Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
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Freundſchaft und Patriotismus hingeriſſen hatte, ein Ziel zu ſtecken.

Wohl denn, begann er aufs Neue, den Blick feſt auf Lord Corhampton gerichtet,Excellenz ſind Statthalter von Irland, aber Sie haben noch keine iriſche Wohnung geſehen, wie ſie das engliſche Mitleid unſerer ärmſten Volksclaſſe gelaſſen hat. Möchten Sie die Gnade ha⸗ ben, einmal durch die Grafſchaften Carlow, Kilkenny zu reiſen und Sich die ſogenannten Dörfer dort zu beſehen. Vier nebeneinander gelegte Steinhaufen, deren Zwiſchen⸗ räume mit Lehm verklebt ſind, mit Stroh oder Binſen überdeckt, ſo, Mylord, iſt dort die gewöhnliche Hütte des

Landmannes. Sie hat kein Fenſter und keinen Schorn⸗ ſtein. Der Eingang iſt ein mit einem ſchlechten Bret

verwahrtes Loch, wodurch man nicht etwa geht, nein, hin⸗ einkriechen muß. Drinnen aber iſt der kleine Raum leer, kein Geräth, kein Gefäß; das arme Volk liegt oder kauert um ein kleines Torffeuer herum, deſſen Rauch die gauze Hütte erfüllt und durch das Thürloch ſeinen Ausgang uimmt. Daran erwärmen ſie ſich, daran kochen ſie die Kartoffeln, ihre einzige Nahrung, in ihrem einzigen Ge⸗ fäße, einem eiſernen Topf. Laub und Stroh iſt ihr Lager. Ihr Haus⸗, Tiſch⸗ und Bettgenoß iſt das Schwein, ihr einziger Reichthum das Fleiſch, was ſie davon zu hoffen haben. Und dies raubt ihnen gar oft der Zehntherr, oder die grauſame Härte des Grundbeſitzers oder ſeines Gene⸗ ralpachters. Allein dieſe Wohnungen ſind doch wenigſtens geſchloſſen, geſchützt von oben, Paläſte zu nennen gegen die Wohnungen des Elends in Cork und Tipperary, in die Wind und Regen freien Eingang haben; dort trifft man ſelten auf demn Lande eine gedeckte Wohnung an; dort wohnt in einer Höhle der Ire, der Unterthan der Krone Groß⸗ britanniens, gegen den der Paria in Indien ein beneidens⸗ werther Mann iſt.

Sir ſagté der StatthalterIhr Gemälde iſt theilweiſe eine ſchreckliche Wahrheit. Ich wollte, zehn

Uovellen-Zeitung.

fengliſche Pairs wären hier zur Stelle und hätten Ihre Schilderung vernommen. Leider ſind mir Grenzen gezo⸗ gen; ich kann wohl Vieles, aber nicht Alles.

Der Ire, Mylord, muß langſam verhungern und erfrieren, mitten unter den Schätzen, die Gottes Vaterhuld ſo freigebig um ihn aufgehäuft, die ihm die engliſche Ariſtokratie, die hier Herr iſt, entreißt; und ſtiehlt er in der allerhöchſten Noth, was ihm einſt von Gott und Rechts wegen erb⸗ und eigenthümlich gehörte, ſo wird er als ein Ehrloſer gebrandmarkt und gehängt. Sind dieſe drei Millionen Menſchen in Lumpen, die nie ein ganzes, nie ein neues Kleid tragen, dieſe halbnack⸗ ten, hungerſterbenden Skelette, ſind jene Tauſende von Hülten, in denen man drüben im Schweſterlande, aus Mangel an Luft, nicht einmal das gemeinſte Hausthier unterbringen möchte, jene Höhlen des Elends, in denen die iriſchen Parias ihr elendes Daſein verſeufzen, ſind dieſe entſetzlichen Erſcheinungen der Entmenſchung nicht eine Gerechtigkeit und Vergeltung fordernde Anklage gegen die engliſche Verwaltung? Europa kennt unſere gräßliche Lage nicht; kennt ſie voch England kaum, und unſere Herren hüten ſich wohl herüber zu kommen. Sie haben einen Abſcheu gegen Irland, ihr Gewiſſen ſpiegelt ihnen Raub und Mord vor, und doch reiſt der Fremde in keinem Lande ſicherer als auf dieſer armen Inſel. Durch Eng⸗ lands Redefertigkeit werden wir auch noch um das Mitleid des Auslandes betrogen. Verzeihen Sie mir, Excellenz ſagte jetzt Laing, hielt einen Augenblick an und blickte dem Statthalter wie bittend in das auf ihn gerichtete Auge.Verzeihen Sie, daß ich ſo lange geſprochen, das Herz ging mir auf, das Gefühl riß mich hin.

Wenn dieſes ſtolze Gefühl entgegnete Lord Cor⸗ hampton in mildem Tonedas mir als Engländer wohl gefällt und das wir an allen Völkern ehren, Ihre Landsleute alle in gleichem Muße beſeelte, ſo würde meine Stellung, deren Schwierigkeit ich mir nicht verhehle, noch

trug 105,000 Dollars oder 21,875 Pfd. St., die durch eine Arbeit von nicht ganz zwei Monaten verdient worden waren. Die Arbeiter werden in Britiſch Columbia ſehr hoch bezahlt;

der geringſte Arbeiter verdient täglich 3 Dollars; Landarbeiter er⸗

halten von dem Farmer neben ihrem vollen Unterhalt monatlich 6 Pfd. St.; Handwerker täglich 5 bis 6 Dollars. Natürlich ſtehen die Preiſe der Lebensbedürfniſſe mit dem Arbeitslohn in gleichem Verhältniſſe, und daher iſt es dort ſehr vortheilhaft, Ackerbau neben dem Goldgraben zu betreiben, was von Vielen geſchieht. Goldgräber, deren Ausſichten auf Goldgewinn ſich nicht verwirk⸗ lichen, treten gegen Lohn in den Dienſt Anderer, die glücklicher geweſen ſind, oder überlaſſen ſich andern Arbeiten, die, wie geſagt, alle ſehr theuer bezahlt werden.

Schließlich ſagt der Correſpondent:Eine vollkommene Be⸗ ſchreibung der Goldfelder zu geben, iſt noch nicht möglich. Noch iſt Vieles unentdeckt und muß in einem Lande von der Größe wie Britiſch Columbia von 200,000 engl.[Meilen(8000 geographi⸗ ſchenMeilen) noch lange unerforſcht bleiben. Ein ſo großes Land, das ſo reich an Gold, Silber und andern Metallen iſt und ſehr viel Acker⸗ und Weideland beſitzt, iſt ein Reich und verlangt eine große Bevölkerung, um es gänzlich zu erforſchen. Es genügt zu ſagen, daß Gold an vielen Punkten über die ganze Oberfläche und in bisher unerhörter Menge gefunden worden iſt; die Gold⸗ felder in Britiſch Columbia ſind praktiſch, unbegrenzt und von einem unerſchöpflichen Reichthum. C.

Zur Culturgeſchichte. Cürkiſche gerechtigkeit.

Ueber den bekannten oder vielmehr berüchtigten Khurſchid⸗ Paſcha, der wegen ſeiner Betheiligung an dem ſyriſchen Blutbade zur lebenslänglichen Verbannung nach Rhodus verurtheilt wurde,

T

enthält ein Schreiben der Times einige Mittheilungen, die als

pikante Belege zu der ſprüchwörtlich gewordenentürkiſchen Ju⸗

ſtiz dienen können.Von Zeit zu Zeit, heißt es,haben Nach⸗ richten über die Art und Weiſe, in der die wegen des Blurbades in Syrien nach dieſer Inſel exilirten Verbrecher behandelt wer⸗ den, das Erſtaunen der weniger erfahrenen europäiſchen Bewoh⸗ ner Conſtantinopels erregt. Mitunter mögen ſich allerdings übertriebene Gerüchte über die Nachſicht, welche die türkiſche Re⸗ gierung notoriſchen Verbrechern gegenüber zeigt, verbreitet haben, indeſſen bleibt jedenfalls genug übrig, um das Benehmen der Per⸗ ſonen, die mit der Ausfübrung der Strafurtheile beauftragt ſind, allen denjenigen im höchſten Grade tadelnswerth erſcheinen zu laſſen, welche einigen Werth auf das Leben der chriſtlichen Unter⸗ thanen legen(wozu Lord Palmerſton und die Times nich gehö⸗ ren, hätte der Correſpondent bemerken ſollen). Khurſchid⸗ ſcha, zum Beiſpiel, der, wenn ich mich nicht irre, von den europe hen Commiſſären einſtimmig als des Todes würdig bezeichnet, Urtheil aber zu lebenslanglicher Gefangenſchaft gemildert wu verbringt hier ſeine Zeit in einer Weiſe, welche die glücklichſt der Schuldgefangenen im Umkreiſe der Queen's Bench oder de Palaſtes von Holyrood beneidet bätten. Er iſt freilich auf die Feſtung beſchränkt, aber unter dieſem Namen verſteht man die

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