Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
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um jene übermüthigen Eindringlinge fern zu halten, denen das Kriegsgeſchick in Italien das Spiel ſo überraſchend leicht machte.

Unſer Regiment die braunſchweigiſchen Huſaren lagerte auf den Gehöften der Meierei von S. Pedro

Moraete, an der von Madrid nach Barcelona führenden

Straße. Ungewöhnlich ermüdet durch einen bei ſtarker Hitze über das ſteile Gebirge nach Villa Nuova hin und zurück gemachten Ordonnanzritt, hatte ich mich gegen 10 Uhr Abends in der Nähe meines Pferdes zur Ruhe gelegt. Es waren theils die Bilder einiger heiteren Er⸗ lebniſſe des Tages, theils eine ſeltſame aus genauer Kennt⸗ niß des Terrains hervorgehende, mich immer wieder be⸗ ſchleichende Ahnung, daß die ohne hinreichende Verbindung auf dem ſechs Stunden von uns eutfernten Col de Ordal aufgeſtellte Avautgarde ein unvorhergeſehener Unfall be⸗ treffen könne, welche mich mit kurzen Unterbrechungen wach erhielten. Eine Stunde mochte in dieſem Zuſtande verfloſſen ſein, als ich eine oft wiederholte, von nachrollen⸗ dem Donner begleitete Erſchütterung des Bodens unter mir wahrnahm. Nachdem ich, zum klaren Bewußtſein ge⸗ kommen, dieſen ſich wiederholenden Erſchütterungen einige Minuten meine Aufmerkſamkeit gewidmet hatte, merkte ich bald aus langer Erfahrung, daß es Geſchützdonner war, der durch die Stille der Nacht in der Richtung der Gebirge von Ordal zu unſerem Poſteu herüberdrang. Ich hatte mich nicht geirrt; eine Stunde ſpäter erhielten wir die Nachricht vom blutigen Drama, welches auf dem ver⸗ hängnißvollen Col in der ſchönen lauwarmen, aber finſteren Nacht des 12. September aufgeführt, das glänzende Reitergefecht nach ſich zog, wodurch die Ehre des unglück⸗ lichen Tages an: 13. bei Villafranca gerettet wurde.

Der Feind hatte die Stellung des Brigadiers Adams

auf dem Col de Ordal, welche man bei der faſt ſteilab⸗ ſchüſſigen Lage des Gebirges, ſobald nur die Hauptſtraßen im Thale gehörig beſetzt waren, für unangreifbar gehalten

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

(hatte, auf einem kaum gangbaren Fußſteige umgangen und trotz aller Hinderniſſe nach langem, blutigem Kampfe forcirt. Dem kühnen General Mesclops war es gelungen, auf teigen, die man für Infauterie kaum zugänglich hielt, ſogar mit leichten Geſchützen in den Rücken der Verbün⸗ deten zu fallen, während General Harispe, auf der großen Straße vordringend, unter Zerſtörung der Verhacke ſie in der Front angegriffen und ſeine Reſerven in den am Ausgange des Moulins del Rey ausmündenden Defilés aufgeſtellt hatte, um den Verlauf des kühnen Unternehmens zu erwar⸗ ten. Während der auf dem Col herrſchenden Verwirrung, wo anfänglich eins unſerer Bataillone auf das andere ſchoß, indem Alles, was ſich im Rabendunkel der Nacht näherte, für einen Feind gehalten wurde, gelang es den Franzoſen, ſich auch des letzten Verhaues und dadurch der Brücke im tiefen Thale zu bemächtigen.

Es war der damalige Oberſt Bugeaud, der es ſich bei dem Marſchall Suchet als beſondere Ehre erbeten hatte, die Avantgarde des Corps zu führen, um womöglich eine Schlappe zu rächen, die er mit ſeiner Grenadierbrigade

am 13. April in der Schlacht bei Caſtella durch das 2. Bataillon des 27. engliſchen Linien⸗Regimentes erlit⸗ ten hatte, welches nicht aber das ganze Regiment in einer Stärke von gegen 700 Mann einen Theil der briti⸗ ſchen Avantgarde ſchon ſeit mehreren Monaten ausmachte. Die Niederlage des rechten feindlichen Flügels, bei der ſich Bugeaud's ſtürmende Grenadiercolonne in jener Schlacht befand, war damals ſo vollſtändig, daß die ge⸗ ſammte feindliche Reiterei, die ſchon ſo gut wie abgeſchnit⸗ ten war, in unſere Hände gefallen ſein würde, wenn Sir John Murray, damaliger Oberbefehlshaber der alliirten Armee, den Augenblick zu benutzen verſtanden hätte. Marſchall Suͤchet ſelbſt war nach Ausſage der Ge⸗ fangenen erſchüttert, da er nichts weniger als ſolchen Aus⸗ gang eines Unternehmens erwartet hatte, welches darauf berechnet war, die eugliſche Armee, wenn nicht nach dem

ehrenhaftes, aber wahrſcheinlich armſeliges Leben geführt haben, wenn er auch Beweiſe von Fähigkeit gegeben hätte. Aber der Com⸗ poniſt der Jüdin und des Blitzes, des Clari und der Königin von Cypern und der beſtändige Secretär der Akademie der ſchönen Künſte hätte niemals exiſtirt. Das ſind die Reſultate jenes Syſtems.

Endlich im Jahr 1827 wurde im Theater Feydeau eine kleine

Operette in einem Acte, l'Artisan, von ihm aufgeführt, deren Li⸗ bretto aber ſo unbedeutend war, daß es keinen Componiſten zu be⸗ Nichts deſto weniger war der erſte Schritt

geiſtern vermochte. gethan, dem bald der zweite folgte, denn im Jahr 1828 compo⸗ nirte Halévy in Gemeinſchaft mit Riffaut ein Gelegenheitsſtück, le Roi et le Batelier für den Geburtstag Karl's X. Kurz nach⸗ her erhielt Halévy am italieniſchen Theater den Poſten, den Ge⸗ ſang mit dem Piano zu accompagniren. Hier traf er die berühmte Sängerin Madame Malibran, ſtudirte ihren Styl, ihr Spiel, ihre Stimme, und ſchrieb für ſie die Hauptrolle der Oper Clari in drei Acten, die im Jahr 1829 auf dieſer Bühne zur Aufführung kam. Durch das Talent dieſer großen Sängerin unterſtützt, erlangte dieſe Oper einen glänzenden Erfolg, und competente Richter erklär⸗ ten Halévy für einen erfahrenen Componiſten.

Von den 24 größern und kleinen Opern und Balleten, welche Halévy zwiſchen 1830 und 1858 componirte, iſtdie Jüdin die⸗ jenige, welche ſeinen Ruf am feſteſten begründete und ihn auch im Auslande verbreitete. Sechs Monate nach der erſten Darſtellung der Jüdin(1836) wurde ſeine neue Oper 1'Eclair(der Blitz) in drei Acten in der Opéra Comique aufgeführt, und in Folge deſſen verlieh der König Ludwig Philipp ihm den Orden der Ehrenlegion.

Zur Vervollſtändigung der Biographie Halévy's wollen wir noch erwähnen, daß er im Alter von 17 Jahren(1816) bereits die Stelle des Profeſſors des Solfeggio am Conſervatorium be⸗ gleitete. 1827 wurde er der Nachfolger Dauſſoigne's als Profeſſor

der Harmonie und des Accompagnement; 1833 übernahm er an Fetis' Stelle den Unterricht der Compoſition. Im Juli 1836 wurde er an Stelle des verſtorbenen Componiſten Reicha zum Mitglied der Akademie der ſchönen Künſte gewählt, und acht Jahr ſpäter, am 29. Febr. 1844, ernannte dieſelbe Akademie ihn an die Stelle von Raoul Rochette zu ihrem beſtändigen Secretär. Gerade in dieſer Stellung, welche die Arbeiten der verſchiedenen Sectionen der Akademie umfaßt, bot ſich für Halévy die Gelegenheit, ſeine geiſtige Ueberlegenheit zu zeigen. Er verſtand als belehrender, deutlicher und beſtimmter Schriftſteller, als ſcharfſinniger und pikanter Biograph, in ſeinen Notizen oder Berichten, die er einem eleganten und wiſſenſchaftlich gebildeten Publicum vorlas, ſich ebenſo fern von einem leeren Geſchwätz, wie von dem Pedantismus zu halten. Wenn er eine wiſſenſchaftliche Frage zu beſprechen hatte, ſo ſtand ihm die Kunſt zu Gebote, ſie kurz und doch hin⸗ reichend genug zu behandeln, um die Gelehrten und Sachverſtän⸗ digen zu befriedigen und gleichzeitig mit genug Leichtigkeit, um auch der Wißbegierde der Uebrigen zu entſprechen.

In Bezug auf Halévy ſagt Prevoſt Paradol in ſeinen Nouveaux essais de politique et de littérature:

Der neue beſtändige Secretär hat ſich ſofort mit großer einſichtsvoller Leichtigkeit die Art der akademiſchen Autte ſun en zu eigen gemacht. Er weiß, wie man beginnt und wie man endigt, wie man in die Erzählung eines arbeitſamen und friedlichen Lebens einige pikante Anekdoten einſchaltet, oder wie man mit der

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