308 Nach einigen dem Polizeimann entfallenen Aeußerungen und nach dem Umſtande, daß derſelbe dem Kuaben die Hände mit einem Stricke gebunden, wollte man dieſen Muthmaßungen nicht beiſtimmen; vielmehr wurde die An⸗ ſicht ausgeſprochen, daß irgend ein politiſcher Beweggrund bei dieſer Verhaftung obwalten müſſe, denn an einen be⸗ gangenen Diebſtahl oder ein ähnliches Verbrechen als die Urſache deſſelben wollte Niemand glauben. In dieſer Vorausſetzung eines politiſchen Motivs ſchienen Alle
Uovellen-Zeitung.
IVIII. Jahrg.
Hatten auch bereits früher ſchon mehrere Pariſer gleichartigen Beſcheid erhalten, ſo erhob ſich doch jetzt auf
dieſe einem eleganten Fremden ertheilte ſo barſche Abwei⸗
ſung ein lautes Murren des Unwillens, während ſich jetzt Magnus an den Knaben ſelbſt wendete und ihn mit freundlichem, Vertrauen gewinnendem Tone in deutſcher Sprache fragte:„Nun, ſo ſage Du mir, mein armes Kind, was haſt Du denn verbrochen?“ Kaum hörte der Kuabe die Laute ſeiner Mutterſprache, als er dem Grafen zu Fü⸗
gleichſam nur auf Einen zu warten, der ihnen das Signal ßen fiel, die Hände gefaltet emporhob und, in ein freudiges
gebe, das Kind, deſſen heiße Thränen und lautes troſtloſes V Jammern die allgemeine lebhafteſte Theilnahme erregt hatte, aus den Händen des Schergen der dem Volke ſo ver⸗ haßten Polizeigewalt zu befreien.
Dieſe Stimmung ſchien dem Vorhaben des Grafen allerdings ſehr günſtig, allein einerſeits nahm er denn doch billigen Anſtaud, durch irgend eine Voreiligkeit vielleicht einen erſichtlich aur zu leicht erregbaren Tumult hervor⸗ zurufen, und andererſeits wollte er denn doch auch vorher gern eine Gewißheit darüber erhalten, worin eigentlich das Vergehen ſeines kleinen Landsmannes beſtehe, ehe er den Verſuch mache ſich deſſelben thätig anzunehmen. Hatte der Knabe wirklich ein gemeines Verbrechen begangen, etwa einen Diebſtahl oder dergleichen, ſo beſchloß er ihn ohne Weiteres ſeinem ferneren Schickſale zu überlaſſen. Er drängte ſich daher durch die immer wachſenden und immer lauter werdenden Volkshaufen vorwärts, wo man ihm, da
Schluchzen ausbrechend, ausrief:„O, Gott ſei Dank! mit Ihnen, lieber Herr, kann ich doch nun reden.“
Der alte Polizeimann wollte den Knaben am Stricke auf und mit ſich fortreißen, allein ein ſtämmiger Waſſer⸗ händler rief ihm, die geballten Fäuſte drohend vor das Geſicht ſtreckend, ein donnerndes Halt zu. Sie müßten erſt wiſſen, erklärte er, was das Kind gethan habe, daſſelbe ſtehe jetzt unter dem Schutze des Volkes, und er wolle
ihm daher rathen, ſich nicht zu unterſtehen, etwa weiter
Gewalt zu gebrauchen, ſonſt habe er Arme und Beine zu riskiren. Dieſe etwas ſehr energiſche Erklärung, welcher der Polizeimann denn doch nothgedrungen Folge leiſten zu müſſen glaubte, erhielt ein allgemeine, ebenſo lebhafte als beifällige Acclamation. Man wollte in dem verweinten Geſichtchen des Kindes und in deſſen großen blauen Augen eine ſichere Bürgſchaft ſeiner Unſchuld finden und drang nun ſtürmiſch in Magnus, den Knaben über die Urſache
er vorhin geäußert, der Knabe ſei, wie er, ein Deutſcher, ſeiner Verhaftung zu befragen und dieſelbe der verſammel⸗
und dies ſich mit Blitzesſchnelle unter der Menge ver⸗ ten Menge mitzutheilen.
Wie bei einer plötzlich eintre⸗
breitete, mit der größten Bereitwilligkeit Platz machte, bis tenden Windſtille ſich das dumpfe Brauſen der Meeres⸗
er den finſter blickenden Polizeimann erreicht hatte.
An wogen beſchwichtigt, ſo legte ſich auch hier aller Tumult
dieſen richtete er nun eine beſcheidene Anfrage über das und Gemurmel, als nach einer Weile der Graf das Wort Verſchulden des kleinen Arreſtanten, erhielt jedoch die ergriff. Eine gewiſſe feierliche Stille entſtand bei dem
ebenſo trotzige als unhöfliche Entgegnung,
daß er weder eben noch ſo erregten Haufen, und möglichſt ohne Geräuſch
Zeit noch Luſt habe, jedem Narren Red' und Antwort über drängten die Hinterſten nach vorwärts, um auch ihrerſeits
Dinge zu geben, die Niemanden etwas angingen.
kein Wort zu verlieren.
Feuilleton.
— See
Humoriſtiſches von Caſtelli.
Dieſer überaus fruchtbare Schrifſteller, der bekanntlich vor Kurzem in hohem Greiſenalter ſo plötzlich verſtorben iſt, wird für ſeine Memoiren in vier Bänden bei uns nicht, wie in Oeſterreich die weiten Leſerkreiſe finden, die manche intereſſante Einzelheit darin verdient. Mit Staunen muß man den leichten kurzen Styl und die geiſtige Friſche bewundern, mit welcher der bejahrte Mann heitere Kleinigkeiten darzuſtellen weiß. Man iſt ſeiner beweglichen Feder dieſe Anerkennung ſchuldig, um ſo mehr, da er von ſich nie anmaßend und in ſtolzer geiſtiger Meinung ſpricht.
So erzählt er in ſeiner allerletzten Edition einen ſehr komi⸗ ſchen Jugendſcherz folgendermaßen:
„Unter den jungen Leuten, welche mit mir jene glückliche Zeit verlebten, wo man Alles roſenfarben ſieht, über einen Graben ſpringt, anſtatt vorſichtig darüber zu ſchreiten, weder Hitze noch Zugluft ſcheut, kurz wo man eigentlich nur lebt, um das Leben auf das Spiel zu ſetzen, war auch Einer, den wir zum Stichblatte all unſerer Scherze machten. Er war, was man einen guten Kerl nennt, und das iſt eigentlich das beſte und einzige Lob, was man ihm geben kann. Er war einfach und einfältig und unwiſſend.
Die Natur hatte ihn mit einem Rücken erſchaffen, um Laſten zu tragen, er aber hatte ſich mit all ſeiner Schwere auf die Literatur gelegt und war— Commis in einer Buchhandlung geworden. Was ſein Phyſiſches betrifft, ſo hatte er außer jenem großen Rücken einen großen Kopf, große Augen, eine große Naſe, große Lippen, alles dieſes mit großen Pockennarben durchlöchert. Mit allem dieſem kann man ein ſehr braver Menſch und ein brauch⸗ barer Buchhandlungs⸗Commis ſein. Das war er auch, denn ſein Principal rühmte von ihm, daß er es aus der Kunſt verſtehe, die bei ihm verlegten, aber leider verlegenen Bücher an Mann zu bringen; aber unſer Mann beſaß dabei auch eine ziemliche Por⸗ tion Eigenliebe, und eine dito Anmaßung, welche zu dem Bilde, das ich eben von ihm entworfen habe, nicht paßten. Er hielt ſich für den Gegenſtand der verliebten Blicke und Wünſche aller Mäd⸗ chen, und wenn er uns ſeine verliebten Abenteuer erzählte, ſo nannte er ſich ſelbſt einen Schmetterling; jetzt bitte ich um des Himmels willen ſich einen ſolchen Schmetterling zu denken.
Seit einiger Zeit hatten wir bemerkt, daß unſer Camerad, den ich Kurz nennen will, auf ein kleines, junges, liebliches Bäckermädchen, welche immer im Laden ihres Vaters ſaß und Brod verkaufte, ſeine verliebten Blicke ſchoß und Seufzer ausſtöhnte
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