Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
311
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den Herrn, der ittheilungen der öjiſchen Sprache 1 und gekannt dunſchuldig ſei daher im Na⸗ ur die ſofortige derausgabe des es, ſonſt entwunden, die dem nämlichen an den Grafen erumdrehte und nen ein Cabrio⸗ ehe die Wache hienen dieſe Ab⸗ smaßtegel ihren af in den ſchon aabe hinter ihm m Polizeimann N in den Hut, z dem Knaben fen. In ge⸗ hernden Jubel olet in entge⸗ erſt am Ende fohren habe, welche wa vor die Frende und enen die krant der Graf mi t und auf der ſchüttete. Auch in Gold⸗ und n der ſchönen

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n nur immer die ch nütleibchen 1

Kopf mit Seiden⸗ Coſtüme anziehen

Jahrg Nr. 20.

jungen Dame in dem Blumenmagazin erhaltenen Börschens leerte er aus und fügte dann noch den größten Theil ſei⸗ ner eigenen Baarſchaft hinzu, ſo daß ſich die Armen plötz⸗ lich in dem Beſitze einer Summe von einigen Hundert Franken befanden. Ohne ſich länger, als gerade dringend nöthig, aufzuhalten, überließ er dem Knaben die ſpätere Erzählung der ſich zugetragenen Begebenheiten, verſprach in einigen Tagen wiederzukommen, um ſich nach der Ver⸗ wendung des ihnen durch die Gnade des allbarmherzigen Gottes auf ſo wunderbarem Wege zugefloſſenen Gaben der theilnehmenden Menſchen zu erkundigen, auch ſagte er ſeine beſtmöglichſte Verwendung bezüglich der Ermittelung der Nachlaſſenſchaft des verſtorbenen Bruders des Webers zu, nannte übrigens für alle Fälle ſeinen Namen und Wohnung. Raſch eilte er nun nach Paris zurück, um von dem über alle Erwartung glücklich ausgeführten Auf⸗ trage ſeiner liebenswürdigen Mandantin, uuter Zurückrei⸗ chung des Börschens den nöthigen Rapport abzuſtatten. Als der Graf nach dem Blumenmagazin kam, wurde er von der Beſitzerin deſſelben, ſo wie wohl von einem Dutzend der niedlichſten Pariſerinnen, ihren Gehülfinnen, empfangen, als kehre er als lorbeerbekränzter Sieger aus einer gewonnenen Schlacht zurück, und ſeine Berichterſtat⸗ tung mit der lebhafteſten Theilnahme aufgenommen. Sie hatten aus den Fenſtern der im oberen Stockwerk belege⸗ nen Wohnung das Schauſpiel theilweiſe mit angeſehen und daher auch von dem Ausgange, wenn auch nicht von dem eigentlichen Sachverhältniß, Kenntniß; jetzt theilten ſie ihm ihrerſeits mit, daß die fremde junge Dame vor Freude in die Hände geklatſcht habe, als ſie gewahrte, wie er in dem Cabriolet glücklich entkommen ſei. Einige Minuten ſpäter ſei nämlich ein ſtarkes Cavallerie⸗Piket die Straße heraufgeſprengt; daſſelbe habe aber, da ſich die Mehrzahl der Zuſchauer, befriedigt mit dem Ausgange, bereits nach allen Seiten zerſtreut und von den etwa noch zurückgeblie⸗ benen Niemand ſich veranlaßt gefunden, über die Urſache

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Dritte Folge.

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des Auflaufs einen nähern Aufſchluß zu ertheilen, unver⸗ richteter Sache wieder umkehren müſſen. Die fremde Dame? fragte überraſcht der Graf.

Ich glaubte, ſie wohne in dieſem Hauſe oder ſei ein Mit⸗

glied dieſes Kreiſes, und Sie... Lachend unterbrachen ihn die Mädchen mit der Erwiderung, wie die junge Fremde ſich doch wohl ſehr für die ihr zugedachte Ehre der Collegenſchaft bedanken würde, da ſie beſtimmt eine Dame aus einem der erſten Häuſer der Reſideuz ſei; dieſelbe müſſe wahrſcheinlich ganz in der Nähe zum Beſuch geweſen ſein, denn ſie ſei ohne Umſchlagetuch und Hut auf einen Augenblick in das Magazin gekommen. Gleich nach ihrem Eintritt ſei der Knabe vorbeigeführt worden; hierauf ſei ſie in die Thüre getreten, da der Anblick des weinenden Kindes ſie unbeſchreiblich tief ergriffen, und als ſie nun die Ausrufe des Knaben in deutſcher Sprache vernommen, auch bemerkt, wie er eben ſo außer Stande geweſen, an ihn franzöſiſch gerichtete Fragen zu beantworten, als Nie⸗ mand ſein Jammern verſtanden, ſo habe ſie ſich vom Mit⸗ leid ſo mächtig hingeriſſen gefühlt, daß ſie unwillkürlich dem Kinde nachgeeilt ſei, wahrſcheinlich um auf irgeud eine Weiſe ihre Hülfe geltend zu machen. Bald darauf ſei ſie jedoch, vom Schicklichkeitsgefühl gemahnt, wieder umge⸗ kehrt und habe ſich ſehr gefreut, als der fremde Herr ge⸗ kommen und ihr die Angſt, gern helfen zu wollen und nicht zu können, abgenommen habe.Madame, fügte jetzt ein kleines geſchwätziges Plappermäulchen hinzu, wollte die Dame im Scherze bange machen und äußerte

Beſorgniß, Sie könnten mit dem gefüllten Börschen durch⸗

gehen, allein ſie wies lachend eine ſolche Vermuthung zu⸗ rück und meinte, ein ehrlicher Deutſcher ſei keines ſolchen Pariſer Gaunerſtreiches fähig, auch ſehe man es wohl an den Geſichtszügen, wie an dem ganzen Benehmen des deutſchen Herrn, daß es zu einer ſolchen Behauptung völlig jedes Grundes entbehre. Sie wartete noch eine Zeitlang auf Ihre Rückkehr, doch das Schlagen der Uhr erinnerte

Braſelett von Haaren machen laſſen, und die Haare ſollen die deinigen ſein, du Entſetzlicher. Schicke mir ſie ſobald und lang als möglich, denn ein Braſelett frißt viel.

Dieſer letzte naive Ausdruck entzückte Kurz, und begeiſtert rief er aus:Iſt das ein Mädchen!

Was wirſt Du thun? fragte ich ihn.

Was ich thun werde? iſt das eine Frage? Ich werde der Himmliſchen Haare ſenden, ſo viel ſie will.

Aber Du haſt ſo wenig und trägſt ſie ſo kurz.

Einerlei, ich opfere ihr alle mit der Wurzel, und ſollte ich eine Perrücke tragen, und er ſtürzte fort.

Eine halbe Stunde nachher ſahen wir ihn wieder auf der Straße. Sein Hut war bis zu den Augen in den Kopf gedrückt, und er hatte ein weißes Papier in der Hand, welches etwas Wich⸗ tiges vorſichtig einzuſchließen ſchien, denn die vier Ecken waren aufgebogen und mittelſt einer Stecknadel zuſammengeheftet. Er tritt in den Bäckerladen, in welchem ſich Nettchen ſoeben allein befand, legt ſein koſtbares Packet vor ihr nieder, wirft ihr eine Kußhand zu und entfernt ſich wieder, indem er f Herüde ge⸗ genüber an den Eckſtein ſtellt, um die Wirkung ſeines Geſchenkes zu veobachten.

Wir ſaßen gerade hinter ihm an einem Fenſter des Kaffee⸗ hauſes und hatten Mühe das Lachen zurückzuhalten. Nettchen blieb Anfangs ſtarr ſtehen, ohne zu begreifen, wie ſie das Beneh⸗ men des Fremden deuten ſollte. Endlich entſchloß ſie ſich das Papier zu öffnen, und als ſie den Inhalt ſah, machte ſie eine Ge⸗ behrde des Ekels, nahm Papier und Inhalt und warf es in den Kehricht, der im Hintergrunde des Ladens lag. Kurz ſah dieſes kaum, als er zornentflammt in den Laden ſtürzte, ſeinen Kopf⸗

ſchmuck aus dem Kehricht zog, mit dem Hut, den er bisher auf dem Kopfe behalten hatte, wüthend auf Brod und Semmeln ſchlug und dann wieder herausſtürzte. Wir konnten uns eines helllauten Gelächters nicht mehr enthalten, als wir den rafirten Kopf ſahen, und der Arme bemerkte nun erſt, daß er bei der ganzen Scene Zuſchauer gehabt habe

Am Abend kam der Poſtbote und brachte wieder ein Brief⸗

ſchen. Kurz ſtürzt darauf und lieſt:

Kecker, aber doch immer belipter Mann!

Was haben ſie gethan? Bei helllichten Tag bringen ſie mir ihre ſchenen Haare, und legen ſie mir auf die Budel hin, ſo daß es mein Vater, der hinten war, hätte ſehen können. Sie wollen alſo ihre Nette ba forſch unglücklich machen? Ich mußte ſie in dieſem Augenblicke wegſchmeißen, aber ich wußte wohl, daß ſie ſie wieder aufklauben werden. Behalten ſie mir die lieben Haare gut auf, oder noch beſſer, laſſen ſie mir ſelbſt Braſeten daraus machen, das Band, welches ich ihnen ſchicke, enthält meine Weite.

Sie ſeben, was ich Alles für ſie thu, und ich hoffe, ich werde es nicht bereien müſſen. Ich denk ſie werden röthliche Abſichten haben. Ich habe mit meinem Vater geredt. Er war nicht bös und läßt ſie auf künftigen Sonntag zum Eſſen einladen. Kom⸗ men ſie gewiß und zu rechter Zeit, daß in der Kuchel nichts an⸗ brennt, zu ihrer Nette.

Ich muß Kurzen zur Ehre nachſagen, dieröthlichen Ab⸗ ſichten und das Hindeuten derſelben auf eine ernſtliche Verbin⸗ dung machten ihm bange, und er zog uns über die ganze Sache zu Rathe. Wir, die wir wußten, daß es keine Gefahr habe, for⸗ derten ihn auf, die Einladung des Papa anzunehmen; er könne