den Rittmeiſter Freiherrn von Wulffen nicht ab, ſeiner Schwadron einen großen Freundſchaftsdieuſt zu erweiſen. Er ertheilte mir Auftrag, einer von mir frühzeitig entdeck⸗ ten Marketenderin, der kühnen Frau eines unſerer Huſaren, die bis dahin nie verfehlt hatte, der Schwadron vor Beginn einer Affaire einige Fäßchen Agua Radiente auf ihrem Maulthiere zuzuführen, den ganzen Schnapsvor⸗ rath abzukaufen und glasweiſe an die Leute zu vertheilen. Ein Stück halbgares Hammelfleiſch von den am vorher⸗ gehenden Abend empfangenen Rationen nebſt etwas har⸗
tem Schiffszwieback gab mit den wiederholten Schlückchen,
die faſt dreimal an den Mann kamen, ein eben ſo unver⸗ hofftes als herzſtärkeudes Frühſtück. Als die Huſaren wieder aufſaßen, hatten ſie ganz andere Geſichter als ein Stündchen vorher. Man ſah es ihnen an, daß ſie eine gute Klinge führen würden, wenn zum Marſch! Marſchl! das Signal ertönen würde. Frau Buſe, die muskulöſe rothwangige Amazone, die ihrem Vaterlande Schleſien zur Ehre gereichte, verſchenkte ihren Agua Radiente bis zum letzten Tropfen, und ließ ſich durch die Kugeln, die pfeifend aus immer größerer Nähe über uns wegflogen, in ihrem ſoldatenfreundlichen Wirken nicht irre machen. Erſt als eine Granate ſich dicht vor ihren Füßen im Sande krei⸗ ſelte und ihr treues Saumthier ſo wie ſie ſelbſt mit Erde und Maiskolben überſchüttete, wollte es mir doch, nach der von ihren Wangen etwas weichenden Röthe zu urtheilen, faſt erſcheinen, als wenn ihr das Spiel etwas zu ernſthaft würde.„Es gehe Euch gut, Kinder; geb' Gott, daß wir uns heute Abend im Bivouak munter Alle wiederſehen!“ mit dieſen Worten ſchwaug ſie ſich zwiſchen die leeren Tönnchen auf ihr Mulo, lüftete den mit bunten Federn ge⸗ ſchmückten Hut und trabte hinter die Front.
Lord William Bentinck, der ſich indeſſen durch einen ruhigen Ueberblick überzeugt hatte, daß es bei der von der Armee in offener Gegend eingenommenen Stellung nicht
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Feinde in eine förmliche Schlacht einzulaſſen, gab Befehl zum Rückzuge. Nach einem ſehr wirkſamen Geſchützfeuer, welches gegen beide Flügel des Feindes unterhalten wurde, um ihn vom raſchen Umgehen unſerer beiden faſt in der Luft ſchwebenden Flügel abzuhalten, kam unſer zweites Treſſen ins Feuer, während ſich die Diviſion Clinton in V ſo gemeſſenem Schritt wie auf dem Exercirplatz durch die Batalllonsintervalles zurückzog. So manöpvrirte es unter dem Schutz der Reiterei ruhig und, wenn wir Stellung ge⸗ nommen, unter nachdrücklichem Feuern theils durch Villa⸗ franca, theils die Stadt zu beiden Seiten unggehend, bis es ſich nach einer halben Stunde auf vortheilhafterem Terrain in der Nähe des Städtchens Arbos, durch tiefe Gräben gedeckt, wieder in neuer Schlachtorduung auf⸗ ſtellte.
Das ganze Commiſſariat und ſämmtliche Vorräthe an Lebensmitteln waren gleich nach der Nachricht von dem die Avantgarde betroffenen Mißgeſchick auf der Straße nach Taragona zurückgeſchickt. Kurz vor Arbos war der Marſch dieſer zahlreichen Bagage⸗Colonue ins Stocken ge⸗ rathen. Um Verluſte und jede Verwirrung zu verhüten, mußte auf dieſem Punkte unter jeder möglichen Anſtren⸗ gung dem raſch nachrückenden Feinde weuigſtens für Stun⸗ den ein feſter Damm entgegengeſtellt werden. Der Feind, deſſen Vorhut fortwährend vom Oberſt Bugeaud befeh⸗ ligt wurde, bot ſeinerſeits Alles auf uns zu überflügeln, noch ehe wir Arbos erreichten, um wo möglich der ganzen engliſchen Armee eine Niederlage zu bereiten, wie ſie deren Avantgarde in der vorangehenden Unglücksnacht erlitten hatte.
Der Kampf fand jetzt in ſolcher Nähe ſtatt, daß man aus den Staubwolken und dem Pulverdampf, welcher die Kämpfenden einhüllte, mitunter ganz deutlich das franzö⸗ ſiſche Commandowort vernehmen konnte. Zwei feindliche Batterien, die, ſobald Villafranca von den Verbündeten
rathſam ſein würde, uns mit dem ſo bedeutend überlegenen
geräumt war, in Carridère durchpaſſirt waren, eröffneten
der höchſten Sanftheit und gewöhnt ſich an den Menſchen wie der Hund oder die Katze. Eine alte blinde Ratte, welche vor
Alter faſt weiß war, hatte die Gewohnheit angenommen, ſich in
unſerer Küche neben dem Heerde niederzulaſſen, und ſtand ſelbſt mit ihrer Feindin, der Katze, in freundſchaftlichem Vernehmen;
die Dienerſchaft hatte ſie liebgewonnen, und ſo lebte ſie in Sicher⸗
heit, bis ſie eines Tages den Krallen eines fremden, nicht in's
Haus gehörigen Katers erlag. Man braucht die Ratte nur näher
zu betrachten, um die Feindſchaft und den Widerwillen zu über⸗
winden, die man gegen ſie hegt. Gibt es etwas Eleganteres als
den langen zugeſpitzten Kopf des niedlichen Nagethieres, ſeine
lebendigen Augen, ſeinen intelligenten Blick, ſein ſeidenes Fell?
Welche graziöſe Attitude, wenn ſie ſich ernſthaft auf das Hinter⸗
theil niederſetzt und ihren Bart leckt! Nur der Schwanz iſt ein
Amhängſel, welches wenig zu ihrem Vortheil ſpricht, wenn man⸗
ihn mit dem dichten Federbuſch des Eichhörnchens vergleicht; und
gewiß wünſchten die Damen, dieſe vollkommenen Weſen, deren Geſchmack, ja ſelbſt deren Vorurtheile wir reſpectiren müſſen, eine
Crinoline über dieſes unglückſelige Anhängſel gebreitet zu ſehen, damit ſie nicht an die fatale Verwandlung der Meluſine erinnert
werden.
In einem Artikel über die Ratten in Bentley's Miscellany finden wir eine Erzählung von einer gezähmten Ratte, welche beweiſt, daß dieſes Thier ſeinem Herrn auch Dienſte leiſten und in ſeinem Gehorſam in Frieden leben kann. Dieſe geſellige Ratte gehörte einem Omnibusconducteur, welcher ſie einſt beim Heuum⸗ wenden gefangen hatte. Er verſchonte ſie, weil ihr Fell zur Hälfte von weißer Farbe war(doppelte Farben und doppelte Geſichter leiſten manchmal recht gute Dienſte). Das zweifarbige Thierchen
wurde zahm und der Liebling der Kinder. Des Abends ſtreckte es ſich mit ſybaritiſchem Behagen neben dem Feuer hin, und wenn die Nächte kalt waren, verbrachte es dieſelben mit in dem Bette ſeines Herrn. Bei Tage jedoch mußte es ſich nützlich machen und auf den Zuruf: Allons Ikey!(ſo war ſein Name) ſprang es in die große Taſche des Conducteurs, von wo es ſich in das Wagenzelt des Omnibus begab. Das Geſchäft der Ratte beſtand darin, die Zehrung ihres Herrn zu bewachen, und wenn Jemand verſuchte, ſich daran zu vergreifen, ſo ſprang ſie aus dem Heu, in welchem ſie ſich verborgen hielt, auf den Dieb los. Ein Gericht aber gab es, welches zu bewachen ihr nicht möglich war. Als echt engliſche Ratte konnke ſie einem Plum⸗Pudding gegenüber der Verſuchung nicht widerſtehen, und da ſie von dieſem Nationalgerichte Nieman⸗ dem einen Antheil gönnte, ſo machte ſie ſich ſelbſt darüber her. Dieſes Beiſpiel, daß eine Ratte gleich einem Hunde gewöhnt wurde, ſteht nicht vereinzelt da, und wir könnten mehr als eine Anekdote zum Beweiſe dafür anführen, wie empfänglich die Ratte für Abrichtung iſt, wenn ſie von dem Menſchen gut behandelt wird. Aber es ſcheint, als ob ſie außer ihren andern vielen Fähig⸗ keiten von der Natur auch mit dramatiſchem Genie begabt worden ſei. Wir haben abgerichtete Flöhe geſehen, wir haben den unglück⸗ lichen Jocko die auvergnatiſchen Künſtler auf der Drehorgel nach⸗ ahmen geſehen, auf allen Meſſen trifft man Hundetheater an, aber hat man je von einer Ratte gehört, welche im Stande wäre, eine Tragödie aufzuführen? Vor einigen Jahren widmete ein belgiſches Journal ſein Feuilleton einem vollſtändigen Trauerſpiel, deſſen ſämmtliche Rollen von Ratten ausgeführt und mit einem merkwürdi⸗ gen Verſtande wiedergegeben wurden. Die mimiſche Gruppe ließ ihren Director nur in einer einzigen Scene im Stich, in welcher eine
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