ſie an den raſchen Verlauf der Zeit, und ſich entſchuldigend, daß ſie nunmehr aus Geldmangel nicht, wie ſie Willens geweſen, Blumen kaufen könne, ſo wie den Vorſchlag, ſie auf Credit mitzunehmen oder ſich zuſchicken zu laſſen, gleich verbindlich ablehnend, entfernte ſie ſich mit dem Verſpre⸗ chen bald wieder zu kommen, um zu hören, was Sie von dem Erfolge Ihrer menſchenfreundlichen Bemühungen uns würden erzählt haben. Wir ſahen ihr nach, ſie trat in das dritte Haus linker Hand, Minuten eine elegante Equipage vorfuhr;
kam ſie ſelbſt heraus, ein Bedienter hob ſie in den Wagen,
und— fort war ſie!“
Mit dieſem Einen„fort war ſie,“ ſchien allerdings mit einem Mal die Möglichkeit eines Wiederſehens abge⸗ ſchnitten; der Graf beſaß jedoch noch das Börschen, und durch dieſes ließ ſich ja wohl der ſo raſch abgeriſſene Fa⸗ den wieder anknüpfen. Die Fremde hatte ja verſprochen, das Blumenmagazin wieder zu beſuchen und ſich nach dem Reſultate ſeiner Bemühungen zu erkundigen; Madame durfte ja dann nur nach Namen und Wohnung fragen, und wäre die Dame ſelbſt eine Prinzeſſin, ſo könnte ſie es in dieſem Falle nicht übel deuten, wenn er ihr das Börs⸗ chen nebſt ſeinem Bericht und dem Danke der durch ihre urſprüngliche Verwendung glücklich gewordenen Familie
perſönlich zu Füßen lege. Dieſe Auſichten äußerte Magnus
zu der Magazin⸗Beſitzerin, dieſelbe wollte ſich jedoch zu einer ſolchen Erkundigung unter keiner Bedingung ver⸗
ſtehen; dies ſei, meinte ſie in ihrer echt franzöſiſchen Deli⸗
cateſſe, gegen den Anſtand und liege auch ganz außer dem Bereich ihres Geſchäftes; es ſprächen mehr Damen bei ihr vor, welche gar nicht gekannt ſein wollten, und falls nun die junge Fremde bei ihrer Wiederkehr, wenn dieſe überhaupt noch erfolge, eine ſo indiscrete Frage nach Namen und Wohnung, wie ſehr wahrſcheinlich, unbeant⸗ wortet laſſe, ſo würde ſie ſich ſelbſt dadurch einer um ſo unangenehmeren Verlegenheit ausgeſetzt ſehen. Hätte die
Uovellen-Zeitung.
laſſen dürfen.
Fremde Beides nennen wollen, ſo hätte ſie ja nur das Au⸗ erbieten, ihr. Blumen in beliebiger Menge und Auswahl auf Credit mitzugeben, annehmen oder ſich ſolche in das Haus, wo ſie erſichtlich zum Beſuch geweſen, herumſchicken Wäre nun dem Herrn an der Rückerſtat⸗ tung des Börscheus ſo viel gelegen, ſo möge er ſolches nur ihr übergeben, ſie gelobe ihm feierlichſt, daſſelbe ebenſo⸗ wohl ſeiner Beſitzerin wieder zuzuſtellen, als ihr treulich
vor welchem nach wenig Bericht, Wort für Wort, abzuſtatten, und ihr auch uicht bald darauf zu verhehlen, wie ſchmerzlich es dem Herrn geweſen, daß
er ihr den Dank des Knaben und ſeiner Eltern aus Un⸗ keuntniß ihres Namens und ihrer Wohnung nicht perſön⸗ lich habe überbringen können. Wolle nun die junge Dame daun Näheres von ihm ſelbſt erfahren, ſo werde ſie wohl Beides weiter unaufgefordert und ungefragt nennen, was er dann als eine förmliche Erlaubniß, ſich ihr vorſtellen zu dürfen, betrachten könne.
Daß die niedliche Frau im Ganzen Recht habe, mußte ſich der Graf ſelbſt ſagen und er nahm daher dieſe Lection über den Anſtand ſtillſchweigend hin; es wäre ihm hier⸗ nach eigentlich alſo nichts weiter übrig geblieben, als die Börſe nebſt ſeiner Karte an Madame auszuhändigen; da er jedoch ſehr wohl fühlte, daß dadurch jede Hoffnung eines Wiederſehens mindeſtens ſehr zweifelhaft gemacht werde, wenn nicht gar verſchwinde, indem es nichts weni⸗ ger als wahrſcheinlich ſei, daß die junge Dame, welche nach der Behauptung der Blumiſtin einer der erſten Fa⸗ milien der Reſidenz anzugehören ſcheine, ihm auf dieſe Art ein Entree bei ihr geſtatten werde, ſo ließ er bloß ſeine Karte zurück.(Fortſetzung folgt.)
ja, meinten wir, nichts deſto weniger noch immer abbrechen, wenn ihm die Propoſitionen nicht anſtändig wären. Er war derſelben Meinung.
Am Sonntag um 11 Uhr ſchon begab ſich Kurz ganz neu und elegant gekleidet zu Nettchens Vater. Der alte Bäcker ſaß im Laden und zählte ſeine Semmeln.
„Mein Herr!“ ſagte Kurz,„ich habe die Ehre, Ihnen meine
Aufwartung zu machen, und bin erfreut, einen wackern Bürgers⸗
mann kennen zu lernen.“ „Gehorſamer Diener, aber wer ſind wir denn?“ „Ich bin Joachim Kurz, im Buchhandel angeſtellt.“ „Ganz gut, aber ich entſinne mich nicht.“
„Wie! ich bin derſelbe, der Ihre ſchöne Tochter liebt und
von ihr wieder geliebt wird.“ Der Papa Bäcker machte bei dieſen Worten ſeine Augen
weit auf, ſtand auf und ſagte gleichſam drohend:„Mein Herr!“
„Nun, was haben Sie denn? Ich komme ja, um mich dem Vater meiner Angebeteten vorzuſtellen. Hat Ihnen denn Nett⸗ chen nichts geſagt?“
„Nun, ich wollte ſehen, daß ſich meine Tochter ohne meine Erlaubniß unterfinge, eine ſolche Bekanntſchaft zu machen!“
„Eine ſolche?— mein Herr, ich habe honette Abſichten, der Beweis davon liegt ſchon darin, daß ich ungeachtet vieler Briefe, die ſie mir geſchrieben, nicht einmal noch einen Kuß von ihr begehrte.“
„Briefe?— von meinem Mädel?“
„Allerdings— viele— ſehen Sie ſelbſt!“ und mit dieſen Worten übergab er dem Bäcker die ganze untergeſchobene Cor⸗ reſpondenz.
„Herr!“ rief hierauf der Bäcker,„Sie ſind ein elender Ver⸗ leumder, dieſe Briefe ſind nicht von meiner Tochter, es iſt gar nicht ihre Schrift. Ich ſehe wohl, Sie ſind ein ſchändlicher Ver⸗ führer, der ſo keck iſt zu glauben, der Vater ſelbſt würde vielleicht noch die Hand dazu bieten. Allein Sie müſſen wiſſen, ich bin ein Mann von Ehre, war Soldat, und Sie müſſen mir Genug⸗ thuung geben.“
Der arme Kurz ſtand wie aus den Wolken gefallen. Einige Minuten brachte er kein Wort hervor, endlich ſtotterte er mehr todt als lebendig:„Ich ſehe, wir verſtehen uns nicht, und habe alſo die Ehre—“ Mit einem Sprunge war er vor der Thüre draußen.
Was das Spaßigſte bei der Sache war, iſt das, daß Kurz nie muthmaßte, daß wir ihm den Streich geſpielt hatten. Sein ganzer Zorn fiel auf den Vater Nettchens, und dieſe glaubte er ewig unglücklich, weil ſie von ihm getrennt worden war.“—
Aber auch in kritiſch raiſonnirender Welſe war der alte un⸗ verwüſtliche Wiener noch voll guter Einfälle und ſpitzer Bemer⸗ kungen über unſere Zeitſchwächen. Er beſpiegelt die frühere und die jetzige Lebensweiſe der Menſchen und kommt dabei zu der pikanten Wahrheit, daß es uns an nichts dringlicher als— an alten Frauen fehlt.
Wir können weder der kleinen Ausfall ſchenken:
„Wenden wir uns,“ ſo ſagt der Verfaſſer untern andern,„zu den Frauen und vergleichen wir jene früherer Zeiten mit den jetzigen.
Wenn man die Civiliſation unſerer Tage mit der vergange⸗ nen vergleicht, ſo wird man bemerken, daß uns jetzt etwas ſehr
Frauen⸗ noch der Männerwelt dieſen
Ein
del ge nügt Men ſturn ſchon in pfle und ver die
T Kä
E ſet


