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irere Pariſe doch jetzt auf darſche Abwei⸗ rend ſic jett und ihn mit ein deutſcher armes Kind, rte der Kuabe rafen zu Fü⸗ ein freudiges ſei Dank! mit
een am Stricke miger Waſſer⸗ ohend vor das Sie müßten habe, daſſelbe und er wolle „etwa weiter und Beine zu rung, welcher olge leiſten zu lebhafte als in verweinten blauen Augen en und drang er de Döache der verſammel plötzlich eintee N der Meeres⸗ aller Tumult graf das Wort tand bei dem ohne Geräuſch auch ihrerſeitt
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um Laſten zu
uu die Litetatul
Nr. 20.]
„Der Knabe iſt aus Deutſchland,“ begann nach einer geraumen Weile mit lauter ſonorer Stimme der Graf, „ſein Vater, ein Weber, verſank durch Krankheit und andere Unglücksfälle immer tiefer in Noth und Elend, aus dem es ihm, bei dem hartherzigen Druck des Fabrikanten, für den er arbeitete, nicht gelang, des angeſtrengteſten Fleißes ungeachtet, ſich wieder emporzuhelfen, vielmehr wurde ihm ſeine ärmliche Hütte zur Berichtigung rückſtändiger Steuern und Abgaben von Obrigkeitswegen verkauft, und er ſah ſich und die Seinigen rückſichtslos hinausgeſtoßen, arbeits⸗ und obdachslos“—(Allgemeines Murren)—„da erin⸗ nerte er ſich, daß vor Jahrzehnten ein Bruder als Nadler auf die Wanderſchaft gegangen, ſich hier in Paris anſäſſig gemacht und während dieſer Zeit auch mehrmals in die Heimath geſchrieben, wie es ihm hier ganz wohl ergehe. Wenn nun auch ſeit dem letzten Schreiben des Bruders bereits einige Jahre verfloſſen, ſo richtete er doch in ſeiner entſetzlichen Bedrängniß ſeine einzige Hoffnung auf dieſen. Hier galt kein langes Beſinnen, der letzte Reſt ſeiner ge⸗ ringen Habe, der ihm noch übrig geblieben, ſein Webeſtuhl, wurde verkauft, und theils hungernd, theils darbend, theils auch unterwegs von mildthätigen Seelen unterſtützt, pil⸗ gerte er mit Frau und Kind zu Fuß aus der Heimath⸗ ſtadt, in ein fremdes Land, deſſen Sprache er ſelbſt nicht kundig war. Glücklich erreichte er jedoch Paris, ermittelte aber erſt nach vielem Hin⸗ und Herfragen, daß der Bruder nur vor wenig Monaten, weib⸗ und kinderlos, plötzlich mit Tode abgegangen ſei. Nachbarn des Verſtorbenen wollten zwar wiſſen, daß derſelbe ein ſparſamer und vermöglicher Mann geweſen, aber über ſeinen Nachlaß war keine Aus⸗ kunft zu erhalten; denſelben hatte die Obrigkeit an ſich genommen, wo er jedoch verblieben, ließ ſich nicht ermit⸗ teln“—(Laute Aeußerungen des Mißfallens)—„die noch mitgebrachte ſehr geringe Baarſchaft wurde während der auf die Nachforſchungen verwandten Zeit vollends aufgezehrt, in dem großen fremden Orte fand ſich nicht
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ſofort Ausſicht auf Erwerb, da erkrankte zur Vermehrung der Noth die Mutter. Der Knabe verkaufte heimlich ſei⸗ nen einfachen Anzug, um der leidenden Mutter einige Er⸗ quickung zu verſchaffen, und erhielt einige Lumpen geſchenkt, um wenigſtens nothdürftig ſeine Blöße zu bedecken.“
Allgemeines Bravo ertönte ringsum; die Augen mehrerer mit herangetretener Frauen und Mädchen füllten ſich mit Thränen der Rührung; von allen Seiten öffneten ſich die Börſen, um das Wort wahr zu machen, mit dem der Herr ſeinen himmliſchen Segen den Kindern verheißen, die Vater und Mutter ehren.
„Heute Morgen,“ fuhr der Graf fort,„trieb der Hun⸗ ger den Kleinen auf die Straße, er hoffte im gläubigen Vertrauen auf Gott, der die hungrigen Raben ſpeiſt und die Lilien auf dem Felde kleidet, daß er auch ihm eine wohlthätige Seele zuſenden werde. So wanderte er weiter und weiter, endlich eilt ein junger, wohlgekleideter Mann mit einem Pack bedruckter Quartblätter unter dem Arme an ihm vorüber; dieſen bat er um eine milde Gabe. Der⸗ ſelbe verſtand, wenn auch nicht die Sprache, doch die flehende Pantomime, blieb ſtehen, lächelte, drückte ihm nach kurzem Bedenken etwa ein Hundert ſeiner Quart⸗ blätter in die Haud und eilte dann weiter. Wenige Augen⸗ blicke nachher trat ein ältlicher Herr, der dieſe Ueberlieferung wahrſcheinlich von fern mit angeſehen hatte, an den Kna⸗ ben heran und fragte ihn, was er da habe. Der Junge errieth den Sinn der Frage, wenn er ſie auch nicht ver⸗ ſtand, und reichte ihm eins der Blätter. Der alte Herr nahm das Papier, las, lachte laut und immer lauter, gab dem Buben höchlichſt vergnügt ein Silberſtück, ſteckte das Blatt ein und ging ſeines Weges. Eine bejahrte ſchlichte Bürgersfrau, welche den alten Herrn ſoeben vergnügt hatte lachen ſehen, kam heran, nahm ein zweites Exemplar, las, lachte gleichfalls laut auf, drückte dem Colporteur wider Wiſſen freundlich zwei Silbermünzen in die Hand ſund rief dann zwei Herren herbei, die gleichfalls Blätter
gleich Zehnpfündern. Da dies mehre Tage dauerte, ſo beſchloſſen wir uns auf Koſten unſeres verliebten Gecken zu unterhalten, und wir kamen überein, ihm in Nettchens Namen(ſo hieß die Mehler⸗ zeugte) ein Briefchen zu ſchreiben.
Ich übernahm die Correſpondenz, und noch an demſelben Mittag brachte der Briefträger Kurzen ein Billetchen auf roſen⸗ rothem Papier und mit den gehörigen orthographiſchen Fehlern ausgeſtattet, um die Sache ganz wahrſcheinlich zu machen, folgen⸗ den Inhalts:
„Wollgeborner Herr! Ich bemurke, daß ſie mich immer ſo keck anſchauen und das iſt nicht ſchön von ihnen. Sie wollen mich combromidiren— o Mansbilder! was ſeid ihr für Innſekten! Ich bitte ſie Herr von Kurz treiben ſie das Anſchauen nicht länger fort, denn ich halt's nicht aus. Nette.
N. S. Wenn ſie mich beantworten wollen, ſo ſchicken ſie den Prif nicht in den Laden ſondern ſchreiben ſie mir boſt reh ſtante, ich werde ſchon hinſchicken danach.“
Ich kann Kurzens Geſicht nicht beſchreiben, als er dieſen Brief erhielt. Er bekam ihn um 2 Uhr und las ihn noch um 7 Uhr Abends. Wie wir wohl vermutheten, ſo fanden wir ſchon am folgenden Morgen eine Antwort auf der Poſt, womit ich meine Leſer verſchonen will, da ſie volle vier Seiten hatte.
Nun folgte ein neuer Brief Nettchens, in welchem das ſchüch⸗ terne Kind nicht die Kraft hatte, ſich über Alles das, was ihr der liebenswürdige Böſewicht geſagt hatte, böſe zu zeigen, aber in welchem ſie ihre beſcheidenen Zweifel über die Treue des glücklichen Commis ausdrückt. In einem Poſtſcriptum, wie bei dem erſten
Brief, wird um Frankirung der Briefe erſucht, die Correſpondenz
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konnte ſich verlängern, und es war natürlich, daß er die Koſten davon bezahle. Nichts war nun komiſcher als Kurz, wenn er vor Nettchens
Laden vorüberging und im Selbſtgefühl ſeines Sieges Blicke des Einverſtändniſſes auf das Mädchen warf und telegraphiſche Zeichen ſeiner Liebe gab, indeſſen jene gar nicht darauf achtete oder, wenn ſie es zufällig bemerkte, ſich umwendete, um herzlich zu
lachen. In der Freude ſeines Herzens konnte Kurz ſein neues Aben⸗ teuer nicht bei ſich behalten, der Glückliche will ſich mittheilen.
Er erzählte uns alſo Alles und machte uns auch zu Vertrauten des ganzen Ganges. Um uns etwas für die Mühe ſchadlos zu halten, welche uns Nettchens Briefe verurſachten, glaubten wir, es ſei billig, daß uns der glückliche Kurz einmal ein recht gutes Mittagsmahl be⸗ zahle, und kamen durch folgende Liſt dazu.
Eines Tages, als er uns den letzten Brief Nettchens zeigte, ſagte ich kopfſchüttelnd zu ihm:„Lieber Kurz, ich weiß nicht, aber der Styl Deiner Geliebten kommt mir in dieſem Briefe weniger zärtlich vor, als in den vorhergehenden.“
„Ach! was fällt Dir ein?“ antwortete er lächelnd und las uns den Brief noch einmal vor, indem er auf jedes Wort einen eigenen Nachdruck legte.
„Ach ja,“ fuhr ich fort, Feuer, nicht mehr jene Leidenſchaftlichkeit, Euerer Correſpondenz aus jeder Zeile ſprach. Ich meine, Deine Geliebte wird kälter.“
„gewiß, es iſt nicht mehr daſſelbe welche beim Anfange Kurz,
„Nichts wird ſie kälter, heftiger wird ſie,“ ſchrie Kurz.


