Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
302
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war. Er ging daher, dem erhaltenen Befehle nachkom⸗ mend, unter Abhaltung des Feindes der allgemeinen rück⸗ gängigen Bewegung der Armee zu folgen, nach Umſtänden, in möglichſter Ordnung mit dem Regimente zurück, vom 4. feindlichen Huſaren⸗Regimente lebhaft umſchwärmt, ſo⸗ bald es ſich wieder geſammelt hatte.

Oberſt Schrader machte, ſobald er in der Nähe der Brücke angekommen, den General Mackenzie, welcher mit ſeiner Brigade, wie oben erwähnt, den Rückzug zu decken hatte, darauf aufmerkſam, daß jetzt für ihn der Augenblick gekommen ſei, der Armee zu folgen. Doch der alte Schotte, der ſich in ſeiner Ruhe nicht ſtören ließ, brachte die Armee dadurch in die größte Gefahr, obgleich nicht zu leugnen, daß man mit Bewunderung die kalte Entſchloſ⸗ ſenheit betrachtete, mit welcher der alte Held ſeine retro⸗ graden Manöver wie auf Parade vollbrachte. Schon hatte die feindliche Reiterei ſeine beiden Flanken erreicht, als er endlich Quarrés formiren und, weil in großer Nähe, wirkſam auf ſie feuern ließ, wobei er durch das verheerende Feuer der Batterie unterſtützt wurde, welche den Feind mit Kartätſchen und Hohlkugeln ſehr nachdrücklich empfing. Dadurch wurde namentlich das 13. Küraſſier⸗Regiment, welches in kurzer Zeit eine Menge Pferde verlor, ſtutzig gemacht, ſo daß es eine kurze Zeit in ſeinem Aufdräugen anhielt. Dieſen Moment benutzte Oberſt Schrader zu einem wohlgeordneten ſo nachdrücklichen Angriff auf das Regiment, daß es gänzlich geſprengt und über den Haufen geworfen wurde. Es war die glorreichſte That des Re⸗ gimentes während des ſpaniſchen Feldzuges, und es zeichnete ſich dabei die 2. und 4. Schwadron, welche auch den be⸗ deutendſten Verluſt erlitten, ganz beſonders aus. Die 2. wurde vom Rittmeiſter von Erichſen, jetzt General⸗ Lieutenant und Commandant von Braunſchweig, die 4. von dem ſchon vorhin genannten tapfern Major von För⸗ ſter commondirt.

Der Feind ſtand augenblicklich von weiterer Verfol⸗ gung ab. Ungehindert konnten noch alle jeuſeits der Brücke befindlichen Truppen ungeſtört den Uebergang be⸗ werkſtelligen, worauf dieſe geſprengt wurde, wozu bereits die Vorkehrungen getroffen waren. Der vom Oberſt Schrader mit'ſo glücklichem Erfolg gekrönte letzte Angriff rettete die Brigade Mackenzie von der Gefangenſchaft. Hätte das braunſchweigiſche Huſaren⸗Regiment das Un⸗ glück gehabt, geworfen zu werden, ſo würde unſere Reiterei zur eigenen Rettung unſere Infanterie über den Haufen geritteu haben, und dieſe wäre dann die ſichere Beute des

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Feindes geworden. Lord William Bentinck erkannte dieſes in ſehr ehrenvoller Weiſe an. Gleich nach der für uns ſo glänzend ausgefallenen Affaire, welche dem Regimente 44 Mann und 37 Pferde, 1 todten und 2 verwundete Officiere gekoſtet hatte, begrüßte er den Commandeur der ſchwarzen Huſaren mit den Worten:Oberſt! Ich bin Ihnen tief verpflichtet. Sie haben mir durch Ihren letzten tapfern Angriff eine ganze Brigade erhalten.

Der damalige Oberſtlieutenant oder Oberſt Bugeaud wurde an dem Tage zum Brigade⸗General ernannt. Marſchall Suchet, der tapfere Herzog von Albufera, aber äußerte ſich, als er nach Villafranca zurückkehrte, über das Gefecht gegen die gefangenen Officiere mit den Wor⸗ ten:Il faut convenir que Lord William Bentinck a fait une belle retraite et nous a beaucoup échauffés avec sa cavalerie.

Vierzig Jahre ſpäter ſaßen Abends nach der Alma⸗ ſchlacht franzöſiſche und engliſche Officiere, die am Tage gegenſeitig die von den Verbündeten bewieſene Tapferkeit bewundert hatten, in brüderlicher Eintracht um ein Wacht⸗ feuer. Unter ihnen befanden ſich zwei Veteranen aus den ſpaniſchen Kriegen. Es waren der Oberſtlieutenant Chandler vom 57. engliſchen Linien⸗Regimente und Major Reynier, Commandant eines Zuaven⸗Bataillons, die ſich von ihren Kriegsthaten erzählend bei einem zum öfteren gefüllten Punſchnapfe denn Bowlen gab's nicht gütlich thaten. Da kam es denn auch heraus, daß Chandler während der Nachtſchlacht auf dem Col de Ordal als Cadett im 2. Bataillon des 27. Regimentes und Major Reynier, der eben damals aus der Militärſchule bei der Armee in Spauien angekommen, als Souslieute⸗ nant bei einer der Voltigeur⸗Compagnien geſtanden, die zu der erſten vom Oberſt Bugeaud befehligten Sturmcolonne gehörten. Beide hatten damals, ohne in der dunkeln Nacht einen Blick von einander zu haben, als grimmige Feinde einander gegenüber geſtanden. Beide wurden damals verwundet; Major Chandler aber wurde gegen Morgen ermattet von Blutverluſt pon einer Seitenpatrouille unter einem Felſenhange gefunden und zum Gefangenen gemacht. Während Berg und Thal wie das Sprüchwort ſagt, nicht zuſammenkommen, ſo begegnen ſich dafür Menſchen nicht ſelten an Orten und in Gegenden, woran keiner von ihnen gedacht hat. Es iſt beſonders bei Individuen aus den europäiſchen Heeren der Fall, die in unſerm Jahr⸗ hundert die Völkerwanderungen, wenn auch in anderer Weiſe als die Vorgänger, erneuert haben!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Die Mißachtung gegen die Frauen von Seite der Literatur.

Unſere Zeit wird von der Lyrik verfolgt, und unſere Zeit verfolgt umgekehrt die Lyrik, das heißt, ſie iſt gar nicht mit jenen Erzeugniſſen zufrieden, welche man mit ihrem Wappen des Tages ſtempelt.

Die Gegenwart hat eine durchaus realiſtiſche, mate⸗ rielle Richtung und daneben eine ſtreng wiſſenſchaftliche, zu der noch mehr und mehr ein politiſches Element hinzutritt. Ein ſehr geiſtreicher, erfahrener Freund, der gewohnt iſt, de Schrittgang der Culturepochen mit ſeiner ſcharfen Auffaſſung voranzuſchauen, ſagte kürzlich ſehr treffend:

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