Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
294
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Die kaiſerlichen Truppen wunderten ſich baß, als ſie! die niedergeworfene Stadtmiauer und die durchlöcherten Thürme und Häuſer erblickten. Auch Piccolomini, der unter feierlichen Kanonen- und Musketenſalven ſeinen Einzug hielt, ſtaunte darüber, wie man einen ſolchen Ort ſo lange gegen einen dermaßen mächtigen und grimmigen Feind habe halten können, und berichtete die Standhaftigs keit und tapfere Gegenwehr der Garniſon und Bürger. ſchaft bei ſeiner kaiſerl. Majeſtät ſowohl, wie bei ſeiner kurfürſtl. Durchlaucht.

In der Stadt aber hat man nicht allein alsbald nach Abzug des Feindes Gott dem Herrn in gehaltenen Bet⸗ ſtunden für die erzeigte Hülfe und Rettung gedankt und das gewöhnliche Te Deum laudamus mit herzlicher Freude und Andacht geſungen, ſondern iſt hernach auch ein beſonderes Dankfeſt deßwegen angeſtellet und in allen Kir⸗ chen hochfeierlich begaugen worden, da denn vor und nach den Predigten mit allerlei Inſtrumenten lieblich muſiciret und die göttliche Majeſtät für allergnädigſt erwieſene Hülfe, Schutz und Erlöſung von Herzen geprieſen wurde. Dabei iſt zugleich augeordnet worden, daß dieſes Dankfeſt, ſo lange die Stadt nach Gottes Willen ſtehen möchte, jedes Jahr feierlich begangen werde, Gott zu ſtetem Preiſe und Lobe, den Nachkommenden aber zur Erinnerung und zum Gedächtniß an eine ſo harte und höchſt gefährliche ausge⸗ ſtandene Belagerung. 8

Die löbliche alte Bergſtadt war für das Königreich Böhmen und die Erbländer eine recht feſte Wehre geweſen, und ſehr groß in und außerhalb der ſächſiſchen Grenzen die Freude über dieſen Erfolg gegen die Schweden. Bür⸗ germeiſter und Commandant wurden auch vom Kurfürſten mit hohen Ehren und goldenen Ketten belohnt, mit einem Erſatz des gehabten Schadens und aufgewendeter Koſten ſah es aber mißlich aus und blieb es in dieſer Hinſicht faſt bei bloßen Verſprechungen. Auch niiſchte ſich in die Freude der Freiberger tiefer Kummer.

Uovellen-Zeitung.

VIII. Jahrg.

In der Stadt waren ganze Gaſſen ſo durchlöchert, daß die Häuſer nicht bewohnet werden konnten; alle Nah⸗ rung und Gewerbe ſtockten, die Vorſtädte und Umgegend waren gänzlich verwüſtet und auf den Bergwerken die grauſamſte Zerſtörung augerichtet. Die Fahrten waren vernichtet, der Vorrath an Erzen verſchüttet, die Werke, Glätte, Heerde und Anderes in den Hütten weggenommen, die Räder und Wellen zerhauen, die Oefen eingeworfen, die Künſte und Zeuge verbrannt, Huthäuſer niedergeriſſen, viele Zechen erſäuft und überall unbeſchreiblicher Schaden angerichtet. Dadurch und der ſchweren Zeitläuften wegen wurde mancher Wohlhabende zum Bettler; faſt Niemand aber hatte ſo herbe Verluſte erlitten, wie der Bräuherr Volkmar, deſſen Hauptreichthum in ſeinen Kuxen beſtand, der hinfort nicht mehr, wie zuvor, der reiche Volkmar ge⸗ nannt werden konnte. Mit der ſonſt ſo einträglichen Brauerei ging es auch ſehr ſchlecht; es fehlte an Getreide, und überdies konnte das Bier, welches ſonſt in aller Herren Ländern willkommen war, bei der jetzigen Unſicherheit der Laudſtraßen nicht verſchickt werdeu, wie denn der Handel gänzlich darnieder lag. Dazu kamen bei Volkmar zahl⸗ reiche Verluſte an den Geldſummen, die er, und leider auf ſehr wucheriſche Zinſen, ausgeliehen; hal doch, wie das Sprüchwort ſagt, wo nichts iſt, ſelbſt der Kaiſer ſein Recht verloren. Seine Beſitzungen auf dem Lande waren ruinirt und die Trümmer ſeines früher ſo großen Reich⸗ thums ziemlich kärglich. Jetzt zeigte es ſich auch, wie we⸗ nig es ſich auf die Gunſt Vornehmerer bauen läßt. Da nicht allein ſein angeſehener Eidam todt, ſondern anch ſein Geld und Gut größtentheils dahin war, verachteten ihn die aus den Geſchlechtern und dem Rath, da er doch urſprüng⸗ lich nicht zu ihnen gehörte, ſondern aus vem niedern Bür⸗ gerſtande ſtammte. Die Verzweiflung über das gehäufte Unglück zog ihm ein langes ſchweres Siechthum zu, das ihm jedoch zum Heile gereichte. Die Schmerzen der Krank⸗ heit, das Dräuen des Todes zeigten ihm ſein bisheriges,

Meeresboden neu aufzutauchen hätten, und wiederum die Grenzen der Höhe kennen, bis zu welcher im Norden die Fluth Continente und Inſeln verſchlingen darf. 6.

Aus der Gegenwart.

fromental Haléon.

Am 17. März c. Nachmittags 3 Uhr entſchlief in Nizza der allgemein bekannte und geachtete, ebenſo geſchickte und gelehrte, wie fruchtbare, franzöſiſche Componiſt Fromental Halévy, ein voll⸗ kommener Theoretiker, Profeſſor der Compoſition am Conser- vatoire de Musique, Mitglied des Inſtituts, beſtändiger Secretär der Akademie der ſchönen Künſte und Commandeur der Ehren⸗ egion.

Die Nachricht von dieſem Todesfall erregte in Paris allge⸗ meine Theilnahme, und die ganze Stadt bot den Anblick einer allgemeinen Trauer. Halévy war nämlich nicht bloß ein berühm⸗ ter Tonkünſtler, ſondern in ihm gab es, wie ein Pariſer Blatt am Tage nach ſeiner Beerdigung bemerkte, noch etwas ganz Anderes, als die ſchöne Gabe, durch die Töne zu rühren und durch eine kunſtgerechte Harmonie die größten und ſchönſten Wirkungen der menſchlichen Leidenſchaften zu ſchildern; denn Halévy war außer⸗ dem mit einer jener in einer gewiſſen Art encyklopädiſchen An⸗ lagen begabt, welche den Schlüſſel zu den verſchiedenen Künſten, dieſen verſchiedenen Arten des Ausdrucks, geben oder vielmehr ſind, welche Gott zum Dienſte des Menſchen geſtellt hat, um ſie ſich zu den verſchiedenen Arten des Wahrnehmens und Fühlens an⸗

zueignen; er hatte ſich durch die bloße Einſicht der Beziehungen,

welche zwiſchen allen Formen des Gedankens beſtehen und die nach Cicero's Worten ein Band und eine Art von Verwandtſchaft, quadam cognatione, unter ihnen herſtellen, zum Mittelpunkt Aller gemacht, die ein intelligentes Leben führen und ſich mit der Cultur

des Geiſtes in allen Ordnungen der Ideen beſchäftigen; Halévy,

der durch die Stellung, welche er bekleidete, mit allen Claſſen der Geſellſchaft in Berührung kam, war ſchließlich von Allen geſchätzt, geehrt, geliebt, nicht bloß wegen ſeiner ſeltnen Talente, ſeiner reichen Fähigkeiten, ſeiner Anlagen jeder Art, ſondern wegen der Grazie ſeines Geiſtes, Geſchmackes und vollkommenen Maßes, das er in allen Dingen zeigte, wegen ſeiner Herzensgüte, der Gleichförmigkeit und Heiterkeit ſeines Charakters, der Sicherheit und Leichtigkeit ſeines täglichen Umgangs. Jacques Frangois Fromental Elie Halévy wurde am 27. Mai 1799 in Paris als Sohn einer iſraelitiſchen Familie geboren, und gab ſchon ſehr frühzeitig Zeichen vorzüglicher Geiſtesanlagen. Er war noch nicht ganz zehn Jahr alt, als er am 30. Jan. 1809 als Schüler in der Claſſe des Solfeggio unter Cazot in's Conſervatoire eintrat. Im

folgenden Jahr hatte er Charles Lambert zum Lehrer des Piano.

Im Jahr 1811 nahm er bei Berton Lectionen in der Harmonie,

worauf er fünf Jahr lang unter Cherubinis Leitung, deſſen Lieb⸗

lingsſchüler er wurde, den Contrapunkt ſtudirte.

Nachdem Halévy zehn Jahr lang ſeine muſikaliſchen Studien ſehr fleißig und beharelich heteieben hatte, bewarb er ſich mit um den großen römiſchen Preis, und er verdankte ſeiner Cantate Her⸗ minie den Titel alsLaureat. Er reiſte indeſſen nicht ſogleich nach Rom ab, ſondern bliebenoch in Paris, um den hebräiſchen Text des Pſalm de profundis in Muſik zu ſetzen, der bei Gelegen⸗

nur auf Eitelkeit ichte, er derzen u Freilich! inſt an geben ihr wenigſter

Dieſ affectioni der Belc zute Ste holdſelig Volkmian männig und al Vollme Morge Mal; getroff auch u laden. falls ni giemet, ten ſich rieſer Ra

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