸗ liede auch die fremde europäiſche Lyrik in ſeiner Seele einen Wie⸗ derhall fand, denn noch hat ſich wenig Eigenes, aus ſich ſelbſt Er- wachſenes in der ſlaviſchen Literatur gezeigt.
Man muß daher auf freundliche, behagliche Reminiscenzen vorbereitet ſein, wenn man ſich jener Literatur zuwendet, und das Suchen doppelt belohnt finden, wenn innerhalb derſelben ein eige⸗ nes Gefühl des Dichters ſich Luft macht, oder er bekannte Ideen⸗ gebilde national colorirt.
Zur Empfehlung und Charakteriſtik der kleinen Sammlung bieten wir unſern Leſern folgendes Gedicht als Anhalt:
An die Materialiſten. Nicht iſt Natur, wie's Euch bedünket, Der ſeelenloſen Weſen Chor; Ich ſeh', wie Freiheit aus ihr winket, Wie Leib und Seele tritt hervor.
Ihr ſeht das Blatt, die Frucht am Baume, Hat ſie der Gärtner angeleimt?
Hat in der Hülle Bergungsraume
Die Frucht durch äußre Kraft gekeimt?
Ihr könnt nicht hören, könnt nicht ſehen, Ihr lebt in Eures Dunkels Hut, Ihr ſeht nicht glänzen, fühlt nicht wehen, Für Euch lebt keine Meeresfluth.
In Euch hat ſich kein Strahl gebrochen, In Eurer Bruſt kein Lenz geſonnt,
Zu Euch die Wälder nicht geſprochen, Fur Euch die Sterne ſtumm gethront.
Nicht habt das überird'ſche Tönen Gehört Ihr, das im Wald ſich regt, Wenn er im lauten Donnerdröhnen Mit Blitz und Strom Geſpräche pflegt.
Nicht Ihr ſeid ſchuld; organ'ſches Leben Zu ſchauen vermag kein blöd Geſicht— Die Geiſter, ach, in Euch erbeben Ob ihrer Mutter Stimme nicht!
Man wird finden, daß dieſe Verſe das bekannte Materiali⸗ ſtenthema eben ſo gut behandeln, als manche deutſche. O. B.
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