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wäre. Torſtenſon hatte auf das Beſtimmteſte erklärt, er werde nicht eher abziehen, bis er die Stadt, uund ſollte er gleich bis Pfingſten vor derſelben liegen bleiben, inne habe, und verſpreche dann ſeinen Truppen Alles, außer dem Schloſſe und den Kirchen, preis zu geben. Auch wurden inzwiſchen unabläſſig neue Batterien und Blenden errichtet, die Laufgräben weiter geführet, Schanzkörbe herbeige⸗ ſchafft und Minen angelegt. Da aber kein eutſcheidender Angriff, kein Hauptſturm erfolgte, ſo blieben die Belager⸗ ten getroſten Muthes; der Schade, welchen die Außenwerke erlitten, wurde ſchnell ausgebeſſert, und der reiche Bräu⸗ herr Andreas Volkmar ſah keine Urſache, das Aufgebot ſeiner Tochter abzubeſtellen.
Daſſelbe fand alſo ſtatt, obwohl es Mancher miß— billigte, daß in ſo bedrängten Zeiten an eine Hochzeit ge⸗ dacht wurde und Volkmar Anſtalten zu großen Banketten und Feſtlichkeiten traf, während der Feind vor den Mauern lag und die Eingeſchloſſenen durch Buße und anhaltendes Gebet den gnädigen Beiſtand des Himmels zu erflehen ſuchten. Auch die Geiſtlichkeit war mit einer glänzenden Hochzeitsfeierlichkeit in dieſer Zeit ſchwerer Noth nicht einverſtanden, der hochmüthige Volkmar hätte es indeß niemals über ſich vermocht, ſein einziges Kind in der Stille copuliren zu laſſen, zumal es ihm einen ſo ange⸗ ſehenen Schwiegerſohn zubrachte.
Geld vermochte gar Vieles— die Anſtalten zu der glänzenden Hochzeitsfeier wurden alſo mit demſelben Eifer getroffen, als befinde man ſich inmitten des Friedens. Die junge Braut ward ſtündlich bleicher— ſchwand doch auch mit jeder Stunde mehr die ſtille Hoffuung, welche ſie im geheimſten Winkel ihres Herzens geheget hatte. Zu⸗ dem war Konrad nicht wiedergekehret und nur allzu wahrſcheinlich die Befürchtung, es ſei ihm ein Unglück zu⸗ geſtoßen.
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Am 21. gewann die Lage der Freiberger, beſon⸗ ders der in der Nähe des Petersthors und des Peters⸗ kirchhofes Wohnenden, jählings ein bedenklicheres Aus⸗ ſehen. Der ſchwediſche Feldherr ließ zwei Karthaunen aufpflanzen und den Petersthorthurm und den Waſſer⸗ thurm mehre Stunden unausgeſetzt beſchießen. Hierdurch wurde der Thurm ſammt deſſen Wehren ſo mitgenommen, daß man das Geſchütz auf den nächſtbelegenen Thurm ſchaffen mußte. Dazu verbreiteten die ſchwediſchen Gra⸗ naten und Feuerballen Schrecken in der ganzen Stadt, obſchon ſie bisher noch keinen wirklichen Schaden ange⸗ richtet hatten. Ja, eine halbe Karthaunenkugel, die durch das Waſſerthürmlein hindurch, hinunter in ein Haus der Sächsſtadt ging, ſtürzte hier eine Wiege ſammt dem Kinde um und fuhr zwiſchen zwei ſpielenden Kindern hindurch, ohne eins zu verletzen. War das nicht ein neues Zeichen der ſichtbarlichſten Gnade des Allerhöchſten? Es erhob auch mächtig den Muth der bedräugten Stadt.
Die folgende Nacht war es an großem Winde und Regen ſehr ungeſtüm, und zu dem Brauſen in den Wolken kam ein Donnern und Erſchüttern, wie bei einem Erd⸗ beben. Gegen Morgen ließ ſich ein furchtbarer Donuer⸗ ſchlag hören, mit ſo heftigem Wetterleuchten, als ſei der ganze Horizont eine Flamme, auch ſollen etliche Klumpen Feuer vom Himmel herunter und mitten zwiſchen die Feinde gefallen ſein. Ein gleiches Unwetter wiederholte ſich in der folgenden Nacht, wo es abermals unter einem natürlichen Brauſen zu vielen Malen wetterleuchtete, ſtark donnerte und außerhalb der Stadt einſchlug.
Am nächſten Tage, während es ſtark ſchneiete, ſprang ein Mann in den Stadtgraben, winkte den Vertheidigern auf der Mauer und ließ ſich von ihnen heraufziehen. Die Ueberraſchung war nicht gering, als man Konrad Werner erkannte. Er war auf dem Rückwege von Saitz in die Hände der Schweden gefallen, welche den Kaiſer⸗ lichen eutgegengerückt waren. Da ſie in die Laufgräben
und des Hafenſchutzes erhalten damit eine praktiſche Löſung, eine freilich durch das plötzliche Auftreten eines ganz neuen Mit⸗ kämpfers unerwartete Löſung, die wohl manche koſtſpielige Rech⸗ nung zerſtören mag. Sehr paſſend hat Capitän Eriesſon ſeiner für die Vertheidigung wie füͤr den Angriff gleich gelungenen Kriegsmaſchine den Namen„Monitor“ gegeben; ein Mahner, wie er ſagt, nicht allein für die Rebellen, welche daran die Ueber⸗ legenheit des Nordens gewahr werden ſollen, ſondern auch für ge⸗ wiſſe Admiralitäten weiter weg, welche ſich beſinnen mögen, ob ſie mit dem Bau ihrer ſchweren Fregatten für 3 ½ Millionen Doll. das Stück auf dem rechten Wege ſind, oder ob ſie nicht etwa vor⸗ kommenden Falls gegen dies kkeine unterſeeiſche Yankee⸗Unthier, welches, in 100 Tagen erbaut, nur 275,000 Doll. gekoſtet hat, den Kürzeren ziehen. Die von den Südländern mit Hülfe nördlicher und engliſcher Mechaniker und Arbeiter nach den neueſten eng⸗ liſchen Principien mittelſt unabläſſiger Arbeit von 10 Monaten hergeſtellte Panzerfregatte„Merrimac“, von ihnen dann„Virgi⸗ nia“ benannt, hat dieſe Erfahrung neulich gemacht. Nie hat eine ſo koloſſale Paukerei ſtattgefunden. Mit 184pfündern gewiſſer⸗ maßen über's Schnupftuch. Der Südländer hatte zunächſt ver⸗ ſchiedene Avancen. Er war erſtens fünfmal größer, und von mehr Dampfkraft. Der Lootſe des„Cumberland“, welcher die Be⸗ wegungen genau beobachtet hat, ſchätzt die Schnelligkeit des „Merrimac“ auf 9 Knoten, während der„Monitor“ nur 6 Knoten macht. Dann iſt die Armirung jenes Schiffes ungleich ſtärker. Er führt an jeder Seite vier 11zöllige Dahlgren und an beiden Enden eine 100 pfündige Armſtrongkanone, kann auch heiß ſchießen, s in der That geſchah; der„Monitor“ hat in ſeinem revol⸗
als ſein Gegner, der nur 10 Fuß machte.
virenden Thürmchen nur zwei 11zöllige. Dazu kam, daß eine
ſtürmiſche Reiſe, wobei die See ihn beſtändig bedeckte, oben in ſeinen Schornſtein ſich ergoß und das Feuer auslöſchte, die Mann⸗ ſchaft den größten Qualen und Leiden unter dem Waſſer ausſetzte, ſo daß ſie erſchöpft ankam, als der Kampf wüthete, und ſie kaum Zeit hatte ſich zu beſinnen. Das Schiff, welches nicht kalfatert war, hatte viel Waſſer, der Thurm, von deſſen leichter Beweglich⸗ keit ſo viel abhängt, war eingeroſtet und Alles unerprobt. Die Seefähigkeit, welche ſich dabei glänzend bewährt hat, war ſogar beſtritten. Dagegen kam ihm ſehr zu Statten, daß jenes andere Ungethüm 24 Fuß tief geht und darum weit ſchwerfälliger war Der„Monitor,“ ſagt ein Augenzeuge, umkreiſte den„Merrimac“ und verklopfte ihn wie ein Faßbinder ſein Faß. Das Duell eröffnete ſich auf ca. 50 Schritt. Die Kugeln flogen von beiden Seiten ab wie Gummibälle. Der „Merrimac“, endlich ungeduldig, daß der kleine freche Kerl mit ſeinen zwei Läufen ihm den Weg zu der prächtigen hülflos am Strande ſitzenden Dampffregatte„Minneſota“(ein Schweſterſchiff noch dazu, denn ſie wurden zuſammen 1855 gebaut) verlegte, machte daſſelbe Experiment, welches ihm Tags zuvor mit dem un⸗ glücklichen„Cumberland“ ſo gut gelungen war, dem er ſeinen weit unterm Waſſer vorſpringenden eiſernen Ramm tief in die Weichen bohrte. Aber es bekam ihm bei dem„Monitor“ ſchlecht. Dies ſcheinbare Floß war gefeit. Seine ſcharfe Kante bog den andrin⸗ genden Spieß um und trieb ihn in den Leib des Angreifers zu⸗ rück. Das wird er nicht zum zweiten Mal probiren, meint der Oberingenieur Stimer. Nun waren aber die Kämpfenden ſo nahe aufgerückt, daß ſie ſich fort und fort faſt berührten. Die Breitſeiten verſchlugen nichts, da von Ericsſon's Batterie nur der Thurm und das Steuermannshäuschen aus dem Waſſer reicht;


