316 Uoveilen-Zeitung.[VIII. Jahrg. ————.— N.? plauderten und ſich einander zunickten wie Kinder, die harm⸗ Die letztverlebten Wochen machten, wie der Mädchen⸗ los über den Grabhügeln der Eltern ſpielen. Der Ab⸗ ſommer im Spätherbſt, einen ſchönen, lichten Abſchnitt in vunde grund kümmerte ſie nicht, der mehr als eine Generation in meinem allmählich herbſtlich werdenden Leben. eelſ ſeinem dunkeln Schooße begraben; ſie freuten ſich des Auf engem Raume ringsum vom Weltmeere umge⸗ Daih Augenblicks, des Sturmes vergeſſend, der ſie wenige Tage ben, vermag die Täuſchung des conventionellen Lebens 3-1 zuvor ſo unbarmherzig gepeitſcht hatte. nicht lange das zeitweilig etwa eingenommene Terrain ruüſt Das Knarren der Ankerwinde übertönte bald das Be⸗ zu behaupten. Wenige Tage waren hinreichend geweſen, Auwe grüßen und Wispern in den Gruppen, die ſich auf dem Ver⸗ um einige Menſchen, die der Zufall auf Helgoland zuſam⸗ don deck gebildet. Die Matroſen, welche eben keinen Spaß mengeführt hatte, mit dauernderen Banden zu umſchlingen, ſFänſ verſtehen, ſobald vas Schiff zum Abgehen fertig gemacht als es Jahre zu thun vermögen, wenn man ſie unter dem Ands wird, verſcheuchten den größeren Theil der Geſellſchaft, be⸗ Zwange täglich neu geſchaffener Formen vegetirend ver⸗ 2 ſonders die Damen, durch ihre haſtigen Bewegungen in leben muß. delgon den Salon. Nur einige Herren und ein junges Ehepaar, Wohl wiſſen viele Menſchen, was zum Glück erforder⸗ atgin welches die erſten glücklichen Wochen der lauge vergebens lich iſt; aber am Muthe, glücklich werden zu wollen, ge⸗ don S erſehnten Verbindung auf Helgoland verlebt hatte, blieben bricht es faſt den Meiſten! ſagen auf dem Verdeck.„Swiftsure, ehoi!“— rief der Bootsmann; die welch Arm in Arm und eng aneinander geſchmiegt, hatte Treppe fiel herab, und abermals betrat mein Fuß ein Nein ſich das junge Paar über die Schauze hinausgelehnt. Sie ſchwimmendes Hotel, eine neue kleine Welt, wo ich Nie⸗ gen ſchwelgten im Anblick des Meeres, das heute wie zur mand kannte, doch nach einigen Stunden bekannt zu wer⸗ ſelbſ Nachfeier der ſelig von ihnen verlebten Frühlingsehetage den hoffte, da mein Freund, der Stallmeiſter, und ſeine nach in dem vollen Licht der Morgenſonne meilenweit wie in Gemahlin, die mir eben zum freundlichen Willkommen könn einem Kryſtallſpiegel wiederſtrahlte. die Haud reichten, ſchon mehrere Tage zu deſſen Bewohnern Jetzt war der Anker frei; im Maſchineuraume gab zählten. d es Bewegung, und lauter begannen die Wellen den Kiel zu Aus Anhänglichkeit an das ſeit lange gekannte alse umrauſchen. liebenswürdige Ehepaar hatte ich mich kurz entſchloſſen, lle „All clear, sir!“ rief der erſte Steuermann dem un⸗ meine diesjährige Reiſe bis nach England auszudehnen. ſaaken geduldig harrenden Capitain vom Bugſpriet herauf zu. Dafür hatte mir B— r die Paſſage auf dem netten Swift⸗ Schif Das war für mich das Zeichen zum Abſchiede. Stumm ſure ausgewirkt, welcher vom liebenswürdigen Fürſten nüte reichte ich den Bekannten, mit denen ich von Hamburg ge⸗ v. C. zu dieſer Phantaſiefahrt gemiethet worden war. hech kommen, die Hand und ließ ſtatt vieler Worte bei denen, Der erlauchte Herr, welcher ſich ſelbſt an Bord befand,— ¹ die mir am nächſten ſtanden, das Auge die Sprache des hatte bereits ſämmtliche Bäder an den Küſten der Nordſee Hülf Herzens reden. Aus dem Jolinboot des Swiftſure, wel⸗ beſucht. leler ches auf mich wartete, rief ich das letzte farewell hinauf, Helgoland ſchien ihm nicht ſehr zu gefallen. 1 Der Ti n während das Schiff abwärts drehete und unter dem übli⸗ Raum auf dem Felſeneilande war zu beſchränkt für ſeinen derna chen Salut der blanken Kanone auf dem Quarterdeck mit ſtrebenden Geiſt, und die Geſellſchaft war zu ſehr auf Meſſt wallender Flagge gen Oſten davonbrauſete. einige wenige Plätze eingeengt, als daß es ihm möglich 8 das fr 5 Gaſt beim Empfange mit einer mehr oder weniger koſtbaren Pfeife— Aus der Natur. aufzuwarten, wovon ein jeder bedeutenden Borrath beſitzt, dnd trotzde ein †† 2 doroe womit die Großen des Reiches oft einen ungeheuren Luxus treiben ſchön, Ein Product des deutſchen Meeres. und unglaubliche Summen zu deren Anſchaffung verwenden. In zumal In jüngſt vergangener Periode iſt dieſes Produet, der Bern⸗ der Leipziger Oſtermeſſe 1859 wurde eine aus zwei Bernſtein⸗ beitur ſtein, ſehr aus der Mode verdrängt worden, deren Hauptartikel ſtücken zuſammengeſetzte und mit Edelſteinen verzierte Spitze um gewiſß für Toilettenſchmuck und andere Luxusdinge er ſeit 2000 Jahren 4000 Thaler nach der Türkei verkauft. Dieſe Pfeifen ſind vor⸗ werde ſchon vielemale geweſen iſt, ohne die Gunſt je ganz zu verlieren. züglich durch die Mundſtücke, welche aus einem einzigen Stücke pootd Gegenwärtig beſitzt er ſie wieder vollkommen. Bernſtein gefertigt und reich mit Perlen und Edelſteinen verziert beiter Wenigen Leſerinnen wird aber die Natur dieſes ſo ſehr be⸗ ſind, werthvoll. Es war der Luxus ſo weit getrieben, daß dem⸗ zusg liebten Schmuckmaterials bekannt ſein. ſelben durch eine Verordnung des Großherrn vem 26. Silkide Feile Die Verwendung des Bernſteins gründet ſich hauptſächlich 1250(26. März 1835) geſteuert werden ſollte; allein dieſelbe jedes auf ſeine phyſikaliſchen Eigenſchaften, auf die Schönheit ſeiner vermochte wenig gegen die uralte Sitte. Der klare durchſichtige fenbe Farbe und auf ſeine hohe Politurfähigkeit. Er iſt weich, jedoch Bernſtein iſt aber nur wenig geſchätzt. Die Türken beziehen den qus? von feſtem derbem Gefüge, ſo daß er ſich feilen und drehen läßt; milchigen perlfarbigen in rohen Stuͤcken und laſſen ihn dort ver⸗ Bern nicht eben ſpröde, iſt er jedoch leicht ſpringbar. Die Alten benutz⸗ arbeiten; die Arbeiter ſcheinen allerdings im Orient eine größere Coörj ten ihn zum Schmuck als Bruſtgeſchmeide, Armſpangen, Waffen⸗ Geſchicklichkeit erlangt zu haben als bei uns. Eine geringere wird, zierrath oder zur Verzierung häuslicher Geräthſchaften, unter Sorte weißen Bernſteins, der ſich zur Herſtellung von Pfeifen⸗ mäßi denen vorzüglich bernſteinerne Spindeln erwähnt werden. Dieſel⸗ mundſtücken ſeiner Sprödigkeit und Zerſpringbarkeit wegen nicht Virft ben wurden durch Reibung der Hände elektriſch, und indem ſie die eignet(Knochen genannt), geht nach Rußland und wird vorziglich Mode leichten Fäden des Garnes bald anzogen, bald abſtießen, boten zu Rechentafeln in Moskau und Petersburg in geſchickteſter Weiſe die K ſie das erluſtigende Schauſpiel eines ſcheinbar beſeelten und will⸗ verarbeitet. In Europa wurde der Bernſtein zu den verſchieden⸗.. kürlich handelnden Geräthes dar.— Vorzüglich ſind es die Länder artigſten Verwendungen geſchickt gefunden; am meiſten jedoch hat überh des Orientes, nach denen von jeher viel Bernſtein ausgeführt man aus ihm immer Schmuckgegenſtände, Ketten, Nadeln, Arm⸗ kleine wurde. Viele der dort wohnenden Völkerſtämme ſchreiben dem bänder u. dergl. dargeſtellt, und ſein Gebrauch iſt zu Zeiten ſo werde Bernſtein geheimnißvolle Kräfte und Wirkungen zu, und in ein⸗ allgemein geweſen, daß, wie ſich ein Schriftſteller des vorigen Narbe zelnen Ländern ſcheint es eine weit verbreitete Sitte zu ſein, die Jahrhunderts ausdrückt, endlich Niemand mehr als nur die Mägde Sorti Götzenbilder mit Bernſtein zu ſchmücken. In der Türkei und ihn tragen wollten. Die regelmäßige ziemlich bedeutende Produc-⸗ dm überhaupt im ganzen Orient herrſcht die Sitte, jedem angeſehenen tion hat ihn zu einem leicht zugänglichen Gegenſtande gemacht, nach, —— 3————— 1
Jahrgang
15-26 (1862)
Seite
316
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