Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
292
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auch Gertraudt's reiche Ausſteuer verbraunt, die ſich in

dem Giebelzimmer befand, in welches die Granate einge⸗

ſchlagen hatte. Ueberdies war auch von dem Tiſchzeuge, wie von dem reichen Speiſe⸗ und Weinvorrath viel zu Gruſtde gegangen letzteres bei der engen Einſchließung der Stadt ein viel größerer Verluſt, als zu andern Zeiten, denn wenn auch an den nothwendigen Lebensbedürfniſſen bishero kein Mangel, war doch auch eben ſo wenig ein Ueberfluß von dem vorhanden, womit reiche Leute ihren Gaumen kitzeln. Näher als das Alles ging ihm jedoch der Umſtand, daß dieſe Heirath, auf welche er taub und unerbittlich bei dem Flehen und den Thränen ſeiner Toch⸗ ter ſo feſt beſtanden, die er ſo ſehr beſchleunigt hatte, nun doch nicht zu Stande gekommen und in ungewiſſe Ferne hinausgeſchoben war. Das Volk aber, gewöhnt in allem Außerordeutlichen die unmittelbare Einwirkung Gottes zu ſehn, fällte das einſtimmige Urtheil, der Herr habe ihn dafür geſtraft, daß er in ſo bedrängten Zeitläuften ein ſo üppiges, verſchwenderiſches Feſt zu feiern geſonnen, ſtatt mit Gebet und Buße anzuhalten, und auch die Geiſtlich keit neigte ſich dieſer Anſicht zu. Da wäre dann vorläufig nicht an vie Vollziehung der unterbrochenen Copulation zu denken geweſen, ſelbſt wenn der Feind Freiberg weniger bedrängt hätte, wie es von jetzt ab geſchah.

Deun ſchon am nächſten Tage begann wieder ein hef⸗ tiges Bombardement und wurde jeden Tag, oft auch Nachts, erneuert. Ein Thurm nach dem andern ſank zu⸗ ſammen und die Lage der Stadt wurde immer ſchwieriger. Einige Mal ließ Torſtenſon ſeine Völker mit fliegenden Fahnen heranrücken, doch kam es nicht zum Sturm, da die Vertheidiger auf den Wällen ſtets wachſam und bereit waren, den Augriff abzuſchlagen, das feindliche Geſchütz⸗ feuer auch nachdrücklichſt erwiderten. Am 4. Februar wurden die Bürger mit vielen und großen Feuerballen und Granaten geängſtigt, indem die Schweden binnen zwei Stunden an fünfzig in die und jene Gegend der Stadt

und ſo weit ſchleuderten, daß einige derſelben ſelbſt an der Domkirche niederfielen. Indeſſen gelang es, ſie zu löſchen, bevor ſie zündeten; allein bei dem heftigen Schießen wur⸗ den einige Perſonen getödtet und verwundet. Unter den letztern befand ſich auch der Muſterherr Kurt Freydiger, der ſeine Pflicht, die Vertheidiger zu beaufſichtigen und zu ermuthigen, redlich erfüllt hatte. Andreas Volkmar war außer ſich, da er hörte, es ſtände gar ſchlecht mit ſeinem künftigen Eidam, das beſſerte deſſen ſchlimmen Zuſtaud jedoch nicht. Auch Gertraudt war tief erſchüttert und pflegte den Schwerverletzten mit ſanfter Hand und mitlei⸗ digem Sinn. In dem allgemeinen Schrecken fand dieſer Vorfall jedoch weniger Beachtung, als ſonſt; war doch V Niemand mehr ſeines Lebens ſicher, konnte die Stadt doch binnen Kurzem in den Händen des erbitterten Feindes ſein. Denn ſelbiger nahm einen Theil des Rondels am Petersthore ein, ſetzte ſich im Graben feſt, ſchaffte Stroh und Reisholz herbei, um die ſchnell im Rondel geſetzten Bedartierkäſten anzuzünden. Die Bergleute bemühten ſich zwar eifrig, die Brennmaterialien durch Oeffnungen in ihren Gegenminen in die Stadt zu ziehen, doch blieb noch immerhin genug davon übrig, um Gefahr zu drohen.

Der Braud wurde zwar von den Bergleuten gelöſcht, doch

häuften die Schweden immer wieder Zündſtoffe an und ſetzten ſie in Flammen, wodurch ſie das Holzwerk am Petersthorthurm zerſtörten. Endlich, nach hartnäckiger Gegenwehr, bemächtigten ſie ſich der Trümmer des ge⸗ nannten Thurmes und beſchoſſen von hier aus die Peters⸗ ſtraße. Die Belagerten errichteten zwar in dieſer Straße eine Batterie, durchbrachen die Häuſer und beſetzten ſie mit Musketieren, verbaueten und befeſtigten auch die ge⸗ fährlichſten Stellen nach Kräften. Doch ſchien es nuumehr, ſelbſt die rühmlichſte Tapferkeit vermöge den Fall der Stadt nicht länger aufzuhalten. Schon verbreitete ſich im Lande das Gerücht, Freiberg ſei erobert, und in der hart⸗ bedrängten Stadt verzagte jetzt auch die Mehrzahl. Der

Feuilleton.

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Die Wiederkehr der Sündfluth.

Der Gelehrte Adhemar ſetzt in einer ausführlichen dem Laien ſchwer verſtändlichen Theorie die Wahrſcheinlichkeit auseinander, daß ſich circa aller 11,000 Jahre eine Sündfluth wiederholen müſſe, da der der Sonne abgewandte Pol jjetzt der Südpol) eine unverhältnißmäßige Eishaube bilde, dieſe das Erdgleichgewicht verändere, bei einer umgekehrten Declination durch mehr erhaltene Sonnenwärme abſchmelze und ungeheure Weltfluthen von Süden nach dem Nordpol ſende, während ſie zu Noah's Zeiten umgekehrt vom Nord⸗ zum Südpol geſtrömt ſeien. Die Erklärung iſt in ihrem weiten Umfange plauſibel. Der Dr. Dulk ſagt bei dieſer Gelegenheit als Erläuterer der intereſſanten Materie unter Andern:

ſähen allein die Sonne und die Planeten am Himmel wandeln; denn die Weltkörper, welche unſern Nachthimmel erleuchten, be⸗ durften bis 2 Millionen Jahre allein, um den geflügelten Boten, das Licht, bis auf die Erde in unſer Auge zu ſenden, und 350 Mil⸗

lionen Jahre wären nach Lavaſti's Verſuchen nur zur Abkühlung

der Erde in ihrem feſten Zuſtand erforderlich, ehe die Geſtaltung

und die Umwälzungen ihrer Oberfläche beginnen konnten, 600,000 G

Jahre berechnet Liebig allein für die Bildung einer Kohlenſchicht der Erddecke in Rheinpreußen. Mit einem Wort, die Angabe, daß im Jahre vor Chriſtus 3949 die Welt erſchaffen ſei, friſtet ſich wohl noch im Kalender ſein kümmerliches Daſein, aber aus

[VIII. Jahrg.

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den Büchern der Wiſſenſchaft iſt ſie geſtrichen, und wir beginnen die Welt nach Maßen zu meſſen, welche bisher uns Ewigkeiten dünkten.

So tritt denn auch die Erſcheinung des Menſchen als Gliedes des Erdlebens mit immer größerer Beſtimmtheit aus Zeitaltern lange vor der Noachiſchen Sündfluth hervor. Wunderbare Ent⸗ deckungen der Neuzeit rücken ſein wahrſcheinliches Auftreten bis

in die Dämmerung und das Chaos der Erdrevolutionen ſelber Wenn vor den wenigen Jahrtauſenden, die Moſes annimmt,

die Welt erſchaffen wäre, ſo ſähen wir heute noch keine Sterne,

hinaus, und laſſen uns jede ernſthafte Schätzung noch als voreilig erſcheinen. Nicht nur hat man Menſchenſkelete mit den Skeleten ausgeſtorbener Thiere vereint aufgefund en, nicht nur für den Fuß und die Kinnlade eines Menſchen nach ihrem Fundorte(in Flo rida) 10,000 Jahre berechnet, nicht nur nach Töpferſcherben, tie unter der Amenuphisſtatue, der ſogenannten Memnonsſäule gefun

ſchein

keine