Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
287
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Nr. 18.]

ſche Geſtaltungsweiſe des Mephiſtopheles im Fauſt, wie die Leſer bald aus einem Beiſpiel erſehen werden. Bei alledem folgt er einer originellen, wenigſtens in ihrer Aus⸗ führung neuen Idee. Er läßt eine Seele, und zwar eine moderne, ſehr gewöhnliche materielle, wie ſie zu ſeinen Leb⸗ zeiten einem ſogenanntenMann bei der Stadt, einem allgemein geachteten, innegewohnt hat, nach ihrer Tren⸗ nung von ihrem reſpectablen irdiſchen Körper vor das Himmelsthor wandern, wo ſie von Petrus wegen Unzu⸗ länglichkeit und Mangel an Geiſt des wahren Chriſten⸗ thums abgewieſen und in das Reich der alten fröhlichen Heiden, ins antike Paradies geſchickt wird. Aber auch hier findet ſie Ariſtophanes, der gerade Wache hält, unge⸗ nügend und unberechtigt und ſchickt ſie zur Hölle. Dieſe Wendungen ſind alle zwar geiſtreich und gefällig gehalten, aber man kann nicht verhehlen, daß man ſie ebenfalls un⸗ zulänglich und unbefriedigend nennen muß; denn ſie leiden an einer gewiſſen Profanation, welche ohne tieferen philo⸗ ſophiſchen Sinn und endlich ohne jenen feinen ſublimen Witz iſt, welcher für den Augenblick den Verſtand entzückt und Alles erlaubt macht. Kleine moraliſche Zwecke inner⸗ halb jener Profanation können nicht ſattſam entſchädigen.

Nachdem die Seele am Eingang der Hölle den Me⸗ phiſto trifft, läßt ſie ſich mit dieſem in ein Geſpräch ein, was ſehr viel unterhaltende ſatiriſche Stellen hat. Er verſichert ihr unter Andern, daß es noch Jedem ſo bei ihm behagt habe, daß Niemand wieder ans Fortgehen gedacht.

Hierauf ſagt Die Seele:

Das iſt ein Ruhm für dieſes Land, Drum bin ich auf's Weitre auch ſehr geſpannt, Doch Eines bitt' ich, Freund, Dich, ſage, Wie man hier zubringt ſeine Tage. Was kann man hier an Luſt erwarten? Kann man zum Club und zur Börſe gehn, Kann man eſſen, trinken und ſpielt man Karten, Bekommt man hier auch Journale zu ſehn? Iſt nicht an den Ecken wo angeſchlagen, Was der Fremde als Seltenheit Alles bewundert? Gibt's auch Theater? Verzeih meine Fragen.

Mephiſtopheles. Genire Dich gar nicht, und wären es hundert, Ich beantworte alle ſie ganz accurat. Im Grunde lebt man in unſerm Staat Mit der Erde durchaus in gleicher Weiſe; Man findet hier ſeine alten Kreiſe. Wer im Alltagsleben ſich wohl befand, Der iſt es auch wieder in dieſem Land; Denn's iſt hier wie bei Euch.

Die Seele. Recht ſchön iſt ja immer,

Daß es hier wie auf Erden und nicht etwa ſchlimmer. Doch freilich ließ ich die Hoffnung nicht ſchwinden, Es freundlicher hier als da drüben zu finden. Man ſagt uns: zu beſſerm Leben geheſt Du ein, als das, ſo Du hier verlaſſen.

Mephiſtopheles. Man ſagt ſo viel, Du ſelbſt nun ſteheſt Am Ziel die Wahrheit zu erfaſſen; Entſcheide ſelbſt, doch unbefangen,

Dritte Folge.

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Du darfſt hier nicht zu viel verlangen, Denn ſind Deine Anſprüche gar zu verwogen, So wird Deine Hoffnung natürlich betrogen, Doch läßt Du vorher ſie ein wenig nur ſchwinden, So wirſt Du Dich ſicher ganz wohl dabei finden. Du findeſt hier immer Dein Leibgericht, So viel Du begehrſt, man verſagt Dir's nicht. Doch daß wir es hier ſollten beſſer bereiten, Als Du's gegeſſen in früheren Zeiten, Das freilich ich nicht verſprechen kann, Das iſt auch zuviel verlangt, lieber Mann! Du findeſt hier Wein nach Deinem Geſchmack, Findeſt hier Deinen liebſten Rauchtabak, Doch ob's beſſerer grad' als auf Erden ſei, Das glaube ich nicht, ich geſteh' es Dir frei. Gewiß ſind hier Börſen und Clubs in Menge Und Journale von jeder Breite und Länge; DieAllgemeine liegt auch dabei, Doch Du irrſt, wenn Du glaubſt, daß ſie beſſer ſei, Als auf Erden; ſtets ſchreibt ſie für klingendes Geld, Und ſchreibt dann, was eben der Zahler beſtellt, Grad' ſo, wie ſie's immer gehalten hat. So findeſt Du hier auch ein jedes Blatt Aus den beiden Centren, der Linken und Rechten, Wie ſie alle heißen, die vielen ſchlechten, Mit Kreuzen und Adlern, mit Wappen und Bildern, Wozu da noch jedes beſonders Dir ſchildern... Die Seele.

Das nenne ich Ordnung, das iſt charmant, Dochdie Zeit iſt wohl ſelbſt bei Euch nicht bekannt?

Mephiſtopheles. Ei freilich, Du kannſt ſie zu leſen bekommen, Wir haben aus doppeltem Grund ſie genommen. Ihre Mitarbeiter und Dirigenten Gehören zu unſern beſten Clienten, Und dann paßt ſie herrlich für unſer Land, Denn in jedem Wort iſt ſie ennuyant.

Die Seele.

Und ſage doch, iſt auchder Wandrer hier? Denn lieb war vor Allen grad' dieſer mir, Der weiß ſo gut in das Kleine zu gehn, Und dabei vom Großen ſich fern zu halten, Von dem, was nicht Alle grad' gleich verſtehn.

Mephiſtopheles. Ganz recht, deun niemals iſt was zu ſehn Von Reflexion in ſeinen Spalten; Dann iſt er auch gar ſo kindlich bar Der Kenntniß von Allem, was iſt und war.... Doch höre noch Eines, bevor ich's vergeſſe, Das iſt Dir gewiß von dem größten Int'reſſe: Du weißt doch, in einigen Straßen werden Die Blätter früher vertheilet auf Erden, In denen nämlich, die bei den Wegen Dem Boten günſtiger ſind gelegen; Da handelt ſich's oft um mehrere Stunden; Nun wohl, an dem Ort, den Du jetzt gefunden, Da iſt man in dieſem Punkte ſo ſchnell, Und ſchaffet das Neuſte ſo raſch zur Stell', Daß man das Kommende anticipirt Und ſeine Blätter hier expedirt,